Nun sind wir also drin in der Saison 2014/15. Wir Betrachter jedenfalls. Die meisten Mannschaften scheinen zwar teilzunehmen, doch noch kein Gefühl dafür gefunden haben, dass es eine neue Saison ist, in der Titel zu erringen sind, oder gewisse Saisonziele zu erreichen sind.

In Deutschland gibt es jedenfalls kaum Mannschaften, die zu diesem Zeitpunkt eine Stammformation gefunden haben oder in neuer Besetzung einen Plan umsetzen können. Bezeichnend ist, dass gerade die Aufsteiger der 2.Liga so gut abgeschnitten haben. Alle drei spielen in kaum veränderten Aufstellungen, die Idee des Vorjahres weiter und schaffen es dabei, nicht eingespielte, höher bewertete Teams in die Tasche zu stecken.

Blickt man auf die sogenannten Favoriten der ersten Liga, so möchte man sich angesichts der Tabelle verwundert die Augen reiben. Verletzungen, WM-Stress, Neuzugänge, Abgänge, die bösen Medien, etc. etc. , die Spanne der Erklärungen reicht von „nachvollziehbar“ bis „geht’s noch lächerlicher“ und doch sehen wir Bayern München, die sicher nicht weiter sind als die Konkurrenz, vier Punkte vor dem Tabellenzweiten und gar zehn Punkte vor der Borussia aus Dortmund. Auf Schalke wurde der Trainer erst bereits fast entlassen, dann zum Kämpfer, Stehaufmännchen und „Trainer, der nun doch ein deutliches Profil gewonnen hat“ bis er ein paar Tage später dann doch entlassen wurde. Der souveräne und durchaus nicht unverdiente Tabellenletzte Werder Bremen wurde noch vor einigen wenigen Tagen für sein Spiel gelobt. Galoppierende Hektik, wo man nur hinsieht.

Wie kommt es dazu? Gerade wenn viele Spiele in kurzer Zeit stattfinden gibt es für die Teams natürlich wenige Möglichkeiten, sich zu entwickeln, sich einzuspielen, da statt einem normalen Training die unmittelbare Spielvorbereitung im Mittelpunkt stehen muss. Wenn dann Mannschaften gegeneinander antreten, die beide noch nicht ihre voll Stärke und Eingespieltheit gefunden haben und womöglich noch in der Aufstellung rotieren, spielt der Zufall eine größere Rolle als sonst. Ergebnisse und Leistungen schwanken extrem. Doch sollen die Medien davon berichten? Nein! Genaue Analyse verkauft nun mal gar nix. Lieber unterstellt der eine „Journalist“ einer Mannschaft Unruhe, der zweite beginnt dann Interviews mit einem Satz wie „Es soll ja Unruhe in der Mannschaft herrschen“ bis der dritte schon die Möglichkeit hat festzustellen: „Es ist ja überall von Unruhe die Rede“ Für den Fußballfan, den Fan des Fußballs, nicht eines Vereins, ist diese Zeit unerträglich. Alles was außerhalb der 90 Spielminuten stattfindet, ist eigentlich nur noch zum Kotzen.

Aber schildern wir doch mal am Beispiel von 1860 München, wie der Zufall wirkt. Am ersten Spieltag der Saison wird die Mannschaft durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters so richtig ins Spiel gebracht, spielt danach ein grandioses Spiel in Kaiserslautern, sicher das beste Stück Fußball, das dieses Jahr in der 2.Liga zu sehen war und führt souverän 2-0. Der Schiedsrichter ahnt inzwischen, dass die rote Karte eine Fehlentscheidung war und weigert sich Kaiserslautern weiter zu bestrafen, obwohl es dazu massenweise Gründe gebe. Das bringt den FCK wieder ins Spiel und durch einen wiederholten individuellen Fehler verliert 1860 am Ende das Spiel. Es kommt Unruhe auf und das Spielsystem wird geändert, die Spirale der Eskalation ist in Gang gesetzt. Als in einer englischen Woche 1860 schließlich in der 90.Spielminute in Sandhausen den Führungstreffer erzielt, sind die Aussichten plötzlich fünf Sekunden lang gar nicht schlecht, bis der Schiedsrichter das Tor aus unerfindlichen Gründen nicht gibt und Sandhausen in der Nachspielzeit seinerseits das 1-0 markieren kann. Trainer Moniz wird daraufhin entlassen.

Man muss nicht in die 2.Liga dafür blicken. Entgegen jeder Annahme machte die deutsche Nationalmannschaft in Polen ein wirklich gutes Spiel gegen eine Mannschaft, die wirkte wie ein Viertligist, da sie so spielte wie ein Viertligist, der sich eine Chance auf eine Sensation in einem Erstrundenmatch des Pokals gegen einen Bundesligisten ausrechnet. Was passiert? Die überlegene Mannschaft lässt Chancen über Chancen aus, der gegnerische Torwart wächst über sich hinaus und bei einem der wenigen Konter sorgt ein individueller Fehler für das Überraschungstor. Die Sensation ist erreicht. Solche Tage gibt es nun mal, es gibt sie nicht oft aber immer wieder.

 

Im Zuge meiner Forschungen zur Geschichte des deutschen Ligafußballs wende ich mich bei unklarer Quellenlage auch mal an Vereine. Es gibt in der Tat inzwischen bei einigen Vereinen meist in der Pressestelle Ansprechpartner zur Historie des jeweiligen Clubs. Eigentlich ist es ein Skandal wie wenige Antworten bekommt. Ich möchte hiermit ausdrücklich einmal die Öffentlichkeitsarbeit zweier Vereine loben, die bislang sicher nicht zu meinen Lieblingsvereinen gehörten. Eintracht Braunschweig und der Hallesche FC. Weiter so!