Gruppe F

Italien, Paraguay, Neuseeland, Slowakei

Bonucci, Bocchetti, Cossu, Marchisio, der geneigte Durchschnittsfan fragt sich: Weeeer? Wooo? Waaas?
Antwort: Italien, aktueller Fußballweltmeister. Kann sich natürlich kaum jemand außerhalb des Stiefels daran erinnern, da Italien sowohl vor vier Jahren als auch danach kaum für Spiele sorgte, an die man sich wegen des Fußballs erinnern könnte oder möchte.
An einige Ergebnisse kann man sich erinnern. Im letzten Testspiel vor 2006 spielte Italien in Genf 1-1 und an diesem Wochenende spielte Italien abermals das letzte Spiel vor der WM und zwar in Genf und zwar 1-1, die einen mögen das für ein Omen halten, die meisten sehen es jedoch als Drohung an.
In dem Land, in dem sich die beiden möglichen Welten, die Regierung und die Mafia, anscheinend inzwischen auf ihre Marktanteile geeinigt haben und sich in der Öffentlichkeit ein paar Scheingefechte liefern, wird Fußball aber ohnehin längst nicht mehr als Sport gesehen. Calcio Parlato, verzeiht meinen grauenhaften Akzent, ist die beliebteste Freizeitbeschäftigung geworden. Und über Fußball kann der Katzelmacher sprechen, ob Fußball stattfindet oder nicht. Wer sich so ansieht, was in italienischen Stadien so abgeht, der stellt fest, dass in diesen Ruinen der Römerzeit auch sowieso nichts stattfindet, was irgendjemand außerhalb Italiens (oder vielleicht Griechenlands) als Fußball bezeichnen würde. Und dennoch ist die Nationalmannschaft eine typische Turniermannschaft, noch ausgeprägter als die Deutschen. Italien wird es schaffen, sich mit drei geschossenen Toren ins Achtelfinale zu bringen. Und seien es Tore wie gestern gegen die Schweiz. Null Torchancen, ein Treffer und das nicht mal mit einer Schwalbe. Die haben sich die Italiener für das entscheidende Spiel gegen die Slowakei aufgehoben. Und dann wird das Team auch vielleicht eingespielt sein. Noch passt ähnlich wie beim deutschen Team nichts zusammen, weil auch in Italien der Umbruch verpasst wurde. Spieler wie Cannavaro, Zambrotta, Pirla oder der sehr sympathische Sensenmann Gattuso zeigten in der abgelaufenen Saison Leistungen wie Podolski, Klose oder Trochowski. Im Unterschied zu den Deutschen gibt es allerdings kaum jüngere Alternativen und diese sind auch noch so alt wie die deutsche Mannschaft im Durchschnitt. Aber sind die Spieler wirklich wichtig? Nein, es zählen nur die Ergebnisse und diese muss man den Azurri deswegen zutrauen, weil es ihnen noch nie wichtig war, wie es zu diesen gekommen ist, und wenn man Funktionären auch mal ein Angebot machen musste, das diese nicht ablehnen konnten.

Was ist eigentlich ein Guay? Intensive Recherchen konnten dieses Geheimnis nicht lösen. Man landet manchmal bei dem kanadischen Abfahrer Eric Guay, aber die Verbindung zwischen einem Guay und Para-guay wird offenbar von Freimaurern und Steinmetzen so geheimgehalten, wie die Tatsache, dass in Roswell kein Ufo-Absturz stattgefunden hat.
Paraguays Fußballern ist aber durchaus ein erfolgreiches Abschneiden bei dieser WM der größtenteils nicht behinderten zuzutrauen. Ein besseres Abschneiden als bei den Paralympics neulich ist garantiert. Aber sind diese Paraguayos? Gute Frage, wie vom Fachmann. Dieses Land, nicht viel kleiner als Deutschland liegt in der Mitte Südamerikas, wie hingekotzt. Kein Meer, keine Berge, kein nix. Von Jesuiten organisiert, nach dem 2.Weltkrieg von deutsch-österreichischen Spezialisten neuorganisiert ist Paraguay dennoch Terra Incognita. Hat jemals jemand einen Paraguayer getroffen? Persönlich? Gibt es jemand der mir drei Paraguayos namentlich nennen kann, die nichts mit Fußball zu tun haben? Waren das jetzt rhetorische Fragen? Wer nicht fragt bleibt dumm.
Aber es sollte ja um Fußball gehen und da ist die Mannschaft auch dank einiger Argentinier auf dem Weg sich international in der Spitze zu etablieren. Würden sie in der leichteren Hälfte der Gruppen A-D spielen, wären sie ein klarer Halbfinalkandidat und selbst mit der realexistierenden Auslosung kann das nicht ausgeschlossen werden. Spätestens mit der Berufung des Dortmunders Lucas Barrios, der dann in seinen ersten drei Spielen auch gleich dreimal traf, ist die Offensive ganz stark. Da kann zumindest sportlich auch auf Salvador Cabanas verzichtet werden, der ja trotz einer Pistolenkugel im Kopf an der WM teilnehmen wollte. Paraguay braucht keinen Verrückten mehr wie Jose Luis Chilavert um bekannter zu werden. Sie roquen auch so, die Parageier.

Die Kiwis sind da. Nicht wie die Sportikonen Neuseelands in „All Black“ sondern in „All White“. Und trotz dieser Anmaßung scheint es in Neuseeland niemanden zu interessieren. Fußball ist so populär wie in Europa Lacrosse. Da Australien, wie ja bereits beschrieben, zu den Gelbnasen konvertiert ist, ist die WM-Teilnahme Neuseelands im Fußball für die nächsten Jahrhunderte gesichert, noch dazu, wenn die Klimahetzer recht behalten. Dann könnte Neuseeland in Ozeanien endgültig ohne Gegner dastehen.
Mit einem blutjungen, milchgesichtigen Wynton Rufer war Neuseeland ja schon einmal bei der WM dabei. Das Abschneiden diesmal wird, trotz des Fehlens eines Spielers wie Rufer, besser sein als die 2-12 Tore ohne Punkte in Spanien. Das wird die gut organisierte Mannschaft hinbekommen, obwohl ihr jede individuelle Klasse fehlt. Kein einziger Spieler spielt eine wichtige Rolle in einer Erstligamannschaft einer wichtigen Liga. Es gibt die Routiniers Ryan Nelsen, der immerhin in der Premier League bei Blackburn spielt, dann Ivan Vichelich, der eine Weile in der Erendivisie in den Niederlanden spielte und es gibt die durchaus gefährlichen Offensivkräfte Chris Killen und Shane Smeltz, ansonsten eine Menge positiven Mannschaftsgeist und den Vorteil der Antipoden, dass die WM in Südafrika stattfindet. Hoch wird Neuseeland nicht verlieren und unter glücklichen Umständen kann auch mindestens ein Punktgewinn erreicht werden. Interessiert das jemand in Kiwiland? Leider nein, selbst die Verwandtschaft von Smeltz interessiert sich mehr für die Spiele Deutschlands und wird damit am 18.Juni zu einem erbitterten Gegner der Familie Vichelich.
Da das Friedensnobelpreiskomitee die Oberaufsicht hat, ist leider zu befürchten, dass die All Whites keinen Haka aufführen dürfen. Schade!

Ja und die Slowakei gibt es ja auch noch in dieser Gruppe F. Wer sich in einer Gruppe gegen Polen, Nordirland und den größeren Nachbarn durchsetzt darf WM spielen, muss aber eigentlich auch nicht, obwohl sich einige Spiele der Slowaken durchaus ohne Netzhautablösung anschauen ließen. Und es ist auch an der Zeit der Welt zu zeigen, dass die Slowakei mehr ist als nur ein Furunkel an einem Arsch, den man Tschechei nennt. Aber im Ernst, nettes Land, tolle Landschaften, hübsche Frauen, billige….
Und eine erfahrene, nicht uninteressante Fußballmannschaft. Gerade einige erfahrene Spieler haben überraschend ihre Teilnahme abgesagt. Die Franzosen sind in der Nähe untergebracht und spielen auch noch zeitnah zur Slowakei in Bloemfontein. Das wollten Spieler wie Karhan ihren Töchtern nicht zumuten.
Und so werden die jungen Spieler entscheidend sein. Marek Hamsik von Napoli oder Miroslav Stoch, der in dieser Saison mit Twente niederländischer Meister geworden ist. Wenn diese einen guten Tag haben, dann ist für das slowakische Team mehr möglich, als die meisten sogenannten Experten noch heute vorhersehen. Mit Weiss gibt es einen weiteren interessanten Spieler in der Slowakei. Sein Vater ist der Trainer und früherer tschechoslowakischer Nationalspieler, dessen Vater war auch schon Nationalspieler für Mähren. Man darf auf die nächste Generation gespannt sein.