Nun aber mal ganz langsam mit der Schnelligkeit und mal rasant auf Ruhepuls kommen. Wer hat es nicht alles erkannt. Trainer und Manager, der Papst, Andreas Scheuer sowieso, Beckenbauer, Rezo und Alexander Gerst sogar aus dem Weltall, gut die Flinten-Uschi hat erst ein paar Berater gebraucht.

Wir brauchen mehr Geschwindigkeit!

Es mangelt gerade dem teutschen Fußball an Tempo und so suchen sie nun alle. Die 56 Proficlubs, der DfB drehen jeden Stein nach schnellen Spielern um, obwohl Usain Bolt ja immer noch keinen Verein gefunden hat. Wenn man sich an die traditionellen Versager des deutschen Sprints erinnert, bitte, bitte, wirklich bitte….so einfach ist die Suche ja eben nicht, denn die letzte 4 mal 100 Meter-Staffel bei einem internationalen Höhepunkt endete damit, dass die Hälfte des Teams ins Krankenhaus verbracht werden musste und bewies damit, dass es Deutsche ohnehin kaum schaffen 100 Meter unfallfrei schnell zu laufen.

Da ergibt sich schon das erste Problem mit der Geschwindigkeit. 100 Meter muss ein Fußballer ja ohnehin nie schnell laufen und nur Geradeauslaufen hilft ja auch nix. Wenn sich dann Abwehrreihen auch noch sehr weit in der eigenen Hälfte formieren, so ist das Tempo des Laufens rasant am Ende. Die Geschwindigkeit, die nun gefordert, gesucht, herbeigebetet wird, ist ja eher die Schnelligkeit bei den Kontern, nur möglich wenn die eigene Mannschaft schon tief angeordnet ist. Da lügt die Erinnerung an den schnellen Spieler Kylian Mbappe. Seine grandiosen Sprints sind nur möglich, wenn man, wie das französische Nationalteam, eigentlich nur die Defensivarbeit aktiv gestaltet, also die eigene Offensive nur gelegentlich situativ in Bewegung setzt. Der Fan des Fußballs möchte das sicher nicht ständig erleben.

Das Beispiel des flotten Franzosen zeigt eine weitere Lücke in den Argumentationsketten derer, die nun Tempo, Tempo und nochmals Tempo fordern. Monsieur Mbappe ist im Stande auch bei schnellster Geschwindigkeit den Ball zu verarbeiten und diese Qualität macht ihn zum Spieler mit dem höchsten Marktwert weltweit. Die Suche wird für die Vereine nun also noch komplizierter. Tempo ist nur sinnvoll, wenn dabei der Ball beherrscht wird und diese Sekundärfähigkeit macht Spieler unerschwinglich. In der vergangenen Saison hatte ja bereits die eine oder andere Vereinsführung den famosen bis fimosen Plan bedingungslos auf Geschwindigkeit zu setzen. Da wurden Spieler demontiert und vom Spielfeld verbannt, die die Radarpistole nicht gleich zum Schuss gebracht haben, die aber im Gegensatz zu den neuen schnellen Spielern die nötige Handlungsgeschwindigkeit hatten, eine Schuss ins Gehäuse unterzubringen. Fragt beispielsweise nach in Stuttgart oder in Ingolstadt, wie geil der Plan aufgegangen ist.

Diese Fälle führen zum größten Missverständnis, was die Schnelligkeit der Spieler betrifft. Auch die schnellsten Spieler können ihre rein physische Geschwindigkeit nicht nutzen, wenn in ihrer Mannschaft nicht Spieler mit Handlungsschnelligkeit zu Werke gehen. Das sind nicht nur Spielmacher, die den beengten Raum des Spielfelds so deuten können, dass sie exakt in der richtigen Zehntelsekunde den präzisen Pass genau mit der nötigen feintemperierten Wucht spielen. Es sind die Spieler, die sich den Platz für ihre Aktionen selbst schaffen, weil sie ihr Tempo variieren. Spieler, bei denen sich Geschwindigkeit mit Technik und vor allem Entschlossenheit paaren und das macht einen de Bruyne oder einen Eden Hazard unerschwinglich. Solche Fußballer wachsen nicht so schnell auf Bäumen und waren auch bei der U-21 kaum und nur in Ansätzen zu finden. Also sucht mal schön alle weiter diese Faberge-Ostereier, bis euch Weihnachten jemand sagt, dass gar keine versteckt waren.

Zeit für einen kleinen Altmodischen: Folgendes wird für einen Teil der Auflage wiederholt. Die bessere Hälfte der Bundesliga:

TSG Hoffenheim

Wann hat je ein Tabellenneunter so gut gespielt? Viele andere Vereine wären froh gewesen, sie hätten die Punktzahlen komplett erreicht, die Hoffenheim nach Vorsprüngen verschenkt hat, viele sie hätten so viel Tore erzielt wie Hoffenheim das Tor getroffen hat, das Gestänge natürlich. Fast schon eine verschenkte Meisterschaft.

Werder Bremen

Endlich hat sich Werder wirklich positiv entwickelt und nicht nur über die Möglichkeit geredet. Damit sind nicht nur Rekorde von Claudio Pizarro gemeint. Dazu hatte Bremen aber auch das Glück, dass sie mehr als jeder andere Verein von Verletzungen verschont geblieben sind. Sieben bis acht Spieler machten quasi jedes Spiel und schufen damit den eingespielten Rahmen für die erfolgreiche Saison 2018/19

Eintracht Frankfurt

Alles ist Willen zur Macht. Macht Willen alles möglich? Nicht alles aber vieles. Irgendwann war dann doch der physische und psychische Stecker gezogen. Frankfurt hat viel Freude gemacht. Dass man so etwas mal über Frankfurt sagen darf, soll, muss.

Vfl Wolfsburg

Trainer des Jahres oder aus Sicht der Wolfsburger das „hässliche Entlein“ oder besser noch „hässliche Käferlein“? Bei der Ankunft bereits von den eigenen Fans verstoßen, während der Saison auch noch vom Vorstand mit Liebesentzug bestraft, schaffte es Bruno Labbadia im Gegensatz zu fast allen anderen Trainern nicht nur nicht entlassen zu werden, sondern formte einen Haufen potentieller Fußballer zu einer Mannschaft, die schließlich Ausflüge nach Europa machen darf. Respekt!

Borussia Mönchengladbach

Will man perspektivisch etwas ändern, muss das noch lange nicht zur sofortigen Trainerentlassung führen. Diese Erkenntnis verdankt der moderne Fußball Dieter Hecking und Max Eberl. Fünfter und das mit viel zu wenig Abwehrspielern. Kann man machen.

Bayer Leverkusen

Im Gegensatz zu Wolfsburg und Gladbach fand hier die unwürdigste Trainerentlassung der Bundesligasaison statt. Hat es etwas gebracht? Der allgemeinen Zustimmung muss man sich nicht anschließen. Kai Havertz hat nunmal weitere Fortschritte gemacht, doch der Abstand zur Spitze blieb groß. Glücklich wurde die Championsleague erreicht, so unglücklich wie sie davor verpasst wurde. Und verdammt nochmal, Havertz wurde an dieser Stelle im Alter von 17 Jahren schon sehr gelobt, doch hat er nur 16 Tore gemacht. Ist das klar? Sechzehn! Nicht 17. Warum das Eigentor von Langkamp ihm zugeschrieben wird, ist noch immer unerklärlich!

Leipzig

Es schlummerte in der Rückrunde nicht nur Potential, nein es wurde gezeigt. Das Spiel war strukturierter. Verletzte kamen zurück, gewisse Störenfriede spielten kaum noch. Ergebnis: Wieder in der Liga der ungewöhnlichen Champleman.

Borussia Dortmund

Man musste nichts gegen Trainer Favre haben, um auch bei neun Punkten Vorsprung festzustellen, dass Dortmund nicht Meister wird. Es ist nicht nur die Unentschlossenheit des Trainers, sondern auch der Fakt, dass sich Glück nicht überstrapazieren lässt. Dortmund als Duselmeister wäre ein Witz gewesen. Tolle Saison, tolles Ergebnis.

Bayern München

Die Bayern sind zunächst kein logischer Meister der Saison 2018/19. Doch im Gegensatz zu Leipzig oder Gladbach oder auch Leverkusen haben sie einfach eine andere Einstellung zum Gewinnen. Letztlich ist das dann doch ein Grund für eine logische Meisterschaft, die trotz allen Störfeuern sogar durch das Double gekrönt wurde. Ein grandioser Abschied natürlich für Ribery und Robben, die in einer Saison des beginnenden Umbruchs nicht mehr Hauptdarsteller waren, doch wie auch ein Rafinha mannschaftsintern die Richtung vorgaben, die es den jüngeren Spielern gezeigt haben, dass es bei den Bayern eben ein Teil der profihaften Einstellung ist, Meisterschaften zu gewinnen.