Gruppe E

Niederlande, Dänemark, Japan, Kamerun

Welche Mannschaft denkt seit fast vierzig Jahren noch mehr als alle anderen, dass sie
die schönste, beste und tollste ist? Klar die Niederlande. Und vom angeblichen niederländischen Offensivfußball sind dann pflichtbewusst auch wirklich alle sogenannten Fußballexperten so besoffen, dass ihnen der Geifer aus dem Maul läuft. Manchmal sieht der Konterfußball der Käsköpp auch nett aus, aber Konterfußball heißt natürlich, dass sich das Team weit zurückzieht und das ist angesichts der Abwehr auch verdammt nötig. Und da sind wir bei dem grundlegenden Problem der Elftal. Die ganze Pracht an Offensivspielern kann gar nicht in einer 11 stehen und muss auch viele Defensivaufgaben übernehmen. Am Anfang eines Turniers wird deswegen der Fußball der Niederländer so gelobt, dass die Mannschaft nur zu gerne bereit ist, all die Lobeshymnen auch zu glauben. Diese Arroganz führt bei Widerstand von späteren und stärkeren Gegnern zum einen dazu, dass allzu hartnäckige Gegner immer mal wieder Tätlichkeiten und Unsportlichkeiten der Tulpenprinzen zu spüren bekommen, was den Schiedsrichtern nicht immer entgeht. Zudem wird die Ordnung auf dem Platz zu Gunsten der Offensive, an die man ja nun glaubt, aufgegeben, wodurch der Abwehrriegel so löchrig wird wie, sorry Schweizer Käse.
Ein wirklich hochinteressantes und meiner Meinung nach tolles Buch zum holländischen Fußball, gelegentlich durch ein paar falsche Klischees störend ist von dem Engländer David Winner: Brilliant Orange. The Neurotic Genius of Dutch Football.
Selbiges zitiert auch Klaus Theweleit in dem größten Teils großartigen Buch: Tor zur Welt. Fußball als Realitätsmodell.
Und er ergänzt seine Betrachtungen durch ein Gedicht:

Vincent sah das Kornfeld
Einstein sah die Zahl
Und Zeppelin den Zeppelin
Und Johan sah den Ball

Gemeint ist natürlich Johan Cruyff, der ähnlich wie Beckenbauer und Maradona gleichzeitig nationale Lichtgestalt ist, wie in den jeweiligen Ländern auch Problem des Fußballs, weil deren Wörter für Naturgesetz gehalten werden. Und Cruyff ist nun mal das Grundgesetz des flachen Landes hinter den Deichen. Und die Verfassung sagt: 3-4-3 und wenn alle Deiche brechen, ob die Spieler dafür vorhanden sind oder nicht. Die Emanzipation von diesem Gebot, die Bondscoach Bart van Maarwijk betreibt, ist die große Chance der Holländer, diesmal wirklich etwas zu erreichen und zwar mehr als den Schönheitspreis der internationalen Sportpresse. Dazu kommt die Theorie, dass die Buren Europas im Land der Afrikaander einen Vorteil haben, siehe Gruppe C, England. Die Spieler dafür sind selbstverständlich vorhanden und jetzt auch der Trainer.

They are red, they are white, but they were Danish dynamite. Denn es sind sie definitiv nicht mehr. Explosiv kann nicht mal der größte Fan des dänischen Fußballs den dänischen Fußball bezeichnen. Dänemark ist qualifiziert, da die Mannschaft in Portugal 3-2 gewann trotz 28-2 Torschüssen der Portugiesen. Ein völlig hirnloser, zwei Mal abgefälschter Verzweiflungsschuss aus gefühlten 38 Metern sorgte für die Entscheidung für eine absolut farbloses Team, das so grau in grau agierte, dass die Übertragung der Spiele nicht mal das PAL-Fernsehsystem nötig war. Alle Klischees über sympathische, lockere Dänen, die ein tollen Fußball spielen kann man vergessen. Diese Dänen sind so langweilig wie Griechen, Slowenen oder Amis. Und jedes weitere Wort über das Team wäre zu viel.

Zu Ehren der großartigen Rejko Kobayashi, die mir so viel über die einzigartige Kultur des Landes der aufgehenden Sonne beibrachte, werde ich das Wenige, was über das japanische Team zu schreiben ist in starkem japanischen Akzent schreiben.
Kleiner Hinweis: Ls werden zu Rs, Rs zu Ls und zwischen zwei gesprochene Konsonanten wird ein Vokal eingefügt.

Die Samulai sinod schawel zu scharagen. Arre Mannoschafaten weloden gegen das Team Palobareme bekommen. Vierreichat außel den Niedelorändelin. Abel talotzadem hat die Mannoschafat nichat die Karasse Spiere in del Galuppe E zu dominielen. Das ist wohr so, da die Spierel nichat dominanet sind. Keinel konnate sich in Eulopa dauerihafet dulachasetzen. Wedel Takahala, noch Ono, noch Nakamula bei Esapaniyol Balacerona. Und so wilad es sehr eng fül das Team del Japanel sich den zaweiten Palatz in del Galuppe zu sichelen. Ich finade, dass man japanischen Fußabarr ganoz gut genießen kann, anadele spieren häßorichel, abel dennoch muss man die Spiere del Japasen nichat unobedingat inatenosiv veloforagen.

Den Abschluss dieser Gruppe bildet Kamerun, möglicherweise mit nur vier Punkten der schlechteste aller Gruppenzweiten bei dieser WM. Wer sich früher mit und über Kamerun freute, der wird, so fürchte ich, von dieser Mannschaft Kameruns eher enttäuscht sein. Es geht eine riesige Kluft durch das Team. Da gibt es Samuel Eto´o, den man vollkommen zurecht den einzigen Star dieses Teams nennen kann. Und diese absolute Vormachtstellung bringt im Vorfeld der WM bereits Konflikten zu Tage, die schon dazu führten, dass der Inter-Star mit dem WM-Verzicht drohte. Es scheint als wäre auch diese schwarzafrikanische Mannschaft einfach nicht bereit für eine WM auf dem eigenen Kontinent.
Aber dennoch könnten die Spiele Kameruns ganz interessant werden. Kaum eine andere afrikanische Mannschaft spielt noch so klassisch schwarzafrikanisch. Da gibt es noch die eingesprungen Blutgrätschen mit 30 Metern Anlauf in Hüfthöhe oder höher. Da gibt es noch die unkonventionellen, aber dennoch geschickten Arten Bälle anzunehmen und dann gibt es auch noch einen Torhüter mit gazellenhafter Eleganz und wahren Panthersprüngen. Dieser Kameni ist seltsamerweise in Kamerun auch nicht unumstritten, obwohl er, denke ich, der überragende Keeper Afrikas ist. Für den ganz großen Wurf ist Kamerun nicht bereit. Es gibt
einfach nicht genügend Spieler der Klasse, die notwendig ist, um ein Viertelfinale zu überstehen und diese zu erreichen dürfte auch nur ein Wunschtraum bleiben.