Man kann den Drehbuchautoren, nicht nur in Hollywood, immer wieder ein Kompliment machen. Sie schaffen es beständig Themen zu abstrahieren und modern zu machen, bevor diese viral werden. Wie lange sind denn Zombies momentan nun schon in Mode? Und wie oft finden wir die gehirnfressenden Zombies im Alltag wieder? Betrachtet man nur, wie ungestört heute Populisten überall auf der Welt ihre Wähler und Anhänger finden, betrachtet man die dementsprechenden Trolle im Internet, so sieht man deutlich, dass die Welt von Zombies übernommen wird, von vermindert Lebenden, deren Hirn etwas zu sehr angeknabbert ist.

Was hat das mit Fußball zu tun? Der Fußball ist auch in dieser Hinsicht ein Spiegel der Gesellschaft. Man muss sich in Deutschland ernsthafte Sorgen um die Fankultur machen. Das „Wir“ ist unversöhnlich, nicht integrativ sondern im Gegenteil ausschließend und die Gruppen von Fans die sich als „Wir“ von Vereinsführungen oder Verbänden abgrenzen wollen, sehen leider gerade die Tatsache nicht, dass sie ebenso wenig für alle Fußballfans sprechen, wie Pegida-Demonstranten, wenn sie als sinnlose, dumme und zombieähnliche Masse rufen „Wir sind das Volk“. Ihr seid nicht das Volk, ihr seid schlechtgelaunte Ratten, die ihre eigene Nasenspitze seit Jahren nicht mehr gefunden haben, weder bei Alkoholkontrollen, noch um sich selbst daran zu packen. Ihr habt nichts, überhaupt nichts anzubieten als Sündenböcke.

Leider kann man das immer häufiger bei Fußballfans in den Stadien beobachten. Auch hier regiert das „Wir“ einer Minderheit, die grundsätzlich nicht mehr diskussionsfähig ist, da sie nicht mehr erkennt, dass sie Minderheit ist oder andere auch möglicherweise eine berechtigte abweichende Meinung haben können. Sie regiert dabei durch Selbstdarstellung das Bild in den Medien, die ähnlich wie in der Politik die Mehrheiten zugunsten der Provokanten ignoriert. Egal ob sie sich „aktive Fans“ nennen, oder „Ultras“, in der zombieartigen Masse wird das „Wir“ zu einem rechtsfreien Raum, in dem andere Ansichten nicht mehr respektiert werden müssen. Von den jahrzehntelang beschwörten „Selbstreinigungskräften“ ist schlicht und einfach überhaupt nichts mehr zu sehen. Fanproteste und Pyrotechnik, die bedenkenlose Selbstdarstellung ist das Wichtigste, das Fußballspiel höchstens schmückendes Beiwerk. Das ist Zombietum, das sich in das Hirn anderer fressen möchte, es ist kein anderes Verhalten, als das der Neofaschisten, das sich inzwischen über die rein westliche Welt ausgebreitet hat. Laut, selbstbezogen, provozierend nur um der Provokation willen (aber, nein, so habe man das sicher nicht gemeint, wir werden absichtlich missverstanden, etc.) Und sowieso sind immer die anderen schuld, denn das „Wir“ ist natürlich im Recht, nicht alle anderen, nicht die Veranstalter, nicht Ordnungskräfte, die Sündenböcke werden auch hier immer schnell benannt.

Es gibt so vieles, was im heutigen Fußball nicht stimmt, es gäbe so viele Dinge zu verändern, damit der Fußball als echter Sport erhalten bleibt. Es ist auch von Fanseite immer wieder wichtig, diese Probleme gerne lautstark anzuprangern, doch man sollte gefälligst auch sinnvolle und machbare Alternativen aufzeigen. Wo sind diese Vorschläge? Ein „Wir“ spricht nicht für Schwarmintelligenz sondern für Schwarmdummheit, Schwarmverbohrheit, für aufdringlich laute, rohe und auch humorlose Verleugnung von Realitäten. Es entspricht der Metapher des Zombies.

Genügend Fans, wahrscheinlich eine große Mehrheit, jedenfalls eine übergroße Mehrheit, die mir bekannt ist, aus allen Gegenden und allen Himmelsrichtungen in Deutschland würde sich weigern, mit den Zombies der Neofaschisten in einen Topf geworfen zu werden. Vielleicht sollten gerade diese endlich mal in der ersten Person Singular und eben nicht im Plural dafür einstehen, dass es so nicht weitergehen kann, dass auch für aktive Fans nichts gewonnen werden kann, wenn es so weitergeht wie jetzt. Vielleicht sollten sie einfach mal eingestehen, dass Pyrotechnik, nur als Beispiel genannt, eben viele andere Stadionbesucher stört, anerkennen, dass die ständigen Unterbrechungen durch Pyrotechnik eben für eigentlich alle anderen ein Ärgernis sind. Welch angefressenes Hirn kann auf die Idee kommen, dass diese Unterbrechungen besser sind als die kurzen Unterbrechungen durch den Videobeweis, die im Gegensatz zu Böllern etwas mit dem Spiel zu tun haben? Vielleicht sollten diese Fans auch einfach mal das Spiel genießen.

Wie wäre es denn mit einem Pyro-Moratorium, einer Zeit, die man nützen könnte, eine Diskussionsebene zu finden, auf der ernsthaft diskutiert werden kann, ob die sogenannte „kalte Pyrotechnik“ weiterentwickelt werden und angewendet werden kann. Eine Zeit, in der sich auch genügend Fans zum Pyrotechniker ausbilden lassen könnten, um möglicherweise eine offizielle Erlaubnis zum Abbrennen bekommen zu können. Wenn Ihr Fans das „Wir“ mal nicht nur ausgrenzend benützen würdet, so könnten Euch sicherlich eine Menge guter Einfälle kommen, die Euch von Nutzen sind und damit auch dem Fußball. „In Farben getrennt, in der Sache einig“ sollte dem Fußball dienen. Können Zombies Farben überhaupt wahrnehmen?