Gruppe H

Honduras, Chile, Spanien, Schweiz

Mannschaften aus Mittelamerika spielten in den letzten Jahren immer wieder eine sehr sympathische Rolle bei den Fußballweltmeisterschaften. Sie spielten, wie sie auch hießen, aber immer die selbe Rolle. Ob Bananenrepublik X oder Bananenrepublik Y, netter Fußball, der zu Überraschungen fähig ist, aber quasi niemals die Chance hat, die nächste Runde zu erreichen, weil die Spieler weder erfahren genug sind, noch die nötige Physis besitzen, um mit europäischen oder südamerikanischen Teams mitzuhalten.
Diesmal ist es also Honduras, diesmal heißen die Stars Suazo oder de Leon und sind durchaus über die Serie A hinaus bekannt. Auch Palacios kennt man außerhalb der Premier League, doch das Denkmal des Teams ist Pavon, einer der Spieler die in den letzten 15 Jahren weltweit die meisten Tore bei WM-Qualifikationen geschossen haben.
Heißt nicht auch so ein Präsident, Staatschef oder Juntavorsitzender, der aus Honduras nach Costa Rica oder Nicaragua fliehen musste? Oder floh der Ministerpräsident von El Salvador nach Guatemala. Oder hieß die Stadt so, die von einem Vulkan durch Erdbeben oder Hurricans verschüttet wurde? Ich weiß es nicht mehr. Trotzdem freue ich mich auf die lustigen Honduraner aus Costa Rica, auf diese guatemaltekischen Salvadorianer. Und wer weiß schon; vielleicht können die panamanesischen Nicaraguaner eine Mannschaft finden, die den Wert von Spielern aus Bananenrepubliken nicht richtig einzuschätzen weiß. Dann sind hübsche und spannende Spiele mit Costa El Honduragua möglich.

Geschüttelt und nicht gerührt wurden die meisten Spieler Chiles dieses Jahr bereits und zwar stärker als chilenische Spieler seit 50 Jahren durchgerüttelt wurden. Vielleicht gar nicht so schlecht für eine hochtalentierte Mannschaft, die sich selbst bereits für besser hielt als sie ist. So wurden den Spielern auch einige Flausen aus den Trikots geschüttelt. Denn ungeachtet von unbequemen Gedanken namens Realität halten sich gerade einige der jüngeren Chilischoten bereits für den kommenden Weltmeister, weil die WM-Quali einigermaßen souverän bewältigt wurde. Auch wenn die Wunschträume wohl kaum wahr werden, hat Chile in der Tat ein Team, das zu größeren Hoffnungen Anlass gibt als alle anderen Mannschaften seit fast 50 Jahren. Teilweise sind die Spieler miteinander groß geworden. Etwa ein Drittel überzeugte vor 3-4 Jahren bei der U-20 WM. Und Chile hat in der Tat wieder einen Torjäger von Klasse. Humberto Suazo kann eine Gefahr für jede Abwehr während dieser WM werden, nur ist er leider angeschlagen und Dopinggerüchte wabern um seinen Namen.
Eigentlich ist dieses chilenische Team ja zu spät dran. Diese junge, hart, aber nicht hinterlistig spielende und damit durchaus sympathische Mannschaft wäre ein schönes Symbol gewesen, die bleierne Zeit Chiles unter Pinochet in der Ansicht der Weltöffentlichkeit endgültig zu begraben. Gerade auch, weil der Trainer vom Erzfeind stammt. Und die Gauchos von der anderen Seite der Anden beißen sich tief in ihre durchgerittenen Ärsche bei dem Gedanken, dass nicht Marcelo Bielsa statt dem göttlichen DAM auf der Bank sitzt.
Und vielleicht schaffen es die Chilischoten ja wirklich, sich in einen Capsaicinrausch zu spielen. Dann ist vieles möglich. Ich weiß es seit einer Woche aus eigener Erfahrung. Rezepte für ein fast alkoholfreien, sommerlichen Erfrischungsdrink, der tatsächlich zu einem Capsaicinrausch führt, können bei mir bestellt werden.

Ach ja, kurz vor Ende dieser Vorschau sollte man doch erwähnen, dass es bei dieser Weltmeisterschaft doch eine Mannschaft gibt, die sich nur selbst schlagen kann. Ein Team, das eine Klasse besser ist, als alles andere was in acht Gruppen so herumgurkt. Nein ich rede nicht über die Schweiz; ich rede über den Europameister, den stolzen Torero aus Iberien, den Fußballpornographen aus Spanien. Ja!! Das Spiel der Spanier ist für alle anderen nur als Pornographie zu bezeichnen. Es macht einem den Mund wässrig, es macht einen so richtig geil, aber es bleibt dennoch unberührbar.
Die Darsteller allerdings haben etwas viel gearbeitet und vielleicht zu viele Awards gewonnen. Bei einer pornographischen Produktion mit elf Hauptdarstellern ist es aber auch wirklich nötig, dass alle gleichzeitig standfest sind. Etwas weniger geben geht dann nicht. Sonst kommt es zum Interruptus, wie beim sogenannten Kontinental-Cup im letzten Jahr.
Gerade wenn man mit den sieben Zwergen antritt, müssen alle bereit sein wirklich 100% zu geben. Das Spiel der Spanier ist enorm laufintensiv, nur so gelingt es, sich körperlich stärkere Gegner vom Leib zu halten. Der Aufwand ist enorm, das Ergebnis und damit meine ich nur den ästhetischen Ertrag ist gewaltig. Die einzige Frage, die sich zum Ertrag an Ergebnissen stellt, ist die Frage nach der Fitness. Sind alle Spieler, die gerade in der zweiten Saisonhälfte immer deutlicher Ermüdungserscheinungen hatten, wirklich vollständig fit? Wenn ja, dann könnte man sogar aus den Bankdrückern oder sogar aus den Spielern, die zu Hause gelassen wurden, eine Elf aufstellen, die zumindest das Halbfinale erreichen könnte.
Aber ich bin auch etwas parteiisch. Viele Mitglieder des Teams stammen aus einem Umkreis von fünfzig Kilometern rund um das Haus meiner Verwandtschaft. Der absolute Aufsteiger der Saison Jesus Navas ist sogar direkt in Los Palacios beheimatet und daher wird er wahrscheinlich auch schon bald aus Südafrika abreisen. Der Rechtsaußen ist dafür bekannt, dass er sogar bei längeren Europacupreisen extremes Heimweh bekommt. Wie soll das im südafrikanischen Winter gut gehen? Ayayayayayay Mama, ich bin so unglücklich. Ein Flamenco, wie auf der absolut genialen Platte „Duende y sabor de flamenco“ von Miguelito El Distinguido. Ich habe die andalusische Flagge jedenfalls seit dem EM-Finale nicht mehr weggeräumt und hoffe sie noch eine Weile liegen lassen zu können.

Von der Pornographie zur Neutralität. Kann sich noch jemand an das Spiel Schweiz gegen Ukraine vor vier Jahren erinnern. Was für ein geiles Spiel war das denn? Hat jemals eine Mannschaft die Staatsraison so konsequent auf dem Fußballfeld umgesetzt wie die Schweizer? Von Kanton zu Kanton wurde das Spiel daher bejubelt, aber das Ausscheiden bedauert. In allen Kantonen, nein in einigen wurde das kürzlich eingeführte Frauenwahlrecht, dafür verantwortlich gemacht und überhaupt diese tausende und abertosende Minarette und überhaupt die Banken und muss man sich noch von Deutschen mit Obervolta, nein Burkina Faso….
Die Schweiz hat offenbar Fortschritte gemacht. Sie entwickelt sich zu einer Fußballnation, die wie jede andere Fußballnation zunächst einmal allen anderen die Schuld an sowieso allem gibt. Und die U-17 Mannschaft ist Weltmeister geworden. Unfassbar! Aber die Spieler hießen auch nicht Zurbriggen oder Andermatt sondern Adili oder Ben Khalifa. Auf was möchten die Eidgenossen wohl eher verzichten, auf Fußballerfolge oder Minarette? Insofern zeigt gerade aktuell die Mannschaft der Schweiz, das Fußball eine gesellschaftliche Relevanz hat, die weit über Fähnchen am Auto oder Public Viewing hinausgeht.
Doch ein letztes Mal zurück zum Fußball. So sicher wie die Löcher in den Käse kommen, ist der schweizer Tell Alexander Frei pünktlich zum Auftakt der Meisterschaft angeschlagen, nachdem er sich von einer schweren Verletzung erholt hat. Mit Frei, würde ich sagen, hat die Schweiz die Chance auf das Achtelfinale. Ohne ihn werden sich Chili&Schoki sehr eng um das Achtelfinale balgen müssen, da Chile den Vorteil hat, erst im letzten Gruppenspiel auf die bereits qualifizierten Spanier zu treffen.

So Leute, jetzt wisst ihr, wer so teilnimmt, jetzt wisst ihr, dass die meisten Teilnehmer in jeder Hinsicht Ausländer sind. Jetzt habt ihr eine Ahnung, wer die Guten und wer die Bösen sind, wer die Guten und die Schlechten sind. Warum eigentlich alle Weltmeister werden und am Ende doch niemand Weltmeister wird. Die wahrscheinlich beschissenste WM mit der besten WM-Vorschau aller Zeiten kann losgehen.
Und richtig schön wird es auch danach, wenn man nicht mehr täglich über angebliche südafrikanische Kultur medial belästigt wird. Egal ob auf EndunterschischtenTV oder auf ARTE wurden alle südafrikanischen Kulturschaffenden bereits vorgestellt. Es waren überall dieselben und von irgendeinem nennenswerten Kulturwert war nicht einmal etwas zu ahnen. Lasst die WM bitte vorbeigehen und danach möchte ich von dem uninteressantesten Land dieser Welt, am Arsch eines der uninteressantesten Kontinente nichts mehr hören müssen.
Ich werde dann dafür auch eine Erkennungsmelodie schreiben: „Fuck off South Africa“