Nu isse zuende, die Saison 2018/19 und Liverpool oder, was den Teutschen einzig und alleine interessiert, Jürgen Klopp hat endlich einen Titel.

Was war dröger? Die Show vor dem Spiel, in der irgendwelche epileptischen Hampelmänner, gecastet von einem Algorithmus, irgendwelche Töne spielten oder playbackten, die von einem weiteren oder demselben Algorithmus erstellt wurden, begleitet von einer Adidas-Werbeaktion auf dem Niveau einer Weihnachtsfeier an einer Provinzgrundschule, oder waren doch die ersten 70 Minuten des Endspiels dröger, so dröge, dass sie vom Dauerwerbesender Sky gar nicht mehr schöngeredet werden konnten? Immerhin war es fair, das Spiel und von der Sinnlosigkeit jeder Auslegung von Handspiel müssen wir ja nicht noch einmal anfangen.

So langweilig war Liverpool nicht immer dieses Jahr. Gosh, bloomy bastards was that thrilling. Ein Pünktchen Rückstand und nur eine Niederlage nach 38 Saisonspielen und doch waren die Citizens aus Manchester am Ende dank einer unglaublichen Siegesserie vorn und gewannen sogar das nationale Triple. Das kontinentale Triple ging an Afrika. Torschützenkönige wurden Aubameyang aus Gabun, Salah aus Ägypten und Mane aus dem Senegal.

Es gab Meisterschaften, die einmal mehr vor Langeweile prickelten, doch boten die Ligen Europas auch in einigen Fällen Spannung bis zum Schluss. Die Eredivisie der Niederlande erlebte ein Duell zwischen Ajax und PSV, wie es selten stattgefunden hatte. Trotz 119 geschossener Tore konnte sich Ajax am Ende nur knapp durchsetzen, da Eindhoven am Ende, auch durch viele Verletzte, der Saft ausging. In Portugal erlebten die Fans Ähnliches im Traditionsduell zwischen Benfica und Porto. Auch Benfica musste am Ende über 100 Tore schießen, um sich durchzusetzen. Erst nach einem Trainerwechsel im Januar blühte Benfica auf. Unter Bruno Lage, der als Cheftrainer bislang nur im eigenen Nachwuchs tätig gewesen ist, entdeckte Benfica das „Jogo Bonito“ und das obwohl der Trainer von seinen Spielern und auch den Fans in erster Linie eines erwartete; kompromisslosen Respekt vor den gegnerischen Teams. Bruno Lage scheute sich nicht, selbst Leistungsträgern bei Verstößen gegen den Respekt eine Denkpause zu erteilen.

Besonders spannend entwickelte sich die Meisterschaft in der Türkei und das nicht nur, weil sich Galatasaray erst am vorletzten Spieltag gegen Başakşehir durchsetzte. Beide Teams bekamen an den letzten Spieltagen der Saison auffällig viele Elfmeter in den letzten Spielminuten. Trainer Galatasarays ist mal wieder Fatih Terim und Başakşehir spielt im Stadion „3.Istanbul Başakşehir Fatih Terim“. Der Kampf um den Titel in der Süper Lig war ein Beispiel für die manchmal schwer zu durchschauende Spaltung der Türkei. Es scheint das Dumme und Böse zu regieren, was wiederum nicht heißen muss, dass die Gegnerschaft weniger dumm, korrupt und skrupellos ist. Başakşehir F.K. wurde als Mannschaft der Stadtverwaltung Istanbuls gegründet, just als der jetzige Impotentat vom Bosporus Recep Tayyip Erdogan Bürgermeister von Istanbul war. Erdogan eröffnete persönlich das Stadion und durfte beim Einweihungsspiel auch zwei oder drei Tore schießen. Hauptsponsor des Clubs ist die Krankenhauskette Medipol, die im Besitz von Fahrettin Koca ist, der seinerseits inzwischen Gesundheitsminister der Türkei ist und von dem verbreitet wird, er sei eine Art Leibarzt der Familie Erdogan. Trampelt so langsam die Nachtigall? Doch es geht weiter. Weitere Großsponsoren sind genau diejenigen Bauunternehmer, die sämtliche Prestigeprojekte des Präsidenten zu verantworten haben. (Flughafen, Gezi-Park, etc.) Und als wäre das noch nicht alles, ist der Präsident des Clubs mit einer Nichte Erdogans Eheweib verheiratet. Alles in allem steckt Başakşehir FK also tief im undemokratischen Sumpf der Regierungspartei AKP und ihres Impotentaten.

Wer nun denkt, dass der emporgekommene Club das Schlimmste im türkischen Fußball ist, dem sollte in Erinnerung gerufen werden, dass die drei Großvereine Istanbuls inzwischen etwa mit anderthalb Milliarden Euro verschuldet sind, da die jeweiligen Präsidenten ihre Eitelkeit mit Spielertransfers befriedigt haben. Başakşehir investierte tatsächlich mehr Geld als andere in Infrastruktur und gilt als beinahe schuldenfrei. Wie sie das bei einem Zuschauerschnitt zwischen 3000 und 5000 (je nach Angabe) schaffen und gleichzeitig Spieler wie Emmanuel Adebayor, Robinho oder Arda Turan bezahlen können, das ist ein weiteres Wunder des Orients, auch wenn der Stadtteil auf der europäischen Seite Istanbuls zu finden ist.

Nun am Ende verspielte Başakşehir an den letzten acht Spieltagen einen Vorsprung von acht Punkten, wie auch immer das geschehen sein mag. Fragen, ob das ein gutes Zeichen ist, können und wollen auch Insider des türkischen Fußballs nicht beantworten. Die Geschichte ist jedenfalls interessanter als das Championsleaguefinale war, doch das war ja auch nicht schwierig.

Nach diesem kleinen Ausflug nach Europa, folgt an dieser Stelle bald ein Blick auf die Liga einer kleinen europäischen Provinz namens Deutschland. Ein recht bekannter Serienmeister soll dort unter einem neuen Trainer schwer versagt haben, war jedenfalls monatelang zu lesen. Kleine Zwischenfragen bis dahin: Wie viele Titel holte Real Madrid in dieser Saison, wie viele Championsleaguetitel holten Manchester City und PSG, oder auch holten Barca, PSG, Juve vielleicht das Double?