F.C. Delius ist kein ambitionierter Fußballverein. Friedrich Christian Delius ist einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller und Intellektuellen. Angesichts seiner herausragenden gesellschaftspolitischen Beiträge, kann man durchaus verzeihen, dass er kein großartiger Erzähler ist. In einer Rede 2005 feierte er den kulturellen Reichtum Europas und verdammte diejenigen Politiker, Konzerne und Medienbosse, die ihre Entscheidungen ausschließlich von Kosten-Nutzen-Rechnungen abhängig machen.

Der Mann hat recht. Und das auch im Fußball. Auch der Fußball kann eines der Gegenmittel, um der Idiotisierung der Gesellschaft zu widerstehen, sein. Wir haben die Freiheit, eine fast unendliche Freiheit, zu wählen. Es gibt nicht nur die sogenannten Premiumprodukte Bundesliga oder Championsleague, oder (in nomine tre diabolorum) Länderspiele, die nun auch noch in einem vollständig sinnlosen neuen Wettbewerb zu Geld gemacht werden. Selbst in den althergebrachten Medien finden wir andere Fußballkulturen, die 3.Liga, die Regionalliga oder auch gelegentlich internationale Spiele. Welch ungeheurer Reichtum an Fußballkulturen, wenn wir diesen nur zu nutzen wissen. Bedenkt man, dass man den schönen Sport nicht nur in den Medien verfolgen kann, sondern auch in Arenen, Stadien oder auf Dorfplätzen, dass man den Sport auch betreiben kann, im Verein, unter Freunden, oder auch alleine oder zu zweit, um zu üben, zu imitieren oder auch nur körperlich zu trainieren, bedenkt man darüber hinaus, dass man sich jederzeit mit der Vergangenheit des Sportes beschäftigen kann, sei es statistisch, sei es atmosphärisch, sei es kulturhistorisch, so sollte man die Fußballkultur viel häufiger preisen, vorausgesetzt, man kennt das Glücksgefühl dieser famosen Vielfalt, vorausgesetzt man entwickelt ein Bewusstsein dieser üppigen Divergenz und kann sie in aller Pracht genießen. Doch wer nur passiv dem Mainstreamfußball folgt, wer nicht die Angebote und Anregungen annimmt, der verliert die Macht zu vergleichen, zu zweifeln, selbstständig zu denken und zu handeln, der verliert letztlich all die Fähigkeiten, die es in unserer Zeit braucht, ein Teil der vielfältigen und demokratischen Kulturen zu sein, die wir alle dringend benötigen und schützen müssen.

Wer den Fußball nur als Flucht aus dem Alltag betrachtet, der wird eindimensional denken, der wird Fanatiker, dem fehlt die Verantwortung dafür, den Reichtum des Fußballs weiterzugeben, der kann auch eine privat organisierte, sicherlich demokratie- und kontrollfreie Superleague akzeptieren, solange der eigene Verein nur dabei ist. Die Gefahr dabei ist es, dass man die Kontrolle über das eigene Denken, das eigene Handeln an Konzerne abgibt, für die man letztlich nur noch Konsumentenvieh und eine bloße Zahl oder Nummer ist, dass man von den Optimierern und Verwaltern des Humankapitals, wie Mc Kinsey oder BlackRock kontrolliert wird. Letztlich verkümmert der Fan in einer Effizienzkultur zu jemandem, der die Produkte von Mc Donalds tatsächlich für Hamburger hält, der jeden Geschmack verliert, völlig egal welcher Art. In diesem Moment wird man das willenlose Opfer der Barbarei der höheren Etagen, der kultur-, demokratie- und gesellschaftszersetzenden Kräfte, die eine geistig und körperlich völlig verwahrloste Konsumentenmasse brauchen, um noch sinnlosere, noch verblödendere Produkte an eine willfährige Masse aus kaum mehr freien Süchtigen des Mittelmaß zu verscheuern, an ganz genau das Stimmvieh, das sich so mancher Politiker, vor allem der rechtspopulistischen Parteien so wünscht. Die Bequemlichkeit die Vielfalt der Fußballkultur nicht zu nutzen, fördert also all die Arschlöcher, Bürokraten und Menschenverächter, die die Zukunft nur als den Zeitraum, in der ihre Investitionen in den Egoismus, Früchte tragen werden, betrachten.

Wer nur den Tabellenplatz des eigenen Vereins kennt, der ist zu feige diesem amoralischen Profitdenken entgegenzutreten, der macht sich zum Mitarbeiter der Agenten der Verblödung, der Quotenfaschisten, und hat letztlich den Sport Fußball nie verstanden.

Also steht auf und wehrt Euch. Bildet euch nicht nur vor der nächsten Glotze, auf dem ein Abosender ein angebliches Premiumprodukt zeigt, sondern geht in die Stadien, beschäftigt Euch mit dem Verein in Eurer Nähe und spielt Fußball ohne das elende Posieren der werbetreibenden Profis nachzuäffen.