Todesgruppe G

Elfenbeinküste, Portugal, Brasilien, Nordkorea

Wie bei jeder größeren Meisterschaft gibt es auch 2010 eine Gruppe, die alle anderen an potenzieller Qualität deutlich überragt. Nach 2006 ist leider auch dieses Mal die talentierteste afrikanische Mannschaft in dieser Gruppe. Aber die Ivorer haben sich in den vier Jahren noch einmal deutlich verbessert. Jedenfalls in Sachen Fußball und das sowohl in der Spitze ihrer Stoßzähne als auch in der Breite ihres Elefantenhinterns. Die sind doch glatt so gut, dass sie sich nicht mit irgendwelchen deutschen U-21 Nationalspielern verstärken müssen. Wenn Afrika die Hoffnung auf eine Mannschaft setzen muss, dann kann diese Hoffnung nur Elfenbeinküste heißen.
Doch Hoffnung? Ja, ich weiß: die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber ein großer Teil der Hoffnung ist mit dem Ellbogen Didier Drogbas zerbrochen. Der Kapitän ist nicht nur als Torschütze wichtig. Er ist der uneingeschränkte Chef der Mannschaft. Selbst der Trainer Sven-Göran Eriksson, der seine beste Zeit längst hinter sich hat, ist nur der gutbezahlte Sesselpfurzer auf der Bank von Drogbas Gnaden. Und der Dieter könnte wahrscheinlich auch als einziger die verworrene politische oder Stammeslage in dem chaotischen Land klären. Ich gebe es zu: Ich habe inzwischen mehrfach den Traum gehabt, dass Drogba den Pokal hochhebt. Mit ihm wäre die Küste des Elfenbeins einer der absoluten Topfavoriten, ohne ihn fehlt dem Land wie auch der Mannschaft das Element, das die Rudimente von Organisation zusammenhält. Didier Drogba ist der wichtigste Spieler aller wichtigen Mannschaften und so stellt sich die Frage, ob er es wirklich schafft, seine Ellbogen auf dem Feld auszufahren, um Afrika ein ehrenvolles Abschneiden zu verschaffen. Langt es, wenn er nur als Nonplaying-Captain die Strippen zieht? Wenn man das Potenzial der anderen Spieler so analysiert, wäre es für möglich zu halten. Bis auf die Position des Torhüters ist jede einzelne Position in der Mannschaft erstklassig besetzt. So gut wie wohl noch nie bei einem afrikanischen Team, das je bei einer WM antrat. Doch die Abhängigkeit von Drogba könnte den Elefanten den Zahn ziehen, ohne den Kapitän sehe ich schwarz für die Elfen von der Küste und auch für Afrika.

Portugiesisch ist die vielleicht beschissenste Sprache überhaupt und ist nicht nur die Hauptsprache in Gruppe G, sondern wird nirgendwo auf der Welt so beschissen gesprochen wie in Portugal. Möglicherweise ist das halbbetrunken dahingehauchte Gezische auch der Grund für die ewige Melancholie der Portugiesen, die allerdings inzwischen nichts anderes als Selbstzweck ist und dafür dient fade Musik zu verkaufen. Und das Spiel der Selecao wirkt ähnlich, wenn da nicht das lusitanische Blut durch Spieler von außerhalb der iberischen Halbinsel aufgefrischt worden wäre. Die eingebürgerten Brasilianer, Angolanier, Kapverdianer, Mosambikianer und der Klassespieler von Madeira können für Schwung sorgen und verstoßen gegen das Spiel der ewigen Kurzpässe zum Selbstzweck. Doch sieht man sich die Qualifikation an und die Spiele, die Portugiesen abgeliefert haben, so droht Portugal diesmal wieder der nationale Fado. Schon dort wurden in jeder Halbzeit mehr Torchancen vergeben, als der künftige Weltmeister in sieben Spielen gehabt haben wird. Kaum trägt ein Christiano Ronaldo das Nationaltrikot spielt er nur noch hübsch, aber keineswegs effektiv. Liegt auch das an der Sprache? Als der noch englisch sprach, sehr gut im übrigen, oder wenn er spanisch spricht, schon ziemlich gut für jemanden, dessen Job das Fußballspielen für eine spanische Mannschaft erst ein Jahr lang ist, war und ist Christiano Ronaldo ein Wunder an Effektivität. Aber wir blicken ja alle ganz anders auf diese arrogante Drecksau. Für unsere Journallie ist eine gute Ballannahme, wenn der Ball nicht 20 Meter weit wegspringt, ja schon arrogant. Ehrlicher Fußball heißt für deutsche Sportreporter Christiano Ronaldo aus den Schuhen zu treten und sich danach noch über die Schwalben des Superstars auszulassen. Haltet bloß Eure dummen Mäuler, Ihr Fußballhasser. Lieber sehe ich fünf Minuten einem Christiano Ronaldo zu als eine WM lang solchen Spielern wie Schweinsteiger, Ballack oder Klose. Doch es ist abzusehen, dass wir länger den deutschen Spätrumplern länger zuschauen müssen als den Portugiesen, denen durchaus zuzutrauen ist, sieglos und damit frühzeitig in den WM-Urlaub zu fahren. Melancholie garantiert aber dennoch nicht erwünscht.

Früher, als es noch nicht bis in die hintersten Dörfer beispielsweise des bayerischen Waldes eine Christopher Street Day Parade gab, wurde über Brasilianer gesagt, sie seien alle entweder Fußballer oder Tunten, bzw. Transen. Auch wenn das heutzutage nicht mehr so hart klingt, erscheint es auch heute noch zuzutreffen. Manchmal sind Brasilianer auch beides. Doch was sind diese 23 Brasilianer in Südafrika? Erneut eine gute Frage und wer eine Antwort will, muss diese selber herausbringen. Da gibt es Spiele, in der die Mannschaft kaum so aussieht, als wären Fußballer am traurigen Werk und dann wieder spielt das Team geradezu brasilianisch.
Weiterhin hat Brasilien zum ersten mal nach dem Auseinanderbrechen Pangäas ein Sturmproblem. Überhaupt keiner der Offensivkräfte tanzte in der vergangenen Saison Samba. Nur brasilianische Defensivspieler überzeugten. So beinhaltet die Selecao die beiden eindeutig besten Rechtsverteidiger des Erdballs. Also was sind das für Brasilianer? Und was können die Spieler vom Zuckerhut oder aus Sao Paulo, der möglicherweise hässlichsten Stadt der Welt? (Sieht so aus, als hätte man die schlimmeren Teile von Los Angeles direkt auf New York gekotzt) Sie können alles mögliche, sie können verteidigen und sie könnten vielleicht auch, falls sie sich einspielen, nach vorne glänzen. Das heißt, sie könnten durch ihre immer noch sensationelle Ballbehandlung genügend klare Chancen herausspielen, um genügend davon für Siege zu nutzen. Ausnahmsweise freut sich euer werter Bumann nicht unbedingt wegen Brasilien auf die WM und dennoch könnte die Serie weitergehen, dass außerhalb Europas keine europäische Mannschaft Weltmeister wird und schon gehört Brasilien doch wieder zu den Topfavoriten, doch die Stolpersteine sind Felsen. Im Achtelfinale vielleicht schon Spanien, im Viertelfinale die Niederlande oder Italien. Genügend Gründe dafür, dass man sich lieber ein frühes, ehrenhaftes Ausscheiden mit Offensivspektakel wünschen würde als den trockenen Ergebnisfußball, das Carlos Dunga nach dem Vorbild des eigenen Spielstils geformt hat.

Nordkorea ist Teil der „Achse des Bösen“. Wer glaubt schon an diese Achse? Ich nicht, aber ich glaube, dass es Schurkenstaaten gibt, denen man alles zutrauen muss. Und ich habe persönlich erlebt, dass Nordkorea dazugehört. Als Jungfrau beim Schafkopfen musste ich ein Stamperl Schnaps trinken, das eine nordkoreanische Delegation in einem Hotel vergessen hatte. Wer so etwas freiwillig trinkt, dem muss man leider alles zutrauen. Die von Jerofeyev
in seinem Buch „Eine Reise nach Petuschki“ beschriebenen russischen Getränke, die teilweise aus Mixturen von Nagellackentferner, Abbeize und Kwass bestehen, können nicht annähernd so nach Massenvernichtungsmittel schmecken, wie es der nordkoreanische klare Schnaps tat.
Und auch die Fußballmannschaft, die kaum ein Mensch außerhalb des dichtesten titanernen Vorhangs kennt, hat alle Voraussetzungen zur Schurkenmannschaft zu werden. Wenn die Mannschaft einen Punkt holen sollte, fliegt eine Mannschaft aus dem Turnier, die von vielen Fans bewundert wird. Das einzige, was man über die Mannschaft aus der Qualifikationen und einigen Testspielen weiß, ist, dass die Elf sehr gut organisiert ist. In etwa so geordnet wie der Jubel zu den Feierlichkeiten für den großen, weisen Hefekloß, der das Land in eine Isolation führte, welche ähnlich beängstigend und ungesund ist, wie diejenige der Astronauten in Space Oddity. Und leider besitzt das Juche-Team auch noch einen Spieler, der von sich selbst überzeugte Verteidiger aus Brasilien, von der Küste des Elfenbeins und gerade Portugals sehr gut ärgern kann. Der in der J-League spielende Tae-Se Jong, dank nordkoreanischer Verwirrungspolitik auch unter mindestens drei anderen Namen bekannt, gilt als der Wayne Rooney Ostasiens. Warum nicht? Eine gewisse körperliche Ähnlichkeit und eine gewisse Ähnlichkeit im Spiel ist nicht von der Hand zu weisen.
Zuletzt sollte man erwähnen, dass Nordkorea die FIFA (Friedensnobelpreiskomitee) zu einer denkwürdigen Entscheidung zwang. Nominell als dritten Torhüter nominierte der Trainer namens Kim (wie auch anders?) einen Angreifer. Und die FIFA entschloss sich sofort zu einem ihrer wichtigsten Beschlüsse aller Zeiten. Dieser Spieler darf jetzt nur als Torwart eingesetzt werden. Das musste mal entschieden werden. Danke!