Nun ist sie also fast vorbei, diese WM; drei Viertel jedenfalls. Sie ist vorbei für die Konsumenten von 16 Mannschaften und natürlich auch für diejenigen, die Costa Rica gegen Griechenland als Endspiel gewettet hatten. Gerade als man etwas die Geduld verloren hat mit der Vorrunde, beginnt nun etwas überraschend das Achtelfinale. Dem drögen Fußball der Gruppe H, in der sich Mutlosigkeit, Fahrigkeit, Naivität und schlichtes Unvermögen zu ungeahnten Leistungen anstachelten, folgt sofort ein Spiel, das eine Schlacht zu werden scheint, welche erst durch die Exekutive des internationalen Friedenskommitees Fifa entschieden wird. Denn ansonsten könnte die WM ja tatsächlich mehr als nur fast vorbei sein. 200 Millionen enttäuschte Brasilianer würden im Falle eines Scheiterns der Selecao gegen Chile einen Blick in Richtung Cuiaba und vor allem Manaus werfen und dort leerstehende Stadien entdecken, die nichts sind als die Ruinen einer Kultur der Ausplünderung, erbaut aus eigener wirtschaftlichen „Kraft“, mit einer Historie von finanzieller moralischer Flexibilität zu Gunsten eines Vereins(!), der in üblichen Weltwährungen eine zehnstellige Summe Reingewinn vermutlich nicht nur in die Schweiz transferiert.

Ob der fröhliche Sambamulatte, der im Vorspann von Übertragungen des ZDF(auch genannt öffentlich-unappetitliche Anstalt zur Verbreitung rassistischer Klischees) so gut gelaunt in seiner kunterbunten Favela glücklich ist, wohl weiterhin lebensfroh die Besucher aus dem Ausland toleriert (da sehen wir wieder was für ein schlimmes Wort Toleranz ist), wenn auf den Straßen von Santiago de Chile gefeiert wird, ist auch bei den Oberen des Weltfußballs eine Frage, die man am besten einem englischen Polizisten überlässt. I am definitely not amused!

Aber irgendwie muss es ja weitergehen. Zwar ohne ineffektive Asiaten, ohne einige große Namen und bis auf die Zufallsmannschaft Nigeria, die wenn man den Fußballs Bosnien betrachtet, eigentlich auch zu Hause sein müsste, ohne Teams aus dem afroamerikanischen Kontinent, die nicht nur fußballerisch ein ganz peinliches Bild abgegeben haben.

Die Zeit der Spiele, auf die ich mit dem Satz „Ich schau sie mir an liebe Leser, damit Ihr sie nicht ansehen müsst“ hätte ankündigen müssen, ist vorbei. Die Schiedsrichter, das Elfmeterschießen und hoffentlich die wirklich besten Teams übernehmen nun die Herrschaft.

Inzwischen hat eine internationale Expertenjury die Top-Elf der Vorrunde gewählt und war gerade bei Härtefällen ganz meiner Meinung.

  • Guillermo Ochoa
  • Jerome Boateng
  • Diego Godin
  • Mats Hummels
  • Marcos Rojo
  • Bryan Ruiz
  • James Rodriguez
  • Blaise Matiudi
  • Karim Benzema
  • Thomas Müller
  • Arjen Robben