Nachrichten über Korruption sind grundsätzlich gute Nachrichten. Nur dort, wo Korruption nicht thematisiert wird, kann sie uneingeschränkt wuchern. Dass sich Blofeld und Platini gegenseitig an ihren eitlen Zöpfen immer tiefer in den Sumpf zogen, darf aber nur der Anfang sein. Die meisten Vertreter aus den Vorständen von FIFA und UEFA, die noch nicht irgendwo im Knast sitzen, müssen wohl fürchten, dass persönliche Eitelkeiten auch zu ihrem Fallbeil werden. Man muss ja Herrn Niersbach tatsächlich dafür loben, dass er eher uneitel ist, was auch viele Stimmen bestätigen, die mit ihm persönlich und beruflich zu tun hatten. Sein Rücktritt war insofern sowohl richtig als auch folgerichtig. Die mangelnde Eitelkeit sorgte jedoch dafür, dass der Rücktritt nun wirklich komplett in die Hose ging. Wie feierlich wäre das bei einem solch eitlen falschen Fuffziger wie Zwanziger geschehen?

Den fünfzigsten Geburtstag feiern in diesen Tagen fast alle Vereine der DDR, da eine Strukturreform des Ostfußball vor einem halben Jahrhundert viele Vereine in eitle Hände der unterschiedlichen Parteibonzen delegierte. Was zunächst auch für eine Stärkung der Strukturen sorge, mit all den Erfolgen gerade in der Mitte der 70er-Jahre, hatte nach der Verwiedereinigung eher wenig Nachhaltigkeit. Sucht man die 50-jährigen, muss man sich in unteren Ligen umschauen.
Vorweg sei gesagt, dass inzwischen in den Regionalligen teilweise guter Fußball zu sehen ist. Ergebnisse werden nicht nur dadurch erkämpft, dass man dem Gegenspieler das Fleisch von den Knochen tritt, sondern Fußballspiele werden durch spielerischen Vermögen mit dem Fußball gewonnen.
In der 3.Liga, der DDR-Oberliga mit Gastvereinen, gilt das erst recht. In Dresden kommen häufig bis zu 30000 Zuschauer, in Magdeburg etwa 20000. Doch nicht nur der Zuschauerzuspruch durch die vielen Ostalgiederbys ist für den Boom verantwortlich. Interessant ist vielmehr, dass man in dieser Liga enorm unterschiedliche Spielstile sehen kann.
Da darf man von der angeblich „besten 2.Liga aller Zeiten“ durchaus enttäuscht sein. Viele der Spiele luden die Zuschauer in der Hinrunde dazu ein, sich endlich ein vernünftiges Hobby wie Ameisenbärenwürgen oder Briefmarkensammeln zu suchen. Zwei Mannschaften stehen zurecht an der Spitze, während die anderen 16 gar nicht weit unten genug stehen können. Es wurde ja zurecht viel über die äußerst fragwürdige Vereinsführung von Red Bull Leipzig gesprochen. Dennoch hat Leipzig einen Zuschauerschnitt von knapp 30000, spielte in der Endphase einen guten Fußball und wirkte zuletzt wie ein wirklich geiles zusammengewachsenes Team und nicht wie ein Retortenclub. So manche sogenánnte Traditionsmannschaft könnte sich davon etwas abschauen. Beliebtheit kann gerade im Fußball keine Kategorie sein. Allgemeine Beliebheit ist nichts als Konsensmist. Leipzig ist der Aufstieg zu gönnen! Die Pegida-artigen Angriffe von Ultragruppen und anderen sind inzwischen in ihrer Stürmerrhetorik so peinlich, dass die Vermutung naheliegt, dass die Ähnlichkeit zu den menschenfeindlichen rechtsextremen Brandstiftern kein Zufall ist. Die Äußerungen geben dem DFB jedenfalls keine Argumente in die Hand, das Geschäftsgebahren des undemokratischen Vereinsvorstandes zu unterbinden.

Kommen wir also zur Hinrunde der ersten Fußballbundesliga. Was war außer der unsäglichen Guardiolafrage das Thema? Natürlich wieder einmal die Schiedsrichter. Einerseits haben sich die Leistungen der Schiedsrichter im Allgemeinen deutlich verbessert. So wird nicht mehr bei absolut jeder abseitsverdächtigen Situation die Fahne gehoben. Mehr Tore aus klarer Abseitsposition sind dennoch nicht gefallen. So wurde endlich eine nachvollziehbare Regelung bei Handspielen durchgezogen und zwar soweit, dass Fernsehreporter sich nach drei bis vier Zeitlupen blamieren, weil sie die Situationen von Spiel zu Spiel (im Gegensatz zu den Referees) anders bewerten. Durch die Torlinientechnologie wurden die Schiris auch nicht bloßgestellt, da diese, genau wie prophezeit,  in keinem einzigen Fall sinnvoll zum Einsatz kommen musste. Doch gab es andererseits so viele verheerende Fehlentscheidungen wie noch selten in einer Hinrunde. Es mag ja sein, dass jeder Fall einzeln zu betrachten ist, doch in jedem Fall gab es in den Stadien die Technologie, mit der die unfassbaren Patzer in kürzester Zeit hätten revidiert werden können. Na gut, es gibt natürlich die Argumente der ewig Gestrigen, die es schon für einen Fehler hielten, dass die Vorfahren die Bäume verließen und die heißes Wasser für Hexenwerk halten, doch der Videobeweis wird kommen und wird den kurzen, sinnlosen, dafür aber sauteuren Versuch mit der Torlinientechnologie ins ewige Vergessen schicken. (Golden Goal, Silver Goal, da war doch mal was!)

 

TSG Hoffenheim

Natürlich hatte Hoffenheim eine Menge Pech nötig, um in die Situation zu geraten, in der der Club nun steckt. Die vielen entscheidenden Gegentore in den letzten Spielminuten waren jedoch nie darauf zurückzuführen, dass zuviel riskiert wurde, dass man den Sieg unbedingt erzwingen wollte. Und so steht der Verein mit den vielen hochtalentierten Spielern nicht ganz zu Unrecht auf dem letzten Platz. Hoffenheim stand immer für eine offensive Ausrichtung und dafür ist der Kader auch aufgestellt. Nun haben sie jedoch Huub Stevens, der schon andere darbende Teams ziemlich sinnlos vor dem Abstieg bewahrte. Der Kauz aus Kerkrade ist wahrlich kein unsympathischer Vertreter der Trainerzunft, doch wer braucht schon Hoffenheim mit Stevens-Fußball in der ersten Fußballbundesliga?

Hannover 96

Alle einzelnen Teile eines Ganzen haben Einfluss auf das Gesamtkonstrukt. Teile interagieren, Teile ziehen sich an, oder sie stoßen sich ab. Bei Hannover 96 hatte man in der ganzen Hinrunde viel zu selten den Eindruck, als würden die einzelnen Teile der Mannschaft irgendeinen positiven Effekt auf andere Teile bewirken konnten. Viel theoretisches Talent wirkte chaotisch in irgendwelche Richtungen, ohne dass der Eindruck erweckt werden konnte, die einzelnen Komponenten wären Teil eines Ganzen. Torhüter Zieler alleine schaffte es gelegentlich Hannover Punkte zu retten. Nur wenn es Schaaf in kürzester Zeit gelingen sollte ein echtes Team zu formen, kann man vielleicht noch grün oder weiß sehen. Schwarz sehen für die 96er ist viel realistischer!

Werder Bremen

Dieses Jahr wird es in der Bundesliga unverdiente Absteiger und unverdiente Nichtabsteiger geben. So hart es klingt und so leid einem Werder tun kann, so kann Bremen auch zum verdienten Absteiger werden. Gefühlte 30 (nein es waren nur 23) Spieler wurden in der ersten Mannschaft, gefühlte 40 (waren es wirklich fast) wurden in der zweiten Mannschaft eingesetzt. Außer Vestergaard gibt es in dieser Spielermasse keinen einzigen, der auch für Vereine, die europäisch ambitioniert sind, interessant wäre. Wenn sich das nicht ändert, so bleibt Werder nur noch Hoffnung, nur Hoffnung, dass mindestens zwei andere Vereine noch schlechter punkten.

VfB Stuttgart

Selten ging in der Bundesliga ein Trainer aus so vorhersehbaren Gründen, selten wurde der Nachfolger als Trainer in der Winterpause so von der Vereinsführung im Stich gelassen. Was soll der Erzwestfale Großkreutz bei den verstockten Schwaben, die Zorniger nach glücklichen vier Punkten aus den ersten acht Spielen nur deswegen nicht entließen, weil er einer der ihren war? Warum wurde die durchgehend bundesligauntaugliche Defensive nicht verstärkt, die dem offensiven Ansatz des Trainersturkopfs Zorniger niemals eine Chance geben konnte? Noch ist die Transferperiode nicht vorbei, doch für eine eingespielte Abwehr wäre ein Transfer nun wahrscheinlich auch schon zu spät. All das führt, wie beispielsweise regelmäßig bei der niederländischen Nationalmannschaft, zu einer Unwucht im Spiel. Das vorhandene Offensivpotential kann nicht genutzt werden, ohne dass hinten alles zusammenbricht. Ob das für den VfB gut geht, ist schwer vorauszusagen, dass die Tage von Robin Dutt als Sportvorstand gezählt sein dürften, sollte keine Frage mehr sein.

 
Eintracht Frankfurt

Das Verletzungspech blieb der Eintracht auch in der Winterpause treu. Die in der Saisonprognose beschriebenen Probleme bei den Außenverteidigern ebenso. Sicher müsste die SGE nicht so weit unten stehen, sicher ist aber ebenfalls, dass der Tabellenplatz in den ersten beiden Sätzen bereits erklärt wurde. Warum die Mannschaft in einigen Spielen völlig auseinandergebrochen ist, bleibt dagegen ein Rätsel. Gerade Spieler, die charakterlich einwandfrei erschienen, versagten in diesen Spielen total. Wenn Frankfurt den Klassenerhalt auch schafft, muss doch am Ende der Saison eine klare vereinsinterne Aussprache her, denn so wie unter Schaaf und Veh kann sollte es eigentlich nicht weitergehen können. Es stinkt in der Bankenstadt, sorry es stinkt wie Handkäs!

Darmstadt 98

Schon in der Saisonvorschau wurden die Stärken der Veilchen beschrieben und doch überraschte die Mannschaft den Großteil der Liga in fast allen Spielen damit, dass ihr wohlorganisierter Einsatz fast jedes Spiel ergebnisoffen ließ. Im Laufe der Hinserie konnte man auch durchaus spielerische Fortschritte erkennen. Bei all den labilen Mannschaften mit mehr Potential in der diesjährigen Bundesliga kann es am Ende durchaus sein, dass Darmstadt die Sensation, den Ligaerhalt schafft. Der Überraschungseffekt der ersten Spiele ist zwar vorbei, doch ist es Trainer Dirk Schuster absolut zuzutrauen, dass er in der Winterpause neue Überraschungen vorbereitet hat.

Der nächste Teil folgt sehr bald. Knurz und kapp, neutral und parteiisch, international und skurril wird auch bei den ULTRAS Gänseblümchen auf Facebook über den Sport, den wir alle lieben, informiert.