Ein kluger Mensch sagte dereinst, dass die Lüge ein trauriger Ersatz für die Wahrheit sei. Nun, die Wahrheit ist bekanntlich auf´m Platz und so könnte man sich darüber freuen, dass die Bundesliga endlich losgeht. Problem ist nur: Man sieht so wenig davon. Ich kann jetzt schon stundenlanges Gewäsch in Vor- Mittel- und Nachberichterstattung des Bundesligaauftakts über die missglückte Transferpolitik der Bayern hören und deswegen fehlt immer mehr die Lust auf die Liga von heute. Alles außerhalb vom Platz ist ohnehin nur noch Lüge.

Wer sich mit der Geschichte des Fußballs historisch beschäftigt, wer dabei versucht empirisch zu arbeiten, der sucht letztlich die Wahrheit und so würde ich gerade lieber versuchen verschollene Gelbe Karten auch der 2.Liga der 1980er-Jahre zu finden, als ernsthaft eine Bundesligavorschau zu schreiben. Heute, da jedes Spiel irgendwo, irgendwann für irgendwen zu sehen ist, verheißen selbst die bunten bewegten Bilder mit ihren Zeitlupen aus dutzendfachen Perspektiven nicht, dass mehr Wahrheit als früher verbreitet wird. Die Wahrheit ist offenbar nichts mehr wert. Ein klares, winzig abgefälschtes Weitschusstor am zweiten Spieltag der 2.Fußballbundesliga hat endgültig für ein Übermaß an Unlust am heutigen Fußballgeschehen gesorgt, da es vom DFB, warum auch immer, als Eigentor gewertet wurde und dieser wirklich Ursache und Wirkung verachtender Scheißdreck wurde prompt daraufhin von allen Medien weiterverbreitet. Fast die Hälfte der Tore in der ersten Runde des DFB-Pokals hätte man ähnlich sinnlos beurteilen können. So war das Tor von Leon Goretzka viel, viel weiter von Lewandowski abgefälscht als das Tor von Dorsch gegen den VfB Stuttgart. Man fragt sich schon nicht mehr, warum der Videobeweis noch immer nicht so funktioniert, wie er funktionieren könnte, wenn der DFB schon nicht weiß, oder nicht wissen will, wer ein Tor erzielt hat.

Ein paar kleine Ärgernisse sollen die Unlust am Ligaauftakt noch verdeutlichen. Es gibt schon wieder eine neue Auslegung des Handspiels. Schwachsinn!!! Jede Auslegung ist sinnlos und kann allenfalls geistig Behinderten, die von Fußball soviel Ahnung haben, wie Euer geneigter Autor vom Dressurreiten, helfen, den Vorsatz zu erklären.

Der Fußball in seiner Gesamtheit hat die Schwelle zu Überkommerzialisierung längst überschritten, ist als Geschäft nicht weniger Verlogen, als Risikoinvestmentbanking und alle, wirklich alle machen mit. Von etwa 1000 Vollprofis in Deutschland sind kaum eine handvoll im Interview zu ertragen. Man möchte kotzen oder einschlafen, sobald einer den Mund aufmacht.

Letzteres liegt natürlich auch an den Verhältnis zwischen dem Wirt, dem Fußballer, zu seinem Parasiten, dem Berater. Auch in der Bundesliga, die ja im Vergleich zu anderen europäischen Ligen eher seriös arbeitet, werden mehr als eine Viertelmilliarde Euro an Berater verschwendet und verschwinden damit aus dem Fußball. Nie, niemals, noch nie in der Geschichte war ein Berater nötig, um einen Spieler zu einem großen Spieler zu machen. Das einzige, was diese Parasiten erreichen können, sind reiche und verwöhnte Promis aus jungen Menschen zu machen. Fußballer, die sich über ihren Marktwert definieren, statt über Leistung.

Fassen wir die letzten Absätze doch mal zusammen, dann entsteht ein Bild. Der Fußball hat sich zu einer Geldzählmaschine und zu einem Aufmerksamkeitszirkus verwandelt, in der die Medien willfährig mitmachen und eigentlich gar nicht mehr gebraucht werden, da über Instagramm die Spieler, über Vereinsfernsehen die Vereine, über Porträts auf Netflix etc. sämtliche angeberischen Hochglanzbilder bereits vorproduziert sind. Nachfragen nicht erwünscht! Nachfragen zu fußballspezifischen Themen werden ja auch längst nicht mehr gestellt. Warum soll man sich auch mit dem Geschehen auf dem Platz beschäftigen, wenn man zu uninteressanten Symbolthemen den Konjunktiv vergewaltigen kann. Meinungsvielfalt ist ja sooo 20.Jahrhundert.

Kleine Grüße: Wer das Bild, das der Fußball abgibt, auch nur beschreibt, wird auf die Nölbank verwiesen.

Der VfB, Hannover, der HSV, Nürnberg sind leider noch nicht ganz den Weg von Kaiserslautern etc. gegangen. Kommt aber noch. 18 Bundesligisten werden in der 57. Saison mehr oder weniger versuchen, diesen Beispielen zu folgen und abzusteigen. Mancher Verein mit mehr Intensität, der andere vielleicht mit etwas weniger. Die Gründe können explizit und implizit entstehen.

Ein Fall von impliziten Schwierigkeiten ist dann auch schon

Union Berlin

Der zweitlangweiligste Bundesligaverein aus der dümmsten deutschen Reichshauptstadt aller Zeiten hat genug Probleme dabei, den Kommerz der Bundesliga den Fans zu erklären. Deren Kritik daran scheint allerdings mehr und mehr Selbstzweck zu sein. Antikommerz als Werbebotschaft. Wir gratulieren. Chancenlos andere Clubs in der Tabelle hinter sich zu lassen, sind sie allerdings nicht.

SC Paderborn

Da gab es schon wieder etwas zu feiern in der Blauen Jahrhunderthalle von Paderborn. Die Auch-ich-war-eine-Dose-Arena ist wieder erstklassig. So witzig so schön. Man darf auf ein Torverhältnis von 80-100 am Ende hoffen. Witziger als die meisten, aber auch chancenloser als die meisten anderen Clubs.

1.FC Köln

Gutes Team, guter aber unerfahrener Trainer, der einem in dem Umfeld hysterischer Wichtigmacherei leid tun kann. Wär´s nicht in der Stadt Köln, so wäre der Abstieg viel vermeidbarer als bei Anderen.

FC Augsburg

Schade Augsburg. Das wird wehtun.

Schalke 04

Mancher Club ist schon an den Spielern gescheitert. Nun haben diese drei Monate keine rassistische Schulter um sich hinter dem Rücken des Trainers auszuweinen. Charakterlich so viel wert wie eine Schweinehälfte, Traditionsverein halt.

SC Freiburg

Gute Einkäufe. Die einzige Person, auf die man im deutschen Fußball nicht verzichten möchte auf der Trainerbank. Wohl immer noch keine Trainingssteuerung oder medizinische Abteilung. Die Aufstellung erfolgt deswegen nach Abzählreim. Zehn kleine N. (sorry, aber ich lasse mein Amt nicht ruhen) Thema ist nicht Fußball, sondern das neue Stadion, welches nicht das größte in der 2.Liga sein wird.

Mainz 05

Auch ein sympathischer Trainer, der sich gesellschaftlich engagiert. Je besser das Team ist, desto weniger Zuschauer. So wird es nix mit dem was möglich wäre.

Hertha BSC

Verzichtbar

Fortuna Düsseldorf

Zu viele arbeiteten am Denkmal Friedhelm Funkel, nur um dieses zu stürzen.

TSG Hoffenheim

Es wird ja doktrinär gelogen, dass alles Neue besser sei. Auch in diesem Falle schwer vorstellbar.

Werder Bremen

Endlich gute Nachrichten: Noch immer Pizarro, oder holen ihn die Bayern zurück? Sie suchen doch so dringend. Werder ist gerade als Absteiger nur schwer vorstellbar. Dafür gibt es zu viel Mittelmaß.

Eintracht Frankfurt

Auch Beinaheerfolg frisst seine Kinder. Haller und Jovic werden dieses Jahr sicher nicht so viel Spaß an ihrer Arbeit haben wie in der Vorsaison. Es sei ihnen gegönnt.

VfL Wolfsburg

Der Abstieg ist misslungen, dann also weg mit dem Erfolgstrainer. Es wird gehandelt wie beim Mutterkonzern, vermutlich mit weniger Spieltischen und Nutten. Nix gegen Oliver Glasner, der noch nix weiß davon, dass er gefeuert wird, sollte der Abstieg in Gefahr sein.

Bayer Leverkusen

Bayer gab Geld aus wie sonst nur für Monsanto. Sammelklagen sind noch nicht zu erwarten. Bayer und Monsanto, eine Erfolgsgeschichte? Bayer und Demirbay und Diaby und Amiri, und und und eine Erfolgsgeschichte? Immerhin war die Vorbereitung so erfolgreich wie in den letzten Jahren. Viele schalteten schon freiwillig zur Werbung für Onlinecasinos um.

Leipzig

Li-la-Laune-Lieblingsverein Leipzig ohne Langnick, der den Traditionsverein gebar, der ihn erzog, der ihn groß werden ließ. Mit Nagelsmann nun endlich so köstlich wie die prickelnde Fäkalbrause des Hauptsponsors? So schnell wird das nix.

Borussia Dortmund

Den wichtigsten Titel hat Favre gewonnen, den Suppencasparcup, von diesem weltbewegenden Höhepunkt des Fußballspiels, dem weltweit Abermilliarden Menschen mit Tränen in Augen folgten, kann es eigentlich nur abwärts gehen. Explizit und implizit analysiert, kommt dabei genau das selbe Ergebnis heraus. Favre ist ein guter Trainer, doch der falsche, um weitere mögliche Ziele zu erreichen. Warum zur Hölle wurde eigentlich Marco Reus zum Fußballer des Jahres gewählt. Unsichtbar in wichtigen Spielen, nix gewonnen, was soll das, wenn es ein Gündogan gibt, der alles gewonnen hat, der übrigens weniger Stimmen bekommen hat als Robin Knoche.

Bayern München

Da waren die Bayern im Trainingslager und Niko Kovac wurde nach dem Wetter gefragt. Er mochte das Wetter. Am nächsten Tag wurde Karl-Heinz Rummenigge nach dem Wetter gefragt und machte auf Grund eines vorüberziehenden Gewitters und der unverschämten Frage ein säuerliches Gesicht. Jochen Breyer initiierte sofort ein ZDF-Spezial unter dem Titel: „Weitere Watschn für Kovac“ Wie soll das gutgehen mit dem erfolglosesten Trainer aller Zeiten, der nun wirklich überhaupt nichts kann und schon in seiner Zeit als Spieler persönlich dafür verantwortlich war, dass die Bayern damals nicht endlich Sane und Coutinho und, und und holten. Zurecht werden die Bayern als erster Absteiger gehandelt. Eines dürfte allerdings witzig werden. Die Bayern spielen nun mit Einerkette. Süle und zwei seiner Monde. Professor Lesch: Ab an die Taktiktafel!

Eigentlich steht an dieser Stelle immer der Satz: Und jetzt geht’s naus und spielts Fußball.

Wichtiger erscheint mir dann doch der Satz:

Und jetzt lasst Euch doch nicht mehr alles gefallen!

PS: Und macht doch nicht wirklich jeden Scheiß mit!

PPS: Für Fragen zur Statistik der Spieler, schaut lieber nicht bei den großen Portalen rein, sondern fragt an dieser Stelle. (Vielleicht noch bei den ULTRAS Gänseblümchen auf Facebook) Gute empirische Arbeit ist unersetzlich.