Gruppe C
Kolumbien, Griechenland, Elfenbeinküste, Japan
Diese Gruppe ist sicherlich eine der interessantesten dieser WM. Vier Kontinente, vier völlig unterschiedliche Spielweisen und einige Geheimtipps tummeln sich hier. Da ist zunächst einmal:

Kolumbien
Einige der Spieler sind so alt, dass zumindest Halbbildung in präkolumbianischer Geschichte vorteilhaft ist. Faryd Mondragon und Mario Yepes, die beide immerhin im Kader stehen, können sich sogar noch an den letzten ausländischen Teamchef erinnern. Es brauchte schon einige Recherche, um herauszufinden, dass es sich dabei nicht um Alexander von Humboldt handelte. Der jetzige Teamchef Jose Pekerman ist eher dafür bekannt mit jungen Spielern erfolgreich zu sein. Dreimal führte er Argentinien zur Junioren-WM. Doch hat Pekerman auch eine Geschichte bei Männermannschaften im richtigen Moment alles falsch zu machen.
Natürlich fehlt bei dem Vorhaben Kolumbiens der Star der Mannschaft Radamel Falcao. Auf den zweiten Blick kann man allerdings feststellen, dass gerade die Offensive auch ohne Falcao eindrucksvoll ist. Adrian Ramos, der in der Bundesliga lange Zeit dieser Saison geglänzt hat, wird wohl höchstens die Rolle eines Jokers haben. Wer auch nur Ausschnitte der letzten Qualifikationsspiele gesehen hat, der hat festgestellt, dass Kolumbien begeisterungsfähig ist. Von einem Moment auf den anderen wirkt das Team als wäre der Pausentee durch eine Mass Kaffee ersetzt worden und als wäre darin womöglich eine Prise eines anderen traditionellen Exportartikels des Landes enthalten gewesen.
Wenn Pekerman nun im falschen Moment mal alles richtig macht, so kann man den Erben Humboldts, Escobars, Bolivars und Valderramas eine Menge Überraschungen zutrauen.
PS: Eine Inschrift, die erst vor kurzem entdeckt wurde und noch nicht wissenschaftlich veröffentlicht wurde, besagt, dass der letzte ausländische Vorgänger Pekerman´s ein gewisser Carlos Bilardo war. Weltmeister 1986

Griechenland
Was wurde nicht alles schon über die Westtürken geschrieben. Auch euer werter Bumann beteiligte sich daran und stellte schon vor vier Jahren viele Dinge über das Land klar. Doch zum Entsetzen jedes Fußballfans schafften es die Söhne und Enkel Rehakles es wieder, sich für die WM zu qualifizieren.
Vieles hat sich in den letzten vier Jahren in Griechenland geändert. Nennt es Verletzungspech oder auch Fortschritte bei den Künstlernamen, kein Mitglied des Kaders heißt offiziell Papadopoulos. Teilweise spielen die Westtürken inzwischen sogar griechisch-unorthodox. Wer die Mittellinie überschreitet, um etwas anderes als Zeitschinden zu betreiben, wird nicht länger zur Mannschaftskasse gebeten. In einigen Spielen der letzten anderthalb Jahre gab es sogar Ballstafetten, die zum Zwecke des eigenen Torerfolgs initiiert wurden und manchmal gar mit der Vollstreckung der Intention endeten. Doch der Vollstrecker, ein niederrheinischer Anwärter auf den Titel „Philosoph des Turniers“, ist spätestens nach dem Training unter Felix Magath beim FC Fulham so platt, dass sich in sämtlichen Poleis berechtigt Sorgen gemacht wird. Wird ohne Mitroglou nun wieder auf das „gräzisierende Moment“ (Gruß aus meinem Deutsch-Abi) zurückgegriffen? Es ist zu befürchten. Kaum zu befürchten ist jedoch, dass in dieser Gruppenkonstellation sich die Gegner im Achtelfinale Gedanken über die Westtürken machen müssen. Frei nach Robert Gernhardt:
Hellas, Land der Sonne, Land des Lichts,
ohne deine Sonne, seh man von dir nichts.

Elfenbeinküste

Die Elephanten sind ein gutes Beispiel dafür, dass der Kontinent voller Afroamerikaner ist. Wer hat Angst vom schwarzen Mann? Wenn er aber kommt? Dann laufen wir davon. Nun viele der Afroamerikaner der Cote d´Ivoire oder viele ihrer Vorfahren haben genau das getan und deswegen ist das melanistische Team größtenteils französich, mindestens so französich wie ihr Trainer jedenfalls.
Die Cote d´Ivoire ist leider ein Musterbeispiel für alle schrecklichen Vorgänge, die fast überall auf der Welt der Dekolonisation folgten. Ein Staat, wenn man das Gebilde überhaupt so nennen darf, der von den natürlichen Voraussetzungen her zu den reichsten Afrikas gehören würde, ist versunken in allen Übeln, von denen der Bürgerkrieg nur das deutlich sichtbarste Zeichen ist. Die alleszerfressende Korruption kann schon fast mit der moralischen Flexibilität der Fifa verglichen werden. Und niemand weiß, wohin das Geld verschwindet, das im Namen der Fifa bewegt wird. Seit der Handel mit Elfenbein verboten ist, sind Fußballer nämlich eines der erfolgreichsten Handelsgüter. Beveren spielte in der belgischen Liga teilweise ausschließlich mit Fußballern aus Abidjan. Manche dieser Spieler sind in Europa reich und berühmt geworden und Reichtum ist Macht. Und das ist das Hauptproblem des Teams. Zwei Fraktionen rund um zwei Weltklassespieler zerreißen die Mannschaft. Zum einen ist da eine Gruppe rund um Didier Drogba, der alleine noch vor wenigen Jahren im Stande gewesen ist, das Team zu einen und dem Bürgerkrieg zumindest eine Waffenpause zu befehlen. Auf der anderen Seite gibt es eine Sektion rund um Yaya Toure, dem Spieler der es als defensiver Mittelfeldspieler gelungen ist, in dieser Saison bei der geballten Offensivkraft von Manchester City Torschützenkönig des englischen Meisters zu werden.
Kein Fluch ist derb genug, um zu beschreiben, wie hochnotbeschissen und doch landestypisch diese Ausgangslage ist. Da landet das hochtalentierte Team zum ersten Male nicht in der absoluten Todesgruppe des Turniers und hat deswegen die Möglichkeiten weit zu kommen und dennoch sieht es so aus, als würde die Nationalmannschaft aus denselben Gründen seine Ressourcen sinnlos verschwenden, wie es seit Jahren ihre eigene Nation tut. Auf diese Art und Weise weiß man, warum man für den afroamerikanischen Kontinent leider schwarz sehen muss.

Japan

Spätestens seit der Schlacht von Hakodate zeigen sich japanische Weltmachtphantasien. Die eine oder andere davon ist im Laufe der letzten hundert Jahre durchaus krachend gescheitert. Im Ernst, wer hat denn heute noch ein Tamagochi? Andere sind nachwievor hochaktuell. Wer hat noch nie nach einem ausführlichen Besuch im Sushiladen oder im Biergarten beschlossen, Pearl Harbour anzugreifen?
Ein Freund, er möchte namentlich nicht genannt werden, informierte mich kürzlich darüber, dass Japan in der Sportart Frauenfußball Weltmeister ist und fragte mich, ob das wohl bei den Männern auch möglich sei. Was sollte ich entgegnen, außer dass die eine Sportart mit der anderen nichts zu tun hätte und dass ich glaubte, die von Norman Mailer beschriebenen anatomischen Besonderheiten von japanischen Frauen wären bei Männern wohl erst recht hinderlich.
Doch wer sich die Nationalmannschaft Nippons in den letzten Jahren betrachtete, wer gesehen hat, wie sie aufgezogen wie Duracellsammelkartenmonster jeden Gegner versucht haben in Grund und Boden zu rennen, dabei aber die Effektivität an den Tag legten, die ansonsten nur das Harakiribataillon des Friedenscorps offenbart, aber dabei einfach auch ungefähr nur das Glück eines ungesicherten Atomkraftwerkes im Angesicht eines zwanzigmeterhohen Tsunamis hatten, der, und so langsam möchte ich in aller Bescheidenheit zugeben, dass der Satz inzwischen etwas länger wird, als er ursprünglich geplant worden war, mag es für möglich halten, dass das Team der aufgehenden Sonne in Brasilien außergewöhnlich erfolgreich sein könnte. Die europäischen Vereine sammeln inzwischen japanische Spieler nicht mehr nur aus Marketingzwecken und das hat seine Gründe. Noch nicht glänzt der Samurai für jeden Fürsten, doch ist der Anteil wichtiger Spieler immer größer geworden. Wie auch andere Landsmänner dürfen auch Japaner nicht überall hinwechseln und dennoch davon ausgehen, ihre Leistungsfähigkeit und Begeisterung für das Spiel zu erhalten. Der größte Star Japans Honda, hat beispielsweise im Altersheim des AC Mailand gelernt wie die Oma im Hühnerstall zu fahren. Dennoch hat Alberto Zaccheroni der Trainer genug Möglichkeiten, um beispielsweise nach erschöpfender Laufleistung einen anderen Spieler zu bringen, der sich gleichermaßen in das Kollektiv einordnet.
Fazit: Japan ist mindestens so gefährlich wie Gezora! Und genau so amüsant!