Gruppe D (Große Namen, nix dahinter)
Uruguay, Costa Rica, England, Italien
Uruguay, England, Italien? Todesgruppe? Eher das Gegenteil! Eher Überlebensgruppe. Viel mehr als große Namen gibt es nicht und doch werden zwei Mannschaften weiterkommen.

Der erste große Name ist
Uruguay
Doch trotz der recht niveauarmen Qualifikation in Südamerika musste das Team einsehen, dass ein großer Name noch nicht reicht, um sich ohne Probleme zu qualifizieren und mussten sogar gegen Jordanien in die Relegation und das, obwohl auch in der Mannschaft große Namen stehen. Luis Suarez war in Südamerika immerhin erfolgreichster Torschütze der Quali, doch Diego Forlan wirkt inzwischen nicht mehr wie ein erfahrener Spieler, sondern nur noch wie ein alter Spieler. Doch Cavani und eben Suarez sind ein Angriff vor dem nicht nur die Gruppengegner Angst haben sollten. Mal sehen auf was der Beißer Suarez Lust hat. Auf der Karte steht unter anderem Italienisch.
Die Frage ist, ob sich die durchaus hochklassig besetzte Mannschaft zusammenreißen kann und der drögen Quali ein gutes Turnier folgen lassen kann. Das Potential dafür ist vorhanden. Die Urus leiden seit jeher und zur Zeit ganz besonders unter der Wirtschaftskrise der Nachbarländer. Sie werden also auch unter der WM und Olympia in Brasilien zu leiden haben. Umso schöner wäre ein gutes Abschneiden. Dass sich der 16.Juli 1950 wiederholt verlangt niemand, doch insgeheim träumt man am Nordufer des Rio de la Plata schon davon. Ob das auch Jose Mujica tut, ist nicht überliefert. Dem knapp 80-jährigen Präsident des Landes würde es seine natürliche Bescheidenheit auch wohl verbieten. Ob der Ex-Tupamaro und Blumenhändler in seinem Domizil die WM überhaupt verfolgt, ist schwer zu ermitteln. Doch im Geschäft Fußball wäre es wünschenswert, wenn sich viele an dem Lebensstil des uruguayischen Präsidenten ein Vorbild nehmen würden. So wäre Kamerun inzwischen in Brasilien angekommen und die Proteste in Brasilienwürden sich gegen das IOC formieren.
Es muss ja nicht der 16. Juli sein, der 13. Juli langt auch.

Costa Rica
Auch „reiche Küste“ könnte man als großen Namen interpretieren. Im Fußball dagegen, können die Mittelmaßamerikaner froh sein, überhaupt einen Namen zu haben. Es gab schon relativ häufig ganz witzige Mannschaften aus dieser ehemaligen Bananenrepublik, die immer mehr zur Ananasdemokratie verkommt. Ein schon fast aufdringlich ökologisches Musterland, das manchmal auch die Schweiz Mittelamerikas genannt wird, besitzt eine Fußballmannschaft, die diesem Ruf im Gegensatz zu früher durchaus folgt. Alles ist irgendwie etwas witzlos und bräsig. Die möglichen Stars heben sich kaum ab. Das Spiel ist nicht mehr so einfallsreich mit schnellen Kontern wie früher, es wird eher gemächlich aus einer Fünferabwehrkette gespielt. Schade drum. In einer Gruppe, in der eine solche Mannschaft eigentlich nur gewinnen kann, fehlt auf diese Art leider das gewisse Etwas, um gegen die anderen Mannschaften mehr als nur ein paar Sympathiepunkte für den Außenseiter zu gewinnen.
So wird die Equipo schneller wieder daheim sein als nötig, aber kann sich dann um solch edle Ziele wie dem Delfinschutz widmen. Compañeros, wenn´s wenigstens Delphine wären!
England

Die erste englische Tugend lautet, andere zahlen und spielen zu lassen. England verkauft sich, verkauft London, verkauft den Fußball jeweils an die Meistbietenden. Dass diese selten in der EU sitzen, lässt die EU-feindliche Politik Camerons logisch erscheinen. Nur geht der Verkauf inzwischen so weit, dass sich einzelne Melonenträger wehren, fast immer gegen die Falschen, aber sie wehren sich, tun sie nicht?
London ist eine internationale Stadt. Die Immobilien gehören den selben Personen wie die Fußballvereine. Engländer können sich es gar nicht mehr leisten, dafür zu bezahlen. Es gibt in London dementsprechend so viele Erstligisten wie sonst nur in den schlimmsten Autokratien. Und den Besitzerin ist es höchstegal, wer für sie arbeitet, wer die Hausmeister in den Luxuswohnungen sind, oder welche Spieler den Aktienkurs der Vereine stabilisieren sollen. Und so fehlt dem englischen Fußball der eine oder andere Jahrgang, um die eigene Nationalmannschaft mit Spielern zu versehen. Die Premier League ist ein Musterbeispiel für die kommerzielle Ausbeutung des Fußballs, die keine Rücksicht auf die Fans oder jugendliche Spieler nimmt. Wie heißt es in einer Folge der modernen Sherlock Holmes- Serie: „ Das Vereinigte Königreich ist eine Petrischale für die restliche Welt.“ Und so ist der englische Fußball auch ausgehöhlt bis auf den Grund und besteht wie das gute alte England selbst in erster Linie aus Mythen.
Der englische Profilfußball empfand sich selbst als so überlegen, dass sich erst im Jahre 1950 just in Brasilien die FA dazu herabließ, ein Team zu einer WM zu schicken. Ergebnis: Vorrundenaus nach einer Niederlage gegen (ausgerechnet!) die USA. Joseph Gaetjens ein kleiner Amateur, der als ausländischer Gaststudent aus Haiti für die Vereigniten Staaten spielte, erzielte das entscheidende Tor gegen die damals professionellsten Spieler der Welt.
Nun geht es wieder nach Brasilien und England traut sich wieder anzutreten. Der Fußball auf der Insel ist inzwischen vor allem dank ausländischer Trainer so international geworden, dass dem englischen Team sogar das Saufen abgewöhnt wurde. Gut, vielleicht wird nicht mehr unheimlich sondern nur noch heimlich gesoffen und möglicherweise auch nicht mehr einheimische englische Getränke. Ein Fortschritt gegenüber früheren Generationen, immerhin.
Albion ist diesmal mit 20 nüchternen Spielern aufgebrochen, die im eigenen Land Hoffnungen wecken. Und was sich vor den Torhütern herumtreibt ist sicherlich nicht das untalentierteste, was England je ins Ausland schickte. Was fehlt sind jedoch klare Taktik, klare Ausrichtung des Spiels und was am Ende fehlen wird, ist der Erfolg.
Eines bleibt mir dennoch unklar. Warum folgt die Football Association nicht dem Beispiel Australiens und wird Mitglied der Asian Football Federation? Immerhin sind dort die großen Märkte! Und mit Europa hat das heutige England einfach nichts zu tun.

Italien
Italiens Fußball Nationalmannschaft ist als Turniermannschaft eine Weiterführung Schrödingers Paradox. Man weiß sie lebt, obwohl sie längst tot sein müsste. Die Squadra spielt somit auch auf verschiedenen Quantenebenen. Ist es traditioneller Catenaccio? Nein! Ist es Offensivfußball? Auch nein! Ist es Fußball, mit dem irgendeine andere Mannschaft dieser Welt erfolgreich sein könnte? Natürlich nicht! Hat Italien gute Spieler? Ja! Spielen sie auch gut? Nein!
Was soll man also von einer Mannschaft, deren Spieler teilweise so unbekannt sind, dass Juventus Turin nicht mal ein paar Prozente der Transferrechte besitzt, halten? Keine Ahnung, aber dafür spielen sie ja in Gruppe D.
Ein treuer Freund dieser Auslassungen, der nicht nur in Italien lebt, sondern der jahrelang den italienischen Fußball verteidigte, schrieb letzte Woche:
„Lieber Niko,
wie schlecht kann man eigentlich Fußball spielen? was die Italiener gestern gegen Luxemburg geboten haben, würde der lustigsten Bunga-Bunga Party die Libido schneller austreiben als ein unangekündigter Besuch der Guardia Finanza. Das Spiel erinnerte in seinen besten Momenten an Rentnersex, der immerhin den Beteiligten noch halbwegs Spaß zu machen schien – für den Zuschauer aber ein Graus jenseits des Zumutbaren darstelle. Wenn die so weiter spielen werden die am Ende doch noch ein Favorit fürs Halbfinale, weil nicht mal der masochistischste Gegner Lust hat gegen diese Jungens eine Verlängerung zu spielen.
ich bin immer noch tief geschockt – und das obwohl ich mir ja nichts erwartet hatte.“

Ein Böser, wer schelmisch dabei denkt. Ich glaube schon, dass es mehr Spaß machen würde Berlusconi beim Sozialdienst unter Alzheimerkranken zu sehen als ein Spiel wie Italien gegenwenauchimmer nachts zu betrachten. Doch es lohnt sich durchaus einen näheren Blick auf den 23 Mann Kadaver Italiens zu werfen. Da gibt es Anton Chigurh, der sich inzwischen mit einem Vollbart tarnt und den Fürsten Drac.. Buffon, der leider selten einen Umhang trägt und kopfüber von der Latte des Tores hängt. (Es wäre ein tödlich komischer Anblick) Beide sind so alt, dass sie sich die Ärzte mit Berlusconi teilen. Es gibt im Kader doch tatsächlich wieder Antonio Cassano, der seinen IQ hinter Handtaschendiebschläue versteckt. Da gibt es Balotelli, der einer der Größten sein könnte und doch im Wissen darüber stagniert und wie Beppe Grillo einfach nie weiß, wann es genug ist. Genügend interessante Teilnehmer de una festa sorpresa aber ohne bella compagnia!
Und doch kommen einige Spieler sicher in die engere Auswahl zum „Philosphen des Turniers“ und die Mannschaft spielt in Gruppe D, könnte im Falle einer Weiterkommens also halbwegs erholt sein.