Gruppe A

Brasilien, Kroatien, Mexiko, Kamerun.

Brasilien war früher der Grund für die bloße Existenz der Veranstaltung Fußballweltmeisterschaft. Als brasilianische Spieler in Europa noch eine exotische Minderheit waren und Länderspiele Brasiliens eine Rarität in den Medien waren, blieb die Vorfreude und schließlich der Genuss der Selecao zusehen zu dürfen das größte Vergnügen an einer WM. Die Art Pässe zu spielen, die Ballannahme und manchmal auch das Spektakel, das uns heute von der werbetreibenden Industrie als „Jogo bonito“ verkauft wird, war so ganz anders als der Fußball, den man sonst so sehen konnte, obwohl er regelmäßig in Schönheit starb.
Doch heute? Die Selecao mag in den Werbespots noch so herumkaspern, doch kann man das Spiel auf dem Fußballfeld leicht zusammenfassen: „Jogo feio“, das hässliche Spiel. Schwalben, wie einst von Argentiniern, hinterlistige Tritte, wie früher durch die Urus, Ellbogeneinsätze, die an die schlimmsten Phasen der Kroaten erinnern und natürlich das Lamentieren über absolut jede Entscheidung, wie es die Italiener dem Weltfußball beigebracht haben.
Schon beim Konfederations Cup war zu sehen, dass die ausführenden Organe der Fifa und der Sponsoren aber auch gar nichts unternehmen, um das Jogo feio zu unterbinden. Luiz Gustavo, der in der Bundesliga gerade einen Rekord an Platzverweisen erreicht hat, war der absolut fairste Feldspieler Brasiliens. Auf der anderen Seite stand ein Herr da Silva Santos Junior, kurz Neymar genannt. Dieser sicherlich talentierte und von der Werbung hochsubventionierte Spieler, hätte nach allgemeinen Regeln in jedem Spiel vom Platz fliegen müssen und man konnte keiner einzigen Aktion von Neymar vorwerfen, sie sei sauber gewesen. An anderer Stelle schrieb ich, Neymar spiele „nach Art der aufgebrachten Schwuchtel“. Ja, die Beschreibung passt und ist gleichzeitig ein literarisches Zitat. „Spaghetti a la Maricona Arrabiata“ kommen in dem genialen Buch „Mord im Zentralkommitee“ von Manuel Vazquez Montalban vor. Aber man weiß ja, woher das metrosexuelle regelautistische Eichhörnchen all das Benehmen hat. So langsam offenbart sich das steuerbetrügerische Vertragswerk zwischen dem FC Barcelona und Vater da Silva Santos. Der Senior wird für verschiedene Beratertätigkeiten entlohnt, unter anderem wurde offenbart, dass er auch für die Beratung der Freunde seines Sprösslings in Fragen von Nachtclubs in Barcelona bezahlt wird. Es kann sein, dass Neymar sogar das Fußballspielen beherrscht, nur ich persönlich möchte ihm nicht unbedingt zusehen.
Neymar als Beispiel für das Spiel Brasiliens heranzuziehen ist eigentlich nicht ganz richtig, da nicht die Offensive sondern vielmehr die Defensive das spielbestimmende Element der Mannschaft ist und diese wäre auch ohne Mithilfe der Schiedsrichter schwer zu überwinden.
Alles in allem muss man Brasilien als den logischen kommenden Weltmeister ansehen. Die Sponsoren, allen voran Nike üben Druck aus, auch die Fifa möchte, dass ihre Raubritterkampagne durch das größte Land Südamerikas einen erfolgreichen letzten Eindruck hinterlässt. Ähnlich äußerte sich vor kurzem in einem Interview Jorge Valdano, den man dafür bewundern darf, dass er sich von niemandem den Mund verbieten lässt. Ich habe wenig Hoffnung, dass diese Prognose nicht zutrifft und träume im geheimsten Eck meiner Phantasie, dass Brasilien im Viertelfinale Uruguay unterliegt. (war da mal was?)

Kroatien
„Mira kula si planina“ sang ein Tenor einst im entscheidenden Qualispiel gegen England. Frei übersetzt: „Mein Penis ist so groß wie ein Berg.“ Nur weil „l“ und „r“ verwechselt wurden, wie es sonst nur Japaner regelmäßig tun, kam nicht raus: „Schön sind deine Ebenen und deine Berge.“ Man wünscht sich Fortsetzung, wenn die Krawatten im Eröffnungsspiel auf die Gastgeber treffen, denn auch das Spiel in England ging gewonnen und der Versprecher wurde deswegen zur Legende.
Nun werden die Schachbretthooligans vom berliner Brüderpaar Kovac&Kovac durch die WM geführt. „Passt schon“ denkt sich der durchschnittliche Kroate, Hauptsache der Trainer ist kein Slawonier, Dalmate, Slovene, Bosniak,………..
Gregor von Rezzori beschrieb diese balkanesischen Eigenschaften immer wieder sehr sympathisch und witzig. Dort kann man gelegentlich erahnen, wie es zu geistigen Grenzziehungen kommt, während es in der Realität doch etwas schwieriger ist. Selbst jahrelang in Deutschland lebend und von deutschen Sitten indoktriniert, bleiben Krawatten großzügig wie nur wenige andere Völkchen. Manchmal hat das durchaus köstliche Auswirkungen, da sich Kroaten der größten Dummheit unserer dekadenten Zeit verweigern. Ernährung! Ein Kroate ernährt sich nicht, sondern isst. Naja und trinkt manchmal und das sah man auch den Fußballspielern früher an.
Heute sind die Spieler im rot-weißen Schachbrettmuster in allgemeinen durchaus fit, anders würden sie in den größten Ligen der Welt auch keine so gute Rolle spielen. Natürlich ist bei einem solch kleinen Land nicht jede Position doppelt wettbewerbsfähig besetzt, doch könnte die Mannschaft, wenn sie mit den Füßen und mit Köpfchen spielt, anstatt auf ihr traditionelles Ellbogenspiel zurückzugreifen, eine gute Rolle spielen. Ein Luka Modric gehört inzwischen zu den besten Spielern der Welt und wenn sich das Team an ihm, der dadurch auffällt, dass er quasi gar keine Fehler mehr macht, ein Beispiel nimmt, dann darf man auf das Abschneiden gespannt sein und sollte seine Konstitution darauf einstellen, mit ein paar Stamperln Sliwowitz mehr als üblich zurechtzukommen.

Mexiko
Ich werde gar nicht versuchen, meine Sympathien für die „Tri“ zu verheimlichen. Es ist aber auch wirklich schwierig, ein Grund zu finden, diese Mannschaft nicht zu mögen. Sie laufen, als wären die texanischen Grenzwächter hinter ihnen her, sie ackern, als würden sie dafür eine Greencard bekommen können, sie werden auch diesmal wieder die attraktivsten Fans haben und bis auf den einen oder anderen tatsächlich mysteriösen Dopingfall haben mexikanische Teams das Fairplay immer hochgehalten.
Leider gab es noch nie eine Mannschaft aus Mexiko, die nicht gerade im Umbruch war. Diesmal sind beispielsweise fast keine Spieler im Kader, die in Europa spielen. Der Beste von ihnen, Carlos Vela verzichtete sogar freiwillig auf die Teilnahme, da er sich psychisch und physisch überfordert fühle. Luis Montes, ein Schlüsselspieler in der Endphase der Qualifikation, brach sich bei einem Testspiel das Bein. Die U-17 Weltmeister von 2011 sind noch nicht so weit. Die Olympiasieger von 2012 versagten im ersten Teil der WM-Qualifikation so sehr, dass der Trainer insgesamt dreimal gewechselt wurde. Nie qualifizierte sich Mexiko derartig holprig und doch spricht Trainer Herrera vom Titel. Ich fürchte dieser Titel wird genauso einfach oder schwierig zu gewinnen sein, wie der Krieg gegen die Drogen. Eines spricht eher für den WM-Titel. Die USA mischen sich nicht ein. Wenn am Ende doch ein gutes Abschneiden der Mannschaft zu Stande kommt, lüfte ich respektvoll meinen Sombrero und stimme voller Freude in ein allgemeines „Ayayay, peng, peng“ ein.

Kamerun

Viele wird es sicher überraschen, aber Kamerun ist ein Nachbarland Brasiliens. Erst im Jahre 1912 erfand Wegener die Kontinentalverschiebung und sorgte damit dafür, dass Recife nicht mehr ein unbedeutender Vorort Doualas ist.
Kamerun an sich ist ja bereits eine ulkige Mischung aus portugiesischer, englischer, französischer und auch deutscher Kolonialgeschichte. Und so durften sich auch schon Trainer aus fast allen der früheren Mächte als Trainer abmühen, bis sie schließlich entnervt von den Machtspielchen zwischen Spielern und Verband aufgaben oder aufgegeben wurden. Im Moment unter Volker Finke ist die Situation erstaunlich ruhig, obwohl mit dem netten Sonnenkönig Samuel Eto´o („Ich werde hier schuften wie ein Neger, um zu verdienen wie ein Weißer“) der entscheidende Spieler immernoch im Kader steht. Für Finke ist sicherlich am Wichtigsten abzuwägen, wie entscheidend Eto´ööö ist. Denn ohne die Entscheidungen von Eto`ööööö zu respektieren, kann kein Trainer der Kamerunaden selbst Entscheidungen treffen. Aber Eto`ööööööö ist auch nicht mehr der Jüngste. Er schießt zwar noch immer so ansatzlos wie kein anderer Spieler, doch ist die Streuung der Schüsse größer geworden.
Finke ist jedoch nicht der einzige teutonische Kolonialfaktor, der sich positiv auf das Spiel auswirkt. Der Kumpel aus dem Pott Joel Matip bringt etwas ins Spiel, das Kamerun häufig gefehlt hat. Ruhe und Organisation im Abwehrzentrum ohne Grätschen, die selbst einem Baobab gefährlich werden könnten. Und ausgerechnet der trockene Hanseat Eric Maxim Choupo-Moting sorgt für Momente, die klassischer afrikanischer Spielfreude so nahe kommen, wie sie in Kamerun seit Roger Milla nicht mehr gesehen wurden. Nachdem die letzten fast zwanzig Jahre das Spiel der Kamerunaden für Gegenspieler und Zuseher eher eine Art Körperverletzung war, Spieler die dafür stehen (Makoun oder Mbia) gibt es zwar immernoch, muss man die Augen nicht sofort von Spielen der unbezwingbaren Löwen abwenden. Ein Fortschritt, der nicht mit Erfolg gleichzusetzen sein wird.

PS: Zwischen Schreiben und Veröffentlichung hat Kamerun dann doch sein übliches Gesicht gezeigt. Direkt nach Abpfiff des letzten Vorbereitungsspieles kam es zu Tumulten und das Team weigerte sich im traditionellen Prämienstreit das Flugzeug nach Brasilien zu besteigen. (Es geht um Summen, die Eto`öööööööööööööö bei seinem Engangement Anshi Machatschkala aus der Portokasse hätte zahlen können)
Afrikaaa, Afrikaaaaaaaa! Ohouohouohou!