Es ist geschafft, genauer gesagt, puuuuuh, es ist endlich geschafft, die sinnloseste Vorrunde einer Europameisterschaft. Man muss ja nicht im früher-war-alles-besser-Modus sein, um dies so zu empfinden. Auch früher, selbst als nur acht Mannschaften teilgenommen haben, war die Vorrunde immer zum Wegschauen! Doch nun da man die lächerliche Anzahl von 36 Spielen erdulden musste, ist es schlicht die Masse, die den Anschein erweckte, eine Vorrunde sei noch nie so schlecht und langweilig gewesen. Der gütige Zufall (oder auch nicht) sorgte dafür, dass gleichzeitig so groß wie noch nie die Copa America stattfand. So konnte sich, wer nach dem Abendspiel aus Frankreich noch nicht im Koma lag, wenigstens etwas amüsieren. Das soll nicht heißen, dass die Spiele in Amerika besser waren, fast schon im Gegenteil. Aber amüsant war es schon, wie Schiedsrichter ganz offen auf dem Feld ihre Korruptheit spazierentrugen. Die entsetzlichen Fehlleistungen sorgten immerhin dafür, dass man sich weit unter Niveau aufregen oder amüsieren konnte. Darüberhinaus war kein Team, Brasilien mal ausgenommen, so tiefmotiviert wie die Favoriten in Europa. In Frankreich hatte man schon fast den Eindruck, die Stars würden ihr Nationaltrikot nur für die eigenen Sponsoren gassiführen. So machten allenfalls die Außenseiter Spaß, da man selten so schnell auf ihrer Seite war, zumindest die Zuschauer, die nach zehn Spielminuten noch nicht zu sinnvolleren Tätigkeiten wechselten, wie beispielsweise Esperanto lernen. (das kann schon lustig sein!) 24 Mannschaften sind einfach zu viel.
Was ist also passiert. Sicher nicht viel. Nur acht wirklich schlechte Mannschaften fahren heim. Die durchaus witzigen Albaner mussten nach ihrem letzten Spiel von Sonntag bis zum späten Mittwochabend warten, was eigentlich eine Zumutung ist. Die größte Überraschung ist sicher, dass die anderen 16 Mannschaften im Achtelfinale stehen. Manche Teams davon betrieben bislang aktive Erholung, andere mussten für die Überraschung eine Menge Arbeit investieren. Nur Fußball, Fußball haben leider wenige gezeigt und wenn dann höchstens phasenweise. Taktisch gab es gar nicht Neues. Größtenteils sehr gute Torhüter machten ein solides Defensivspiel möglich, es ist sicher nicht falsch von Fußballverhinderung zu sprechen. Offensiv, ja offensiv? Da war nicht genug, um neue Tendenzen entdecken zu können. Man muss nicht allzu böse sein, wenn man Belgien die einzige taktische Neuerung unterstellt; den völligen Verzicht auf Taktik, vor allem gegen Italien, als den Italienern genug Platz gelassen wurde, dass selbst Francesco Schettino unfallfrei durchs Mittelfeld gekommen wäre. Selbst die belgische Mannschaft des Jahres 1980 hätte gegen die jetzigen Stars der roten Teufel eine gute Chance gehabt. Jedoch sind nicht nur die Teams für die Armut auf dem Platz verantwortlich zu machen. Es sind natürlich auch die Spieler. Es gäbe genug mögliche Sündenböcke herauszupicken, doch egal in welcher Gruppe, egal in welchem Team, es ist erschreckend, wie wenig Flanken von den Flügeln bisher brauchbar waren. Die größte Torarmut der Turniergeschichte ist auch Folge der Unfähigkeit aus einfachen Situationen überhaupt Torgefahr zu erzeugen.
Abseits des Platzes macht die EM auch nicht wirklich Spaß. Die Chance auf interessante typische Gastgeber wird bei der nächsten EM, die ja in ganz Europa verteilt stattfinden soll, viel größer sein. Von Frankreich blieb bis jetzt absolut garnix hängen. Vielleicht die langweiligsten Fans aller Zeiten. Ein Dutzend Iren oder Nordiren sorgten täglich für mehr positive, oder besser gesagt, überhaupt für Schlagzeilen, als all die Fußballanhänger der Grande Nation zusammen. Schlagzeilen machten leider auch faschistische Schlägerbanden aus verschiedenen Ländern. Die deutschen Vertreter mit übersichtlichem, bis keinem Verstand von der Hogesa spielten dabei bislang eine Nebenrolle, wenn gleichzeitig Ustaschatruppen Kroatiens ihr Unwesen trieben und  Schlägertrupps wahrscheinlich staatsnah gedopter Russen frisch aus dem Trainingslager eingeflogen, gegen englische Arschlöcher antraten, die betrunken beschlossen, ein letztes Mal vor der Rente, die Couch zu verlassen, um sich an schlechte alte Tage zu erinnern. Mit Fußball hat das alles nichts zu tun. Man fragt sich gelegentlich, wo eigentlich die Schlüssel sind, wenn man sie mal wegwerfen möchte, doch auch das scheint ja sinnlos, weil diese politischen Gewalttäter ja leider nur unzureichend verfolgt werden.
Schön wäre es, wenn ab dem Achtelfinale der Sport endlich für die Schlagzeilen sorgen würde, nur der müsste sich dafür endlich mal anstrengen. Jetzt, da die Copa America fast vorbei ist, wird es dafür allerhöchste Zeit. Man wird ja wenigstens darauf hoffen dürfen.