Als Franz Beckenbauer noch für Instantsuppen warb, schien die Welt noch in Ordnung. Vom Fußball alleine konnte man in dieser Zeit in Deutschland nach den Regularien des DFB nicht leben. Und dennoch musste der Kaiser bereits in den Siebzigerjahren Steuernachzahlungen von damals gewaltigen fast zwei Millionen Mark leisten. Da hatte er seinen offiziellen Wohnsitz übrigens längst ins Ausland verlegt. Kraft auf den Teller zu packen schien allemal anständiger als wenn (Ex-)Fußballer heute Werbung für Sportwetten machen. Wann hat ein Fußballer eigentlich zuletzt für etwas Anständiges geworben? Frühe Sammelalben waren herrlich uneitel und hatten als mediale Informationsquelle durchaus ihren Wert. Heute verkaufen Fußballer ihre Persönlichkeitsrechte oder streiten mit Videospielfirmen darum. Ergebnis: Gerade die Stars verdienen ein Großteil des Geldes außerhalb ihrer Arbeit auf dem Fußballplatz. Sie sind also eigentlich keine Fußballprofis mehr sondern Multiunternehmer. Da wird der Rat eines Geschäftspartners natürlich auch mal wichtiger als das Wort eines Trainers. (Es hängen ja sooo viele Arbeitsplätze davon ab) Die Spieler, junge Menschen, die Fußball und sonst meist nicht viel gelernt haben, sind natürlich leicht beeinflussbar. Sie sind nicht immer die bösen, geldgierigen Schnösel, sondern sicher auch die Melkkühe ihrer Berater. Es bleibt zu hoffen, besser zu träumen, dass die Vereine nicht mehr alles mitmachen und dass andere bei ihrer Haltung bleiben. Bayern München beispielsweise weigert sich, mit bestimmten Spielerberatern zu verhandeln und lässt lieber Spieler gehen, als über ein sicherlich gutes Angebot hinaus die Gehaltsgrenzen auszudehnen. Vielleicht erkunden sich Vereine ja auch mal vor dem Transfer nach den Traumvereinen der Spieler. Der Fall Dembele ist auch deswegen so ekelerregend, da der Spieler noch vor einem Jahr ein Angebot von Barcelona hatte. Seltsamerweise war Barca zu dieser Zeit offenbar nicht der Traumverein. Auch wenn sich Dortmund womöglich mehr um den Spieler bemüht hatte, würde doch niemand ein Angebot von einem echten Traumverein ablehnen. Ein guter Spieler hat immer die Optionen für gutes Geld zu spielen. Wäre es da nicht denkbar und wünschenswert, dass einer mal sagt, er wolle nie nach England (Wetter), Spanien (Wetter) oder Deutschland (Wetter) wechseln, dass einer sogar von sich gibt, er wolle nie zu einem bestimmten Verein? Als junger Mensch hat man doch sowohl seine Vorlieben als auch Ablehnung für bestimmte Clubs. Einen Titel gewinnen kann man auch ohne ein Bankkonto, das so gefüllt ist, dass man es auf anständige Art niemals leeren kann.

Man darf ja gespannt sein, ob die Bankkonten der folgenden Clubs auch noch bis zum Transferschluss gefüllt werden. Eine Titelchance haben womöglich noch einige davon. So auch

 

Borussia Mönchengladbach

Denn mit Mühe und Not sind die Gladbacher ja noch im Pokal dabei. Eine Chance auf einen anderen Titel ist eher unwahrscheinlich, wenn man dem Team vom Bökelberg auch einiges zutrauen kann. Die Abgänge wurden fast alle sinnvoll kompensiert und Dieter Hecking ist ein Trainer, der mehr als nur Feuerwehrmann ist. Mannschaften unter seiner Leitung werden immer im zweiten Jahr besser. Wie bei fast allen Teams der Bundesliga verlief die Vorbereitung etwas holprig, doch im Laufe der Hinrunde wird sich auszahlen, dass sich Gladbach zwar personell noch nicht ganz gefunden hat, dass aber die Struktur, das Spielsystem schon recht stabil ist.

 

Werder Bremen

Wie selbst das Glück zu steigendem Selbstbewusstsein führen und damit zum Erfolg führen kann, das konnte man letztes Jahr bei Werder bewundern. Doch ausgerechnet jener Spieler, der mit zwei bis drei Glanzleistungen in Folge fast im Alleingang die Serie startete, die Werder auf den sensationellen achten Platz brachte, jener Spieler, Felix Wiedwald, hat den Verein verlassen. Verantwortlich gemacht wird im Umfeld des Weserstadions Trainer Alexander Nouri. Das ist natürlich ein denkbar schlechter Start, da sich die Unruhe bis zur Entlassung des Trainers durchziehen wird. Die Mistkübel der Medien sind schon gefüllt. Man kann den Trainer aber auch sachlich kritisieren. Stabilität in der Abwehr wurde nicht geschaffen, Mittelfeld- und Abwehrspieler fremdeln. Dreierkette oder Viererkette sollten vermutlich gespielt werden, eine  π-Kette war zu erkennen, nicht jedoch, dass die beteiligten Spieler die Nachkommastellen wüssten. Die Leistungsträger der Offensive standen noch nie für Konstanz, haben zwar das Potential die Leistungen der Rückrunde zu wiederholen, wahrscheinlich ist das nicht. Wahrscheinlicher als der öffentlich geäußerte Traum vom internationalen Geschäft ist sicherlich die 2.Liga.

 

SC Freiburg

Wie ein Verein gut arbeiten kann, obwohl es sportlich bergab geht, das wird man in dieser Saison in Freiburg bewundern können. Die Verkäufe von Leistungsträgern gehören in Freiburg nun mal dazu. Die Preise, welche dafür erzielt wurden, können sich sehen lassen. Die Zukäufe sind schlau gewählt, können auch auf Grund von Verletzungen allerdings nicht von Anfang an funktionieren. Man weiß das im Verein. Im Gegensatz zu anderen Vereinen darf der Trainer seine Unzufriedenheit darüber auch in der Öffentlichkeit äußern und dennoch wird es nicht zu Panikreaktionen kommen. Sehr angenehm! Folglich wird man über sportliche Großleistungen nicht berichten können. Die Pressekonferenzen von Christian Streich, seine Weigerung sich zu verstellen, werden dennoch für den einen oder anderen Saisonhöhepunkt sorgen.

 

Hertha BSC

Die Hertha muss oder darf also international spielen. Interessiert das jemanden? Die Zuschauerzahlen in der Europaleague werden die Antwort wohl recht eindeutig geben. Wie es sportlich laufen wird, entscheidet sich daran, welche Aufmerksamkeit das Wort „Dreifachbelastung“ bekommen wird. Je häufiger davon die Rede ist, desto schlechter werden die Berliner abschneiden. Selten wurde eine Mannschaft der Hertha so sinnvoll verstärkt wie vor dieser Saison. Insofern kann in der Bundesliga wieder eine gute Rolle gespielt werden. Hoffentlich werden wieder ein paar Fortschritte in spielerischer Hinsicht gemacht, sonst wird wieder offensichtlich, warum der Hauptstadtclub eine solch graue Maus ist.

 

1.FC Köln

Sollte der FC die Vorrunde der Europaleague bestehen, dann wird es vermutlich schwer, den Fans zu erklären, warum das Championsleaguefinale 2018 nicht Real Madrid gegen den 1.FC Köln heißt. Mal sehen, ob Peter Stöger auch dieser Aufgabe gewachsen ist. Dabei hat der Trainer der Kölner auch so schon schwierige Aufgaben vor sich. Die Offensichtlichste ist, die 25 Tore von Modeste auf verschiedene andere Schultern zu verteilen. Wenn man das in Gedanken versucht, fehlen aber dann doch noch die Schultern von torgefährlichen Spielern. Bis zum Torabschluss sind die Domstädter (gell, da habt ihr drauf gewartet, dass dieser Doofbegriff hier auch mal vorkommt) eine gut eingespielte Mannschaft. Zu viel hat sich eigentlich nicht geändert und so ist eine erfolgreiche Saison in Sicht, auch wenn sie nicht am 24. Mai in Kiew endet.

 

TSG Hoffenheim

Wer so rasant aufsteigt, wie Hoffenheim, der hat es schwer, Saisonziele zu benennen. Soll man nun sagen, man möchte schlechter als Platz vier abschneiden? Trainer Nagelsmann ist clever genug, um sich auf solche Spielchen nicht einzulassen. Trotz der Abgänge von Süle und Rudy zu den Bayern, wirkt das Team vor Saisonstart schon erstaunlich weit, obwohl ohne Rudy die strategische Sicherheit im Spiel noch fehlt. Gegen Liverpool konnte man einen Vorgeschmack bekommen. Ohne große internationale Erfahrung auf dem Feld wurde das Spiel mutig und aktiv gestaltet. Doch es gab Rückschläge in Form von Gegentoren. Alles das darf man auch für die Liga erwarten. Wie man am Ende der Saison abschneidet, ist sicherlich auch in Hoffenheim nicht nebensächlich. Hauptsächlich geht es darum, dass das Spiel weiter attraktiv bleibt, sich möglichst noch etwas weiterentwickelt und sich damit einhergehend auch noch so einige Spieler weiterentwickeln. Die internationalen Spiele werden dabei helfen. Mindestens ein halbes Dutzend Spieler kann sich tatsächlich ein Fünkchen Hoffnung machen bei der WM für Deutschland im Einsatz zu sein. Ein Glücksfall für die Nationalmannschaft, da etablierten Weltmeistern von 2014 gehörig Druck gemacht wird. Hoffenheim ein Glücksfall für den deutschen Fußball. Gebt euch das mal, Traditionsvereine!

 

Borussia Dortmund

Leider muss zunächst in Barcelona begonnen werden. Spätestens nach den beiden Niederlagen gegen Real im spanischen Supercup, herrscht eine gewisse Panik bei Barca und so wird der Abgang von Dembele in diesen Stunden, ja Minuten immer wahrscheinlicher. Mal sehen, was so alles geschehen sein wird, wenn dieser Text zu Ende geschrieben ist. Mal sehen, welchen Club Dortmund im Anschluss mit seinem Geld einscheißen wird. Das wird aber kaum die entscheidende Frage für den Saisonverlauf des BVB, denn der Kader ist ohnehin schon gut bis sehr gut besetzt. Noch funktionieren die Spieler aber nicht im vorgesehenen System des neuen Trainers Peter Bosz. Es sind schon Trainer aus den Niederlanden in der Bundesliga gescheitert, die versucht haben, ähnlichen Fußball wie in der Eredivisie spielen zu lassen. So weit ist es in Dortmund noch lange nicht, doch es läuft auf Kompromisse heraus, da der BVB in der momentanen Ordnung eine Flut von Gegentoren erwarten kann. Phasenweise funktioniert der Plan des Trainers bereits, aber phasenweise dürfte in der Bundesliga nicht genug sein. Der Spielplan scheint den Dortmundern die Möglichkeit zu geben, die Ordnung auf dem Feld im Wettkampfmodus zu verfeinern. Bis Mitte Oktober warten in der Liga keine großen Brocken. Wenn das System ab diesem Zeitpunkt noch nicht funktioniert, dann droht gewaltiger schwarz-gelber Ärger, ob mit oder ohne einen Dembele, über den es in den letzten fünf Minuten keine Neuigkeit zu geben scheint.

 

Leipzig

Allerlei könnte man zu Leipzig schreiben. Nur wozu eigentlich? Bleiben wir realistisch. Platz zwei war die Mischung aus eigener Stärke und der Schwäche einiger Konkurrenten. Die Vorgabe nur junge Spieler zu verpflichten und diese weiterzubilden wird weitergeführt und deswegen kann für die kommende Saison wirklich niemand erwarten, dass wieder die Qualifikation zur Championsleague erreicht wird. Trainer Hasenhüttl wird das Spiel verfeinern müssen. Viele Teams werden sich nun defensiver gegen Leipzig aufstellen. Es müssen also neue Lösungen her. Dafür hat das Team den richtigen Trainer. Das Projekt bleibt spannend. Doch es wird erstmals Rückschläge geben. Die Reaktion auf Niederlagen wird zeigen, wie sich das ganze Projekt entwickelt. Noch ist der Etat für den Profifußball in Leipzig eher im Mittelfeld der Liga angesiedelt, aber es wird sich die Gehaltsobergrenze von 4,5 Millionen sicher nicht aufrechterhalten lassen, wenn Leistungsträger gehalten werden sollen, wenn sich Leipzig an der Ligaspitze etablieren soll und wenn der diesjährige Ausflug in die Championsleague kein einmaliges Ereignis bleiben soll.

 

Bayern München

Wenn die Vorbereitung auf eine Saison so holprig verlief, wie in den vergangenen Wochen, dann wurde bei den Bayern und auch von den Bayern häufig der dümmliche Spruch bemüht, dass auf eine verpatzte Generalprobe eine geglückte Premiere folgen würde. Das war bei den Bayern aber eher selten der Fall. Meistens folgten problematischen Vorbereitungen Saisons mit Problemen. Manchmal langte es noch für einen Titel, da andere Mannschaften die Schwächen des Rekordmeisters nicht ausnützen konnten. Das ist aber keine Garantie dafür, mit dem besten Kader auch die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Man stelle sich nur einmal vor, alle Spieler wären gleichzeitig fit. James Rodriguez, Müller, Ribery, Tolisso, Vidal, Süle, Javi Martinez, Kimmich oder andere Zusammenstellungen nicht in der Anfangself, das verspricht gerade in einem Jahr mit anschließender Weltmeisterschaft ein noch nie da gewesenes Konfliktpotential. Ein Lahm ist nicht mehr da um mannschaftsintern für Ausgleich zu sorgen. Unruhige Zeiten stehen bevor. Hasan Salihamidzic mag eine gute Wahl sein als Sportdirektor, aber es ist ein sehr schwieriger Moment für ihn, dieses Amt anzutreten. Vieles erinnert an ein Jahr, in dem Christian Nerlinger in dieser Funktion aufgerieben wurde. In der Liga können die Bayern immerhin darauf hoffen, dass keine andere Mannschaft die nötige Konstanz erreicht, um die Bayern zu gefährden. Zudem bekommt das Team momentan außergewöhnlich viel Ruhe für die Arbeit, da andere Themen die Berichterstattung dominieren. (Nix Neues übrigens im Fall Dembele) Wahrscheinlich wird Bayern Meister. Wenn nicht, dann wird von Weltuntergang die Rede sein. Doch sind die Münchner als Verein so gefestigt, dass es nur eine Episode in der Fußballgeschichte bleiben wird.

 

Spiele wer da wolle und spiele nicht, wer nicht will. Die Saison geht in etwa 24 Stunden los. Es ist ihr vollständig egal, ob Vereine oder Spieler oder Fans so weit sind. Liebe Freunde des Sports, bedenkt bei allem, dass ihr nicht alles mitmachen müsst. Weder braucht ihr jedes Jahr ein neues Vereinstrikot, noch braucht ihr die Produkte, die Vereine und Spieler anpreisen. Es ist auch eure Vernunft, die dem Business Fußball wieder Vernunft einbläuen kann. Also nicht nur Schimpfen!

 

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