The Interview
Während die Fußballfans die Vereinsnarrenkappe gegen die Weihnachtsnarrenmütze wechselten, zog ich mein Trenchcoat an, setzte mein Hut auf und suchte in den kalten, grauen Straßen die Story, die meine Miete über das Jahr hinweg bezahlen sollte. In einer schummrigen Bar suchte ich suchte Schutz vor dem dreckigen Wind und in meinen Taschen das Kleingeld für einen doppelten Bourbon. Ich zog die Füße auf den Barhocker, da der Boden offenbar zum letzten Male gewischt worden war, als die Gebrüder Grimm noch nach dem perfekten Sommermärchen gesucht hatten. Meine Lust auf Musik zu meinem Drink erstarb, nachdem ich feststellen musste, dass die neuste Platte darin „Gute Freunde kann niemand trennen“ war. Meine Augen gewöhnten sich nur langsam an den Dunst, so dass ich zunächst nicht merkte, dass in dieser Kaschemme geraucht wurde. Als ein Feuerzeug an einem Tisch neben der Jukebox aufflammte, sah ich sie. Was hatte ein solcher Fabelwesen wohl an einem solchen Ort zu suchen. Ihr Gesicht war alles, was diese Bar nicht war. Es war jung, sauber und hatte einen Glanz, den der Rest des Raumes sicher nicht mehr hatte, als die Blondine bereit war, geboren zu werden. Ihre in feinstem schimmerndem Leder geschmückten Finger, schienen bestellen zu wollen, doch ich nahm die Geste kühn als Einladung an, an ihrem Tisch Platz zu nehmen.
„Was macht ein so hübsches Kind wie Sie nur in einer hässlichen Bar wie dieser?“, stellte ich mich vor, doch dieses rote Lächeln schien mich längst zu kennen und zu durchschauen.
„Ich denke, ich habe, was Sie suchen! Ich habe ein Interview für Sie. Sie wissen doch, wie man interviewt“
Eine Stunde später führte Sie mich in ein besseres Stadtviertel, in eine bessere Welt mit einer einer besseren Bar. Gegenüber mir saß ein dunkelhaariger junger Mann, der für diesen Ort viel zu sportlich gekleidet war. Er wurde mir als Mustafa X. vorgestellt, aufstrebender Spieler eines ambitionierten Vereins, geboren auf dem südöstlichen Balkan. Folgendes bahnbrechendes Interview kam zustande.

Herr X., mit Ihrem Tor zum 1-0 gegen den FC, erzielten Sie bereits Ihr sechstes Saisontor. Werden Sie jetzt zu einem Torjäger?
Es tut jedem Spieler gut, Tore zu schießen.Aber zuerst einmal bin ich froh, dass wir als Mannschaft gewonnen haben. Für mich ist es wichtig, dass ich der Mannschaft helfen kann. Von meinen Mitspielern bekomme ich aber auch viele gute Bälle. Und ich spüre das Vertrauen des Trainers. Der Trainer spricht viel mit mir und sagt, was ich noch besser machen kann. Mit meinen Toren möchte ich dem Team nur etwas zurückgeben.
Nach Ihrem Wechsel im Winter 2014 hatten Sie nur einen Kurzeinsatz, in der vergangenen Saison nur knapp zehn Kurzeinsätze von der Bank. Aktuell sind Sie Stammspieler. Was hat sich geändert?
Das erste Jahr war nicht einfach für mich. Ich kam als junges Talent aus der Schweiz nach Deutschland und war zum ersten Mal auf mich allein gestellt. Das war nicht einfach. Zudem hatte ich mit Verletzungen zu kämpfen. Aber daraus habe ich viel gelernt. Ich muss Geduld haben. Inzwischen bin ich 21 und dadurch erwachsener geworden.
Was haben Sie geändert?
Ich habe viel an mir gearbeitet. Ich gehe nun in den Kraftraum und habe dadurch meine Athletik verbessert. Ich habe verstanden, dass ich Profi bin und sehr hart für dieses Privileg arbeiten muss. Geholfen hat mir auch mein Glaube und dass ich mich in dieser Mannschaft wohlfühle.
In den letzten zwölf Spielen standen Sie auf dem Platz, in zehn davon in der Anfangsformation. Haben Sie sich nun einen Stammplatz erkämpft?
Ach das kann man so nicht sagen. Im Fußball kann alles so schnell gehen. Man kann auch auf einmal aus taktischen Gründen auf der Bank sitzen und somit der Mannschaft helfen. Wir haben mehr als nur elf gute Spieler, von denen sicher jeder spielen möchte. Das kann ich verstehen.
Sie gehören zum Kader der U-21 der Schweiz. Welche Ziele haben Sie mit der Nationalmannschaft?
Ich freue mich für die Schweiz zu spielen. Aber es gibt viel Konkurrenz. Deshalb ist es für mich wichtig viel Spielpraxis zu bekommen. Gute Leistungen im Verein sind wichtig und bringen mich auch im Nationalteam weiter. Unser Ziel ist die U-21 Europameisterschaft, aber wir haben sehr starke Gegner in unserer Gruppe.
Denken Sie manchmal schon weiter? Im Sommer findet die Europameisterschaft in Frankreich statt.
Dafür muss ich wohl dauerhaft in der ersten Liga spielen. Aber so weit denke ich noch nicht. Vielleicht irgendwann.
Sie haben, so heißt es, inzwischen Angebote von verschiedenen Erstligisten aus Italien und England. Können Sie ausschließen, dass Sie im Januar noch wechseln?
Da müssen Sie meinen Berater fragen. Irgendwann möchte ich sicher in England spielen. Aber ich bin noch jung.

So, liebe Leser. Wenn Ihnen dieses Gespräch bekannt vorkommen sollte, so ist das kein Wunder. Solche sogenannten Interviews sind absolut austauschbar, egal ob sie im kicker, in der Sportbild stehen, oder von öffentlich rechtlichen Fernsehsendern geführt werden. Der Fragesteller, wie auch der Spieler sind austauschbar. Die Antworten sowieso. Es sind vorgestanzte, inhaltslose Satzschablonen, die dennoch den Inhalt von Print- oder Onlineseiten füllen sollen und leider füllen. Abscheulicher Betrug am Leser, der an solchen Stellen von einer rein weißen Seite ohne Buchstaben mehr profitieren würde.
Wir wollen diese weichgespülten Inhalte auch im neuen Jahr nicht verbreiten, sondern weiterhin unabhängig den Finger, gelegentlich sicherlich satirisch überspitzt, in die offenen Wunden der Sportart liegen, die wir alle so lieben, das ganze schon sehr bald in mehreren kleinen Artikeln zur Saisonhälfte. Leichter würde es, wenn irgendein lieber Leser, technische Unterstützung liefern könnte. Beispielsweise in Form eines längst abgeschriebenen Laptops, das nicht viel können muss, aber ein halbwegs neues Betriebssytem haben sollte, auf dem halbwegs neue Versionen von Word und Excel laufen. Danke!
Falls tatsächlich ein Leser einmal ein wirklich interessantes Interview oder einen wirklich interessanten Artikel anbieten möchte, so darf gerne die Kontaktadresse dafür genutzt werden. Es soll keineswegs böse gemeint sein, dass die bislang unaufgefordert eingegangen Beiträge leider die Ansprüche nicht erfüllen konnten. Dennoch liebe Grüße!
Bis bald, wenn Europas Vereine, die 18 Vereine der Bundesliga, sicher der eine oder andere der 2.Fußballbundesliga und natürlich unsere hochverehrten Fußballverbände wieder Thema der Stunde werden.
BUMANN