Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die Wissenschaft „künstliche Dummheit“ erschaffen haben wird, die den kognitiven Fähigkeiten der Menschen entspricht. In einem viel beachteten Interview im Focus äußerte Freiburgs Angreifer Nils Petersen , dass er das Gefühl habe, zu verblöden. Nun, diese bloße Erkenntnis zeigt, dass Petersen damit bereits eine intelligente Ausnahme unter den Fußballprofis, ja fast schon ein mündiger Profi ist.

99 Prozent der restlichen Profis suhlen sich in der eigenen Unmündigkeit. Sie scheinen ausschließlich Marionetten zu sein. Marionetten der gefährlichsten Parasiten im Fußball. Marionetten der sogenannten Spielerberater.

Neuester Fall von unverschämter, schamloser Dreistigkeit ist die Marionette Max Meyer, dem wider aller guten Sitten und wider aller erbrachten Leistungen ein Vertrag angeboten wurde, der ihn, selbst für Schalker Verhältnisse, zum vermutlich überbezahltesten Profi der Vereinshistorie gemacht hätte. Aber nein. Er setzte keine Unterschrift unter den Vertrag. Trotz täglicher Bauchpinseleien, trotz Sonderpädagogik im Stile eines Waldorf-Kindergartens fühlt sich die Puppe Meyer (Das Bild der Marionette würde hier nicht ganz passen) offenbar wohler, wenn sie die gierigen Finger des Spielerberaters tief hinten drin stecken hat. Meyer würde vom Verein nicht genügend gewürdigt, hieß es. Dafür, dass Meyer wohl demnächst bei irgendeinem beliebigen „Traumverein“ auf der Bank sitzen wird, wird sich der Berater eine sieben-stellige Summe unter den Nagel reißen. „Die Gelegenheit zu diesem Verein, in dieser stimmungsvollen Liga zu wechseln, ergibt sich nicht oft.“, wird demnächst in der Pressemitteilung zu lesen sein, wenn sich unendliche Geldgier mal wieder aufs schweinischte mit der Dummheit der Marionette gepaart haben wird. Ob Meier, Meyer, Mayer, Schmidt oder Schmitt, die ekelerregende Mischung aus Eitelkeit, Geldgier und Dummheit findet sich beileibe nicht nur im deutschen Profifußball, sondern überall im Weltfußball und ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Die meisten haben gar nicht genug zu fressen, wie sie kotzen möchten.

Es mag ja sein, dass die erste Stimme jetzt gleich kommt und den Autor dieser Worte auffordert, mal ein bisserl Ruhe zu bewahren oder runterzukommen.

Also gut, dann befassen wir uns doch daraufhin einmal mit der an sich gut gemeinten Aktion Common Goal, für die Profis wie Mats Hummels 1% ihrer Eitelkeitsgagen für soziale Zwecke spenden. Angesichts der Summen um die es geht, muss man dieses eine Prozent als gefühlloses Almosen bezeichnen. Vielleicht noch schlimmer war in der zeitweise geschäftigen Berichterstattung zu dieser Aktion, dass niemand jemals beobachtet oder gehört hätte, dass angebliche Journalisten auch nur einmal nachgehakt hätten, vielleicht mal gefragt hätten, ob auch 1% der Werbeeinnahmen der Spieler mit in die Spende fließen, ob die Summe nicht ohnehin lächerlich sei, wenn sie gleichzeitig von der Steuer abgesetzt werden kann. Und so mag man auch bei dieser sicher gut gemeinten Charity-Aktion kotzen, gerade wenn man gelesen hat, wie hoch kriminell Spielerberater zu Steuersparmodellen raten. Und leider kommen wir damit wieder zu diesen Parasiten.

Relativ wenige Spieler der heutigen Generation haben den Hungertod erlitten, da sie ohne einen Spielerberater einen Vertrag als Erstligaprofi unterschrieben haben. Warum, muss man dann fragen, geben eigentlich alle Spieler so viel ihrer eigenen Autonomie an Parasiten ab und geraten damit erst recht in die Spirale aus Gier, Eitelkeit und Dummheit. Und warum lassen sich gut geführte Vereine das überhaupt bieten. Es muss doch von Vereinsseite aus möglich sein, einem Spieler den Parasiten zu verbieten, beispielsweise mit einer Belohnung den Verzicht sogar schmackhaft zu machen. Ganz einfach gedacht, könnte das Grundgehalt automatisch um die Summe erhöht werden, die sonst der Berater kassiert. Leider gibt es nur wenige Vereine, die so seriös arbeiten, dass sogar der bloße Handschlag noch zählt. Bei zu vielen Vereinen müssen sich die Spieler darum sorgen, ihre Hand halbwegs gesund wieder zu bekommen.

Doch der Eindruck bleibt, dass Spieler, die sich geschäftlich nicht von Beratern abhängig machen, womöglich sogar geistig unabhängiger bleiben könnten. Wer bedenkt, dass der Satz Petersens schon fast der intelligenteste, ja beinahe aufgeklärteste (im besten Sinne des 18.Jahrhunderts) der letzten Zeit war, den kann es nicht verwundern, dass in ganz Europa noch kein Fußballprofi verkündet hat, er wolle beispielsweise unter einem bestimmten Verbandschef, egal ob national, europäisch oder auch den Weltverband betreffend, an bestimmten Wettbewerben nicht teilnehmen, ja womöglich (Obacht, jetzt wird es nahezu eskapistisch skandalisierend) auf eine Weltmeisterschaft verzichten, sollte diese in einem Land ohne funktionierenden Rechtsstaat, in dem Menschenrechtsverletzungen Alltag sind und Arbeitssklaven zum Bau der WM-Spielstätten missbraucht werden, stattfinden. Für die nächsten zwei Weltmeisterschaften gäbe es dafür sicher mehr Gründe, als für eine willenlose Teilnahme. Nun protestiert mal Berater und Werbepartner. Doch bedenkt dabei, dass ein klitzekleines Fünkchen Persönlichkeit auch dabei helfen kann, einer Werbefigur Konturen zu geben, jedenfalls mehr als die großen Gleichmacher Frisur und Tattoo.

Wenn Nils Petersen vielleicht nicht weiß, doch wenigstens fühlt, dass er als Fußballprofi verblödet, so gilt für die Breite Masse: Ich bin eitel also bin ich.

Ab diesem Punkt werden Wissenschaftler Probleme bekommen, den Prozessoren und Chips für „künstliche Dummheit“ Eitelkeit beizubringen. Aber wozu eigentlich „künstliche Dummheit“ erforschen, wenn die Natur so viele zu bieten hat.