Terroranschlag hier und da: Hauptsache, Ihr habt Spaß! Populistische Schreihälse und rechte miesgelaunte Ratten bei demokratischen Wahlen erfolgreich; Hauptsache, Ihr habt Spaß! Weltmeisterschaften der Korruption und Sklavenarbeit in Russland und Katar: Hauptsache, Ihr habt Spaß! Krieg dem DFB. Hauptsache, Ihr habt Spaß!

Warum hat man dennoch den Eindruck, dass es gerade im deutschen Fußball momentan heftig an Spaß mangelt? Da gibt es Hooligans, die sich Ultras nennen und anderen Zuschauern im Stadion und auch an den Empfangsgeräten den Spaß nehmen, da sie nicht nur erheblich den Fußballgenuss stören, sondern durch die von ihnen provozierten Spielunterbrechungen erheblich in die zeitliche Planung der Mehrheit eingreifen. Es versaut dem Beobachter auch seit mehr als einem Jahrzehnt den Spaß, dass ewig und drei Tage von einer Selbstreinigungskraft der Fan-Szene die Rede ist, aber gleichzeitig sogenannte „Aktive Fans“ sich angesichts von Hooligans erstaunlich passiv verhalten und Gewalttäter im Schutz der Masse eben nicht ausschließen und erst recht nicht den entsprechenden Stellen übergeben. Dass der DFB dennoch plötzlich einen Schmusekurs fährt und auf sogenannte Kollektivstrafen verzichtet, ist rechtlich einwandfrei, geht aber an dem Problem vorbei. Der neueste Dummtrend der Fanmärsche gerade bei Auswärtsspielen soll auch bei der Gelegenheit mal nicht als fröhliche Folklore durchgehen. Wenn quasi uniformierte einen Aufmarsch machen, sollte es auch weniger emplindlichen Gemütern auf den Magen schlagen. All diese Choreographien sind militante Selbstdarstellungen, die sich selbst, aber nicht den Fußball feiern. Ach so, ja, klar, jetzt kommen wieder die Stimmen, die behaupten, dass ohne diese Szenen keine Stimmung möglich wäre. Leute, schaut euch doch mal die Stimmung an, die Fans aus Island, Irland, Nordirland, Schottland beispielsweise machen. Gegen echten Spaß stinken die von Blockwarten mit Megaphonen geführten Vorstellungen ja sowas von ab. Wer solch organisierten Spaß braucht und sich dringend selbst darstellen muss, dem seien Karnevalssitzungen empfohlen, oder stört es den feinen Herrn Ultra vielleicht, dass dort Frauen anwesend sind? Ach, Hauptsache, Ihr habt Spaß!

Auch auf dem Spielfeld vermisst man im deutschen Fußball den Spaß, natürlich erst recht mit der Doppelbelastung in englischen Wochen. Hey Spieler und Funktionäre: Ihr wolltet doch immer Fußball spielen. Jetzt dürft Ihr es und klagt dennoch darüber. Jetzt dürfen wieder Mannschaften europäisch ran und machen den Eindruck als wäre jedes Spiel eine Wurzelbehandlung bei einem an Parkinson erkrankten Zahnbrecher des Mittelalters. Vorbildlich sind dabei natürlich die Fans der Hertha. Da spielt Berlin nach Jahren mal wieder im Europacup, hat mit Athletic Bilbao einen durchaus attraktiven Gegner und eigentlich kommt keiner hin. Was ein toller Europacupabend hätte werden können, war eine stimmungsfreie Veranstaltung mit etwa so vielen Zuschauern, wie Union Berlin in der 2.Liga gegen Mannschaften wie Sandhausen mobilisieren kann.  Es gibt halt auch Vereine und Fans, die den Europacup einfach nicht verdient haben und diesen deswegen als Strafe ansehen dürfen.  Hauptsache, Ihr habt Spaß!

Der mangelnde Spaß, die uninspirierte Pflicht einer Europacupteilnahme ist wahrscheinlich die Hauptursache für das katastrophale Abschneiden der Mannschaften der Bundesliga. Fachlich, taktisch gesehen aber gibt es weitere Gründe, die man durchaus mal mit einem Lob einleiten darf.  Viele Bundesligisten gerade der oberen Tabellenhälfte versuchen, Spiele aktiv und offensiv zu gestalten, was zurecht auch von vielen Fans erwartet wird. Das funktioniert aber ohne einen Plan B nicht. Die meisten Teams die im Europacup erfolgreich spielen, ziehen sich zumindest phasenweise weit in die eigene Spielhälfte zurück, machen den Raum extrem eng und versuchen aus dieser Grundformation schnell zu kontern. Selbst Real Madrid zieht sich trotz aller Offensivpower häufig mit neun oder sogar zehn Spielern sehr weit zurück. Welche deutsche Mannschaft macht das denn in Europa? Es mag nicht das schönste taktische Mittel sein, aber wer über den mangelnden Erfolg klagt, der sollte solche taktischen Maßnahmen nicht verurteilen. Wenn man des Weiteren betrachtet, dass  viele Trainer in Deutschland offenbar glauben, es gäbe eine Rotationspflicht, sobald man mehr als ein Spiel pro Woche hat, so wird offensichtlich, woher der Misserfolg stammt. Noch bevor taktische Systeme eingespielt sind, werden Teams inzwischen bis in die 3.Liga hinunter in die, sorry, Scheiße rotiert. Nichts gegen eine vernünftige Rotation, doch das darf kein Selbstzweck werden. Nichts gegen taktische Flexibilität, doch auch diese darf nicht einsetzen, bevor eine Mannschaft ein solide Grundformation entwickelt hat. Man kommt heute nicht mehr mit 15 Spielern durch eine Saison. Das ist aufgrund der Intensität des Spiels heutzutage unmöglich, doch müssen nach fünf Wochen einer beginnenden Saison bereits mehr als zwanzig Spieler eingesetzt werden? Hauptsache, Ihr habt Spaß!

Doch leider, ja leider nimmt es dem Betrachter den Spaß und das längst nicht nur, weil die Erfolge international ausbleiben, sondern weil das Spiel darunter leidet. Aber: Hauptsache, Ihr habt Spaß und zahlt für die verschiedenen Empfangsgeräte und kauft all die wichtigen, tollen Produkte, die der Fußball und die Fußballer bewerben und wenn es mit den allerdümmsten Marketingstrategien geschieht.