Der Demokratie von Weimar fehlte es an Demokraten. Europa fehlt es an Europäern. Und doch sollte der Blick dessen, der dazu noch fähig ist, über den eigenen verwöhnten, vollgefressenen Wanst hinaus gelegentlich in die Ferne schweifen, da der Fußball nun mal nicht auf dem eigenen Vereinsgelände endet.
Wer in Deutschland das schreckliche Diktum von der Lügenpresse in seinem degenerierten Hirn und dem verfaulten Mund führt, der ist auf Lumpensammler hereingefallen, ja ist nichts anderes als ein Lump, der an nichts glaubt, was er nicht sieht und somit auch unfähig, ja so behindert ist, dass er sich nicht zuerst an die eigene Nase fassen kann, weil er diese schlicht mit seinem eingeschränkten Sichtfeld nicht sieht.
Im europäischen Ausland ist das durchaus anders. Da gibt es tägliche Sportzeitungen, die alle 24 Stunden bereits wieder mit angeblichen Neuigkeiten gefüllt werden müssen. Dani Alves von FC Barcelona klagte erst letztes Wochenende mit heftigen Schimpfwörtern zurecht darüber, ohne das Wort Lüg.. zu verwenden. Durch die Aktualität des Internets landen dann auch einige Meldungen in den deutschen Medien. Doch wen interessiert eigentlich irgendeine Ente aus dem Privatleben eines Spielers? Spielt das auf dem Rasen eine Rolle? Natürlich nicht! Spieler werden zu Promis gemacht und manche glauben angefeuert von den Spielerberatern oder besser Fußballerabzockern auch genau daran.
Überhaupt nutzen Spielerberater die angesprochenen Medien, um stets Gerüchte zu schüren und damit für sich selbst das Beste herauszuholen. Manchmal wird das ekelhaft penetrant. Über mindestens fünf Wechselperioden wurde vor einiger Zeit lanciert, dass Mirko Vucinic gaaaanz sicher zu den Bayern ginge, ohne dass irgendein Verantwortlicher der Münchner den Namen jemals falsch ausgesprochen hätte. Nun verdient der Montenegriner mit seiner Marketingagentur Petrodollars irgendwo in der Wüste. Wir gratulieren!
Jeder Verein, dem man eine gewisse finanzielle Stärke zutraut, muss sich mit solchen Gerüchten auseinandersetzen, aber dennoch haben weder Real, noch die Bayern und tatsächlich nicht einmal Manchester City hunderte von Nationalspielern unter Vertrag. Widerwärtig und unnötig war auch die Posse um Pep Guardiola. Da gibt der Verein den genauen Termin bekannt, an dem die Entscheidung bekannt gemacht wird und dennoch ist den Medienvertretern keine Nachfrage zu peinlich, um schließlich nach nichts anderem als der endlosen Wiederholung des Termins, irgendwelche Andeutung daraus abzuleiten. Nun: Der Termin wurde präzise eingehalten, das Ergebnis ist bekannt! Und? Hat die Kaffeesatzleserei irgendwie geholfen, irgendjemanden besser gelaunt gemacht?
Dabei ist gute Laune doch so wichtig. In Liverpool herrscht geradezu irrsinnig gute Laune seit Brendan Rodgers durch Jürgen Klopp ersetzt wurde. Da wird einfach darüber hinweggelächelt, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Die Verletztenliste, die Punktausbeute sind quasi identisch geblieben und auch das Spiel hat sich nur um Nuancen geändert. Die selbe Politik betreibt nun der Gute-Laune-Diktator von Real Madrid Florentino Perez. Ein absoluter Fachmann und Erfolgstrainer, der zugegebenermaßen seine Macken hat, aber dabei noch nicht an den Sturkopf eines Zorniger heranreicht, wird einfach durch einen Trainernovizen ersetzt, weil dieser angeblich den größeren Glanz verbreiten würde. Ja super, das bietet Antonio Banderas als Nachfolgeoption an und schon bald auch Lady Gaga.
Aber man darf die Laune ja nicht unterschätzen. Vergleicht man Leicester City mit Manchester United, so muss man sich heftig zwicken. Fastabsteiger Leicester ist punktgleich mit dem Tabellenführer der Premier League neun Punkte vor United. Verfolgt man auch nur ansatzweise die Spiele, so muss man feststellen, dass bei Leicester ein Team entstanden ist, wohingegen unter van Gaal ein Haufen Spieler auf dem Feld stehen, die nun mal irgendwie zusammen spielen müssen. Auf der einen Seite sieht man den Spaß jedes Spielers, dem Team zu helfen, den Spaß am sensationellen Erfolg, bei dem (noch) niemand beleidigt ist, wenn er nicht spielt. Auf der anderen Seite herrscht ein einziges Missverständnis. Die Fans verstehen den Fußball nicht mehr, die Spieler verstehen weder ihren querköpfigen Trainer, noch ihre Mitspieler und erst recht nicht die Fans. Das soll nicht unbedingt heißen, dass Louis van Gaal eine schlechte Arbeit macht. Es war durchaus nötig den Stil Manchesters der Moderne anzupassen, doch all die Versuche dauern nun einfach schon zu lange, als dass dabei noch etwas Gutes herauskommen könnte.
Manchester United ist nur ein Beispiel für all das, was in der Liga der Goldesel schiefläuft. Die Vereine können es sich inzwischen leisten, zweistellige Millionenbeträge für reine Versuche aus dem Fenster zu schmeißen. Wenn´s nicht klappt, dann wird ein Spieler einfach weiterverkauft. Doch es wird nicht damit kalkuliert, dass Spieler dieser Preisklasse auch spielen wollen und dann eben nicht mit sprühender guten Laune die Mannschaft bereichern, wenn sie auf der Bank oder der Tribüne sitzen. Ein Kevin Wimmer, der sich bei Köln in der letzten Saison zu einem Verteidiger auf sehr hohem Niveau entwickelt hat, spielte in der Premier League für Tottenham noch kein einziges Mal, möchte aber im Sommer natürlich für Österreich bei der Europameisterschaft spielen. Die Gehaltsschecks sind enorm, können aber sicher nicht all den Frust zudecken. Was nun? Sich verleihen lassen? Genauso beginnt die Abwärtsspirale für eine Karriere. Auch deutsche Vereine sind schon vorsichtig geworden, da fast kein Spieler nach der Rückkehr aus England sein altes Niveau erreichte und doch jeder das Gehaltsniveau aus England mitbringen wollte. Aber es gibt ja noch den Weg, den ein Mirko Vucinic bestritten hat.
Leicester City ist nur ein Beispiel für den Zwergenaufstand in vielen Ligen. Sassuolo in Italien und vor allen die baskische Kleinstadt Eibar, mit ihrem Dorfplatz schafften in der ersten Saisonhälfte Erstaunliches. Gent in der Championsleague und auch der Skandalverein Sion in der Europaleague bestätigten diesen Trend. Der Trainerverbrauch des Herrn Constantin aus Sion ist eigentlich wider aller guten Sitten und wird nur in der Türkei bei Genclerbirligi übertroffen, wo Präsident Cavcav in dieser Saison bereits fünf Trainer feuerte und wo durchaus anzunehmen ist, dass der bereits 80-jährige bald die hunderste Entlassung feiern kann. Allein während dieser Text verfasst wurde, könnte durchaus die eine oder andere hinzugekommen sein.
Europa ist interessant. Und auch wenn sich Deutschland Fußballweltmeister nennen darf, so findet außerhalb der Fußballbundesliga ebenso hochinteressanter Sport statt. Nein, an deutschem Wesen muss die Welt nicht genesen. Nicht im Fußball und nicht im restlichen Leben. Ein unaufgeregter Gedanke einer europäischen Einigung, ohne Arroganz, würde schon weiterhelfen. Aber für einen Gedanken müsste man ja tja… denken, was in diesen Zeiten für viele ein unzumutbarer Weg erscheint, da er ja leider nicht bequem ist. Man möchte die Leute dazu auffordern, die Schädelinnendrüse mal arbeiten zu lassen, aber: Wirr sind Weltmeister, ja wirr ist das Volk!