„Der Sommer kommt!“, tönt ein spitzer Schrei aus dem Garten. „Dann laufen wir davon.“, echoen 18 holde Stimmen im Chor zurück. Und wahrlich, sie tun gut daran. Dr. Sommer, Aushilfsaufklärer der Redaktion kommt, der als Stubenältester in seinen jungen Jahren auf dem Ernst-Willimowski-Konservatorium eine bemerkenswerte Arbeit über die Dreierkette in Lessings Ringparabel verfasste. So müssen wir uns aus dem Burkini pellen und im Smoking am Smoker sitzen. Nachdem sich der Sommer zurückgezogen hat und auch seltsamerweise gleichzeitig alle Praktikantinnen verschwunden sind, stellen sich die wichtigen Fragen des Lebens: Warum machen fünf Pfund Fleisch nur so satt, welche Spieler und welche Teams der Bundesliga sind genauso satt und was trinkt man, während der zweite Teil der Saisonvorschau entsteht. Kölsch jedenfalls nicht, auch wenn nun eine Mannschaft aus der heiligen hysterischen Stadt das Thema ist.

1.FC Köln
Dass der Nachfolger von Sülz 07 erst jetzt dran ist, ist der größte Erfolg in Köln seit Jean Löring in der Halbzeitpause des Spiels der Fortuna gegen Waldhof Mannheim Trainer Toni Schumacher entließ. Stöger und Schmadtke haben trotz gelegentlicher Ausfälle den FC wieder in der ersten Liga etabliert, ohne dass bereits laut von der Championsleague geträumt wird. Darauf ein dreifaches Helau. Da ein sicherer Mittelfeldplatz keineswegs Mittelmaß bedeuten muss, kann man nun bereits für eine erfolgreiche Saison gratulieren, in der die Kölner durch beständige Weiterentwicklung wieder etwas mehr personelle und taktische Optionen als im Vorjahr haben. Es wird offenbar gute Arbeit geleistet, was auch daran zu sehen ist, dass der intelligente und wirklich sympathische Jonas Hector verlängert hat. Ausgerechnet ein Spieler, der sich dem Geschäft Fußball relativ erfolgreich verweigert und lieber seine Ruhe haben möchte, fühlt sich bei diesem FC wohl. Das hat Klasse.

VfL Wolsburg
Es wurde ja schon deutlich gemacht, dass Mentalität und Teamgeist für den Erfolg einer Mannschaft wichtig sind. Und dann soll man über die Wölfe schreiben? Naldo und Schürrle sind weg, Bendtner endlich weg. Weitere Stützen der Mannschaft wie Benaglio, Rodriguez, Luiz Gustavo und vor allem Draxler kokettieren öffentlich mit ihren Abwanderungsgedanken. Da müssen sich die hochinteressanten Neuzugänge ja jetzt schon fragen, wo sie da reingeraten sind. Das Trainerteam rund um Dieter Hecking ist um die Aufgabe aus all den Einzelinteressen eine echtes Rudel zu formen jedenfalls nicht zu beneiden. Geht der Saisonstart schief, so wird auch Hecking die Wolfsburger verlassen müssen, obwohl er sicherlich nichts für die von Spielerberatern angetriebenen Egoismen verantwortlich gemacht werden kann. Wenn man die Möglichkeiten betrachtet, die im Kader stecken und daran denkt, wie Wolfsburg Real Madrid in Championsleague vorführte, braucht man nicht viel Phantasie, sich den VfL nächstes Jahr wieder in der Championsleague vorzustellen. Wenn man feststellt, dass das Transferfenster noch eine Woche auf ist und sicherlich einige Spieler danach noch beleidigt darüber sein werden, in der niedersächsischen Provinz festzusitzen, so ist ein Platz in der zweiten Tabellenhälfte eher wahrscheinlich.

Hertha BSC Berlin
Die Hertha punktete in der letzten Vorrunde weit über ihrem Niveau, in der Rückrunde unter ihrem Niveau. Es gab keine wesentlichen Abgänge, aber auch keine wirklichen Verstärkungen, sondern eher Ergänzungen im Kader. BER ist natürlich noch nicht fertig, doch leider gibt es noch Zugverbindungen in die Reichshauptstadt. Der Trainer ist auch nach dem peinlichen Aus in der Europaleaguequalifikation noch immer derselbe, der wahrscheinlich auch nicht mehr lernt, wann man besser mal die Fresse halten sollte. Wird er den ungarischen Kryptofaschismus wohl auch nach seinem Rauswurf noch ungefragt loben? Die Hertha ist nun mal ein Berliner Sport-Club also eigentlich völlig unerheblich.

Mainz 05
Diesmal stammt der deutsche Überraschungsstarter in der Europaleague also aus Mainz. Noch ist nicht ermittelt, ob sich Europa darüber freuen kann. Die Bundesliga scheint sich jedenfalls darüber zu freuen, dass die unangenehm laufstarken Mainzer zumindest bis Weihnachten eine Doppel- bis Dreifachbelastung auf sich nehmen müssen. Doch wurde in Mainz nicht nicht so lange wie andernorts gezögert, sondern früh ein Kader zusammengestellt, der groß genug sein sollte, bei gewisser Rotation durchzuhalten. Nun gilt es an den Feinheiten zu arbeiten. Das Spiel, das Trainer Schmidt bevorzugt, beruht ja nicht nur auf den zurückgelegten Kilometern. Es ist aufgrund seiner Fexibilität schwer zu lesen. Zu unterschiedlichen Phasen eines Spiels werden im Spiel mit dem Ball und auch gegen den Ball die Konzepte verändert, wozu zumindest Gruppen auf dem Feld eine Absprache brauchen, die nicht vom Spielfeldrand kommt. In der letzten Saison war Julian Baumgartlinger in solchen Situation der Führungsspieler. Der ist aber nun nicht mehr da und so wird es noch ein wenig dauern, bis Mainz wieder regelmäßig ein unangenehmer Gegner für alle anderen Mannschaften wird.

Schalke 04
Neues im Tragödienstadl. Neuer Trainer, neuer Manager und wie es scheint auch, zumindest noch, im ganzen Verein ein neuer Wind, der nicht gleich sämtliche Interna nach außen bläst. Schalke, das in den letzten Jahren darunter litt, dass zwar viel Talent im Kader steckte, doch all die Spieler in ihren Ansprüchen und ihren Leistungen zu ähnlich waren und daher ohne konsequente Führung viel zu unbeständig waren, hat nun mit dem neuen Vorstand für Kommunikation und Sport (was für ein Titel) Christian Heidel und dem neuen Trainer Markus Weinzierl die Chance wirklich etwas zu ändern. Beide geben sich nach außen sympathisch und kommunikativ, sind jedoch intern konsequent bis knallhart. Man kann wirklich gespannt sein, wer von den Spielern da mitziehen kann und will und ob nicht doch wieder ein Spieler im Verein eine Schulter zum ausweinen findet. Einfach wird es für niemanden, selbst für die Fans nicht, die nun in der sportlichen Führung Verantwortliche haben, die extrem erfolgshungrig sind und dabei nicht auf alte Befindlichkeiten eingehen und sich in der Tradition des Vereins ausruhen. Man hat Hinweise gefunden, dass gewisse Koinzidenzen stark vom Zufall abhängen und so können nur die Voraussetzungen für den Erfolg geschaffen werden. Das hat Schalke erledigt. Ein absoluter Führungsspieler wurde verpflichtet, der gleich mehrere schwach besetzte Positionen im Kader hätte ausfüllen können, ein Spieler der bei seinen bisherigen Vereinen immer vorangegangen ist und auch Kapitän wurde. Niemand erfuhr auch nur in Gerüchten von diesem Knallertransfer bis Coke vorgestellt wurde. Keine 48 Stunden später riss das Kreuzband des Spaniers. Der Weg aus dem Tragödienstadl wird kein leichter sein.

Borussia Mönchengladbach
Wer die Gladbacher in der Championsleague-Qualifikation gesehen hat, der weiß, was die Mannschaft kann oder besser gesagt können kann. Der Verein hat in den letzten Jahren wirklich große Arbeit abgeliefert, sich Schritt für Schritt entwickelt, dabei einen Markt für seine Spieler geschaffen, die für richtig teures Geld abgegeben wurden. Diese Transfererlöse wurden sinnvoll und sogar erfolgreich wieder in neue Spieler investiert und sinnvoll heißt noch lange nicht erfolgreich. Gladbach ist dabei an eine Grenze gelangt, die schon für viele andere Vereine ein gefährlicher Abgrund bedeutete. Sie sind auf dem Weg zu einem Spitzenverein. Auf dem Bökelberg wurde nun nicht heftig in einzelne Stars investiert, sondern in die Breite des Kaders. Und schon wieder ist die Mentalität das große Thema. Einige Spieler haben sicherlich die Ansprüche auch Titel zu gewinnen, doch sie spielen in Gladbach mit Spielern auf etwa dem selben Level. Wenn man sich alleine ansieht, wer bei den Spielen gegen die Young Boys auf der Bank saß, kann man sehen, wieviele Möglichkeiten es für Unzufriedenheit gibt. Viele Spieler an der Schwelle zu den Nationalteams werden zufrieden gehalten werden müssen, auch wenn sie mal auf der Bank oder sogar auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Wie soll da über die Saison hinweg Konstanz garantiert sein? Die Chance ist da, sich dauerhaft an der Spitze zu etablieren und auch regelmäßig Championsleague zu spielen, die Wahrscheinlichkeit ist eine andere.

Bayer Leverkusen
Was für die Borussia gilt, gilt genauso für Bayer. Leverkusen hat gerade in der Breite den wahrscheinlich stärksten Kader aller Zeiten. Talent trifft auf Siegertypen. Wenn man die Stimmen der Spieler hört, so scheint zumindest am Anfang der Saison jeder bereit, sich dem Erfolg unterzuordnen und die Gerüchte werden immer lauter, dass man sogar für eine richtig heftige Ablöse auch noch das ewige Talent, das wohl nie vollendet werden wird, Hakan Calhanoglu loswerden kann. In der letzten Saison durfte die Schwächephase anfangs der Rückrunde noch auf das Verletzungspech zurückgeführt werden. Diese Entschuldigung dürfte bei der Breite des Kaders dieses Jahr entfallen. Leverkusen wird bereits zu einem Meisterschaftsfavoriten ernannt und es kann durchaus sein, dass das Team näher an die Spitze heranrückt. Doch was passiert innerhalb der Mannschaft, wenn der Erfolg mal ausbleibt, oder es in Europa nicht funktioniert? Mal wieder steht Leverkusen in einer Gruppe, in der sie weiterkommen sollten, in der die Gegner aber unangenehmer sind, als ihre bloßen Namen es vortäuschen. Bayer steht eine spannende Saison bevor, auch wenn sie Monsanto jetzt doch nicht gekauft haben. Aber ehrlich, was hätte man auch mit dem 28-jährigen französischen Linksaußen anfangen können, bei diesem Kader?

Borussia Dortmund
Noch nach der Saison wurde an dieser Stelle Dortmund und speziell Thomas Tuchel eine ganz schwierige Saison vorhergesagt. Doch die enormen Änderungen im Kader des BVB überlagern das Thema Tuchel wieder und der intelligente Trainer weiß das, ist wieder locker bis witzig und scheint sich auf die neue Saison zu freuen. Wohl in keinem anderen Spitzenverein in Europa gab es eine solche Fluktuation im Kader. Wenn eine komplette Achse aus Hummerls, Gündogan und dem überragenden Heinrich Michidingeskirchen plötzlich fehlt, so wäre Zeit für die große Depression. Doch verdammt, Dortmund schaffte es einige der vielversprechendsten Talente ganz Europas zu holen. Raphael Guerreiro, Emre Mor und Ousmane Dembele sind die aufregendsten Neuzugänge der Bundesliga, haben unglaubliches Potential. Auch Andre Schürrle ist unter seinem Lehrmeister Tuchel wieder ein großer Sprung nach vorne zuzutrauen. An Willen und Einsatz fehlt es ihm nicht. Ein großes Fragezeichen steht allerdings in der Innenverteidigung. Bislang machte Marc Bartra einen ausgezeichneten Eindruck, doch bislang gab es keinen Druck und unter Druck sah Bartra bei Barca nie wirklich gut aus. Unter all den großen Talenten könnte allerdings Sebastian Rode der Königstransfer sein. Der unbedingte Willen, die Bissigkeit von Rode könnte ein großer Trumph werden. Und dann ist da noch Mario Götze. Man muss keine der Vermutungen über Götze hier wiederholen, doch eines ist offensichtlich. Götze muss sich neuerfinden, am besten auch nicht mehr auf gewisse Ratschläge hören, sonst wird es auch in der alten Heimat schwer ins Team zu kommen. Nachdem sich der BVB in der letzten Saison quasi keine Krise nahm, auch vor der Saison trotz der Abgänge erstaunlich konzentriert wirkt, darf man auf die neue Saison einfach nur gespannt sein, ohne jedoch zu erwarten, dass irgendeine Erwartung erfüllt wird.

Bayern München
Jeder Trainer der nach Guardiola kommt ist prinzipiell ein Rückschritt, da er kein Fortschritt sein kann. Insofern haben die Bayern mit Carlo Ancelotti sicherlich die beste Wahl unter den Trainern mit großem Namen getroffen. Carletto ist der perfekte Moderator nach dem Übergang. Er schafft es das Beste zu erhalten, dabei für den breiten Kader, die vielen Nationalspieler eine Athmosphäre zu schaffen, die Erfolge möglich macht. Die persönliche Vita ist dabei entscheidend. Carletto ist ein Bauernsohn aus der Emilia-Romagna, aus der tiefsten Provinz, der in Rom zu einem großen Spieler wurde und der den Fußball stets nutzte, sich weiterzuentwickeln. Diese Verbindung aus einer gewissen Bauernschläue mit weltmännischem Verhalten macht den neuen Trainer aus. Er ist zutiefst geerdet und hat auch sprachlich stets über den Tellerrand geschaut. Eines hat Carletto Pep sicher voraus; er hat Humor. Aus verschiedenen Quellen wird berichtet, er habe sogar eine Spanne aus Witz, die von der groben Zote bis zur intelligenter Ironie reicht. All das ist wichtig, um einen Kader zu betreuen, der in dieser Breite vermutlich einzigartig ist. Mehr als 20 Nationalspieler, Weltmeister, Europameister gilt es bei Laune zu halten, auch wenn die Verletztenliste mal kürzer werden sollte. Einzig für Lewandowski und Neuer gibt es keinen Ersatz der absoluten Weltklasse. Doch im Gegensatz zu einigen möglichen Konkurrenten in der Liga, gibt es da etwas, was als Bayern-Gen beschrieben wird. Satt sind die Bayern nie. Es gibt den unbedingten Willen zum Erfolg, egal wie man angefeindet wird, oder welche Kleinigkeiten von den Medien zu Riesenskandalen aufgebauscht werden. Dazu gehört natürlich, dass von den Bayern, wie eigentlich immer, nicht weniger als das Triple erwartet wird. Vermutlich werden die Bayern das Triple nicht holen, ein Triple ist niemals von irgendeinem Team der Welt zu erwarten, vermutlich werden die Bayern auch nicht arg frühzeitig Meister. Wer einen der Titel gewinnen möchte, muss aber erst mal an den Bayern vorbei.

Die Getränke sind kaltgestellt, der Grill ist fast schon wieder warm, Praktikant Professor Mundschenk fordert genausoviel Aufmerksamkeit, wie die Praktikantinnen unserer kleinen Redaktion. Das bescheidene kleine Leben, nach den internationalen Ligen und den deutschen Ligen nun auch noch die Bundesliga zu beobachten, kann weitergehen. Die Statistiken knistern fröhlich in den Datenbänken und doch können wir uns in unserer kleinen Redaktion noch immer über Feedback und technische Unterstützung freuen. Fußballgötter zeichnen sich doch immer dadurch aus, dass sie möglichst große Teile ihrer Schöpfung im Blick behalten können. Der Chefgärtner der ULTRAS Gänseblümchen auf Facebook pflegt bereits wieder den Rasen, der die Welt bedeutet und so darf man an dieser Stelle nur eine geile Saison wünschen, mit all dem Scheiß, den wir alle so hassen und lieben.
Peace& Love!