Was ist Sport und was ist Wettbewerb? Sicherlich ist Kekswichsen mehr Sport als Formel 1, darin sollten sich alle Anhänger der körperlichen Ertüchtigung einig sein. Doch in unserem Zeitalter des ungezügelten Turbokapitalismus ist der Sport eine wichtige Wirtschaftsbranche geworden und droht damit immer mehr zu ungezügeltem Wettbewerb zu verkommen. Es wird beklagt, dass zu viel Geld den Wettbewerb auf Dauer kaputtmache. Das ist natürlich Unsinn. Zu viel Kapital macht den Sport kaputt.

Ist denn nun Fußball noch Sport, oder längst zum Wettbewerb verkommen? Das ist angesichts der Enthüllungen in der vergangenen Woche schwer zu beantworten. Doch lohnt sich ein Blick auf die arg skandalisierende Berichterstattung um die möglicherweise geplante Super League.

Wir wissen ja alle, dass die Bayern unsere Brunnen vergiften, unsere Frauen vergewaltigen, unsere Arbeitsplätze wegnehmen und unsere Umwelt vergiften. Natürlich sind die Bayern auch schon 2016 aus der Bundesliga ausgetreten, woraufhin die verbleibenden 17 Zwerge schließlich weder in den Stadien noch bei Fernsehübertragungen irgendeinen Zuschauer begrüßen konnten. Die Trikots bleiben seitdem frei von den weltweit wichtigsten Sponsoren wie Wiesenhof. Das Gras ist nicht mehr so blau wie früher und das weite Rund hat sich seitdem zu einem eckigen Oval verwandelt.

Ach so? Stimmt ja gar nicht? Dann könnte man ja glatt mal die Frage stellen, was wirklich passiert ist. Die ECA (European Club Association) wollte für die europäischen Clubwettbewerbe mehr Geld sehen und hat dieses letztlich auch bekommen. Zu diesem Zweck wurde, nicht zum ersten Mal übrigens, der Plan einer Super League der größten und auch werbe-trächtigsten Vereine in den Verhandlungsring geworfen. Nun kann man, wie im richtigen Leben, eine Drohkulisse nicht immer wieder neu bemühen, ohne dabei etwas Konkretes in der Hand zu haben. Und so engagierten einige der beteiligten Vereine Anwälte und, weil sie so böse sind, natürlich internationale Wirtschaftsanwälte und nicht den Anwalt aus dem Reihenhaus nebenan. Diese Anwälte prüften sowohl die Möglichkeit der Gründung einer verbandsunabhängigen Liga, die damit privatrechtlich geführt würde, als auch den möglichen Ausstieg der Vereine aus den nationalen Ligen. Um es klar zu sagen, es wurde aus Sicht der Vereine professionell und nicht kriminell gehandelt, ob dem durchschnittlichen Bild- oder Spiegelleser das passt oder auch nicht.

Angesichts der unterschiedlichen Wege einen Verein zu führen, würden sich nun unterschiedliche Szenarien ergeben. Ein Verein wie Real Madrid, der von Florentino Perez eher autokratisch geführt wird, hat quasi keine Kontrollinstanzen, die den Ausstieg aus der nationalen Liga verhindern könnten oder würden. Einem Verein wie Barcelona droht aufgrund der dummdreisten nationalistischen Bewegung in Katalonien ohnehin latent der Rausschmiss aus der Primera Division. Damit ist Barca vielleicht irgendwann auf eine Super League angewiesen. Borussia Dortmund ist Aktiengesellschaft und damit seinen Aktionären verantwortlich. Eine erfolgreiche Super League würde die Dividenden steigen lassen. Für eine Weigerung an der Teilnahme könnten die Bosse also verklagt werden. Bayern München hingegen kann kein ernsthaftes Interesse an der Teilnahme haben, da der Vorstand solche Pläne niemals gegen etwa 300000 Mitglieder durchsetzen könnte. Und wenn eine skurrile Pressekonferenz neulich auch dagegen spricht, sind die Verantwortlichen der Bayern so wenig weltfremd, dass sie das auch wissen.

Fazit:

Es ist völlig sinnlos, skandalöse Pläne zu noch weiter zu skandalisieren, wenn man dabei die Realitäten nicht im Auge behält. Eine privatwirtschaftlich betriebene Liga wäre sicher das Ende des Fußballs als Sport, sondern würde aus unserer aller Lieblingsbeschäftigung endgültig einen bloßen kapitalistischen Wettbewerb machen, der letztlich weniger Bedeutung hätte als Kekswichsenwettbewerb unter Klosterschülern.