Die Vergangenheit wird immer mehr und derjenige, der über die Gegenwart beginnt nachzudenken, kann diese nicht genießen. Zukunft? Ja, No Future, selbstverständlich. Das Ende einer Saison ist eine Schnittstelle zwischen den Zeiten und so sei es erlaubt, ein paar wenige Gedanken dazu zu denken.
Wenn man über eine Zukunft im Fußball sprechen möchte, ist nun der Zeitpunkt gekommen, über die nähere Vergangenheit zu sprechen, denn in der Gegenwart arbeiten, wie übrigens hier vorausgesagt, die finsteren Mächte des Fußballs im International Football Association Board daran, die Moderne zu untergraben, ja reaktionär zu gestalten. Leider weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hat der Geschäftsführer des IFAB, welcher tatsächlich kein hundertjähriger britischer Tattergreis ist, in einem Interview in Nebensätzen klargemacht, dass der Videobeweis, wie er momentan schon in den Niederlanden getestet wird, kaum Bedeutung haben wird. Zum einen werden lächerlicherweise die möglichen Situationen, in der ein Videobeweis eingesetzt werden kann, immer weiter begrenzt. Zum anderen gibt Lukas Brud zu, dass das Challenge-System, also die Forderung einer Videoüberprüfung, beispielsweise durch einen Trainer, nicht weiter verfolgt wird. Fazit: Her mit dem Videobeweis, doch bitte ja keine Gefahr erzeugen, Manipulation und Korruption durch die Schiedsrichter zu verhindern! Das alleine ist ja bereits Korruption, denn es wird viel Geld dafür ausgegeben, nichts zu ändern! Bei der Gelegenheit eine Gratulation zur Einführung der Torlinientechnologie. Am letzten Spieltag der Bundesliga kam es doch wirklich in einem unwichtigen Spiel, bei einem unwichtigen Spielstand zum ersten Mal dazu, dass die Technologie zur Entscheidung sinnvoll herangezogen wurde.
Man möchte immer weniger Schiedsrichter sein. Jede Entscheidung, egal wie richtig oder falsch sie war, wird auf dem Feld und in den Medien inzwischen skandalisiert. In den Spielberichten werden heute eher selbst unwichtige richtige Entscheidungen gezeigt und damit in Frage gestellt, als dass man gute Spielszenen zeigt. In einem klar gewonnen Spiel der Bayern, verzichtete die Sportschau auf einen Lattenschuss der Bayern und zeigte stattdessen einen der wenigen Momente, in der der Gegner über der Mittellinie war. Es kam wunderlicherweise zu einem Zweikampf, in dem nahe des Strafraums durch einen Bayernspieler ganz sauber und klar, für jeden ohne Zeitlupe erkennbar, der Ball und nur der Ball gespielt wurde und dennoch mussten in der Sportschau zwei Zeitlupen zu dieser Situation gezeigt werden und der Spieler, der sich gefoult fühlte, dazu auch noch befragt werden. Auf diese Art sorgen die Fernsehsender, sicher nicht nur die ARD, dafür, dass der Job des Referees immer schwieriger wird, ja immer weniger anerkannt wird. Wie soll das nun weitergehen, wenn nun mit Florian Meyer, der beste deutsche Schiedsrichter abtritt, nach seiner bei weiten schlechtesten Saison übrigens. Die jungen Vertreter der ehemals schwarzen Zunft machen leider nicht den Eindruck, als würde die Zahl der schlecht geführten Spiele weniger werden.
Aber zurück aus der Zukunft zu der Vergangenheit der aktuellen Tabelle.

Köln

Was ist nur los in der Stadt? Jeder will geliebt werden, doch in Köln scheint momentan alles zu eskalieren. Köln will nicht nur bedingungslos geliebt werden, sondern ist mimosenhaft gleichzeit zutiefst gekränkt, wenn es nur gemocht wird und heischt dann nach Liebe in Form von Mitleid. Es gibt dabei auch kein Mittelweg. Hogesa, Anschlag auf die Bürgermeisterkandidatin, Abi-Krieg und natürlich die Vorfälle zum Jahreswechsel. Letztere sind ein gutes Beispiel für die hemmungslose Eskalation zu der Köln bereit ist. Ungeachtet des Oktoberfests in München, ungeachtet dessen, was jedes Jahr zum Jahreswechsel in Wien mit betrunkenen Italienern los ist, musste alles, was bedauerlicherweise auf der Domplatte passiert ist zum weltweit schlimmsten Vorfall dieser Sorte auf den Quantenebenen von Zeit und Raum gemacht werden. Aber was in dem zu groß gewordenen gewordenen Städtchen am Rhein los ist, wäre wohl eher ein Thema für eine längere Reportage in den großen deutschen Tageszeitungen. Und so kommen wir nun zum

1.FC Köln

Was ist nur los in der Stadt? Jeder will geliebt werden, doch in Köln scheint momentan alles zu eskalieren. Köln will nicht nur bedings……..
und so verloren irgendwann angeheizt, vom blinden Gehorsamkeit der Anhänger und auch der Medien sogar Trainer Stöger und Sportdirektor Schmadtke den Sinn für die Realitäten, worauf der FC in der vergangenen Saison plötzlich noch in eine leicht bedrohliche Situation kam, in der die Mannschaft nicht hätte landen müssen. Fouls an Kölner Spielern sind nicht schlimmer als an Spielern anderer Mannschaften, Handspiele des Gegeners sind gegen Köln wie gegen andere Handspiele. Kölner Gegner scheinen im Bewusstsein der Verantwortlichen und der Mannschaft inzwischen allerdings nur noch aus Hand zu bestehen. Fehlentscheidungen zugunsten der Kölner sind Fehlentscheidungen, genauso wie sie Fehlentscheidungen zugunsten anderer Vereine sind. Der permanente Verfolgungswahn führt zu eigenen Unsportlichkeiten und zum Mangel an Konzentration. Wenn sich das der 1. FC Köln endlich merkt, dann war die Saison 2015/16 ein weiterer Schritt, sich in der Bundesliga zu etablieren, ein weiterer Schritt, um Jahr für Jahr leicht höhere Ambitionen haben zu dürfen.

VfL Wolfsburg

Es wirkt ganz so, als habe der VW-Skandal in einem ungesunden Maße auf die Mannschaft Einfluss genommen. Kein Wunder also, dass man sich nur gerade als das Thema Real Madrid vor den Werkstoren stand, auf dieses besondere Ziel konzentrieren konnte, während sonst die Gedanken der Spieler eher selten beim Kerngeschäft, dem Fußball waren. Die Herren Bendtner und Kruse sind ja nur zwei Fälle, in denen dies offensichtlich wurde.  Eine vollkommen verkorkste Spielzeit war das Ergebnis. Trotz aller Ambitionen lügt die Tabelle auch in diesem Fall nicht. Wolfsburg hat mit europäischem Fußball zurecht nächstes Jahr nichts zu tun.

Hertha BSC Berlin

Es würde langweilen, wenn der Zwischenbilanz zur Hertha noch etwas hinzugefügt würde. Aber eines muss gesagt werden. Trainer Pal Dardai sollte vielleicht nicht in jedem Interview ungefragt den präfaschistischen ungarischen Ministerpräsidenten loben. Man könnte sonst auf Ideen kommen. Mal bisserl Fresse halten!

FSV Mainz 05

In Mainz wurde viel richtig gemacht. Mehr jedenfalls als falsch. 14 Siege gegenüber zwölf Niederlagen geben dieses Verhältnis gut wieder. Die Mannschaft hat früher schon mal mehr Spaß gemacht, allerdings auch dem Gegner. Es gibt jedes Jahr eine Mannschaft, die es in die internationalen Plätze schafft, weil sie enge Spiele, manchmal glücklich, eher gewinnt als verliert. Dieses Saison sind es die Mainzer, die diese Aufgabe ohne ihren Manager Heidel angehen müssen, der schon bei Mainz geboren schien, der seinen früheren Schnauzer in der Weihnachtstombola des FSV gewonnen hatte und der am Bruchweg sterben wollte. Nun aber einen anderen Weg wählte.

Schalke 04

Und zwar den Weg auf Schalke, wo bereits alles versucht wurde. Trainer wurden entlassen, Manager ebenso, Spieler kaltgestellt, etc., etc. Vielleicht sollte man mal das ganze Umfeld entlassen. Mitglieder, die Interna jederzeit an die Presse weitergeben, Fans, deren Ansprüche größtenteil zu hoch sind, die aber jede Meldung und Falschmeldung begierig aufnehmen, um sich dann einen Sündenbock zu suchen. Schalke landete auf Platz fünf. Gut so! Da gehören sie hin, jedenfalls 2015/16. In der Mannschaft steckte jede Menge Talent, aber eben auch jede Menge überschätztes Talent!

Borussia Mönchengladbach

Eines der interessantesten Teams der Spielzeit waren die Gladbacher. Angenehm das dies vor allem wegen den Geschehnissen auf den Feld zu sagen ist. Niederlagenserien, Siegesserien, ein Haufen Tore hinten, einen größeren Haufen Tore vorne. Die Abwehr schaffte es in allen Wettbewerben gefühlte zwanzig Elfmeter zu verursachen und man musste sie dennoch nicht auslachen. Granit Xhaka holte sich allen Wettbewerben zusammen fünf oder sechs Sperren ab und wird dennoch einer der teuersten Transfers der Bundesligageschichte. Im Gegensatz zu Schalke kickten junge Spieler so als müssten sie das Talent auch auf dem Feld zeigen. Der Deutsch-Syrer Mahmoud Dahoud ist der Aufsteiger des Jahres und hätte auch dem deutschen EM-Kader gut getan. Na gut, zugegebenermaßen klappte es mit Stürmern alles nicht so gut. Und doch waren all die Raffaels, Hazards, Hahns, diese Mittelfeldspieler stets torgefährlich. Gladbach ist die erste Mannschaft die gleichzeitig mit „Falscher Neun“ und „Falscher Sieben“ und „Falscher Zehn“ und „Falscher Elf“ auflief. Merke: Falsche Elf heißt noch lange nicht schlechter Fußball.

Bayer 04 Leverkusen

Bayer hat nicht vor, seine besten Leute abzugeben, bemüht sich aber gleichzeitig um Monsanto. Ist es Stephane Monsanto von TA Rennes? Ein Spieler der es mit seinen 28 Jahren bis heute noch nicht zu Ruhm gebracht hat und von dem nur Insider wissen, dass er sich auf Linksaußen am wohlsten fühlt. Freunde der gepflegten Fußlümmelei, warum muss ich schon in den Tagesthemen davon erfahren, wo doch selbst mögliche Transfers von Bayern München nur etwa so oft einen „Brennpunkt“ bekommen wie ein paar hundert ertrunkene Flüchtlinge?
Dass Bayer souveräner Tabellendritter wurde ist, betrachtet man die Verletzungsserien der zentralen defensiven Mittelfeldspieler und der Abwehrspieler, ein Wunder, das keinesfalls ein Kompliment für die Konkurrenz ist. Der Saisonendspurt der Leverkusener war jedenfalls klasse; nicht nur, wieviele Punkte erzielt wurden, sondern auch die Art und Weise, wie sie gewonnen wurden. Je weniger der unsichtbare Hakan Calhanoglu spielte, desto begeisternder wurde das Spiel. Julian Brandt und vor allem der schöne Araber Karim wurden zu den besten Spielern des letzten Saisondrittels. Bellarabi sogar der deutsche Spieler in der Bundesliga mit den meisten Torvorlagen. Das kann ja nicht für den EM-Kad(av)er langen.

Borussia Dortmund

Man kann kaum die vielen Zahlen aufzählen, die beweisen, dass die Borussia bester Zweiter aller Zeiten ist. Es war wirklich eine Hammersaison, die der BVB da spielte. Trainer Tuchel moderierte souverän ein Team, in dem stets mehr als 15 Spieler spielen wollten, durch die Saison, wirkte in Interviews locker bis manchmal sogar witzig, und schien selbst körperlich im ersten Jahr in Dortmund zu wachsen. Doch dann holten die Dortmunder einen weiteren sehr guten zweiten Platz im DfB-Pokal und plötzlich verlor Tuchel seine Contenance, wirkte verbittert und trat gegen Spieler nach. Kein Wunder also, dass in verschiedenen Veröffentlichungen der Presse wieder das Bild des unnahbaren, kalten Pragmatikers hervorgeholt wurde. Und das ist ein ganz schlechtes Zeichen. Guardiola ist weg, Ancelotti wird am Anfang eine Schonzeit zugestanden und so wird Tuchel der Trainer sein, der gerade anfangs der nächsten Saison am meisten im Fadenkreuz steht. Er steht unverdientermaßen auf der Abschussliste der Schundpresse. So etwas bleibt leider nicht ohne Einfluss, da auch die dümmsten Gedanken stets aufgenommen werden. Deswegen sollte in Dortmund möglichst lange diese Traumsaison bejubelt werden und dabei anerkannt werden, dass es halt eine Mannschaft gab, die einfach ein Tick besser und konstanter war.

Bayern München

Zu den irrealistischen Triplewünschen der Medien, zu Guardiola wurde alles in der Halbzeitsbilanz gesagt. Was bleibt also zu den Bayern zu sagen? Sie schafften etwas, von dem andere nur träumen. Sie wurden deutscher Meister und sie gewannen den DfB-Pokal und sie gewannen beide Titel zurecht, denn sie spielten größtenteils den vielleicht besten Fußball der Bundesligageschichte. Für Enttäuschung darf da eigentlich kein Platz sein. Trotzdem muss gefragt werden, wo in der Rückrunde die Geilheit auf Tore blieb. Zunächst trafen ausschließlich Lewandowski und Müller, dann traf mal dieser, mal jener, doch niemand, vielleicht noch Arturo Vidal, schien selbst mit aller Konsequenz ein Tor erzielen zu wollen. Schade eigentlich, denn das fehlte, um aus einer tollen Saison eine phantastische Traumsaison zu machen und das ist unabhängig davon, ob ein weiterer Titel gewonnen worden wäre, zu sehen. Schade eigentlich!

Gerade die Spieler der Bayern sehen wir demnächst bei der Europameisterschaft. Die Saison ist vorbei, lang lebe die Saison, naja mindestens bis in den Juli hinein!