Sport und vor allem Fußball sind von jeher ideologisch und politisch instrumentalisiert worden. In den vergangen zwei Jahrzehnten hat sich gerade in Deutschland eine regelrechte Diskursgeschichte entwickelt, die durch den gesellschaftlichen Rang des Fußballs bereits annähernd obsolet geworden ist. Auch wenn sich verschiedene Gruppen, darunter Hooligans und vor allem Ultras in den letzten Jahren in den Fokus der Allgemeinheit drängten, so haben die meisten dieser Bünde kaum mehr Wirkung gehabt als einen gewissen Grusel zu erzeugen und waren sowie sind im reinen Fußballdiskurs von keinerlei Bedeutung.

Wenn sich nun Rechtsradikale und Hooligans vermengen und mangels Gegnern innerhalb des Fußballs gegen Ausländer hetzen, in dem sie Salafisten zum Feindbild erklären, so ist das bei genauerem Hinsehen für den Fußball ohne Bedeutung, doch wird auf Grund der medialen Aufmerksamkeit die Verbindung der Hooligans zum Fußball betont. Wie bei Terroristen jeder Couleur sollen Bilder geschaffen werden, die beim Empfänger Ängste generieren sollen. Salfisten und Hooligans und Rechtsradikale sind dabei tatsächlich ideologische, provinzielle Brüder. Es sind dieselben Ausbildungen gesellschaftlicher Subkulturen, die den Sport im 19. Jahrhundert und vor allem den Fußball ab dem beginnenden 20.Jahrhundert begleiten, doch nur wenn keine Alternativen wie Volksfeste vorhanden waren. Es sind somit urbane Phänomene, die sich gerade am Rand von größeren städtischen Ansiedlungen herausbildeten und auch heute noch herausbilden. Zu den typischen Charakteristika dieser sozialen Gruppierungen gehören örtlich eng begrenzte Bindungen, sowie aggressive Männlichkeitsnormen. Roman Horak beschrieb diese in mehreren Schriften zur Situation in Wien. „Kaffeehaus und Vorstadt“ ist ein bemerkenswerter Text dazu im Buch „Global Players – Kultur, Ökonomie und Politik des Fußballs“. Die identitätsstiftenden Muster bleiben letztlich segmentär egal ob bei Islamisten, Rechtsradikalen oder Hooligans. All diese Formen des Prekeriats können sich durch die neuen Möglichkeiten medial Aufmerksamkeit zu erregen nun über die Vorstädte hinaus zu singulären ikonenhaften Inszenierungen zusammenrotten, die vor allem dadurch schauderhaft sind, da sie sich den governing bodies entziehen. Im Kleinsten ist es der Kampf um lokale Räume wie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, im Großen und Ganzen hat es mit Religion oder der Ersatzreligion Fußball nichts zu tun, sondern ist nichts Anderes als der Ausdruck von persönlichen oder gesellschaftlichen Minderwertigkeitsgefühlen.

So ist die angebliche Demonstration in Köln auch keineswegs zu überschätzen. Sämtliche Forderung der Politik, des Fußballs und auch von dem Großteil der Medien, die seit dem letzten Wochenende kursieren, sind nur der Versuch Aufmerksamkeit zu erhaschen für ein altes Phänomen, das keine weitere Aufmerksamkeit verdient, sondern in jedem Einzelfall die Durchsetzung von längst bestehenden juristischen Mitteln.