Diese Fußball-Europameisterschaft ist definitiv Werbung für den Sport. Werbung für spannende Golfübertragungen oder einen angenehmen Nachmittag voller Snooker oder Kricket. Über die Achtelfinals von Polen und Portugal lohnte es sich keineswegs einen Zwischenruf zu verfassen, über das Viertelfinale und so manches andere Achtelfinale vielleicht schon.

Nach Jahren sah man immer wieder Kinder, auch während der Spiele, nachmittags auf den Straßen und Plätzen Bälle kicken, nach Jahren spielte auch der Autor dieser Zeilen ein ganzes Wochenende Fußball, nach Jahren wünscht man sich als Fußballfreund die Sommerpause kürzer und freut sich auf die Olympischen Spiele.
Portugal ist im Halbfinale ohne auch nur ein Spiel zu gewinnen, so hatte man den Eindruck. Es ist ja noch nicht lange her, doch man kann noch immer nicht glauben, dass es gegen Kroatien nicht ins Elfmeterschießen ging. Das alleine ist schon hochnotpeinlich. Es ist peinlich für ein Land, dessen Fußball im Normalfall nicht völlig unansehnlich ist. Es ist so peinlich, dass man jetzt schon dem Gegner Portugals fürs Halbfinale alles Glück des Fußballs wünscht.

Die Drohung ist ja, dass die zynische Zumutung des Spiels zwischen zwei zaghaften Zauderern ja nur das erste von vier Viertelfinals, die unsinnigerweise auch noch auf vier Tage verteilt sind, war. Es folgen ja noch Wales gegen Belgien. Eigentlich auch langweilig, da es dieses Spiel auch schon in der Qualifikation gab und sich dabei Wales nach 180 Minuten mit 1-0 durchsetzte.
Dann folgt Italien gegen Deutschland. Ein Spiel, das von seiner Geschichte zehrt, das eigentlich nur davon lebt, dass Italien in wichtigen Spielen stets erfolgreich war.
Und als letztes Viertelfinale folgt das Spiel zwischen dem Gastgeber und Island. Die Equipe enttäuschte bislang dadurch, dass sie es pünktlich zum Turnier wieder aufgegeben hat, Fußball zu spielen und stattdessen nur auf die individuelle Qualität der Spieler vertraut. Island dagegen enttäuschte bislang kaum. Doch sind sie als Teilnehmer des Viertelfinals natürlich ein Fanal für die Peinlichkeit der ganzen Veranstaltung. Man weiß ja nicht, ob man sich subjektiv für die sympathischen Teile dieses unglaublichen Teamworks freuen kann, oder objektiv entsetzt sein soll, dass sich noch keine Mannschaft mit dem Spielstil der Isländer auseinandersetzen wollte und das obwohl sowohl in der Defensive als auch bei den wenigen Offensivbemühungen das Spiel wirklich einfach zu durchschauen ist. Phantastisch war natürlich, dass England direkt nach dem EU-Referendum in längst vergangene Zeiten zurückgefallen ist und völlig zurecht einem Teamgeist unterlag, der kurz davor vom britischen Wähler abgewählt wurde. Leider kann Island gegen den Gastgeber nicht darauf vertrauen, dass ihre Art zu kämpfen und zu spielen ähnlich vom Schiedsrichter beurteilt wird, wie zuletzt, doch eigentlich müsste Frankreich den kühlen Eisländern noch besser liegen als das letzte Opfer.

Kaum freute man sich, dass das Elend der ewiglangen Vorrunde vorbei ist, ersehnt man fast, dass der Rest des mögliches Festes auch möglichst bald vorbei ist. In zwei Wochen geht in Deutschland die Regionalliga los, zumindest in Bayern. Für den geneigten Fußballfan ein Grund zur Vorfreude.