Gruppe E

Schweiz, Ecuador, Frankreich, Honduras

Schweiz
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Der freie Schweizer hieß natürlich noch nicht Blerim, Granit, Admir oder Xherdan mit Vornamen, als dieser kühne Reim gedichtet wurde. Eher hieß er Urs oder Pirmin und machte sich nicht über den Text der Bundeshymne lustig, wie es wohl jedes fühlende Wesen außerhalb der Eidgenossenschaft tut, das den Text in Gänze kennt.
Für die nächste Bemerkung, ja Beleidigung möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Die Schweizer können unter Hitzfeld sicherlich die Belgier des Turniers werden. Seid mir nicht böse Schweizer und wartet erst noch einen Moment ab, bevor ihr die Reservistenschießprügel aus dem Schrank holt. Ihr Schwyzer seid mein Geheimfavorit. Nein, wirklich und tatsächlich! Und damit habt ihr die Belgier abgelöst, die ja selbst in den Wettbüros inzwischen mehr als nur geheim sind.
Die Nati (schlimm! Lasst Euch schnell etwas Besseres einfallen) ist jung, aber nicht zu jung, ist talentiert, aber nicht eingebildet, ist schnell, aber eben nicht durch einen Zurbriggen, sondern durch Speedy-bi, Speedy-bo, der schnellsten Maus vom Kosovo.
Und Kosovaren sorgen auch dafür, dass der gegnerische Spielaufbau nicht zu neutral gestört wird. Dazu gibt es einen Torhüter von Klasse. Eigentlich ist jede Position „chäch“ besetzt.
Ohne jeden Zweifel ist enorm viel drin für die Mannschaft, wenn die Spieler rechtzeitig verstehen, worin der Witz einer WM besteht. Aber Ottmar Hitzfeld ist ja ein geduldiger Mensch und erklärt den Witz in den nächsten Tagen sicher noch mal.
Tell´s Apfel fällt nicht weit vom Kinde, wie auch immer das Kind heißt. Am 25.Juni wird sich herausstellen, wo allerdings der Pfeil steckt.

Ecuador
Gemein, gemein, gemein! In der Gruppenphase kommt Ecuador dem Äquator nicht näher als Brasilia. Wie soll das gut gehen? Noch dazu da die Spielorte nicht besonders hoch über dem Meeresspiegel liegen. Ecuador ist nicht witzig, es ist so wenig witzig, dass allenfalls Peruaner Witze über das Nachbarland machen. Und, glaubt mir, schon der peruanische Witz ist sicherlich kein Grund in die westlichen Teile Südamerikas zu fahren.
Nein Ecuador ist sicher nicht lustig, dass Leben dort nicht lustig, sondern hart. Und diese Einstellung vermittelt auch die Nationalmannschaft, die Tricolor. Kaum auf dem Boden der Tatsachen angekommen, oder besser auf dem Niveau zwischen Meereshöhe und sagen mir 500 ü. N.N. setzt das Team auf Härte, nicht auf unfaire Härte, sondern eine Art Schmerzunempfindlichkeit, die anderen bei Zusammenstößen Schmerzen bereitet. Aber manchmal, keiner weiß wann und warum, kann das Team auch richtig feinen Fußball spielen. Die Spieler gehören dennoch nicht zur neuen Generation, die bis kurz vor das Tor kombiniert, sie stehen eher für den herzhaften harten Tritt gegen das Spielgerät. Es flattert zwar nicht so böse wie daheim auf fast 3000 Meter Höhe, doch die gegnerischen Torhüter sollten sich in Acht nehmen. Wenn nicht, dann droht den Andenkickern am Ende doch das Achtelfinale und dieses wieder nicht in Manaus.

Frankreich
Die nächste Tricolore, wie langweilig!
Jeder französische Präsident ähnelt im Laufe seiner Amtszeit sowohl im Äußeren als auch der Ausdrucksweise immer mehr Charles de Gaulle. Jeder Trainer der Nationalmannschaft nähert sich in Aussehen und Gestik mit jedem Tag im Amt Louis de Funes an.
Leider ist das auch schon das Witzigste, das man über den Fußball der selbsternannten Grand Nation sagen kann. Der Fußball der Bleus ist so witzig und originell wie Dany Boon´s Filme. Es bleibt dem Zuschauer, der ehrlich zu sich ist, das Lachen im Halse stecken, wenn er merkt, dass es nur eine mäßige Wiederaufbereitung von längst bekanntem ist. Gerade deswegen ist Frankreich spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg ja sooo beliebt bei den Deutschen.
Gleichwohl sollte man sich mit diesem Team beschäftigen. Wer die Franzosen je als Favorit angesehen hat, der sollte lieber Synchronertrinken schauen. Destotrotznichts gehört auch Frankreich zu den Geheimfavoriten, obwohl oder vielleicht auch gerade weil Franck Ribery ausfällt. Auch wenn Frankreich das gesellschaftliche Paradigma des Individualismus pflegt, so werden Genies doch von ihrer unmittelbaren Umgebung bis aufs Messer geneidet und gemobbt.
Die Seele des Spiels ist deswegen auch ein Arbeiter, eine Pferdelunge, die inzwischen sogar einen gepflegten Fußball spielen kann. Blaise Matuidi ist so ein unauffälliger aber effektiver Star geworden, einer der besten zentralen Mittelfeldspieler der Welt. Er ist einer der Spieler, der die Mitspieler besser aussehen lässt und zwar in einem solchen Maße, dass die einzelnen Spieler, die sonst nur in ihren Vereinen gut spielen, womöglich nun auch in der Nationalelf gut und erfolgreich zusammenspielen. Also vorsichtig vor den Franzosen, nicht nur wegen der Front National sondern auch wegen der Equipe National.

Honduras
Der Zwergstaat gelegen zwischen Ostamerika und Westafrozeanien wird nicht nur von Zwergen bewohnt. Schon der Entdecker Bas Theodorius van Jongvliet stellte fest, dass die Körpergröße der Eingeborenen zwischen deutlich über zwei Ellen, selten über vier Ellen betrage. Gesprochen wird eine Art friesisch-esperanto. Neben Wasserbeeren sind Tulpenbilderbücher der Hauptexportartikel. Das Land war schon fortschrittlich bevor spanienser Eroberer es für nicaruguayische Krone in Besitz nahmen. Die Erfindung des Flachholzes zur Abwehr von bösen Geistern und der fleischfressenden Machetie ist nur ein herausragendes Beispiel. Außerdem führte das Land als erstes die flächendeckende Heteroehe ein. Schon die indigene Urbevölkerung spielte eine Art Fußball. Dabei wurden Bananenstauden von schwerbewaffneten Horden, den sogenannten Ketiros in eine Art Tor getragen, das sich drolligerweise in den Laderäumen oftmals europäischer Schiffe befand.
Nun aber Ernst beiseite. Albernerweise nimmt das Team jetzt schon zum zweiten Mal in Folge an der Weltmeisterschaft teil. Und gerade die Schweizer haben böse Erinnerungen an das Spiel gegen Honduras, da sie das Achtelfinale vor vier Jahren eben gegen Honduras vergeigten. Auch diesmal heißt das dritte Gruppenspiel Schweiz gegen Honduras und findet im unberechenbaren Dschungel von Manaus statt. Honduras spielte vor vier Jahren schon gegen die Schweiz hart, wer die Fortschritte des honduranischen Spiels betrachtet, kann nur feststellen, dass sie heute noch härter spielen. Schade dass sich darauf konzentriert wird, denn Spieler wie die Palaciosbrothers oder Bengtson könnten sicher mehr. Wenn sich die Mannschaft nur auf Härte konzentriert, können sie den Heimweg von Manaus aus gerne auf dem Landweg bestreiten. Eine Laienspielgruppe stellt sich das in etwa folgendermaßen vor: