Gerade begann der Fußball wieder Spaß zu machen. Die Rasen wurden grüner, die Spiele besser, persönliche Leistungen spektakulärer, Tabellenkonstellationen interessanter. Von der 3.Liga bis in die Euroleague konnte man sehr feinen Fußball genießen. Ein überraschendes Beispiel für einen wirklich schön gespielten Ball lieferte Celtic Glasgow in dem aufregenden Hinspiel der Europa League gegen Inter Mailand. Ja sogar Messi fand die Lust am Fußball wieder und brillierte wie in besten Zeiten.Fast hätte man schon dichten mögen:

Fußball läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte ….

Über die albernen Blüten des Falschen Fuffzigers Zwanziger konnte man sich den Kopf schüttelnd noch grinsend amüsieren, obwohl er sich zu einer Art PR-Agenten für Sepp Blofeld entwickelt hat. Doch dann zeigte der Fußball, nein besser sein Umfeld wieder all die Seiten, die den Anhänger der geplegten Fußlümmelei schlicht wahnsinnig werden lassen.

WM- Endspiel 2022 kurz vor Weihnachten? Ja mei…… also im Prinzip… naja…..

Die traurigsten Worte in der deutschen Sprache lauten: „zu spät“. Niemand, wirklich niemand hat Spaß an der Vorstellung an einer WM in dem Wüstenkleinstaat und ich glaube, selbst den Kataris dürfte es auf den Sack gehen, dass die Kritik an der WM-Vergabe nicht enden will. Man hätte sofort nach der Wahl die FIFA verklagen sollen, oder mit dem Entzug von Sponsorengeld drohen müssen. Jetzt ist es zu spät. Nachdem die Vorbereitungen sehr weit vorangekommen sind, hätten nun die Scheichs die Möglichkeit zu klagen. Zu spät!

Zu spät erkannte man, dass es in der Wüste im Sommer gemütlich warm ist. Hätte man nicht gleich Russland eine WM im Winter geben sollen? Sklaverei? Jetzt droht diese nun auch in Russland. Der niedrige Ölpreis und die Sanktionen gegen die Großkleptokratie gefährden die Vorbereitung auf 2018 enorm. Die Kosten explodieren. Gut dass die Duma, das russische Parlament ein Gesetz beschlossen hat, dass es möglich macht, Gastarbeiten den Lohn für Überstunden oder Wochenendarbeit einfach vorzuenthalten. Wie schon mehrfach erwähnt. Eine WM in einem Land, in dem Regeln keine Rolle mehr spielen ist unverantwortlich.

Ein nächstes Ärgernis ist der schon absurd hoch dotierte Fernsehdeal, den die englische Premierleague erzielt hat. Auch die kleinsten und schlechtesten Klubs in England werden bald deutlich mehr Geld durch die Fernsehrechte zur Verfügung haben als die erfolgreichsten deutschen Vereine. So muss bespielsweise Manchester United nun nicht mehr darüber nachdenken an seinem Schuldenberg zu arbeiten, der inzwischen genauso hoch ist wie der Jahresumsatz, nämlich über eine halbe Milliarde Euro. Was soll man da noch sagen?

Wenn jemand 2,3 Milliarden für die Übertragungsrechte einer Saison zahlt, dann gibt es ja eigentlich nichts daran auszusetzen. Doch nun muss die DFL natürlich darüber nachdenken, wie sie ihre eigene Liga präsentieren kann, um vielleicht die Hälfte des Milliardenwahnsinns in England zu kassieren. Die Spieltage werden sicher noch mehr zersplittert. 15.30 am Samstag dürfte Geschichte sein!

Eine Befürchtung muss man jedenfalls nicht haben, dass die Liga in England oder auch die Three Lions besser werden. Die Ausbildung von jungen Spielern wird weiterhin hinter den Gehaltsforderungen internationaler „Stars“ zurückbleiben. Wenn man sich nur ansieht, wie die Bilanz der jungen Deutschen aussieht, die schon als Jugendliche in die Ausbildung zu englischen Klubs gegangen sind, so darf man beruhigt feststellen, dass kaum ein Rückkehrer mehr als 2.Liga schaffte.

Ups! Selbst in Italien gibt es mehr Fernsehgelder. Klingt komisch? Ist aber so. Die Serie A fällt zwar kaum durch guten Fußball auf, sondern ist mehr für Lach- und Sachgeschichten bekannt, doch das hat der Fußball Italiens mit der Politik Italiens gemeinsam. Ihr meint, ich würde übertreiben? Dann habt Ihr, liebe Leser, die inzwischen täglichen Meldungen zur Pleite des FC Parma verpasst. (Bei den Ultras Gänseblümchen auf Facebook berichtete ich schon im September darüber) Es ist nicht die letzte Meldung, aber eine typische: Am Freitag wurde das Auto des Präsidenten des Fußballklubs beschlagnahmt, als Manenti auf dem Weg zum Bürgermeister der Stadt war. Das hatte nicht direkt etwas mit der Pleite des FC zu tun, nein, unbezahlte Strafzettel von knapp 2000 Euro waren der Grund dafür und zeigen die schamlose Dummdreistigkeit der Beteiligten.

Frisch kommt dann auch noch die Bestätigung eines jahrelang gehegten Verdachts. An der Uniklinik Freiburg wurden nicht nur Radfahrer fit für die Durchquerung des Dopingsumpfes gespritzt, sondern auch Fußballprofis des VfB Stuttgart und mutmaßlich des SC Freiburg wurden systematisch gedopt. Bislang ist nur von der Zeit der späten 70ger Jahre und dem Anfang der 80ger die Rede, doch das war es in anderen Fällen in der Leichtathletik und dem Radsport zunächst auch. Es sollen hier nicht die Fußballklubs Baden-Würtenbergs an den Pranger gestellt werden. Auch andere Spitzenspieler, auch einige Nationalspieler schwörten lange Zeit auf die Behandlungen des Professor Klümper. Ob Spieler, die nun als Funktionäre tätig sind, wie Karl-Heinz Rummenigge nun auch noch beginnen zu schwören, darf man bezweifeln, doch muss man ihnen zu Gute halten, dass das Bewusstsein für Doping vor etwa 35 Jahren weit weniger ausgeprägt war als heute.

Es wird Zeit, dass der Frühling nun wirklich losgeht:

Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Fußball, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

 

Es hasst weiterhin Möricke, euer Bumann