Gegenüber vielen Spielen der vergangenen Saison ist das Tagebuch der Anne Frank eine leichtherzige Komödie, wenn man Kurt Vonnegut mal knapp aus dem Zusammenhang zitieren darf. Wie wenig Inspiration sie bat, kann man daran erkennen, wie wenig inspirierend man über die Saison schreiben kann. So ist die Szene, die am ehesten in Erinnerung bleibt, wie der Mainzer Torwart versucht den Elfmeterpunkt wegzuschießen. In einem anderem Wettbewerb hielt ein früherer Mainzer Torhüter ja auch den anlaufenden Angreifer für den Elfmeterpunkt.

Wen kann man denn nun ernsthaft zur Persönlichkeit des Jahres erklären? Schwierig zu sagen und noch schwieriger zu begründen. Eine Antwort lässt sich begründen. Ein Vierbeiner wurde zum bekanntesten Hund in Deutschland seit Hitlers Blondi. Natürlich es handelt sich um den Meistermacher Cando, was einen wieder zu Vonneguts berühmten Aufsatz bringt. Dieser heißt „Can do? Can do!“ und erklärt die kommende WM-Vorberichterstattung bestens.

Doch natürlich gab es in der Bundesliga auch noch neun Vereine, über die bislang noch nichts geschrieben wurde.

 

Borussia Mönchengladbach

Wie soll man die Leistung eines Teams ernsthaft einschätzen, in dem phasenweise die komplette Abwehr, dann das komplette zentrale Mittelfeld und irgendwann auch die allergrößten Teile der Offensive ausfielen? Ein Versuch wäre: Größtenteils harmlos!

 

Eintracht Frankfurt

Größtenteils harmlos? So darf man über die Eintracht sicher nicht urteilen. Im fünften Jahr in Folge erhielten die Frankfurter die meisten Karten, trotz des immer wieder auftretenden Standortvorteils als Heimstadt des DFB. Härte war Stilmittel, selten Selbstzweck und insgesamt machten es die Frankfurter schon ganz gut. Mal sehen wie es unter Adolf Hütter weitergeht.

 

VfB Stuttgart

Dass der Aufsteiger nicht die Chance hat, sich für die Europaleague zu qualifizieren, verdanken sie einem Videobetrug in einem Spiel, in dem sie selbst gar nicht spielten. Sehr schade für die Stuttgarter, die die wenigsten Gegentore aller Aufsteiger in der Geschichte kassierten, die in der Rückrundentabelle den zweiten Platz belegen und die sich einen der sensationellsten Trainerwechsel der Geschichte leisteten. Für den glücklosen Hannes Wolf kam der glückliche Tayfun Korkut. Nie in der Geschichte wurde ein Trainer so übel aufgenommen, sicherlich begleitet von einer Prise Rassismus, da der Stuttgarter Junge nunmal eher ein südländischer Typ ist, der dann dummerweise auch nicht Hansi Müller oder Guido Schäuffele heißt. Fußballdeutschland gratuliert!

 

Leipzig

Mit einem solch meinungsstarken Trainer, der auch die mittelfristige Entwicklung des Vereins im Blick hatte, hat der Vorstand der Leipziger nicht gerechnet. Hasenhüttl handelte, wie eigentlich immer, konsequent und ging nach einer Saison, die trotz einer Schwierigkeiten dabei, den Erfolg des Vorjahres zu bestätigen, durchaus erfolgreich war. Obwohl die Innenverteidigung teilweise komplett aus Spielern bestand, die noch in der Jugend spielen durften, hat Leipzig die Bundesliga international keineswegs blamiert und bekommt deswegen gleich einen zweiten Versuch.

 

Bayer Leverkusen

Die Championsleague um nur drei Tore verpasst, das würde anderorts einzig und allein für traurige Gesichter sorgen. Nach der Vorsaison 16/17 und nach einer deutlichen Steigerung in allen Belangen zeigten die Gesichter in Leverkusen eher eine gewisse Leere. Man konnte den meisten Spielern und Verantwortlichen deutlich ansehen, dass sie einfach nicht wussten, ob das knappe Verpassen der Königsklasse betrauert werden durfte. Auch im Pokal zeigte sich dieser Zwiespalt. Man hätte nach ausgezeichneter Leistung die Bayern sogar schlagen können und verlor am Ende 2-6. Ein Sinnbild für die ganze Saison.

 

Borussia Dortmund

Der Absturz, den die Dortmunder im Herbst erlebten, war keineswegs eine Überraschung, sondern wurde in der Saisonvorschau an dieser Stelle präzise beschrieben und begründet. Dann kam Stöger mit dem Auftrag, sich für die Championsleague zu qualifizieren. Auftrag erledigt und doch kein Grund den Trainer weiterhin zu beschäftigen. Wenn der Trainer nicht Hitzfeld oder Klopp heißt, hat er in Dortmund offenbar keinen Rückhalt und deswegen gegen die Intrigen von allen Seiten keine Chance. Es fehlt Führung auf und neben dem Feld und so wird immer Fakten missachtend auf das falsche Pferd gesetzt. Man wünscht sich das jugendliche Talent Götze und kann auf der selben Position mit Dahoud wenig anfangen. Übrigens bestritten beide in der Bundesliga 23 Spiele. Götze hat dabei eine ausgeglichene Bilanz aus 7 Siegen, 9 Unentschieden und 7 Niederlagen, Dahoud hat die Bilanz 15/4/4. Die Erpressbarkeit der Aktiengesellschaft wird auch mehr und mehr zu einem Problem, von dem letztlich die Spielerberater von Dembele und Aubameyang profitierten. Um es klarzustellen. Man ist den Aktionären verantwortlich und kann nicht einfach auf hohe Ablösesummen verzichten. Es stellt sich als keine gute Idee heraus, nur um es mal vorsichtig auszudrücken.

 

TSG Hoffenheim

Man kann nur hoffen, dass das Trainerteam aus dem ersten blamablen Jahr in Europa gelernt hat. Verdient hat sich Hoffenheim die Championsleague allein schon aus spielerischen Gründen. Das war schon Fußball, bei dem man hinschauen konnte, ja mochte. Eine Ausnahme, für die man als Anhänger der Fußlümmelei dankbar sein muss. Weiter so!

 

Schalke 04

34 Spiele, bis auf ein legendäres Derby gefühlte 33 mal 0-0, von denen ein paar durch Standardsituationen gewonnen wurden. Ergebnis: Vizemeister!

Das ist zunächst ein eindeutiges Zeichen für die mangelnde Attraktivität der Bundesliga. Es war Fußball, den sogar mancher Schalker Fan nur schwer ertragen konnte. Kein Wunder, dass ausgerechnet beim Spiel gegen Hertha ein Zuschauer verhaftet wurde, der in der Fankurve onanierte. Mit irgendwas musste er sich vermutlich von den Darbietungen auf dem Feld ablenken. 27 Tore schossen die Schalker aus Standardsituationen, da blieb nicht mehr viel Raum für spielerischen Glanz. Unter einem italienischen Trainer spielte Schalke schon zynischer als Juventus Turin selber.

Doch bevor nun wieder der Bote gelyncht wird, sei festzustellen, dass die genannten Zahlen für eine bestimmte Qualität sprechen. Schalke hat eine extrem disziplinierte Ordnung auf dem Feld. Auch der Erfolg mit Standards spricht für eine gewissenhafte Vorbereitung. Kurz gesagt hat Schalke Qualitäten, die anderen Mannschaften, die dieses Jahr in Europa spielten, gefehlt haben. Man darf gespannt sein, ob Schalke diese Qualitäten auch in der Championsleague durchsetzen kann, gerade wenn mit Naldo und Sane zwei ehrfurchtsgebietende Abwehrhünen hinten drin stehen, die einzigen Abwehrspieler, die es durch Größe und Sprungkraft geschafft hätten, den Ronaldo-Fallrückzieher gegen Juve zu verhindern. Und man muss es sich ja auch nicht anschauen, da die Spiele der Königsklasse ab dem nächsten Jahr nur noch für Luxusfans empfangbar sind.

 

Bayern München

Da sollte man zunächst einmal feststellen, dass der Meister 2018 Bayern München heißt. Die Bayern dominierten die Liga in jeder Hinsicht, auch weil die Gegner wieder viel zu häufig und viel zu früh die Waffen streckten. Übrigens gewinnen die Bayern Spiele, in denen sie viele Stammspieler schonen. Die ewigen Beschwerden der anderen, dass die Bayern durch ihr Geld immer und ewig die Liga dominieren, muss man jedoch als Ablenkung von eigenen Fehlern ansehen. Sind die Bayern etwa dafür verantwortlich, dass sich die anderen Teams in der Championsleague so blamieren und Bayern deswegen noch mehr Geld in der Königsklasse verdient? Sind die Bayern dafür verantwortlich, wenn andere Vereine strukturelle Fehler stets wiederholen anstatt zu beseitigen, wenn sie sich bei kleineren Erfolgen in Selbstzufriedenheit suhlen, statt sich stetig weiterzuentwickeln?

Nun, da die Bayern schon sechs Titel in Folge gewonnen haben, könnten sie eine Grenze erreicht haben, die national Fehler möglich macht. Ein wünschenswerter Fehler wäre beispielsweise, einen ewig nörgelnden Spieler wie Robert Lewandowski bis 2021 auf die Tribüne zu setzen, anstatt seinem Spielerberater Millionen zukommen zu lassen. Das wäre ein Zeichen für die ganze Branche, ein Zeichen, das sich wohl kein anderer Verein leisten könnte. Ein „Mia sann mia“ mit Sternchen und Goldrand. Sogar über die Bayern wird man ja noch träumen dürfen.

Die Saison 2017/18 ist vorbei. Das größte Ärgernis wird folgen. „Can do? Can do!“ Darf man es machen? Man kann es machen! Nein, man macht es einfach auf Diktator komm raus.

„Take pride that even though the rest of the world may disagree, you still believe it to be a beautiful place.“, ist von Kurt Vonnegut überliefert. Es ging nicht um Fußball. Oder doch?