Eine Halbzeitbilanz hat egal in welcher Angelegenheit große Ähnlichkeit zu Schrödingers Katze, niemals sollte daraus ein endgültiges Urteil geschlossen werden. Aber da diese Bilanz nunmal, ob tot oder lebendig, gefordert wird, soll sie nun heute zu einem Abschluss kommen, obwohl andere Angelegenheiten viel dringender thematisiert werden sollten.
Ähnlichkeiten gibt es zur realen Welt ja dennoch. Da gibt es Ultras, die sich wichtiger halten als den Fußball. Die Perspektive auf die Ränge nimmt in der Berichterstattung einen immer größeren Raum ein. Ein Jörg Dahlmann verzichtet eher auf die Wiederholung eines Tores, als darauf mehrfach irgendwelche besonders „originellen“ Fans auf der Tribüne zu zeigen. Gleichzeitig klagen die Fans darüber, dass sie nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen. Alles das kennt man von Demonstration anstandsloser Arschlöcher wie Pegida, die es geschafft haben, dass das Wort „Flüchtlingskrise“ inzwischen gesellschaftlich akzeptiert ist, anstatt dass von „Anstandskrise“ oder „Rechtsextremismuskrise“ die Rede ist. Die Leugnung von Fakten von Realitäten ist im Fußball genauso verbreitet, egal ob bei Trainern, Spielern, Funktionären, Schiedsrichtern oder Fans.

Notorische Verweigerer von Realität findet man traditionell bei

Schalke 04

Ab dem September schimmerte das Gras königsblauer als sonst irgendwo auf der Welt, da die Mannschaft plötzlich kein Spiel mehr verlor. Einsprüche, dass die Gegner sowohl in der Liga als auch im Europacup nicht unbedingt die Creme de la Creme waren, wurden außer von Trainer Breitenreiter wohl auch aus mangelnden Französichkenntnissen missachtet. Als dann nennenswerte Gegner ins Spiel kamen, blieben die Ergebnisse aus, war man zu Tode betrübt, kam es zu Protesten gegen die Vereinsführung und alles, was man auch richtig gemacht hatte, wurde in Frage gestellt. Nun ist Schalke auf Platz sechs und ist auch in Europa noch dabei. Sucht man die Wahrheit, wo die Mannschaft steht, so muss man sie exakt zwischen den Extremen suchen und das ist tatsächlich Platz sechs. Das Potential zu höheren Zielen steckt in den Talenten der Mannschaft, jedoch wurde erst vor Kurzem der richtige Weg eingeschlagen, das Ziel die Träume der Fans zu verwirklichen, ist noch ein paar Halbjahre entfernt. Eine Zeit in der die Beteiligten mehrfach die Zeit haben, sich selbst ein Bein zu stellen.

Bayer Leverkusen

Der ursprünglichen Saisonprognose für Leverkusen ist kaum etwas hinzuzufügen. Positiv wurde vom Verein Javier Hernandez „Chirarito“ hinzugefügt, der es sichtlich genießt, mal über einen längeren Zeitraum nicht nur Kurzeinsätze bei Vereinen zu haben, die sich selbst für die Weltbesten halten. Gelegentlich zeigt das Erbschen leider seinen Mitspielern, dass er angebliche Weltvereine als Heimat betrachtet. Negativ, ja für das ganze System gefährlich, ist die lange Verletzung von Lars Bender, dem die Rolle gleichzeitig Rolfes und Castro zu ersetzen zugefallen war. Dadurch bröselt die Statik im Spielsystem schnell mal in sich zusammen. Fünf Punkte Rückstand auf die Hertha, doch nur drei Punkte Vorsprung auf den neunten Platz machen Prognosen fast unmöglich, gerade da Leverkusen sowohl Fußball auf den Platz bringt, der neutrale Beobachter (und wer ist das außer Leverkusenern und Kölnern nicht) von den Sitzen reißen kann, als auch Spiele zeigt, bei denen nur die Frage offen ist, ob dem Betrachter oder den Spielern zuerst die Beine einschlafen.

Borussia Mönchengladbach

Erst fünf Niederlagen am Stück, nach dem Trainerrücktritt sechs Siege in Folge. Man sollte meinen, nach Favre wäre kein Stein auf dem anderen geblieben. Doch genau das ist nicht geschehen. Auch ab dem sechsten Spieltag spielte Gladbach ganz eindeutig den Fußball und die Passwege, die Lucien Favre über Jahre etabliert hatte und das mit dem selben Personal auf dem Feld. Je mehr Nachfolger Schubert geändert hat, desto normaler wurden die Ergebnisse. Einerseits muss man mutmaßen, dass der Schweizer seinen Spielern nach all der Zeit einfach auf den Sack gegangen war, andererseits muss man konstatieren, dass er mit seinem Rücktritt gegen den Willen der Vereinsführung alles richtig gemacht hat. Irgendwann in der Rückrunde werden sich die Ergebnisse in der Realität einpendeln. Eines wird sich offenbar nicht ändern. Der Psychopath Granit Xhaka wird wohl auch in Zukunft nicht ausgewechselt werden, obwohl man vor jedem seiner Platzverweise ganz genau sehen konnte, dass ihm bald die Sicherungen durchbrennen. Jeder dieser Platzverweise wäre durch Favre und auch Schubert zu verhindern gewesen. Vielleicht bereitet sich der Ex-Kapitän der Gladbacher aber auch nur gezielt auf die erste Partie der Europameisterschaft mit der Schweiz vor, in der er gegen Albanien auf seinen Bruder Taulant trifft. Welcher Schiedsrichter wird von der UEFA wohl mit der Leitung dieses Spiels bestraft?

Hertha BSC Berlin

Die Hertha, der BSC aus der Reichshauptstadt auf Platz drei? Das kann BER nur Hoffnung machen. Relativ arm ist die Hertha, wie auch die Stadt noch immer, doch trotz Platz drei ist sie auch noch genau so unsexy wie ihre Heimatstadt. Nein, mit Champagnerfußball ist die Hertha nicht nach oben geklettert, völlig unansehlich ist das Spiel ehrlich gesagt aber auch nicht mehr. Trainer Dardai hat es, so schwer es zu glauben ist, tatsächlich geschafft, das Spiel etwa zehn Meter nach vorne auf dem Spielfeld zu verlagern. Zwischen Abwehr und Angriff beabsichtigt niemand mehr eine Mauer zu errichten. Diese taktische Maßnahme gepaart mit einem guten Haufen Glück brachten eine Wende. So ungern Folgendes gesagt werden muss; die Hertha hat sich dieses Glück erarbeitet. Sie sind gerannt, haben geschwitzt, haben sich mehr als andere einen guten Tabellenplatz verdient. Eine kleine Anekdote erklärt den Aufschwung. Mitchell Weiser, der in der Vergangenheit gelegentlich durch Disziplinlosigkeiten aufgefallen war, spielte nicht nur trotz eines Innenbandrisses, eines Zehenbruchs und eines Außenbandrisses im Sprunggelenk 14 von 17 Spielen, nein er soll am Anfang der Saison auf den Trainer zugekommen sein und verlangt haben, dass im Training mehr und in höherer Intensität gearbeitet werde. Tja, das Spiel der Hertha sieht so aus, als wäre dem Wunsche nachgekommen worden. Die absolute Sensation wird die Hertha nicht schaffen, da es eigentlich unmöglich ist, dass sie wieder das Glück haben werden, genau im richtigen Moment das Tor zu machen und dass Bälle im richtigen Moment präzise abgefälscht werden, doch wie auch immer die Rückrunde läuft, die Mannschaft wird einen grundsoliden guten Job erledigt haben. Wie seltsam eine solche Aussage zu treffen bei etwas, das aus Berlin kommt.

Borussia Dortmund

Auch bei der Borussia muss abermals auf die Saisonvorschau verwiesen werden. Der Autor hatte wirklich Ahnung. Und das Kompliment muss auch direkt an Trainer Tuchel weitergegeben werden. Er schaffte es, fast alle Klippen zu umschiffen und doch dabei das System zu ändern, ohne das Mannschaftsgefüge völlig zu ändern und dabei zu viele Teile gegen sich aufzubringen. Einige Spieler konnten durch Krisen geführt werden, andere wurden neu eingebaut, oder bekamen erfolgreich eine neue Position. Voraussetzung dafür war wohl, wie schon vor der Saison angesprochen, der gute Start ins neue Spieljahr. Der BVB darf beginnen, für die nächste Championsleague-Saison zu planen und das zurecht. In den meisten Spielen wurde wahrlich guter Fußball gezeigt. Mit den Fortschritten eines Opa Meyang war durchaus zu rechnen, wie Tuchel aus dem typisch melancholischen Armenier Heinrich, dem Sohn des Michis, einen Spieler machte, den das traditionell eher vorsichtige Sportmagazin kicker in seiner Rangliste nun in der Weltklasse führt, das kann je nach den anstehenden Erfolgen zu einer Legende werden. Bislang kassiert der BVB noch zu viele und vor allem zu einfache Gegentore. Wenn in der Rückrunde auch hierbei deutliche Fortschritte gemacht werden, dann wird die Meisterschaft in dieser Saison erst spät entschieden.

Bayern München

Klopp wird doch nicht der Nachfolger von Guardiola. Der Autor der Saisonvorschau, und das muss man an dieser Stelle allerspätestens jetzt festhalten, hat ja nun wirklich überhaupt keine Ahnung von dem, was er da schrieb. Mea culpa, mea maxima culpa!
Trotz jahrelangem Leiden unter der Leidensgestalt des Ex-Bayern Schweinsteiger, wurde auch nicht angenommen, dass die Mannschaft der Münchner sofort so derartig befreit aufspielen würde, ohne dass der Hemmschuh des Bayernspiels mit durchschnittlich 100 Ballkontakten zwischen zwei Verletzungspausen das Spiel sinnlos verlangsamt. Nein, plötzlich spielten die Bayern größtenteils den Fußball, von dem der innere Trainer täglich über Jahre träumte. Trotz all der Verletzungen, über die es ja auch schon einmal einen speziellen Artikel hier im letzten Jahr gab, waren die Bayern stets und auch an schlechten Tagen dominant, erzielten Tore im Direktspiel, an dem so viele Spieler beteiligt waren, dass sie natürlich nicht „Tor des Monats“ werden konnten, da sie zum einen nicht für die Nationalmannschaft fielen, zum anderen keine Weitschüsse aus 30 Metern waren und vor allem nicht nur einen Spieler herausstechen ließen. Pep Guardiola sollte gerne dafür kritisiert werden, dass er ein „polaco“ ein katalanischer Nationalist ist, er darf dafür kritisiert werden, dass er den Verein nicht ganz und zu spät verstanden hat, er muss dafür gepriesen werden, dass er den großartigsten und modernsten Fußball spielen lässt, den man in der Bundesliga sehen konnte, einen Fußball, der die individuelle Klasse der Spieler mit dem Paradoxon eines recht strengen, aber dennoch flexiblen Spielsystems zu vereinigen weiß. Vollkommen absurd ist, dass der Trainer schlagartig seit der Verkündung seines Abschieds aus München von vielen Fans der Bayern kritisiert wird. Das kann sogar gefährlich für die Ziele der Saison werden. Wenn sich der Auftakt in die Rückrunde als schwierig erweist, dann wird das verwöhnte Raunen zu laut und dabei wird landauf, landab nur noch vom Triple geredet, als wäre alles andere die größte Schande. Leute! Drei Titel in der Meisterschaft, im Pokal und in der Championsleague sind eine absolute Sensation, der Lottosechser mit Zusatzzahl, eigentlich ein lächerliches Spektakel, das von keiner Mannschaft der Welt auch nur gewünscht, geschweige denn erwartet werden kann. Was erhofft werden kann, ist dass die Bayern weiterhin geilen Fußball zeigen.

Nun die übliche Schlussformel, die aus aktueller Notwenigkeit heraus leicht geändert wurde.

Ung jetzt gehts naus und spujts Fuaßboi, oder schauts Fuaßboi und lasst Euch gefälligst nicht alles bieten! Wiedersprecht Aluhutträgern, wo auch immer ihr irgendeinen Scheißdreck von diesen lesen müsst! Stellt euch in den Weg aller derer, die von einer Flüchtlingskrise reden! Bringt all die zum schweigen, die schon fast im Gleichschritt in ein nationalistisches Zeitalter marschieren wollen. Bedient Euch gefälligst Eures Verstandes und schützt nicht nur die Bürger Eures Landes, sondern schützt die Menschen in Eurem Land, vor all denen, die gerade die Xenophobie in die Mitte der Gesellschaft führen. Bekennt Euch nicht nur zur Idee Europas, sondern arbeitet auch mit kritischem Verstand daran!
Der Fußball ist bunt und kann auch Vorbild für ganze Gesellschaften sein, egal, ob man ihn rational oder emotional betrachtet!