Gruppe C

England, USA, Algerien, Slowenien

England ist das Mutterland des Fußballs und weiterer Mythen. Auch das berühmte englische Fairplay fällt unter diese Kategorie. Ähnlich wie dem Monster von Loch Ness, Bigfoot oder dem UFO-Absturz von Roswell können auch dem Mythos des britischen oder englischen Fairplays weder die Realität noch Fakten etwas anhaben. Aber wir wollen natürlich nicht zu gemein sein. Es gibt Fairplay und das heißt in England, einen Gegner, dem man die Knochen gebrochen hat, den man beleidigt hat und dem man hinterrücks in die Eier getreten hat, in der Öffentlichkeit für sein ehrliches Spiel zu loben, natürlich nur sofern man das Spiel gewonnen hat. Aushängeschild für ein solches Verhalten ist der Schotte Sir Alec Ferguson. Engländer dürfen aber auch niemals Schwalben machen, sonst werden sie von den eigenen Fans ausgepfiffen. Ok. Wissen wir auch. Das muss stimmen. Politiker, die Lügen werden auch niemals wiedergewählt. Und dann ist der englische Fußball natürlich auch so ursprünglich schön, weil er durch seine physisch starken Spieler lebt, denn es dürfen ja nur Stammspieler anderer Nationen in die Premier League wechseln. Helft mir, für welche Mannschaft hat Kevin Prince Boateng mehr als die Hälfte aller Länderspiele gemacht? Für Deutschland oder für das Nationalteam Ghanas? An den englischen Stil des Fairplays hat er sich jedenfalls schnell gewöhnt.
Und jetzt haben diese Engländer auch noch einen Kulturschock erlitten, da sie mit Fabio Capello einen Trainer ins Land geholt haben, der sich auf der Insel noch nicht mal bewährt hat. Und Leute, das kann klappen. Siehe Double-Gewinner Carlo Ancelotti.
England gehört definitiv zu den Topfavoriten und das nicht nur wegen Bumanns eigentümlicher Theorie, dass Europa nur in Europa Weltmeister wurde, ansonsten die Südamerikaner zuschlugen und deswegen auf ihrem eigenen Grund in Südafrika entweder die Oranje-Buren oder die Engländer Weltmeister werden. Vielmehr gehört England zu den Topfavoriten, weil bis zum Halbfinale höchstens Deutschland als ernstzunehmender Gegner droht. Für alle anderen Gegner brauchen die Engländer, ihrem anglikanischen Gott sei dank, nicht mal einen Torhüter oder ein Elfmeterschießen (selbst im FA-Cup-Finale wurden beide verschossen) und auch die anderen Schwächen des Teams können noch kompensiert werden. Dazu legt der Manager Capello auch noch einen gewissen Wert auf Disziplin. Die traditionellen Sauftouren englischer Männerbünde auf dem Kontinent (egal welchem) können so dem Erfolg auch nicht im Weg stehen. Auch die Wags (Women and Girlfriends) dürften die Spieler in Südafrika nicht mehr ablenken als beispielsweise in Sunderland. Und so kann ein Team zum ersten Mal wirklich wahrer Weltmeister werden, das sich lange den Weltturnieren widersetzte, weil man die anderen Mannschaften nicht demütigen wollte. Die Spieler selbst sind ja im Prinzip alle sympathische, bescheidene, junge Männer, die, obwohl sie nicht mehr Kohle im Monat fördern als andere britische Kumpels, etwa 150000 Pfund die Woche, niemals abgehoben agieren. Es kann dem WM-Titel also nicht viel im Weg stehen. Zu den hinderlichen Kleinigkeiten empfehle ich „Little Britain“.

Die USA sind das Mutterland des Nicht-Fußballs. Was dort Football genannt wird, wird weder mit dem Fuß noch mit einem Ball gespielt. Und so haben die WASPs beschlossen das Spiel Sucker zu nennen, da es ohnehin nur von Katholiken, Ethniern und Homosexuellen gespielt würde. Erst auf massiven Druck des Friedensnobelpreiskomitees (Kurz FIFA) wurde das Spiel zur WM 1994 in Soccer umbenannt. Und dieses Spiel wird nun von Katholiken, Ethniern und Homosexuellen und inzwischen auch von einigen Wasps in fast allen Bundesstaaten auf Colleges and Universities gespielt. Da Katholiken, Ethnier und Homosexuelle die am stärksten wachsenden Minderheiten sind (in den Augen der Wasps jedenfalls), ist die Auswahl an Spielern für das Nationalteam in den letzten Jahren immer größer geworden und somit das Team international auch immer besser. Für das Spiel der Amis kann man sich dennoch nur begeistern, wenn sie zufällig gegen irgendwelche Erzfeinde wie zum Beispiel Italien, Holland oder Deutschland spielen. Ansonsten sieht das ganze aus wie ein Stilleben mit dem Titel: „Vakuumeingeschweißter Cheeseburger auf Kunstrasen“
Sie spielen halt Soccer und nicht Football. Und im Endspiel gegen Slowenien wird sich entscheiden, ob die Amis das Achtelfinale erreichen.

Zu Fairplay wurde in dieser Ausgabe ja nun schon genug geschrieben. Aber es muss gesagt werden dürfen, dass auch Algerien das Fairplay großschreibt, zumindest, wenn das eigene Team gewinnt, oder nicht gerade gegen eine andere nordafrikanische Mannschaft spielt, oder natürlich der Schiedsrichter gerade pfeift oder nicht pfeift oder gerade die Sonne oder der Mond zu sehen oder nicht zu sehen sind. Ansonsten reagieren Team und Fans ausgesprochen algerisch.
Was haben algerische Mannschaften früher manchmal für einen geilen Fußball gespielt. Spieler wie Belloumi oder Madjer standen für Fußballkultur und schafften es, die eigenen Mannschaften glänzen zu lassen. Doch heute ist kein Spieler dieser Klasse in Sicht und so ist von Algerien bei dieser WM nichts, aber auch gar nichts zu erwarten, abgesehen von allergischen Reaktionen auf Pfiffe oder Gegenspieler. Aber man wird sich doch wohl überraschen lassen dürfen.

Was die spielerische Klasse betrifft und die Überraschung der Qualifikation, sind die Slowenen die Algerier Europas. Danke an den lieben Fußballgott, dass wir solche Mannschaften bei der WM erleben dürfen, danke auch an unsere Arbeitgeber, dass wir alle Spiele der Slowenen auf Grund der Anstoßzeiten verpassen werden. Slowenen sind meiner Erfahrung nach wirklich nette Menschen vor allem, wenn sie Wintersportfans sind. Slowenien ist schön, vor allem im Winter. Jetzt ist nur die Frage, wie der Austragungsort der WM sich auf das Spiel der slowenischen Fußballer auswirkt. Können diese im südafrikanischen Winter plötzlich schönen Fußball zeigen? Und wenn ja, treffen die Slowenen im Achtelfinale auf Deutschland? Und wie sieht es wohl aus, wenn die wohlerholten Spaziergänger von Sanssoucie, bzw. der Deutzer Seite (Novakovic und Podolski) gegeneinander spielen?

Auch um die letzte Frage geht es in Bälde in Gruppe D