Liebe Fußballfreunde,

Willkommen zu Bumann´s WM-Vorschau.

Teil I (Allgemeines)

Sportliche Großereignisse werfen ihre Schatten heute so weit voraus, dass man nicht weiß, ob man sich darauf freuen soll, oder den gutmenschlichen Wutbürger geben soll.
Doch für Leute, die die bevorstehende WM boykottieren wollen, ist eine Vorschau wie diese ohnehin nicht geeignet. Und so wollen wir das Gute sehen und das selbstermächtigte Friedensnobelpreiskommitee FIFA nicht als „vollkommen korrupt“ bezeichnen, sondern höchstens als „moralisch flexibel in finanziellen Angelegenheiten“. Und wenn hier gelegentlich von Seppi Blofeld die Rede ist, dann muss es wohl die Autokorrektur gewesen sein. Ernst Stavro Blofeld hätte es niemals gewagt, die Christusstatue auf dem Corcovado durch seine eigene Statue zu ersetzen. Wie kommt die Autokorrektur nur darauf Blofeld statt Blatter zu schreiben. Egal, im Laufe dieser Vorschau werden genug einschlägige Zeugen zitiert, von denen keiner dem FIFA-Sonnenkönig Korruption unterstellt.
„Korruption ist nur ein Schimpfwort für die Herbstzeiten des Volkes.“, sprach schon Nietzsche. Selbst für Katar 2022 war nie von einer Herbst-WM die Rede. Danke liebe Geschworenen.

BRASILIEN

Es ist aber auch ein Unglück, dass nicht nur die WM sondern auch Olympia nach Brasilien vergeben worden sind, eine schicksalshafte Fügung, vergleichbar damit, dass dem Erdbeben ein Tsunami folgt. Kann man ja als stolzer Brasilianer nicht damit rechnen.
Aber gut, da sind wir nun immerhin beim Gastgeberland angekommen und bei den drolligen Eigenschaften seiner Bewohner. Selbst wenn in Brasilien sicherlich besser oder (wenn man es bei dieser Ausdruckskrankheit sagen darf) hübscher Portugiesisch gesprochen wird, als sonst irgendwo auf der Welt, so heißt das noch lange nicht, dass dies eine Sprache des Geistes ist. Der durchschnittliche Brasilianer schafft es immerhin zwei bis drei X unfallfrei zu schreiben und sogar auszusprechen, wenn er einen Vertrag als Fußballer bei einem ambitionierten Erstligisten Absurdistans unterzeichnet. Das ist auch nicht viel weniger als es die brasilianische Literatur vollbracht hat. Der bekannteste Autor Paolo Coelho wurde einmal als der Schöpfer von „Glückskeksliteratur“ bezeichnet. Selbst solch wohlwollende Kritik hält Millionen von Lesern beiderlei Geschlechts und in beliebigen Altersklassen im Klimakterium nicht davon ab, diese simplizistischen Wohlfühlpseudospiritualität zu verschlingen, wie sonst nur Hartz IV-Anwärter aus den neuen Bundesländern die von Schweinsteiger angepriesenen Chips.
Kann sich trotz der immerwährenden Belästigung (selbst auf Kultursendern) noch irgendjemand an einen einzigen Kulturschaffenden Südafrikas erinnern? Natürlich nicht! Habe ich etwas verpasst, oder versucht man es gar nicht, die angeblich so reiche Kultur Brasiliens ähnlich aufdringlich zu vermitteln? Denn die Kultur beschränkt sich auf Samba, die Marschmusik Brasiliens. Doch ist man in Rio dann tatsächlich so ehrlich oder naiv, dass man tatsächlich jedes Jahr nicht nur einen „inneren“ Vorbeimarsch veranstaltet, sondern Sturmabteilungen von uniformierten Sambatänzern und Musikanten tatsächlich im wichtigsten Kulturevent des Landes paradieren lässt.
Tja, Brasilien und Deutschland sind sich nunmal ähnlicher, als man denken würde. Tatsächlich ist Brasilien inzwischen kurz hinter Deutschland in einigen Quellen als fünftgrößter Waffenexporteur der Welt genannt. Nicht nur am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Und so ist Deutsch auch im Bundesstaat Espirito Santo zweite Fremdsprache und Blumenau eine wichtige Stadt. Dort kommen die berühmten „Boys from Brazil“ übrigens nicht her, auch wenn eine Verschwörungstheorie dieses auf Grund der Häufung von Zwillingsgeburten behauptet.
Diese Auffälligkeit ist tatsächlich auch kein Grund dafür, warum es so viele Brasilianer gibt. Die Gründe dafür bleiben im Dunkeln. Zu behaupten die Bevölkerung würde „halt gerne schnackseln“, erklärt auch nicht alles. Seit dem 19. Jahrhundert bereits wird Homosexualität in Brasilien nicht mehr juristisch verfolgt und die Antidiskriminierungsgesetze sind vorbildlich. Auch in der größten Stadt des Landes Sao Paulo, von der Anthony Bourdain einst behauptete, sie sähe so aus, als hätte jemand Teile von Los Angeles auf die hässlicheren Teile New Yorks gekotzt, kann es eigentlich nicht häufig zur Fortpflanzung kommen. Zehn Tage vor der WM wurde von einem Verkehrsstau von 364 km Länge berichtet.
Kann man das noch als ein Problem der Infrastruktur bezeichnen? Kein Wunder, dass zehn Tage vor der WM das dortige Stadion zu einem Drittel noch nicht für Zuschauer geeignet ist.
„Ich habe noch keinen Beweis dafür gesehen, dass es illegale Transaktionen bei der Fifa gibt.“ (Dr. Kurt Bräsig)

Die Veranstaltung

Kommen wir nun also langsam zu dem einzigen Thema, das Brasilianer interessiert. Diese neue Mode, für Schulen und Krankenhäuser und öffentlichen Nahverkehr zu demonstrieren, wird auch wieder vorbei gehen, da sich selbst diese die Bevölkerung bald nicht mehr leisten kann. Spätestens nach Olympia dürften Netzhäute und Nieren ein erfolgreicher Exportartikel werden, mehr werden die Brasilianer der Welt wohl kaum mehr zu bieten haben.

Es nehmen also 32 Teams an der kommenden Veranstaltung teil. Lauter Ethnier im Übrigen, so viel Ehrlichkeit muss sein. Und die wenigsten davon sind, so beleidigend es für den deutschen Fan ist, kommen aus Tschland.
Dazu so einige Leute die man als Unparteische oder Schiedsrichter abqualifizieren kann. Fast bedaure ich, dass Herr Skomina aus Slowenien nicht dabei ist, der sich tatsächlich sämtlichen Kategorien entzieht, dessen Qualifikation es ist, auszusehen wie ein Schiedsrichter und beim Pfeifen nicht zu ersticken, was ihm allerdings wohl schon jeder Fan mal gewünscht hat.
Außerdem werden sozial bedürftige frühere (Mehroderweniger)Aktive in der sogenannten „Technischen Korruptionen“ anwesend sein, um den Brasilianer Neymar bei wirklich allen 64 Spielen zum „Spieler des Spiels“ zu „wählen“. Ein weiterer Beweis, dass gerade Sponsoren der Veranstaltung ganz ganz sicher nicht die moralische Flexibilität fördern.

So kann es nun bald losgehen, obwohl mir einige Mannschaften doch sehr fehlen werden. Wo sind bloß die ganzen skandinavischen Mannschaften, deren Fußballspiel so attraktiv ist wie Narkolepsie? (ausgenommen natürlich Satan Ibrahimovic)
Wo ist Antigua&Barbuda, die zu Beginn der Qualifikation so begeisternden Offensivfußball gegen Mannschaften wie Taka-Tuka-Land oder die 72 Jungfrauen Inseln spielten und deren Spieler Peter Byers lange Zeit die Torschützenliste der Quali anführte.
Wo sind die Ostgriechen, um sich vom Tränengas Erdogans zu erholen?
Wo ein Team, das von Rudi Gutendorf gegründet wurde, damit er noch die 300 Teams vollbekommen kann, bei denen er Nationaltrainer war?
Wo ist Österreich mit einem meiner absoluten Lieblinge, dem putzigen Sarottimohr, der doch tatsächlich all die Ursachen für brüllenden Nationalismus, all die Skifahrer bei der Wahl zum Sportler des Jahres geschlagen hat und ein sympathisches Gegenstück zum abscheulichen Alt- und Neonazi Strache ist.
Wo sind all die Briefkastenstaaten, mit den Adressen von Fifa-Tochterfirmen? Dass Delaware, Gibraltar, die Cayman Islands etc. nicht dabei sind, ist doch fast der endgültige Beweis für die unantastbare Reinheit aller Geschäfte der Blofeldfirma.

WIR und die WM

Wir, liebe Leser, die uns nicht den Unbillen von 1000 prozentigen Preiserhöhungen im Gastgeberland aussetzen wollen, haben immer noch das zweifelhafte Vergnügen die WM im TV zu verfolgen. Juhuuuu! Was kurbelt die Wirtschaft besser an, als bei fast jedem öffentlich-rechtlich übertragenem Spiel einen Bildschirm mit der nächsten Bierflasche einzuwerfen. Um was anderes als die Wirtschaft, das goldene Kalb, um das wir alle tanzen, geht denn die ganze Veranstaltung?
Besonders freue ich mich auf die Gäste im WM-Studio beim Spiel Elfenbeinküste gegen Japan. 3 Uhr ist einfach eine lustige Zeit, um Gäste zu empfangen. Wer da allerdings nicht mit dem Fahrzeug des Sponsors erscheint, nicht mit dem richtigen Deo und den richtigen Chips, sich am Ende sogar dem offiziellen Bier zu WM verweigert, den lass ich sofort von BND und NSA zur MPU antreten lassen. Bei Nichtbestehen, ab in die Psychiatrie. Nur weil Herr Mollath freigelassen wurde, heißt das ja nicht, dass andere uneinsichtige Querulanten schneller freikommen!
Also liebe Fußballfans, ich rate euch eindringlich: Freut euch auf die WM und ihre Kollateralschäden! Freut euch auf die kommende Vorstellung der 32 Mannschaften! Aber freut euch nicht zu früh darüber, dass es keine Vuvuzelas gibt! Die Sturmtruppen des Sambas sind ebenfalls bewaffnet und zögern nicht ihr Arsenal anzuwenden.

Bumann 2014