Nach der Saison ist vor der Saison. Welch Trost nach einem Fußballjahr, in dem auch erbitterste Anhänger der schönsten Hauptsache der Welt häufig zu dem Schluss kamen: „Es gibt Tage, da ist Fußball einfach Scheiße!“
Einfach Scheiße ist größtenteil immer noch die Wahrnehmung des „FIFA-Skandals“.

Erstens zeichnet es sich ab, dass es nicht ein Skandal ist, sondern dass es eine kaum einzuschätzende Anzahl von unterschiedlichen Skandalen ist, die nach und nach aus dem Sumpf aus Schweigen und Korruption gefördert werden, in dem sie mit einem Betonklotz an den Füßen von den wichtigsten Vertretern des Weltfußballs versenkt worden sind.

Zweitens ist es nachwievor eine unfassbare Missachtung all der Verbrechen der FIFA durch viele Medien, wenn aus einer bloßen Ankündigung von Neuigkeiten, der oft geschriebene und dahingesagte Satz wird: Person X oder Y „befürchtet weitere erschütternde Enthüllungen“.  All das zeigt nichts anderes als das jahrelange mutwillige Wegsehen, das Negieren etwas längst Geahnten, einen schon fast pathologischen Verdrängungsmechanismus derer, die das Millionenspiel der FIFA an die Kunden brachten und bringen. Es muss längst heißen: Person X oder Y „erhofft weitere erschütternde Enthüllungen.“  und zwar im Namen der fast perfekten Kugelform des Fußballs. Man kann doch nur erhoffen, sicherlich nicht befürchten und ebenso wenig erwarten, dass der stinkende Sumpf mit all seinen bedrohlichen Krankheiten komplett trockengelegt wird.

Eine bis jetzt eher zu kurz gekommene Enthüllung ist die der Millionenzahlungen an Irland, damit der irische Verband nicht auf die Idee kommt, gegen das notfalls auch von der internationalen Raumstation erkennbare entscheidende Handspiel von Thierry Henry im entscheidenden Play-Off Spiel der Qualifikation zur WM 2010 vorzugehen. In manchem Spiel hat man nun zwar eine Art von Torlinientechnologie, die sehr sehr teuer ist und mit der wenigen ausgewählten Firmen plötzlich von verschiedenen Fußballverbänden Geld in den Rachen geschoben wird, obwohl die Technologie kaum jemals zum Einsatz kommen muss. Doch im Gegensatz zu fast allen anderen Sportarten weigert man sich stattdessen ein System im Profisport zu nutzen, das quasi ohne Mehrkosten vorhanden ist, das in fast jedem Spiel gebraucht würde und das Korruption auf dem Spielfeld ganz erheblich einen Riegel vorschieben würde, den Videobeweis. Der Kampf um Aufstieg und Abstieg in den deutschen Profiligen wäre sicher nicht zu Gunsten der „großen“ Traditionsvereine verlaufen, hätte es einen Videobeweis gegeben. Die Fehlentscheidungen waren so grob, das ein Spiel wohl auch kaum für länger als zehn zusätzliche Sekunden hätte unterbrochen werden müssen.
Überhaupt sollte man sich nicht nur auf die FIFA konzentrieren. Gerade UEFA-Präsident Platini hat rund um die WM-Vergabe an Katar soviel Dreck am Stecken, dass man sich fragt, wie er noch aufrecht gehen kann. Die Achse Platini-Sarkozy-Katar funktioniert(e) ja offenbar bestens. Platinis Sohn arbeitet in entscheidender Funktion für Katar. Geld aus Katar ist zumindest über den französichen Meister Paris St.Germain der größte Sponsor des französischen Fußballs und Platinis Schwiegersohn…. ach lassen wir das und hoffen lieber, dass es irgendwann dazu kommt, dass nicht grundsätzlich die als deutlich schlechteste ausgezeichnete Bewerbung für ein Großereignis erfolgreich sein wird.
Von der großen weiten Welt, über das mächtige Europa nach Deutschland. Über die Vermeidbarkeit der Ungerechtigkeiten im Abstiegs- und Aufstiegskampf wurde schon ein Wort verloren. Doch auch sonst machte der DFB dieses Jahr einen üblen Eindruck, der an korrupte Operettenligen im Mittelmeerraum erinnerte. Die Punktabzüge im Abstiegskampf und vor allem der Zeitpunkt dieser Punktabzüge ist ja kaum mit rechtsstaatlichen Augen und Gewissen zu fassen. Wie kann man nur zwei (2!!!!) Spieltage vor Ende der Saison einen Punktabzug vornehmen, der eine offenbar gerettete Mannschaft wieder in den Abstiegskampf befördert. Das stinkt einfach zum Himmel!
Mindestens ebenso stinkt zum Himmel, wie das deutsche Schiedsrichterwesen inzwischen absolut entscheidende einseitige Schiedsrichterleistungen versucht zu relativieren. Im Relegationsspiel zwischen dem KSC und dem HSV konnte Schiedsrichter Gräfe von seiner unfassbar einseitigen Linie ablenken, indem er seiner Jahrhundertfehlentscheidung zum entscheidenden Ausgleichtor in der gefühlten zehnten Minute der Nachspielzeit eine unerhebliche Konzessionsentscheidung folgen ließ. Alle redeten nur noch über diese beiden vergleichbaren Fehlentscheidungen und übersahen damit, dass in den letzten zehn Minuten des Spiels absolut jede auch nur mögliche Fehlentscheidung zu Gunsten des HSV getroffen wurde, inklusive zweier verpflichtenden Roten Karten für Lasogga wegen versuchter Tätlichkeit und gröbstem Foulspiel. (Anm., es gab nicht mal Gelb) Die Krone setzte diesem Thema diese Woche der Großmeister der Arroganz, der Mammamutschi der bezahlten Pfeifen, der inzwischen alters(schwachsinns)bedingt zurückgetretene Peter Gagelmann auf. Er, der Meineidbauer vom Deich, gab schon nach seiner Skandalperformance im DFB-Pokalhalbfinale zwischen den Bayern und Dortmund scheinheilig zu, dass es ein Fehler war, das Handspiel von Schmelzer zu übersehen. Eine erfolgreiche Taktik, denn alles was kommentieren durfte, stürzte sich genau auf diese Szene, obwohl er Dortmund in mindestens vier anderen Entscheidungen klar und eindeutig bevorteilte, die daraufhin einfach nicht mehr beachtet wurden. Nun legt dieser Münchhausen in kurzen Hosen im Kicker noch nach: „Unsere Leistung wurde nur an dieser einen Situation festgemacht.“  Bei solch diktatorischer erhabener Selbsteinschätzung a la Joseph Blofeld, bleiben einem die Worte weg, man möchte nur Schwester Ratched rufen.

Die nächsten Tage mehr zur abgelaufenen Saison. Es wird auch noch über Doping zu reden sein.