Betrachten wir heute einmal unser aller Lieblingssportart: Domino. Was hat sich, ach, nicht alles in diesem wundervollen Spiel im Sommer getan.

 

Schalke 04 holt sich Markus Weinzierl als Trainer und bringt damit den FC Augsburg in Zugzwang.

Der FC Augsburg holt sich also Dirk Schuster und nun ist Darmstadt 98 an der Reihe.

Darmstadt 98 holt sich wiederum Norbert Meier und bringt damit Arminia Bielefeld ins Spiel.

Arminia Bielefeld holt sich seinerseits Rüdiger Rehm von der SG Sonnenhof-Großaspach.

SG Sonnenhof-Großaspach holt sich daraufhin Oliver Zapel  von SV Eichede.

SV Eichede holt sich jetzt  Jörn Großkopf von Uerdingen 05  (fka Bayer)

Uerdingen, und da sind wir quasi bei einem Happy-End, holt sich Andre Pawlak von Velbert.

 

Das ist eine beachtliche Liste von Trainerentscheidungen und von entlassenen Trainern, die wiederum während der Saison weitere Konsequenzen hatte. Bemerkenswert tatsächlich, dass in dieser Liste des Scheiterns der Name 1860 München oder der Name eines Trainers der Löwen nicht auftaucht. Selbst im Scheitern scheint es noch qualitative Abstufungen zu geben.

 

Scheitern muss natürlich das Thema sein, wenn man sich vornimmt über das untere Tabellendrittel der Fußballbundesliga zu urteilen.

 

Darmstadt 98

Im Falle von Darmstadt 98 fällt es schwer von Scheitern zu sprechen. In den zwei überraschenden Jahren, die die Lilien in der 1.Liga verbrachten, entwickelte sich der Verein enorm. Hatte man beim Aufstieg die (Infra-) Strukturen eines maroden Fünftligisten, so schreitet man nun mit Stolz in die zweite Liga zurück, nachdem in Stadion und Trainingsplätze und damit auch in den Nachwuchs investiert wurde. Auch so kann man mit Fernsehgeldern umgehen. Darmstadt darf wirklich stolz darauf sein, mit welcher Beharrlichkeit das Team sich gegen das Unvermeidliche gewehrt hat. So mancher besser betuchte Verein, so mancher besser verdienende Spieler anderer Vereine sollten sich daran orientieren. Es war schön zu sehen, dass auch die Fans der Hessen begriffen haben, dass der Abstieg, wenn er so verläuft keine Schande ist.

 

FC Ingolstadt

Ein Sinnbild der Saison war der letzte Spieltag. Als das 1-0 für Freiburg fiel und damit der Abstieg der Schanzer konkret wurde, spuckten die Datenbänke zu diesem Zeitpunkt 11-0 Torschüsse für die Auswärtsmannschaft also den FCI aus. Mangelnde Effektivität, mangelndes Glück (auch bei den Entscheidungen der Unparteiischen) brachten eine durchaus konkurrenzfähige Mannschaft (fragt nach bei Bayern, Leipzig oder dem BVB) in eine Lage, in der man die Fehlentscheidung bei der Nachfolge von Trainer Hasenhüttl nicht wieder gutmachen konnte. Da half auch der gute Teamgeist nichts. Diesen Teamgeist gilt es mit einer neuen Mannschaft wieder herzustellen, sonst wird es auch in der 2.Liga schwer für die Schanzer, die sich eben nicht, wie von Neidern gerade in der Anhängerschaft von sogenannten Traditionsvereinen geschwallt wurde, als reicher Retortenverein des Audiwerks erwiesen haben.

 

VfL Wolfsburg

Wie erwartet, gelang es niemandem aus den einzelnen Wölfen ein Rudel zu formen und wie in der Natur braucht es dann schon etwas Glück oder Schwächere, um zu überleben. Innerhalb einer Saison zwei Trainerentlassungen überhaupt und dann auch noch trefflich vorherzusagen, ist ja eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht so bei Wolfsburg und seinen fatalen Entscheidungen und so sollte man auch nun schon ein paar Kröten darauf setzen, dass spätestens im Advent der jetzige Trainer Feierabend beim Werksclub hat, wenn nicht gar schon sein Nachfolger. Aber wie soll man eine Strategie für ein Team entwickeln, in dem eigentlich wirklich jeder ausschließlich mit sich selbst kämpft. Deutlich war das beim „Führungsspieler“ Luiz Gustavo zu sehen, der stets mit sich selbst oder dem Schiedsrichter redete, doch fast nie mit den Mitspielern. Ein Mario Gomez, ja der zurückhaltende Mario Gomez, der schüchterne Herr Gomez, der wohl die Zusage bekommen hatte, gehen zu dürfen, wenn Wolfsburg die internationalen Wettbewerbe verpasst, dieser Mario Gomez wurde während der Saison zum Führungsspieler, zum Lautsprecher auf und abseits des Feldes. Das sagt alles.

 

FSV Mainz 05

Nicht die Abstiegsnot, nicht die zwischenzeitliche Erfolgswelle, nicht die Probleme in der Vereinsführung, nicht die Trainerfrage, nicht (mehr) die Transferpolitik in Mainz ist zu verstehen. Meins ist das nicht. Dass der Trainer nun Cheftrainer wird, der mit der zweiten Mannschaften abgestiegen ist und der Trainer gehen muss, der den Klassenerhalt geschafft hat, ist das deutlichste Bild dafür. Es ist allerdings nur ein Bild, denn in Wahrheit hat Sandro Schwarz bei der zweiten Mannschaft einen wirklich guten Job gemacht, spätestens nachdem er aufgehört hat, eher sinnfrei die Aufstellung zu rotieren. Damit übertrieb es Martin Schmidt bei der ersten Mannschaft dann doch die ganze Saison über. Mal rein, mal raus, mal auf die Tribüne, die Gegner wirkten davon selten überrascht, die eigene Mannschaft sehr wohl. Quo Vadis Mogontiacum?

 

Hamburger SV

Ja, es war Kritik zu hören, dass der HIV an dieser Stelle häufig kritisiert wurde. So wollen wir mal nicht über die Vermutung schreiben, dass in der Elbdepression weitere seltsame Todesfälle zu befürchten sind. Nein, wir wollen loben, die Jugendarbeit loben. Da wird nicht nur trainiert, sondern die wirklich talentierten Spieler werden offenbar auch gut beraten. Nicht nur „Lauft!“, sondern „Lauft um euer Leben und zwar so schnell wie möglich weg von hier!“ Auch der TSV 1860 München hat eine gute Jugendabteilung, also HSV, folgt den Löwen jetzt auch in anderen Hinsichten.

 

FC Augsburg

Am Ende der Saison hatte der FCA doch eine Menge Glück, dem Abstieg zu entgehen. Doch dieses Glück erkämpften sich die Augsburger wie die Löwen. Nein, nicht schon wieder diese Miezekätzchen oder Ameisenbären. Löwen sind wilde Savannentiere mit unglaublich vielen scharfen Zähnen und schrecklich langen, messerscharfen Krallen, mit denen sich das Team gegen die 2.Liga wehrte. Wie kam es nur dazu? In diesem Fall darf ausnahmsweise dann doch einmal das Verletzungspech als Ursache erwähnt werden. Mal waren es sämtliche Angreifer gleichzeitig, mal alle Abwehrspieler zur gleichen Zeit. In den seltensten Fällen waren es Verletzungen, die durch möglicherweise fahrlässige Trainingssteuerung zustande kamen. Sobald ein Mindestmaß an Gerüst der Mannschaft fit war, punkteten die Augsburger fröhlich vor sich hin. Leider waren die Phasen kurz und schließlich ging es nicht mehr darum einen bestimmten Stil zu pflegen, sondern nur noch darum, irgendwie verzweifelt an die nötigsten Punkte zu kommen und so endete eine schreckliche Saison dann doch noch glücklich. Die Saison 2016/17 ist dennoch dem Vergessen gewidmet.

 

Nicht vergessen sollte die geschätzte Leserschaft, dass es an dieser Stelle schon bald um das Mittelmaß der Bundesliga geht und zuverlässig darauf vertrauen, dass auch das nicht mittelmäßig wird.