Die Parodie ist laut des Handbuches literarischer Fachbegriffe die Trennung der Form eines literarischen Werkes von seinem Inhalt und dessen Ersetzung durch einen anderen, nicht dazu passenden, wodurch komische Diskrepanz zwischen Idealität und Realität sichtbar wird.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass es keine nennenswerten FIFA-Parodien gibt. Parodien lassen sich einfach nicht parodieren. Spätestens letzte Woche offenbarten sich der Weltfußballverband und mit dem Verband dessen höchste Repräsentanten als nichts anderes als Parodie. Die Diskrepanz zwischen Idealität und Realität in der sogenannten Ethikkommission erklärt den Ursprung des Wortes aus dem Griechischen. Was waren die Aussagen des Chefermittlers Garcia und des rechtsprechenden Vorsitzenden der Ethikkommission Eckert anderes als ein Gegengesang, also Parodie?

Beide Personen sollen sich nun am Donnerstag treffen und die FIFA macht auch gleich klar, dass es mit der Parodie wohl weitergeht. Der Ort des Treffens zwischen Eckert und Garcia wird geheim gehalten, als wäre es das Versteck des Heiligen Grals. Keine Politik der Offenheit, sondern Politik des offensichtlichen Schwachsinns. Die allermeisten Parodien sind ja nicht lustig, hier bahnt sich eine Komik an, die ins Lächerlichste gehen wird.

Mehrere Vertreter des schweizer Vereins FIFA sprachen schon im Vorfeld der Veröffentlichung des Abschlussberichtes zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 davon, man müsse nun versuchen, Schaden von den Veranstaltungen abzuwenden. Doch Freunde, plant man jahrelang eine Party oder auch ein Abendessen, von dem man vorher schon sagt, es ginge darum, den Schaden zu begrenzen?

Die Frage ist ja längst nicht mehr, ob die Vergabe der Turniere an Russland oder Katar durch Korruption zu Stande gekommen ist; dafür wurden schon zu viele Verantwortliche suspendiert, die Frage ist nur, wie (unfassbar) korrupt es dazu gekommen ist. Issa Hayatou, der Stellvertreter Blatters, hat ja gerade wieder mal eine seltsame Rolle bei der Vergabe der Afrikameisterschaft abgegeben, ist aber ähnlich „sauber“ wie sein Chef, obwohl er ein nicht zu unterschätzendes Scherflein dazu beigetragen haben dürfte, dass das Bruttoassozialprodukt (also der Wert aller Korruption in einer Periode) in Kamerun den Wert des Bruttosozialprodukts übersteigt. Deswegen ist es allerhöchste Zeit, die Turniere neu zu vergeben. Da muss gar nicht erwähnt werden, dass im einen Land zum geplanten Zeitpunkt einfach nicht Fußball gespielt werden kann und Verträge mit dem anderen Land so viel wert sind, dass sich der Präsident des Landes damit den Arsch abwischt.

Reinhard Rauball, Chef der DFL stellte am Wochenende ganz offen die Frage, ob Europa in der FIFA noch gut aufgehoben wäre. Ein Krisentreffen des europäischen Fußballs ist schon für Anfang Dezember geplant. Man sollte wohl für kaum einen europäischen Fußballverband die Hände ins Feuer legen, doch es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die UEFA die FIFA braucht, oder ob nicht die FIFA viel mehr auf die UEFA angewiesen ist. Auch hochrangige Funktionäre scheinen inzwischen der Ansicht näher gekommen sein, dass es nur darum gehen kann, die jetzige Strukturen des Weltfußballverbandes loszuwerden. Mit der „Ethikkommission“ hat die FIFA es jedenfalls geschafft einen Treffer zu landen. Die Parodie eines Tores, ein Eigentor!