So, liebe Wir(r)köpfe, jetzt aber mal nicht vor dem Bekenntnis zurückschrecken „Wir sind ausgeschieden.“! Wer vorher schon Personalpronomen in lächerlicher Art und Weise verwechselt hat, der möge diese wir(re) Angewohnheit jetzt nicht ablegen. Wenn man seit 2014 schon das Gefühl hatte, das „wir(r)“ sei nur wenig integrativ gemeint, so bleibt doch jetzt wenigstens ehrlich Wir(r)köpfe!

Denn! Was ist eigentlich passiert? Nix, jedenfalls nix Weltbewegendes. Mit sympathischer Würde, das eigene Versagen eingestehend, ist eine weitere von 32 Mannschaften ausgeschieden, darf das unsympathischste nur mögliche Turnier verlassen, muss weder dem infantilen Mafiaboss, noch dem Dieb von Moskau die Hand schütteln. Passt scho!

Als Verweigerer dieser bloßen Korruptionsmesse habe ich von den drei deutschen Spielen insgesamt sicher keine zehn Minuten gesehen, vielleicht kaum mehr als fünf. Die externe Sicht auf das Ausscheiden dürfte an einem Tag wie heute vermutlich die bessere, weil breitere Perspektive bieten. Noch 2017 redete Bundestrainer Löw zurecht davon, dass man nicht nach Russland fahre, um einen Titel zu verteidigen, sondern um einen Titel zu gewinnen. Das war der richtige Ansatz, stand dummerweise den Parolen der werbetreibenden Industrie und der übertragenden Sendern im Weg. Seit dieser Zeit spielte das deutsche Team dann leider immer weniger, als hätten sie etwas zu gewinnen, sondern eher so, als hätten sie etwas zu verlieren. Nach der Auslosung wurde, entgegen meiner ausdrücklichen Warnung, von einer leichten Gruppe gesprochen, nie mehr erwähnt, dass es doch so ein paar Spiele bis zu einem möglichen Finale sind, nur noch von der Titelverteidigung gesprochen und zwar nicht vom Team selbst sondern von der Werbung und von den Fans, die abgestumpft die kontinuierlichen Wiederholung nachplapperten und wohl in gewohnter deutscher Großspurigkeit gar nicht daran dachten, dass Fußball gerade durch die Anwesenheit des Gegners ein komplizierter Sport ist. Mit der typisch deutschen (Un-)Tugend der Gemütlichkeit, ja Bequemlichkeit ist noch nie irgendetwas gewonnen worden. Das haben die Spieler nun verstanden, denen sicherlich immer eingeflüstert wurde, sie würden ja für den Weltmeister spielen, also seien sie per se die Größten und Schönsten.

Wenn nun davon die Rede ist, dass auf dem Feld keine Mannschaft erkennbar war, dann kann ich das nicht nachvollziehen, da ich den Scheiß einfach nicht verfolgt habe. Hellhörig konnte man aber schon nach einem Testspiel werden, als Toni Kroos umgeben von vielen jungen Spielern, nach eigener völlig prekärer Leistung die ganz dicke Keule schwang und die Mitspieler kritisierte. Wenn dann auch ein fußballfremdes Subjekt wie Antonio Rüdiger gebraucht wird, quasi das Schnabeltier unter den Fußballern, der Beweis dass auch die Schöpfer mal einen schwer verkaterten Sonntagnachmittag haben können, wenn dagegen ein Spieler der Tempo verspricht wie Leroy Sane einfach nicht ins Spiel integriert werden kann, wenn man erinnert werden muss, dass ein Mesut Özil die letzten etwa 247 Turnierspiele allesamt von Anfang an bestritten hat, ohne dass sich auch nur ein einziger Fußballfan oder auch Fan der deutschen Nationalmannschaft an ein einziges erinnern kann, dann ist das natürlich ein Versagen des Trainerteams.

Man muss es nehmen, wie es ist. Die üblichen Spieler haben genau wie Trainer Löw das Scheitern des Teams klipp und klar als Versagen bezeichnet, haben also die Schuld nicht bei anderen gesucht und das macht das Ausscheiden des Weltmeisters sympathisch. Die Brasilianer hatten es 2014 auch nur mit dem Glauben an den Titel versucht und waren nur auf Grund der Wucht der Katastrophe einsichtig. 1-7, da hat der Feld-Wald- und Wiesendeutsche an die ewige Schönheit des deutschen Fußballs geglaubt, die fünf drögen bis peinlichen Auftritte davor verdrängend.

Egal was nun passiert, mehr Dankbarkeit als für den Titel 2014 sollte man Joachim Löw dafür zollen, dass er deutsche Fußballmannschaften tollen Fußball spielen ließ. Diesmal vielleicht nicht, aber das ist letztlich unerheblich, denn das Ausscheiden macht sicher keinen Beteiligten unsympathischer. Und wenn Löw dann gehen sollte, so sollten das diejenigen, die den Rücktritt fordern, nun bedenken und sich eine sinnvolle Alternative überlegen, die man nicht erst aus einem Wolkenkuckucksheim verpflichten muss. Wenn Löw also geht dann sage ich:

Danke Jogi!