„Lieber Fußballfreund,

und nicht liebe WM-Freunde, das erste Drittel der Vorrunde dieser WM ist vorbei. Fußballweltmeisterschaft möchte ich das Geschehene und Gesehene gar nicht erst nennen, denn weltmeisterlichen Fußball gab es gar nicht. Mit Mühe haben es einige Mannschaften zumindest teilweise auf ein Niveau gebracht, das rechtfertigt, die Protagonisten Profifußballer zu nennen. Spielerische, kämpferische und taktische Armut beherrschen diese Meisterschaft und nicht zu vergessen absolute Feigheit.“

So meine Aussage vor vier Jahren. Und in diesem Jahr kann man fast genau das Gegenteil behaupten. Das Niveau und gerade eben der Kampfgeist vieler Teams sind sehenswert. Die eine oder andere Mannschaft spielte im ersten Spiel so, dass man einfach feststellen muss:
Kann man machen!

Die großen Überraschungen blieben aus oder waren so wie es lief absehbar. Zwei Ausnahmen gab es. Die herzerfrischende Spiele von Australien und gerade Costa Rica.
Beide repräsentieren allerdings auch, dass es keinen taktischen Trend gibt, kein Muster, warum Mannschaften erfolgreich oder erfolglos sind. Die einen rennen und ackern sich in den Untergang, die anderen schaffen es trotz der klimatischen Umstände (ganz Brasilien ist voll davon) ihr körperlich intensives Spiel durchzusetzen. Dreierkette, Viererkette, Fünferkette. Unsinnige Diskussionen werden bislang endgültig zu dem gemacht, was sie sind. Dummes Gequassel von Leuten, die eigentlich nicht alle vier Jahre gefragt werden dürften. Leute, musste man sich teilweise einen Scheiß anhören, von Moderatoren, die als einziges taktisches Mittel verstanden haben, dass man große Spieler bei Standardsituationen nach vorne schickt. Die größtenteils rassistischen Klischees die bei solchen Gelegenheiten erbrochen werden sind ein Beweis, dass es Gott nicht geben kann, sonst hätte den einen oder anderen bereits den Blitz beim Scheißen getroffen.
Was der Schamhaarspender Steffen Simon (ARD) und vor allem Bela Rety (ZDF) abliefern ist schon ambitioniert. Es herrscht der unbedingte Willen Namen wirklich vollständig falsch auszusprechen, aber das auch noch im falschen Moment, wenn ein ganz anderer Spieler am Ball ist. Aber ihre Familien freuen sich!
Unterboten wurden die Leistungen dennoch von einigen Schiedsrichtern. Über die Fehlentscheidungen muss man ja hier nicht auch noch etwas schreiben. Bemerkenswert ist eher, dass die erste gute Schiedsrichterleistung ausgerechnet von einem wahrhaft Unparteiischen kam, der gerade nach Meinung der deutschen Öffentlichkeit als unerfahrener Exot gar nicht zu einer WM hätte zugelassen werden dürfen. Umso mehr sollte man Herrn Doue von der Elfenbeinküste dafür gratulieren.
Und herrscht in Brasilien der Heimat der Fußballbegeisterung nun Stimmung. Naja, beim Spiel des Weltmeisters gegen den Vizeweltmeister war das Stadion so leer, wie es hierzulande nur zu sehen ist, wenn 1860 ein Heimspiel in der Allianzarena hat. Und eine handvoll neutraler Iren hätte beim Eröffnungsspiel sicherlich über 90 Minuten die stimmliche Oberhand gegenüber den weißen Brasilianern aus der oberen Mittelschicht gewonnen, die sich den Luxus einer Karte für das Spiel leisten konnten, um einheimischen Schwarzen bei der Arbeit zuzusehen. Die geilste Stimmung machten einmal mehr die Mexikaner.
Wenigstens sind die Stadien fertig genug. Mehr braucht´s eigentlich, denn die Rasenflächen sind überraschenderweise klasse und blieben es selbst in strömendem Regen. (Also Wetter haben die in Brasilien, soviel davon kanns ja gar nicht geben)
Aber schimpfen wir mal nicht immer so gemein. Großartig ist, wie die Spieler miteinander umgehen. Wie teilweise herzlich sich entschuldigt wird, wie häufig Spieler ihr Fehlverhalten gegenüber den Schiris einräumen, das ist einmalig. Während sich 1966 die englischen Bobbies gewünscht hätten, sie wären bewaffnet, um einen Uru vom Platz zu holen, entschuldigte sich Maxi Pereira für sein Frustfoul mit Platzverweis gegen Costa Rica, so nett dass man ihn am Liebsten in den Arm genommen hätte, um ihn zu trösten.
Und gab es natürlich noch die Szene des Turniers. Nach gefühlten 500 Freistößen, die Christiano Ronaldo gegen Deutschland in die Mauer schoss, wollten die Deutschen es ihm nun einfach machen. Keine Viermannmauer, keine Dreimannmauer, nein eine Halbmannmauer stellten sie auf, so dass der Schiedsrichter es nicht mal für nötig hielt, seine alberne Sprühsahne einzusetzen. Das Ergebnis ist bekannt und selbst beim Schreiben dieser Zeilen kommen mir vor Lachen die Tränen.

Allgemein: So kann es gut weitergehen. Natürlich wird es wieder irgendein Spiel geben wie Nigeria gegen Iran, das 90 Minuten zu lang, die Frage aufwarf, wie diese Teams sich überhaupt qualifizieren konnten und das mit der bislang herausragendsten Schirileistung endete, dem Abpfiff. Doch sonst freut man sich auf mehr und nach den nächsten 16 Spielen wird auch der nächste Zwischenruf dazu beitragen.