Nun ist die Saison also definitiv zu Ende. Wie in manchem Film kam es zu einem Happy-End allein dadurch, dass das Ende erreicht ist. Relativ biedere Schweden schafften es bei der U-21 Europameisterschaft, relativ grandiose Portugiesen nach 120 Minuten ohne Tor im Elfmeterschießen zu bezwingen. Das passte ja, inklusive dessen, dass der höchstgehandelte Spieler des Turniers den entscheidenden Elfmeter vergab. Auch das Ausscheiden der deutschen U-21 war so ganz und ganz typisch für die Saison 2014/15. Personelle und taktische Fehleinschätzungen paarten sich mit einer gewissen Lustlosigkeit zu einem Debakel, das deutlich höher hätte ausfallen können.
Wer kann denn zurecht zufrieden sein? Nicht gerade viele! Afficionados von Barca dürfen sicher mit dem Tripple zufrieden sein, doch wurde auch dort lange Zeit im Winter über die Entlassung des Trainers geredet. Dazu wurde und wird die Saison überschattet vom anstehenden Wahlkampf, der in Barcelona traditionell eine Schlammschlacht ist, die es schmutziger kaum bei US-amerikanischen Vorwahlen zu bewundern gibt. Witzig sind in einigen Ländern Europas ja die Aufsteiger. Bournemouth, Carpi, Darmstadt, Frosinone oder Ingolstadt sind aber für die Zufriedenheit auch nicht massentauglich. Die Meisterschaften der großen Ligen waren dagegen von Langeweile und in England auch von Niveaulosigkeit geprägt. Am spannendsten war noch die Meisterschaft in Frankreich, wo die (inzwischen) billige Mannschaft von Lyon die durch Abermillionen von katarischen Petrodollars aufgepumpte Hauptstadtmannschaft lange herausfordern konnte. Um Dingens Willen: Frankreich? Die Liga, die einen Fußball bietet, der so interessant ist wie ein drei Tage altes Baguette, die im Vergleich den Fußball der Serie A fast schon prickelnd aussehen lässt? So weit ist es gekommen.
So ist es an der Zeit, sich mit dem deutschen Ligafußball zu beschäftigen. Über den historischen Treppenwitz des Nichtabstiegs von Traditionsvereinen aus Hamburg und München und dessen Zustandekommen muss sich ja nicht weiter geäußert werden. Und auch über das anschließende Chaos bei den Löwen nicht. Auch ohne ADHS konnte sich wohl keiner genug darauf konzentrieren, um irgendjemandem, oder auch einem der Beteiligten zu erklären, was, in welcher Reihenfolge, möglicherweise auch parallell, dort nach der Saison geschehen ist und wer nun was und warum überhaupt darf.
So möge der Rückblick positiv beginnen. Positiv natürlich nur wenn man über den Tabellenplatz der Paderborner hinwegsieht. Denn im Gegensatz zu den Überraschungsaufsteigern zuvor, Braunschweig und Fürth, haben die drolligen Jungs vom Pietcong-Pfad in ihrer Auch-ich-war-eine-Dose-Arena einen tollen Job gemacht und hätten nicht absteigen müssen. Schade, dass es in der Blauen Jahrhunderthalle von Paderborn wohl lange nichts mehr zu feiern gibt, obwohl der Verein von fast allen Klubs am wenigsten falsch gemacht hat. Nur Wolfsburg und Gladbach haben dieses Jahr ähnlich wenige Fehler gemacht. Eigentlich auch Augsburg, doch, wenn man ehrlich ist, hat die tolle Mannschaft in erster Linie durch die Schwächen der anderen den sensationellen fünften Platz erreicht. Augsburg hat häufiger verloren als Absteiger Freiburg! Eigentlich kann man auch den FC aus Köln, formally known as Sülz, erwähnen, doch der Rekordwert von neun torlosen Unentschieden, lässt das Kanterunentschieden vom letzten Spieltag in der Erinnerung schnell verblassen.
Ansonsten haben die Mannschaften der Bundesliga, ihr Management und auch dieses Jahr verstärkt die Trainer Fehler über Fehler gemacht.  Da ist der Meister Bayern München, der sicherlich häufig eine Art von Fußball gezeigt hat, dem man einfach gerne zusehen möchte. Doch hat derjenige, der diese Art des schönen Fußballs konstruiert hat, gerade am Ende der Saison gezeigt, dass es ihm an Empathie für die Größe des Klubs fehlt. Entsetzliche, fahrlässige und unnötige Auswechslungen, beispielsweise von Thomas Müller in den Halbfinals, oder von Lewandowski im letzten Saisonspiel haben Guardiola bei vielen Fans und wohl, wie es heißt, auch bei Mitarbeitern des FCB Sympathien gekostet, wenn nicht sogar Titel. Die Eskalation mit der Ikone Müller-Wohlfarth trägt auch dazu bei und war, was die Außendarstellung betrifft, eine Katastrophe auch wenn der Trainer hierbei eindeutig das Richtige erreichen wollte.
Was andere Trainer so alles taten, bleibt ebenso unerklärlich. Die Personalpolitik eines Jürgen Klopp blieb vollständig undurchschaubar. Erst wurden Spieler aufgebaut und dann nach einem schlechten Spiel wieder auf die Bank verbannt. Warum war ein Subotic die ganze Saison gesetzt, obwohl er alles, was er in den letzten Jahren richtig gemacht hatte, nun in Querschläger verwandelt hat. Seine Stellungsfehler hätten nur dadurch wieder gut gemacht werden können, wenn er richtig neben sich gestanden hätte. Unerklärlich! Unerklärlich auch, dass Klopp dann mit dem zweimaligen Torwartwechsel eine zusätzliche Baustelle aufmachte. Warum hat Streich in Freiburg, als er Tore brauchte, seinen einzigen wirklich gefährlichen Torschützen Petersen (9 Tore in nur 12 Spielen) auf die Bank gesetzt und meistens nur als Joker gebracht. Ein Fall für die X-Akten. „I want to believe“ Es waren ja nicht nur die Schiedsrichter, die dafür gesorgt haben, dass Streich nun in der zweiten Liga weiter über Verschwörungstheorien nachdenken darf.
Über das was zwischen Anhängerschaft, Vorstand, Trainer und Mannschaft schiefgehen kann, war ja hier in der Saisonvorschau zu Schalke 04 schon die Rede. Mission accomplished! Dass diese Wechselwirkungen auch in anderen Vereinen genau so stattfinden können, zeigten der schwäbische VfB aus Stuttgart, die 96er aus Hannover, natürlich die Hertha aus der Reichshauptstadt und als Comeback in dieser Kategorie die angebliche Eintracht aus dem angeblichen Frankfurt. Irgendwo innerhalb eines Vereins von Bundesligagröße ist halt immer eine Tür auf, hinter der sich der Falsche beim noch Falscheren ausweinen darf, wo Mimosen auf Intreganten treffen und aus der Komödie, die das Spiel ja darstellen sollte, schon fast nach einem Plot des Shakespeare William eine Tragödie wird.
Die ganze Saison war einfach a bisserl viel Tragödie und leider häufig Schmierentragödie ohne die reinigende Katharsis. Zu viel Zufall, zu viel Irrationalität. Ein Bild, das dieses Fußballjahr mehrfach zu sehen war, beschreibt alles das. Fußballfans mit Schals verschiedener sogenannter Traditionsvereine schimpfen mit einer Dose Red Bull in der Hand über die Scheißleipziger. Wie in der Vorschau angekündigt, fanden sich hirnlose Arschlöcher, die noch im Juli Özil oder Khedira in nationalem Vollrausch vergötterten, schon im Herbst zusammen, um in neuem Vollrausch eine ekelerregende Front gegen alles zu errichten, was nicht ihrem beschränkten Horizont entspricht, wozu Menschen gehören, die aussehen wie Özil oder Khedira, aber eben zumindest in der Glotze nicht das Trikot der deutschen Nationalmannschaft tragen.

Der Rasen, der die Welt bedeutet, lässt leider auch im Negativen ein Abbild der Welt entstehen. 2014/15 ist tot, es lebe 2015/16!