Gruppe D

Serbien, Ghana, Deutschland, Australien

Franz Beckenbauer (64) sagte über die Gruppe D, dass „wir“ mal wieder „unser“ typisches Losglück hatten und deswegen sicher weiterkommen würden. Nun Herr Beckenbauer (66), ich hätte da eine Frage. Wer ist „wir“? Gleichzeitig sagte der Kaiser (78), dass man keine Mannschaft unterschätzen sollte. Nun Herr Beckenbauer (67), ich würde gerne wissen, ob das auf alle vier Mannschaften gemünzt war. Denn liebe Fußballfreunde, es findet in der Tat eine Weltmeisterschaft statt! 32 Mannschaften, die meisten davon eindeutig ausländisch, kämpfen um den Titel des Fußballweltmeisters. Gerade dieses skurrile Faktum wird in Deutschland genauso unterschlagen wie beispielsweise in Österreich, wenn es um Olympische Winterspiele geht und Herrenabfahrtslauf. Irgendwann haben dann irgendwelche Ethnier gewonnen und man spielt die beleidigte Leberwurst.

Beckenbauer (87), die Lichtgestalt des Deutschen Reiches, der Deutschland nicht nur das Feuer brachte, sondern auch mit jeder Silbe Scheiße zu Gold, nein zu Bio-Mousse-au-chocolat verwandelt, sagte beispielsweise über die Serben, dass diese schon immer ein unbequemes und spielstarkes Team waren, schon 1954 und auch natürlich 1990. Danke, früherer Teamchef der Nationalmannschaft (58). Aber ich würde vermuten, dass auch Kitzbühel inzwischen keine Jugos mehr hat, sondern man dort, wenn man satt werden möchte kroatisch ist.
Wir haben aber nun mal die Serben bei der WM, lustige Balkanesen, deren Glauben an Volksmärchen immer wieder so naiv ist, dass sie sich als Großmacht ansehen, egal ob territorialpolitisch oder beispielsweise den Fußballsport betreffend. Der Serbe an sich, angeführt von dem guten Trainer Antic, der fast überall erfolgreich war, wo er sich als Märtyrer aufspielen konnte, ist wie bei der letzten WM unberechenbar. Das Potenzial zu einem absoluten Klassespiel hat er immer, wenn da nicht Gegner wären, die irrsinnig nerven und deswegen mit der best-vorhandenen Offensivwaffe (Ellbogen) in ihre Schranken gewiesen werden müssen. Dumm ist nur, dass Schiedsrichter so etwas manchmal sehen und ihre völkerrechtlichen Konsequenzen ziehen. Aber Realität für einen Moment beiseite. Das serbische Team hat tatsächlich enorme Möglichkeiten. Allein in der Offensive können taktisch extrem viele Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Die Mannschaft kann durch die Mitte spielen, genauso wie über die Flügel, sie können flach und wuselig spielen, oder hoch über Zigic. Einen wirklich guten Torhüter haben sie nicht, aber davor steht mit Vidic und Subotic ein potenzieller eiserner Vorhang. Spieler wie Krasic können zu den positiven Überraschungen der WM werden. Doch es gibt eben dummerweise Gegner und diese können nervig sein und….

Der erste Gegner besteht auch noch aus nervenden, schmerzunempfindlichen Schwarzen, die auch gut hinlangen können. Franz Beckenbauer (65) erkennt dann auch das Talent der jungen Ghanaer an, die man dennoch auf Grund ihrer Unerfahrenheit schlagen müsse. Unerfahren? Die Tradition in Westafrika Spielern interessante Geburtsdaten zu geben, um in den Jugendmannschaften international erfolgreich zu sein, scheint mir lange noch nicht vorbei zu sein. Bei der letzten U-20 Weltmeisterschaft, die Ghana gewann, schienen mir doch einige Spieler reifer und älter als der durchschnittliche italienische WM-Kader (Erwachsene).
Aber Ghana ist für europäische Verhältnisse ein angenehmer, ja sicherer Staat mit bunten Gewändern. „Heute fahr ma Neger schaun, des wird a Trara“. Es gehört zu Afrikas Musterstaaten und hat auch sehr sympathische Fußballer hervorgebracht. (Baffoe, Kuffour)
Doch die Mannschaft hat ein Riesenproblem, genauer gesagt das Problem, dass der Fußballriese Ghanas bei der WM fehlen wird. Und Michael Essien ist ein Fußballriese, der vielleicht beste defensive Mittelfeldspieler der Welt, der, wenn er nicht verletzt ist, einen Michael Ballack im Vereinsteam die Chance gibt, sich für die deutsche Nationalmannschaft zu schonen. Und mit Führungsspieler Nummer 2, Stephen Appiah, hat auch der nächstwichtige Spieler in den letzten zwei Jahren kaum Spielpraxis. Dennoch scheint die Mannschaft einen Teamgeist zu haben, der die Mannschaft zu erstaunlichen Leistungen befähigt. Ghana ist in Gruppe D bei gutem Auftakt sogar der Gruppensieg zuzutrauen, auch wenn das letztendliche Scheitern, das ziemlich kläglich zu erwarten ist, durch die eingeborene Selbstüberschätzung nach Anfangserfolgen so sicher ist, wie bei vielen ghanaischen Spielern die Malariainfektion nach der europäischen Winterpause.

Als Franz Beckenbauer (67) noch offizielle Funktionen, als Spieler, Teamchef oder als Kaiser des Organisationskomitees der WM war, konnte der Deutsche seinen Bierbauch sorglos in Ruhestellung bringen, denn Erfolge waren garantiert, oder zumindest konnte Vieles als Erfolg verkauft werden. Notfalls halfen auch mal die Schiedsrichter nach, damit das „Sommermärchen“ nicht ausgerechnet auf dem Platz kläglich scheiterte. Und wenn man all die Ikonen in eine Elf stellen würde, die von der Bild-Zeitung und den Fernsehsendern in all den Jahren erkoren wurden, hätte man schlicht und einfach die dümmste, selbstgerechteste und wahrscheinlich auch schlechteste Nationalmannschaft, die je das trübe Licht Germaniens erblickt hätte. (Lehmann, Netzer, etc, etc.)
Doch nun droht der Deutsche auf internationalem Parkett wieder in altbekannt aggressiver Form. Eine Ministerin für Werweißdasschon droht der Welt mit ihrem Ausstieg aus Facebook und kommt damit durch, weil George W. Bush nicht mehr US-Präsident ist. Und jetzt droht auch noch das deutsche WM-Team, an der WM gar nicht teilzunehmen, weil die Welt nicht bereit war, fünf mitleidsvolle Minuten strammzustehen, da Christian Träsch nicht nach Südafrika fahren kann. Schäm dich Welt, also wirklich.
Aber das sagt natürlich vieles über den Zustand der deutschen Nationalmannschaft aus. Der Umbruch von den Ikonen der Selbstüberschätzung zu den jungen hochtalentierten Spielern wurde nicht rechtzeitig eingeleitet. Deswegen müssen in Südafrika jetzt Spieler zeigen, dass sie nicht nur im Verein gute Leistungen bringen können, sondern diese auch beim FC Deutschland abrufen können und das, obwohl sie dort mit Spielern zusammenspielen müssen, deren Leistungskurven ganz anders verlaufen. Es ist natürlich auch viel schöner gegen San Marino oder Liechtenstein als gesetzter Stammspieler zwei Tore zu schießen, als gegen Bochum oder Nürnberg um jeden Ballgewinn kämpfen zu müssen und bei den besseren Vereinen sich noch dazu gegen andere Spieler um Spielanteile durchsetzen zu müssen. Ein Sinnbild der deutschen Gesellschaft im 21. Jahrhundert.
So steckt Löw in einem Trilemma fest. Einerseits kann der FC Deutschland am besten funktionieren, wenn sich diejenigen, die auch in der Liga Leistung bringen, zu braven Teilzeitwasserträgern der Ikonen machen. Andererseits sind einige der Ikonen inzwischen zu alt, zu zurückgetreten oder zu verletzt. Die Spieler wiederum, die in einer der stärksten Ligen der Welt inzwischen ihre Nationalmannschaftskollegen in den Schatten stellen, haben in der Elf von Löw und Bierhoff (ein Mann von begnadeter Korruption) kaum Erfahrung. Und so wiegen einige verletzungsbedingte Ausfälle, beispielsweise der von Simon Rolfes, auch wirklich schwer.
Wenn man die Stammspieler der deutschen Mannschaft so betrachtet, muss man feststellen, dass genau zwei davon kontinuierlich gute Leistungen bringen und zwar Lahm und Mertesacker. Sogar einige der jüngeren Spieler haben angesichts der Wahrscheinlichkeit für Südafrika nominiert zu werden, das Fußballspielen in ihren Vereinen fast gänzlich eingestellt. Was bleibt sind Spieler, die von der Öffentlichkeit schon dafür in jedem Spiel gelobt werden, dass sie auf gar keinen Fall zu schnell rennen, um sich nicht auch noch zu verletzen. Das beste Beispiel dafür ist der Möchtegernbeschäler des Bundeskanzlers. Ihm wird ja inzwischen höhere Klasse als Frank Lampard unterstellt. Wie? Wo? Was? Das sind 4-27 Pflichtspieltore in dieser Saison. Und der Vergleich der Dynamik eines Hefeteigs mit der Dynamik eines Ferrari. Man vergleicht ja schließlich auch nicht die physische Durchsetzungskraft eines Golfspielers mit der eines Klitschkos.
Es treiben sich auch ansonsten genügend lustige Gestalten unter den Spielern herum. Talentierte Verteidiger, die noch intellektuell spielen und jedes Mal erst intensiv nachdenken, mit welchem Fuß sie nun den ersten Schritt machen sollen und dann auch noch auf ihren ähnlich talentierten Halbbruder treffen könnten, der die Gretchen, sorry Grätschenfrage ähnlich robust zu beantworten weiß.
Also liebe Deutsche: Betet täglich mindestens sieben Mal das Mantra „Wir waren schon immer eine Turniermannschaft“, nutzt das klägliche 1-0 zum Auftakt gegen Australien, um als Gruppenzweiter ins Achtelfinale zu kommen und hofft, dass es dann nicht gegen England geht. Durch die glückliche Auslosung ist dann sogar das Halbfinale möglich. Denn man kann über das deutsche Team eines sagen, was man über viele Außenseiter sagen kann: Es ist nicht leicht gegen diese Mannschaft zu spielen. Und wenn es Löw schafft, was er schon mit früheren Mannschaften geschafft hat, eine den Spielern angemessene Taktik zu finden und diese in der Frühphase der WM einzuspielen, dann kann auch eine positive Überraschung möglich sein.

Über Australien weiß Kaiser Franz (91) auch etwas zu sagen. Das Team sei die Unbekannte in der Gruppe D. Man müsse sie einfach schlagen und dass sie physisch stark seien, weil viele ja in der englischen Profiliga spielten.
Einspruch Euer Majestät. Die Australier haben sich in den letzten Jahren verändert wie keine zweite Mannschaft. Die Mannschaft besteht nicht mehr fast ausschließlich aus Kroaten (Viduka, etc.), nein das Gegenteil ist der Fall: Bei den Kroaten spielen inzwischen Australier. (Simunic, etc.) Und außerdem hat Australien den Weg nach Südafrika diesmal über die Qualifikation der Asian Football Confederation geschafft. Die Aussies sind jetzt offiziell Gelbärsche! Quasi Beutelgelbärsche. Was soll man bloß davon halten? Heißt die Nation vierreicht bard Austlaria? Werden am Ende die Spieler bei der WM auch die Rudimente ihrer Aussie-Rules-Football- Ausbildung vergessen, für die einige der lustigen Knochenbrecher sogar in England berüchtigt waren?
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil für Australien ist diesmal die Lage auf der südlichen Hemisphäre. Wenn die sympathischen Kopffüßler ihren Kontinent Down Under verlassen, ist es nicht nur dem Mangel an Ozonloch, sondern der neuen Körperhaltung geschuldet, dass viele Aussies in Abhängigkeit von Fosters-Ersatzflüssigkeiten oder gar Medikamenten geraten. Das ist bei Fußballern genau wie bei jedem anderen Bruce und jeder anderen Sheila aus Wollongong. Wie wär’s denn mit Beuteltee?
Fußballerisch ist es leider diesmal so, dass eher ein Boomerang die Welt umrundet, als dass sich Australien für das Achtelfinale qualifiziert. Die Mannschaft wird zwar selten schlechter sein als der Gegner, doch ohne ihren Kapitän Harry Kewell, beziehungsweise mit einem noch angeschlagenen Kewell, fehlt dem Team gerade in der Offensive das gewisse Etwas. Spieler wie Neill, Grella oder Bresciano sind dazu in den letzten vier Jahren eher vier Jahre älter als vier Jahre erfahrener geworden. So bleibt nur ein Schwarzer, der sich den Boatengs verschiedenster Gruppengegner entgegenwirft. (Danke Albi für den Hinweis) Schade für eine Mannschaft, die sich 2006 Respekt und Sympathien verdient hat. Ich hoffe allerdings, dass die Fans Australiens etwas Aufsehen erregen, indem sie mit sich mit dem entsetzlich ethnoverkitschten Diggeridoo einen Wettstreit mit den Vuvuzelas liefern. Gerne auch als Schlagwaffen.

WM-Vorschau

Zur Halbzeit der WM-Vorschau ein kleiner Zwischenruf. Fans wartet nur noch eine kleine Weile, dann bekommt ihr Karten, egal für welches Spiel, inklusive Endspiel quasi umsonst. Nein nicht bei irgendeinem Quiz, sondern von offizieller Seite, denn das Interesse an der WM ist genau wie erwartet.
Alle Mannschaften haben inzwischen ihren vorläufigen, endgültigen Kader nominiert. (Verletzungsbedingte Änderungen sind ja noch bis zum ersten Spiel möglich)
Bei der deutschen Mannschaft sieht man ganz deutlich, dass es ein Fehler war, Höwedes oder Hummels nicht gleich zu nominieren. Wenigstens wurde der Fehler vermieden, auf Kießling zu verzichten.
Im Vergleich
Kießling 33 Spiele 21 Tore 5 Torvorlagen Notenschnitt beim Kicker 2,80
Podolski 27 Spiele 2 Tore 4 Torvorlagen Notenschnitt 4,22
Klose 25 Spiele 3 Tore 1 Torvorlage Notenschnitt 4,25

Leverkusen verlor das Spiel ohne Kießling.
Bayern gewann 8 Spiele ohne Klose und spielte einmal unentschieden
Und auch Kölns Bilanz ohne Podolski ist erstaunlich gut: 3 Siege, 2 Unentschieden, nur 2 Niederlagen.

Wichtiger in diesem Zwischenruf ist jedoch die Tatsache, dass jetzt die Gruppen E-H vorgestellt werden. Die Gruppen der Favoritenteams. Bis jetzt gab es nur England. Jetzt kommen die Niederlande, Brasilien, die Elfenbeinküste, Spanien und Titelverteidiger Italien, dazu noch gefährliche Außenseiter wie Paraguay oder Chile. Doch leider eliminieren sich diese stärkeren Teams bis zum Halbfinale untereinander, weswegen mögliche Gegner aus den Gruppen A-D im Halbfinale geradezu entspannt auf den ersten schwierigen Gegner warten dürfen. Schade dieses Ungleichgewicht der Auslosung.

Als kleine musikalische Untermalung für Südafrika empfehle ich The Smiths: Von dem vielleicht besten Album aller Zeiten „The Queen is dead“ möchte ich auf das viel zu unbekannte Liedchen „Vicar in a Tutu“ hinweisen. Viel Spaß!

Im Anhang die europäische Torschützenliste aller Spieler mit 15 Toren oder mehr und zwar nach WM-Teilnehmern sortiert.