Saisonfinale

Zum ersten Male seit diese bescheidene Seite existiert, gibt es in der Fußballbundesliga ein Finale, einen 34. Spieltag, an dem die Meisterschaft erst am letzten Spieltag entschieden wird.

Wenn man sich die spannendste Meisterschaftsentscheidung der Geschichte vergegenwärtigt, so kann man feststellen, zu welch dämlicher Legendenbildung ein solches Finale führen kann. Da ist gerade wieder vom Vier-Minuten-Meister Schalke 04 die Rede. Selbst für Traditionsmannschaften ein peinlicher Fakt, auch wenn die Tradition der Schalker fast ausschließlich auf Meisterschaften im Dritten Reich beruht. Von königsblauer Seite wird dann weiter die Legende gesponnen, dass Schiedsrichter Markus Merk am 19. Mai 2001 sie Meisterschaft gestohlen hätte. Davon abgesehen, dass die Freistoßentscheidung zum Ausgleich der Bayern in der Nachspielzeit absolut, nach allen Kriterien der Regeln richtig war, wird übersehen, dass während der 90 Minuten davor im Parkstadion in Gelsenkirchen der Schiedsrichter Hartmut Strampe Schalke 04 am Leben erhielt. Im Zeitalter des Videobeweises, hätte Schalke gegen Unterhaching beim Spielstand von 0-2 und 2-3 mindestens zwei Elfmeter gegen sich erdulden müssen, hätte das Heimspiel ohne ein gewisses Wohlwollen des Schiedsrichters ohnehin nicht gewonnen.

Nun steht die Bundesliga also vor der Entscheidung zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Doch während in früheren Zeiten eine Meisterschaftsentscheidung häufig von einer der beteiligten Mannschaften gewonnen wurde, ist in dieser Saison davon auszugehen, dass die Meisterschaft, sollte es knapp werden, eher von einer der beteiligten Mannschaften verloren wird. Wenn es zu einer Entscheidung in letzter Minute kommen sollte, so scheint es wahrscheinlicher, dass sich entweder der BVB oder der FCB in letzter oder späterer Minute ein Gegentor einfangen werden, das die Meisterschaft entscheidet. Sollte es knapp werden, so machen beide Teams nicht den Eindruck, sie könnten eine enge Situation aus eigener Stärke bewältigen können, man erinnere sich an den Auftritt der Bayern in Nürnberg, oder eben an den letzten Spieltag, als Dortmund letztendlich glücklich den eigentlich verdienten Sieg gegen 10 Düsseldorfer sicherte, obwohl die 3-1 Führung erst in der Nachspielzeit fiel.

Spannend ist die Konstellation ja erst durch die Gegner der Meisterschaftsaspiranten. Gladbach und Frankfurt kämpfen um einen Platz in der Championsleague und haben beide etwas zu verlieren, Frankfurt sogar einen Platz in der nächsten Europacupsaison. Beide Mannschaften werden also auf die Resultate auf anderen Plätzen angewiesen sein und womöglich auf die Ergebnisse von Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim reagieren müssen. Nun scheint Gladbach trotz des Sieges gegen hoffnungslose Nürnberger angeschlagen. Frankfurt als Gegner des anderen Meisterschaftskandidaten scheint in der Betrachtung viel interessanter. Sie zeigten im Laufe der Saison eine unglaubliche Mentalität, eine Willen, gerade in der Euroleague, der respekteinflößend war. Nach dem Ausscheiden im Elfmeterschießen gegen Chelsea schienen sie gegen Mainz schon sehr am Ende, körperlich wie mental. Doch es geht nun um das eine, alles entscheidende Spiel, das über das Wohl und Wehe eines ganzen Jahres entscheiden kann und wer die Frankfurter beobachtet hat, der kann sich schon sehr gut vorstellen, dass sie in diesem einen Spiel noch einmal zu einer Stärke zurückfinden können, die eine Gefahr für die Bayern werden kann. Eine Gefahr die in der Allianzarena hausgemacht sein kann. Die Meisterschaft und ein ein notwendiger Sieg dafür scheint weniger Thema zu sein, als der Abschied von Robbery oder die Bekenntnisse der Führungsetage zu Trainer Kovac. Es ist Bayern München, Leute! Wenn die Gefahr besteht, innerhalb von acht Tagen eine Saison ohne jeden Titel erleben zu müssen, so ist es doch selbstverständlich, dass keine hundertprozentige Garantie ausgesprochen werden kann, dass der Trainer seinen Job behält. Alles andere wäre Schwindelei, provoziert doch die Haltung der Medien, die einem Bekenntnis zum Trainer im Misserfolg die schamlosen Lügen der Bayern-Führung skandalisierend entgegnen würden.

Wenn die Bayern schlau sind, zermürben sie Frankfurt mit Geduld, sind vorsichtig in der Defensive, lassen den Ball laufen, rauben dem Gegner die letzten physischen und psychischen Kräfte, dann muss nicht mehr auf den Bökelberg geblickt werden, dann kann man die Schwäche oder womöglich sogar Stärke der Dortmunder einfach missachten. Doch schlau haben sich die Bayern in dieser Saison selten angestellt. Auch wenn ein Unentschieden ausreicht, so birgt die Situation das Drama in sich; ein Drama jedoch, das die Protagonisten weder in Mönchengladbach noch in München gewinnen, sondern eigentlich nur verlieren können.