Wisst Ihr eigentlich, wer in den 60ern, den 70ern oder den 80ern der bestbezahlte Spieler war, oder derjenige mit der coolsten Frisur, oder womöglich den lässigsten Tattoos? Oder könnt Ihr euch eher an Spieler , die etwas gewonnen haben, die auch vielleicht nichts gewonnen haben, aber Persönlichkeit hatten, erinnern.  Ist es womöglich böse, wenn man behauptet, der Fußball sei zu einem Jahrmarkt der Eitelkeiten verkommen? Ich kenne da einen Spieler, der ist gerade mal zwanzig Jahre alt, hat gerade mal eine Saison in einer großen Liga hinter sich, verdient sicherlich mehr im Jahr als die meisten seiner Fans in ihrem ganzen Leben und dennoch konnten ihn die Berater davon überzeugen, dass er nur Hans-Joachim Watzkes Negersklave ist. Es ist nicht der einzige Fall, der eine Saisonvorschau besonders schwierig macht, da nur zwei Tage vor der Saison keineswegs feststeht, welche Mannschaft eigentlich noch welche Spieler zur Verfügung hat und welche vielleicht noch kommen werden. Dazu kommt, dass am Ende der Saison eine Weltmeisterschaft geplant ist. Da überlegen sich sicherlich noch einige Spieler und ihre Berater, ob sie sich nicht international ins Schaufenster stellen sollen, um die Messe der Korruption und der Eitelkeit in Russland nicht zu verpassen. Das heißt natürlich, dass gerade in der Winterpause wieder alles anders sein kann, auch da sich einige der Kandidaten bei ihrem Traumvereinen auf der Tribüne wiederfinden könnten.

Trotzdem wollen wir uns einmal an einer Saisonvorschau für die 1.Fußballbundesliga versuchen und diese Saison hat es durchaus in sich, denn sie verspricht nicht nur in der unteren Hälfte spannend zu werden. Und doch geht es unten los.

 

Hannover 96

Hannover hat es also wieder in die 1.Liga geschafft. Puh! Das hat auch die Fans geschafft, denn obgleich die 2.Liga letztes Jahr nicht durch besonders hohes Niveau auf dem Feld aufwartete, hingen und würgten sich die 96er eher auf den zweiten Platz, als dass sie ihn verdient hatten, aber irgendeine Mannschaft musste ja aufsteigen. Hat sich seitdem viel verändert? Nein! Die bisherigen Neuzugänge werden das Spiel  sicher nicht auf eine höhere Stufe bringen, höchsten um Nuancen. Alles andere als Abstiegskampf wäre eine Überraschung. Davon lenkt die Diskussion um Präsident Martin Kind ganz herausragend ab. Ohne Kind gäbe es in Hannover wahrscheinlich seit Jahren keinen Profifußball, doch wird er von den sogenannten aktiven Fans massiv angegriffen, weil er nach 20 Jahren Einsatz für den Club die 50+1-Regel kippen kann. Es ist schwer zu sagen, was man davon halten soll, doch ist die Intensität der Anfeindungen sicherlich bloße Idiotie.

 

VfB Stuttgart

Die Ausgangslage des VfB ist ganz ähnlich, mit dem Unterschied, dass im Aufstiegsjahr ein Plan zu erkennen war. Dieser Plan zu aktivem offensivem Fußball war ja ganz nett, doch brach bei etwas intensiverem Widerstand (also immer diese gegnerischen Mannschaften, ts, ts, ts) gerade die Defensive  häufig in Bruchteile ihrer Bestandteile auseinander. Zunächst wurde nun versucht noch mehr sehr jugendliches Talent in die Mannschaft zu pumpen, doch dann verletzten sich ausgerechnet erfahrene Spieler, sodass jetzt die Exnationalspieler Aogo und Badstuber geholt wurden.  Badstuber ist ja eigentlich eine recht gute Idee als Abwehrchef, nur ist unklar, ob er jemals wieder die Fitness erreicht, um eine komplette Saison zu spielen. Auch in der Offensive gibt es Personal, das in der ersten Liga keine Konstanz garantieren kann.  Auch bei Ginczek muss immer die Frage nach dem körperlichen Zustand gestellt werden, gehört er doch zur Generation talentierter deutscher Angreifer, die auf dem Weg zur absoluten Spitze immer wieder durch Verletzungen ausgebremst wurde. Simon Terodde war als Stoßstürmer für die zweite Liga fast schon überqualifiziert, in der ersten Liga muss er sich erst beweisen. Zweifellos steckt ein Haufen Talent im Kader der Stuttgarter und das auch quantitativ. Der Unterschied zwischen der Begeisterung, die in der 2.Liga auf Grund des Erfolges herrschte und dem , was kommt, wenn es nun Misserfolge gibt, wird entscheiden, ob Stuttgart in der Liga bleibt.

 

VfL Wolfsburg

Wer weiß wohl welch wunderlichen Wahnsinn Wolfsburg wiederholt. Trotz einer gewaltigen personellen Fluktuation scheint sich in Wolfsburg kaum etwas geändert zu haben. Es fehlt ein klarer Plan eine klare Richtung. Ist nun von VW oder dem VfL die Rede? Vergessen, weil unerheblich! Probieren wir es also mit den Fußballern. Einige hochbezahlte Egos sind weg, einige leider nicht. Neue Spieler mit riesigem Potential kamen. Landry Dimata ist eine Rakete, doch wie bei anderen Neuzugängen spielt er eine Rolle, die fest vergeben ist. Verhaegh ist der einzige Neuzugang, der wirklich sinnvoll eine ganz bestimmte Position einnehmen wird und Wolfsburg damit verstärkt. Irgendwie ist der Kader eine Sammlung von Spielern, doch niemand scheint ernsthaft in der Lage diese zu kuratieren. Plan? Richtung? Beides verzweifelt gesucht? Nicht mal dieser Eindruck wird vermittelt.

 

Mainz 05

Mainz zeigte, dass der Weg vom karnevalesken Kultclub zur grauen Maus durchaus möglich ist und das im Sprint. Jetzt einen Tusch zur Kennzeichnung eines schlechten Wortspiels, bitte! Der neue Trainer sorgt dafür, dass man nicht schwarz sehen muss. Danke! Das Spiel der 05er wird sich in der neuen Saison sicherlich strukturierter präsentieren. Das beginnt schon ganz hinten im Tor, wo nun ein Spieler steht, der seine größte Zeit vermutlich hinter sich hat, der aber den Abwehrspielern sagen kann, was zu tun ist. Ein Adler und überhaupt Kommunikation auf dem Feld fehlten in der letzten Saison. Auch die anderen Neuzugänge sind sinnvoll gewählt. Mit Maxim gibt es beispielsweise endlich wieder einen Spezialisten für Standards. Fischer und Kodro, der seinem Vater erstaunlich ähnelt und in der spanischen Liga 2017 einen famosen Durchbruch feierte, könnten positive Überraschungen werden. Da nicht zu erwarten ist, dass Schwarz so extrem wie Schmidt rotieren lässt, könnten der FSV und sein Spiel  endlich wieder unverwechselbar werden.

 

Hamburger SV

Nach all den Jahren durfte man in einem Interview kürzlich lesen, dass  „viele Menschen in Deutschland dem HSV den Abstieg gegönnt hätten“. Selbsterkenntnis ist immerhin etwas Neues beim HSV.  Bei anderen wäre diese Selbsterkenntnis sogar als ein Weg zu Besserung angesehen, doch dann sieht man wie der HSV, noch immer mit enorm teurem Kader ausgestattet, trotz einer Stunde in Überzahl im Pokal von einem Drittligisten, dessen Saisonstart schwach war, gedemütigt wird. Es wird wohl dabei bleiben, dass viele Menschen in Deutschland dem HSV den Abstieg gönnen und das bis Hamburg durch den Anstieg des Meeresspiegels auf andere Weise untergeht.

 

FC Augsburg

Erstmals muss man sich um den FCA sorgen. Bislang waren sie entweder so klein, dass der Abstieg ohnehin wahrscheinlich war, oder man konnte sich als Fan auf den Mannschaftsgeist, den inneren Zusammenhalt im ganzen Verein verlassen. Im Sommer 2017 ist der Kader gut genug, um eine sorgenfreie Saison vermuten zu können, aber mit Altintop und Verhaegh haben die guten bis besten Geister der Mannschaft das Team verlassen. Andere langjährige Leistungsträger kokettieren mit dem Abgang. Was ist los in Augsburg? Nichts Gutes, so scheint es. Manuel Baum scheint als Bundesligatrainer etwas überfordert und nicht Wenige träumen bereits davon, dass der Abstieg erst mit Rückkehrer Markus Weinzierls vermieden werden kann.

 

Bayer Leverkusen

Den Spielern von Bayer Leverkusen ein Mentalitätsproblem zu unterstellen wäre zu einfach, um die letzte Saison zu beschreiben. Mentalität hatten sie alle, doch leider waren die einzelnen Mentalitäten nicht in einem Team vereinbar. Gerade die Förderung des Teamgeistes wurde deswegen in der Vorbereitung vom neuen Trainer Heiko Herrlich in den Mittelpunkt gestellt. Vielleicht hätte man bei einigen Trainingseinheiten etwas mehr auf solch moderne Dinge wie Taktik achten sollen, denn bislang macht Bayer keineswegs einen besseren Eindruck als zuletzt. Der Kader wirkt zudem noch unfertig. Geld genug wäre nach den Ablöseeinnahmen vorhanden, doch es wird gehadert und gezaudert. Kurz vor Beginn der neuen Spielzeit sollten sich die Verantwortlichen durchaus die Frage stellen, wann sie denn nun endlich loslegen wollen mit dieser Saison. Bayer startet also irgendwie, irgendwo, irgendwann, wahrscheinlich erst nach dem Saisonauftakt gegen die Bayern.

 

Eintracht Frankfurt

Ein Provisorium aus Leihspielern aus allen Herren Ländern überraschte zuletzt in der ersten Saisonhälfte. Dieses Mal wurde für die Neuzugänge, beispielsweise einem in Afrika geborenen Schweizer, der aus Frankreich kommt, oder in Kanada geborenen Niederländer, der aus Italien verpflichtet wurde, eine Menge Geld ausgegeben. Ob wohl wieder alles so schnell zusammenwächst, ob es Trainer Kovac wieder gelingt die vielen Neuen in ein taktisches Konzept zu bringen, ob es vielleicht sogar gelingt, die Flut von Karten und damit von Sperren zu begrenzen, sind die Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor klar ist, wo im Mittelmaß die Eintracht landen wird. Im Pokal gab es den ersten Platzverweis der Saison übrigens nach 23 Minuten.

 

Schalke 04

Es ist ja schade, dass Weinzierl nicht mehr Zeit gegeben wurde, Schalke zu verändern. Doch nach der unansehnlichen letzten Saison war es wohl unvermeidlich. Jetzt soll es also ein weiterer der ganz jungen Trainer richten, Domenico Tedesco, der in seinen drei Monaten im Profifußball bei Erzgebirge Aue einen durchaus guten Eindruck vermittelte. Und was macht der Frischling gleichmal? Er nimmt Vereinsikone Benedikt Höwedes die Kapitänsbinde ab. Respekt! Vermutlich hätte das sein Vorgänger schon machen sollen. Nichts gegen Höwedes, aber er ist eher Tradition als Gegenwart, er ist ein solider Spieler, der Führungsspieler der Bodenständigkeit sein kann, der aber kein Führungsspieler sein kann bei einer Mannschaft, für die so viel Geld aufgewendet wird, dass sie eigentlich in jedem Jahr zu den Bayernjägern gezählt werden müsste. Auch der neue Publikumsliebling Guido Burgstaller steht für diesen Konflikt. Er wird geliebt, weil er malocht, macht das alles wirklich sehr gut, aber ist letztlich ein besserer Zweitligaspieler, der die Ambitionen den der Etat erahnen lässt, nicht auf Dauer erfüllen kann. Die Mixtur aus echter gelebter Tradition, aus Kulissentradition und Ansprüchen bleibt wohl noch Jahre das Problem der Schalker.

 

Der Ticker läuft, Dembeles Berater singen noch immer den Gospel „Set my people free“, Hannovers neuer Kapitän erleidet Kreuzbandriss, es bleibt alles anders. Mitte Mai, wenn eine realistische Saisonprognose möglich ist, ist diese auch wieder überkommen.