Der teutonische Fußball ist in der größten Krise seit der Erfindung des runden Leders. Özil weg, der HSV weg, der Weltmeistertitel weg, Max Meyer weg. Dafür Wolfsburg noch da, Götze noch da, Steffen Simon noch da und der Rasen auch noch da, obwohl die inzwischen anderthalb Jahre Dürreperiode bei Temperaturen von teilweise mehr als 20 Grad Celsius die Greenkeeper zur anstrengendsten aller Saisonvorbereitungen zwingt, quasi Dreifachbelastung: Gießen, auf Drainage verzichten und Eisessen.

Dennoch werden 18 Vereine dazu erpresst, bald die Saison 2018/19 zu spielen. Eine Rücksichtslosigkeit, die weltweit ohne Beispiel ist. Scheiß DFB, gell? Schon die erste Pokalrunde war ja kaum erträglich. Der Kantersieg der Bayern gegen Achtersen/Drossel entmutigt 17 andere Clubs so sehr, dass sie nun bereits die Gelbsperren so planen, dass kein Profi mehr gegen die Bayern antreten muss. Die Funktionäre wenigstens bereiten sich professionell vor und verinnerlichen die Begriffe Dreifachbelastung und Transferfenster so nachhaltig, dass quasi jede Frage des Lebens damit beantwortet werden kann. Aber das langt Berichterstattern allemal.

Natürlich war das Abschneiden der Nationalmannschaft bei der WM kein Ruhmesblatt in der Historie des teutschen Fußballs. Aber es war abzusehen. Zu sehr suhlte man sich im berüchtigten Gedanken: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Kam der Abgasskandal nicht auch gerade in diesem Moment, als der Deutsche UmWeltmeister war?

Aber, bisserl langsam liebe Liebende. Die kommende Saison droht wirklich interessant zu werden. Interessant oben, interessant unten und auch bei vielen Vereinen unabhängig vom Tabellenstand interessant, wie sich die Teams entwickeln.

Wer weiß eigentlich noch den dreisten Werbespruch der letzten Zweitligasaison? War das „Die beste 2.Liga aller Zeiten“? Das war dann mal etwas direkt für die Kloschüssel. Zwei Vereine mussten trotzdem aufsteigen.

 

1.FC Nürnberg

Der Club is a Depp. Aber mit guter Arbeit kann auch ein Depp aus einer schwachen 2.Liga aufsteigen, wenn gute Arbeit abgeliefert wird. Der sympathische Köllner (nicht Kölner natürlich, wir reden ja über die 1.Liga) auf der Trainerbank hat aus sehr sehr wenig sehr sehr viel gemacht, in dem er taktisch höchst flexibel agieren ließ. Wenn die Außenverteidiger auch mal einen guten Spielmacher abgeben und andersrum, dann ist das Spiel für den Gegner nicht ganz einfach zu erschließen. Diese Überraschungen werden kaum den Mangel an Erstligaerfahrung wettmachen können, aber der Club ist ja nicht der einzige Verein, der nicht um die Meisterschaft spielen wird. Vielleicht kann ein Depp ja sogar den Klassenerhalt schaffen.

Fortuna Düsseldorf

Wenig mehr Erfahrung haben die Spieler der Fortuna. Wenig mehr Klasse strahlten sie in der letzten Saison aus. Der größte Unterschied ist der Trainer. Während für Köllner sogar die 2.Liga Neuland war, ist Friedhelm Funkel seit mehr als 40 Jahren fast ohne Unterbrechung im Profibereich tätig. Die Lässigkeit mit der sich der Trainer damit abgefunden hat, wohl kaum mehr eine Mannschaft zu betreuen, die um einen Titel spielt, ist sehr angenehm. Und sie ist nötig, denn von den Spielern hat es in der Bundesliga noch niemand geschafft, sich dauerhaft durchzusetzen, auch wenn genug Talent dafür vorhanden war und ist. Es wird schon schwer für Düsseldorf, schon das Auftaktspiel gegen Augsburg kann sehr entscheidend sein, denn danach kommen harte Brocken auf die Fortuna zu. Es kann auch der Zufall sein, ob im Abstiegskampf eine negative oder positive Serie entsteht.

VfL Wolfsburg

Bekommt der HSV einen würdelosen Nachfolger. Eigentlich wollten die Wölfe ja schon absteigen, doch böse Welt: Andere waren schneller. Nun macht der Kader nur in Nuancen den Eindruck, er sei sinnvoll zusammengestellt und ist noch immer viel zu überladen. Andererseits scheint die Vorbereitung gut zu laufen, nicht nur Testspielergebnisse betreffend, sondern es scheint sich eine Art Hierarchie zu entwickeln, die in Wolfsburg lange nicht im Geringsten zu entdecken war. Insgesamt deutet nicht viel darauf hin, dass die Mehrheit des Clubs Bruno Labbadia in der ersten Krise unterstützen würde und so scheint der Weg des HSV vorgezeichnet.

SC Freiburg

Es war in der Rückrunde nicht immer einfach die Spiele des SC zu ertragen. Das sagt nicht der Freiburgfan, sondern sinngemäß der Trainer. Und das ist genau der Grund dafür, dass Freiburg und Trainer Christian Streich der Liga erhalten bleiben sollten. Ein bisschen gesunde Selbsteinschätzung ist der beste Weg aus der Krise. Ein bisschen Weiterentwicklung auf dem Platz wäre dann aber schon wichtig, um den Nichtabstieg auch gönnen zu können. Doch gerade in Freiburg folgte auf ein schlechtes Jahr häufig ein überraschend gutes.

FSV Mainz 05

Da hat Mainz mal wieder Geld durch Transfers eingenommen, das ausreicht um darin zu baden, es sich auf die Glatze prasseln zu lassen und doch ist der Kader riesengroß. Wenn Masse statt Klasse einen Kader bestimmt, der keine klaren Anführer hat, sondern viel Talent etwa auf dem selben Niveau, dann ist Unruhe zu befürchten, dann ist auch Mainz Abstiegskandidat.

Hannover 96

Da hat Hannover einen guten Trainer, da hat Hannover eine sehr anständige Aufstiegssaison gespielt und dennoch macht es keinen Spaß über Hannover zu schreiben. Wie wäre es denn mit einem fairen Waffenstillstand. Sowohl der Präsident als auch die Ultras treten zurück.

Das waren nun die sechs Teams, die nur mit geringen Chancen um die deutsche Meisterschaft kämpfen. Man sollte ja nicht gleich von Krisenvereinen sprechen, denn für mindestens drei ist der Klassenerhalt ja durchaus ein Erfolg. Über die Krise des deutschen Fußballs gibt es bald mehr an dieser Stelle zu lesen, dann auch mit einigen Vereinen, die wahrscheinlich alle die Meisterschaft erringen und damit das Krisengerede auf das gegenwärtige Niveau bringen werden.