Man kann es ironisieren, sich darüber lustig machen, doch selbstverständlich ist der Fußball in einer Krise und zwar nicht nur der deutsche. Das ist kein Problem einer Art von Kommerzialisierung, das viele kommen sehen, es ist das Problem, dass der Fußball längst überkommerzialisiert ist. Wozu muss jeder kleinste Bereich seinen Sponsor haben. Braucht es wirklich einen Einheitsball in jedem noch so unwichtigen Wettbewerb? In der Bundesliga ist es nun Derbystar; ein Ball von dem Jugendfußballer früher gerade bei Nässe Albträume erlebten, während sich die Scharfschützen auf das Knacken der Torwartfinger gefreut haben. Werden die Gelben Karten nur noch mit Werbung für die Gelben Seiten verteilt? Gibt es bald schon die Einheitspfeife für Schiedsrichter oder die Einheitsseitenwahlmünze gesponsert von einer Bank. Lächerlich!

Muss wirklich jedes Spiel von einer Biermarke oder Automarke präsentiert werden? Muss jede Übertragung der 90 Minuten zweieinhalb Stunden dauern? Muss der Fußballfan in jedem Werbeblock so für dumm verkauft werden, dass er am besten vier verschiedene Autos, verschiedener Hersteller kaufen möchte, obwohl die Produkte durch die Werbespots vollständig unerheblich, da nicht unterscheidbar sind.

Offenbar ja! Fußball ist längst zur Aufmerksamkeitsindustrie verkommen. Vereine und Spieler zählen die Follower auf sozialen Netzwerken und werden auf diese Weise häufig zur billigen Ramschware. Wenn man sich mal einen kleinen Überblick darüber verschafft, was dort inhaltslos angeboten wird, so sind Worte wie hochnotpeinlich oder dummdreist höflichst mögliche Annäherungen an die Realität, obwohl natürlich bei der Gelegenheit auch wieder ganz offen aber auch geschlichen geworben wird, dass sich die Balken, die Bretter vorm Kopf biegen. Nichts, Nothing, Niente hat man jemals über die Facebook, Twitter und erst recht Instagramposts erfahren, was mit den 90 Minuten auf dem grünen Rasen zu tun hat. Und doch gibt es Abermillionen Follower, die sich hier berieseln lassen und damit zur Infantilisierung des Fußballs und letztlich auch zur Kommerzialisierung beitragen, da Follower Marktwerte von Spielern und Clubs erheblich beinflussen. Leute, lasst es einfach! Sonst dürft Ihr nicht wirklich ernsthaft über die Kommerzialisierung schimpfen.

Es war ein Lehrer, ein Biolehrer, der den geneigten Zuhörern das Wichtigste für unsere Zeit beigebracht hat: „Wer Werbung macht, hat´s nötig.“ In Konsequenz sollte man durchaus die Theorie ernst nehmen, dass alles, für das geworben wird, auch Schrott ist. Das beliebteste und beste Bier in München hat beispielsweise keine Werbung nötig und ich werde die Marke nun sicher nicht nennen.

Ob Coke Zero oder Head and Shoulders als Nebenwirkung Mittelfußbrüche verursacht, werden wir wohl von Manuel Neuer nicht erfahren. Doch obwohl der Nationaltorwart am häufigsten in Werbespots zu sehen ist, ist das noch lange nicht so schlimm wie der Werbespot von Mario Götze, der pünktlich zur Weltmeisterschaft für irgendeinen kompletten Scheißdreck, der längst wieder vergessen ist, mit seiner Nichtteilnahme an der WM warb. Genau das regt den Fan auf, genau das sind die Totengräber des Fußballs, genau das sorgt dafür, dass das Interesse am Fußball in Deutschland seit einigen Jahren in Intensität und Quantität deutlich abnimmt. Das geht schon fast soweit, dass man verraten möchte, dass die „seltene Stoffwechselkrankheit“ des Mario G. ein gar nicht so seltenes Problem war oder ist.

Schon fünf der nächsten sechs Vereine in dieser Vorschau sollten Grund dafür sein, sich für die Bundesliga zu interessieren.

 

FC Augsburg

Auf der Liste der unbeliebtesten Dialekte nehmen die verschiedenen Formen des Schwäbischen stets die ersten Plätze ein. Und wie? Völlig zurecht! Auch das Lech-schwäbische isch kaum erträglich, woisch. Warum also den FC aus Augschburg mögen? Na, sie machen einfach jedes Jahr wieder einen verdammt guten Job und zwar so herrlich unaufgeregt. Augsburg geht nun ins achte Bundesligajahr in Folge und trotz finanzieller, sowie sportlicher Defizite, haben sie sich im Fall von Opare weder vom Spieler noch seinen Beratern auf der Nase herumtanzen lassen. Das ist nahezu vorbildlich. Angesichts der neuerlichen langwierigen Verletzung bei Alfred Finnbogason dürfte auch diese Saison wieder schwierig werden, doch man darf zuversichtlich auf das neunte Bundesligajahr der Augsburger hoffen.

 

Werder Bremen

Tendenziell geht es für Werder seit Jahren in der Tabelle bergab. Zum x-ten Mal in Folge führt ein anderer Trainer aus dem eigenen Nachwuchs die Bremer in eine neue Saison. So optimistisch wie jetzt gerade war die Stimmung an der Weser seit der Entdeckung des Seewegs nach Bremerhaven selten. Irgendwo in der Mitte von Mark Twain „Es gibt keinen traurigeren Anblick als einen jungen Pessimisten mit Ausnahme eines alten Optimisten.“ liegt die Wahrheit, wobei der Anblick des alten Optimisten Claudio Pizarro, der nun schon zum fünften Mal bei Werder ist, immer wieder lustig ist. Mit Delaney und Junuzovic verlor das Team wichtige Spieler, mit Davy Klaassen gelang ein interessanter Transfer. Klaassen spielte bei schlechten Teams meist auffällig gut, in guten Mannschaften auffällig unauffällig. Wenn der Saisonauftakt endlich mal gelingt und das könnte bei dem Auftaktprogramm der Werderaner möglich sein, dann könnte Bremen tatsächlich eine positive Überraschung der Liga werden. Ansonsten werden die Pessimisten ein durchaus passendes Problem finden.

 

Hertha BSC Berlin

Ach, wen interessiert das? Auch in der Reichshauptstadt kaum jemanden, sodass der Verein nun bereits Tickets an Kinder verschenkt. All die Hauptstadtförderung hat es nicht geschafft, Berlin in irgendeiner Form Kultur beizubringen, das gilt für die Fußballkultur genauso. Es gibt in der zweiten Liga, auch in der dritten Liga einige interessante Vereine, denen die Hertha einen Platz in der Bundesliga wegnimmt, leider wird das so bleiben.

 

Borussia Mönchengladbach

Selten lief die Vorbereitung am Niederrhein so unproblematisch. Noch nicht einmal der Kauf eines echten Mittelstürmers konnte stören. Seltsam, seltsam. Da ist es vielen offenbar nicht aufgefallen, dass die Münchner aus dem Stadtteil Gladbach einen Mangel an veritablen Innenverteidigern haben. Die Borussia könnte ja mit all den verschiedenen Möglichkeiten in der Offensive zu einem Überraschungstipp für die gesamte Saison werden, aber selbst eine Gelbsperre in der Verteidigung kann nach jetzigem Stand zu einem Problem werden. Eigentlich betont Trainer Hecking immer wieder die Wichtigkeit einer gut strukturierten Defensive und das zurecht, doch sollte genau in diesem Bereich gearbeitet und vermutlich nachgebessert werden, denn so schnell (wie nötig) schießen die Borussen dann doch nicht.

Eintracht Frankfurt

Da gewinnt Frankfurt endlich mal wieder einen Titel, wie auch immer, und dann fällt die Mannschaft personell auseinander, obwohl man doch in Europa spielen darf. In den letzten Jahren konnte das Team immer wieder mit gutem Gespür und etwas Glück recht schnell erneuert werden. Das sieht nun nicht so aus. Schade eigentlich, da Frankfurt mit Adi Hütter einen Trainer hat, der sowohl dafür bekannt ist, Mannschaften unterschiedlicher Herkunft zusammenzuführen als auch einen attraktiven Fußball spielen zu lassen. Momentan muss sich der Trainer mit Notlösungen und Improvisation herumschlagen. Kurz vor der Saison ist noch kein Gesicht, kein Gerüst der Mannschaft erkennbar. Spielerisch wäre das Potential vorhanden, um wieder erfolgreichen, aber nun schöneren Fußball zu zeigen, doch wieviel Zeit wird dem Team gegeben, das auch umzusetzen?

VfB Stuttgart

Sagenhafte 31 Punkte holte der VfB in den letzten, nur 14 Spielen unter Tayfun Korkut. Stuttgart wurde so stark, dass ein junger Spieler sogar für so viel Aufsehen sorgte, dass er für die Nationalmannschaft entdeckt wurde und als Stammspieler Weltmeister wurde. Korkut schaffte Ordnung und rotierte so wenig wie möglich. Nun öffneten die Schwaben den Geldbeutel wie nie zuvor und verpflichteten ein halbes Dutzend größtenteils sehr junger Spieler, die die Konkurrenzsituation fördern sollen. Schon ein kleiner Widerspruch zu den letzten Saisonspielen, der für eine gewisse Unordnung sorgt. Die Vorbereitung lief holprig, der Pokalauftritt enttäuschend. Wenn das so weitergeht, besteht durchaus die Gefahr, dass der gebürtige Stuttgarter Korkut plötzlich wieder zum Türken wird. Da kennt er nix, der Schwabe. Die Möglichkeiten, die der jetzige Kader des VfB bietet, sind bei weitem größer und vielfältiger als in der letzten Saison. Falls bald auch wieder Strukturen auf dem Platz erkennbar sind, dann ist das Projekt Stuttgart hochspannend; hochinteressant ist es so oder so.

In der nächsten Folge dieser kleinen Saisonvorschau wird nicht verschwiegen werden, dass die Krise auch auf auf dem Rasen stattfindet. Witzig genug, wenn es um die Mannschaften geht, die den Meistertitel in Deutschland wahrscheinlich unter sich ausmachen werden.