Es gibt sie auch dieses Jahr. Die eine Gruppe in der sich große Namen sammeln. Die Gruppe, die dümmlicherweise als Todesgruppe bezeichnet wird. Eine Gruppe, die den beteiligten Mannschaften so viel Respekt einflößt, dass sie deren eigene Stärken vergessen lässt. Eine Gruppe, in der dann auch mal eine kleinere Mannschaft, wie bei der WM Costa Rica, deswegen weiterkommt, weil sie ihren eigenen Plan konsequent verfolgt. Eine Gruppe, in der die Wahrscheinlichkeit nicht zu gering ist, dass alle Spiele unentschieden bleiben und in der schließlich die Mannschaft(en) ausscheidet/n, die sich für ein Remis zu dumm anstellen.
Und wieder beteiligt ist:

Italien

Wer in allen Gruppen wäre ein Kandidat, mit drei Unentschieden als Gruppendritter ins Achtelfinale zu kommen, wenn nicht Italien. Alles das gab es schon, doch niemals gab es ein Team der Azzuri, dass eine soo graue Maus war, das so wenig im Stande war, diesen finstren Plan absichtlich durchziehen zu können. Noch nie strahlte der Himmel so grau über dem Calcio. Die Seria A ist im internationalen Vergleich längst in der Zweitklassigkeit verschwunden. Die Nationalmannschaft besitzt längst keinen Feldspieler mehr, der gehobene internationale Klasse darstellen würde. Der Duft einer deutschen, oder amerikanischen, oder kasachischen Tiefkühlpizza, der malerische Klang der Traktoren von Lamborghini werden beim Spiel der Italiener verbreitet. Wer keine Chance hat die sinnliche Erfahrung des italienischen Spiels zu machen, der möge sich in einer lauwarmen Badewanne eine wochenendliche Werbezeitschrift durchlesen. Doch es ist dennoch Italien.
Trotz ihres biederen Erscheinungsbildes darf man auch die ’Ndrangheta nicht unterschätzen. Dieser Fehler wurde schon viel zu lange gemacht. Auch wenn die Mediokratie ihren Höhepunkt, oder besser Mittelpunkt erreicht hat, sind von dort aus die Wege in alle Richtungen offen, ja in íhrer Vielfalt unergründlich. Die nötigen Ergebnisse lieferte die Squadra auch bereits in der Qualifikation, die sie warum auch immer ungeschlagen überstanden. Egal ob Malta oder Aserbaidschan, man gewann die Spiele souverän mit einem Tor Unterschied. Es war Fließbandarbeit wie bei Fiat, doch am Ende stimmte das Produkt. Keinerlei Bella Figura, aber effektiv.

Belgien

Wenn man schon über Länder spricht, deren Bewohner die Skalen des Body-Mass-Index sprengen, so ist es gut, dass nun Belgien auf dem Plan steht. Der Vorschau auf die WM-Vorrundengruppe H (www.nikomeichsner.de/wm-2014-vorschau-gruppe-h/) kann man bereits alles über Belgier entnehmen. In Belgien ist seitdem nichts besser geworden. Besser geworden sind auch die Fußballer nicht in Belgien, dafür mehrheitlich in der englischen Premierleague. Sie sind sogar im Zusammenspiel so gut geworden, dass sie zwischenzeitlich die Weltrangliste der FIFA anführten, obwohl sie in ihrer Geschichte als Nationalteam noch einen Titel holten.
Kurzum Belgien ist nicht mehr Außenseiter, Belgien ist ein natürlicher Favorit für den EM-Titel, auch wenn Abwehrchef Vincent Kompany verletzt ausfällt. Die Frage ist nur, wie eine Mannschaft, die vermutlich ausschließlich mit Spielern, die noch keine 30 Jahre alt sind, in der Startelf antreten wird, mit dieser Rolle als Favorit umgeht. Schon bei der WM dauerte es in jedem Spiel eine Weile bis die Roten Teufel ins Spiel gekommen sind. In der Qualifikation hatten sie gegen Wales, das Gruppengegner Irland durchaus ähnelt, enorme Schwierigkeiten. Für ihre Ambitionen hat die Mannschaft definitiv die schwierigsten möglichen Gegner erwischt, nicht von den Namen her, sondern von der Spielanlage. Trainer Wilmots hat dazu auch noch eine schwierige Auswahl aus seinem ausnahmslos mit Klassespielern besetzten Kader, die Elf zu finden, die zusammen am besten funktioniert und die am wenigsten Neid aufkommen lässt unter denen, die nicht spielen. Die Spieler Belgiens können den Titel holen, aber die Begriffe „Belgien“ und „Zusammenarbeit“ waren schon immer schwer sinnvoll in einen Gedanken unterzubringen. Belgien ist auch nah am Wasser gebaut. In Napoleons Land ist durchaus möglich, dass das Nationalteam völlig überraschend sein Waterloo erlebt.

Zlatan Ibrahimasson

Er nannte Frankreich ein Scheißland und Zlatan muss es ja wissen. Immerhin ist er die einzige Attraktion der französischen Ligue 1. Der bescheidene kleine Größenwahnsinnige hat recht, wo er recht hat. Auch innerhalb des schwedischen Wohlfahrtsfußballs ist er die einzige Attraktion der aktuellen Generation. Fast 35 Jahre alt musste Zlatan werden, bis er so groß und gut war, wie er es immer von sich selbst wusste. Nie traf er häufiger als in der vergangenen Saison, nie wirkte er überlegter und auch deswegen überlegener. Nie übernahm er dieses Ausmaß an Verantwortung an. Schweden bräuchte keinen Trainer, keinen Verband, nein wahrscheinlich nicht mal ein Land, denn Zlatan weiß inzwischen, dass er Mitarbeiter, nicht reine Zuarbeiter braucht. Sein egomanischer, neuentdeckter Drang dem Team zu dienen, macht ihn dominanter denn je. Die Mannschaft ist Zlatan! Die Mannschaft ist ein Gottesgeschenk. Da ist es egal, ob die Mitspieler Nilsson, Olsson oder auch, ob Svensson oder Larsson heißen. Zlatan hat auch in dieser EM-Gruppe die Möglichkeit, sich durchzusetzen. Wenn Ibrahimasson dabei ist, muss man grundsätzlich alles für möglich halten.

Irland

Wer Irland nur auf die phantastisch sangeskräftigen Fans reduziert, der hat zu viele Heimspiele des Gastgebers gesehen. Irland ist kein Land mehr, das ausschließlich aus ständig betrunkenen, bigotten, kartoffelfressenden Papisten besteht. Durch den Verkauf von illegalen Kondomen kann die IRA die Kriegskasse nicht mehr füllen und selbst Homosexualität ist nicht mehr illegal, sondern per Referendum sind sogar gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt. Die Moderne birgt natürlich auch negative Aspekte. Seit einem Jahrzehnt ist Rauchen aus den Pubs verbannt und beim Hurling muss man inzwischen einen Kopfschutz tragen.
Zu der Moderne gehört auch, dass Irland nun einen sehr guten Trainer hat und der ist Nordire! Die Götter müssen verrückt sein.
Mit der Moderne war es das aber auch, denn auf dem Spielfeld stehen Martin O´Neill keine Spieler zur Verfügung, die mit Begriffen wie abkippender Neun, vertikaler Zonenverschiebung oder auch nur flexibler Raumdeckung etwas anfangen könnten. Sie müssen das aber auch nicht, sie machen es einfach. Der 40-jährige Shay Given wird wohl kaum mehr als Stammtorhüter in das Turnier gehen und um die Fitness von Robbie Keane scheint es auch nicht gut zu stehen. Der irische Rekordtorschütze, der nach Miroslav Klose die meisten Pflichtspieltreffer aller europäischen Nationalspieler erzielt hat, könnte aber noch zum Einsatz kommen. Irland kann auch in dieser Gruppe für jedes Team gefährlich werden. Im grünen Trikot spielen sie seit ewigen Zeiten zusammen und dürften auch ohne Given und Keane das älteste Team der EM stellen. Ob Moderne oder nicht, die Gruppe E wird darüber entschieden werden, wer sich gegen die Iren durchsetzen kann.
Der Zentralrat der Philosphie tagt ja gerade in den USA. Aber neben den Nestoren der Philosophie wie Arturo Vidal gibt es ja auch in Europa einige Philosophen von Klasse. Die Slowakei und Marek Hamsik hatten wir ja schon, nun kamen Belgien mit Naingollan und die Italiener dazu. Es wird Zeit abzustimmen, wer der Philosoph dieses Turniers wird. Schicken Sie uns die Meinung auch über die ULTRAS Gänseblümchen (Heilpflanze des Jahres) auf Facebook. Abwarten lohnt sich allerdings, denn zu Magister Astronautovic kommen wir ja noch. Schauen Sie auch morgen wieder rein und erfahren sie alles über die Sissi von Österreich-Ungarn.