Die Saison 17/18 ist nun vorüber. Doch war das die Saison 2017/18 oder nicht doch 1817/1818? Gegenaufklärung, Romantik, Traditionalismus, kurz der vollständige Irrationalismus waren dümmliche, aber laute Wortführer. Und der Kulminationspunkt all dessen war natürlich der Videobeweis. „Ihr könnt die Wahrheit doch gar nicht ertragen.“ klagt Jack Nicholson in seiner Rolle als Colonel Jessup. Auch wenn das ein Zitat aus einem Film eines vergleichbar rationalem Zeitalter ist, scheint es eine präzise Vorhersage für die Jahre 2017 und 2018 zu sein.

Spätestens seit dem Pokalfinale und den anschließenden Kommentaren durch die Schiedsrichtergilde muss festgestellt werden, dass der beste Beweis nicht gegen entweder den vollkommenen Willen zur Unfähigkeit oder den vollkommenen Willen zum Betrug ankommen kann. Doch das war ja nur der Saisonhöhepunkt. In allen Diskussionen wurde nur auf jene gehört, die am lautesten schreien, stets wurde nur auf die Emotionen derer geachtet, gegen die entschieden worden war, niemals auf einen Vertreter des Teams für das entschieden worden war. Wie nennt man so etwas? Richtig Populismus. Reinen, puren, lächerlichen Populismus, der allerschlimmsten Sorte. Es scheint tatsächlich, als würde man davon ausgehen, dass der Fußballfan zu dumm sei, die Wahrheit ertragen zu können. Wer die Wahrheit allerdings wirklich nicht ertragen kann, ist das Schiedsrichterwesen, egal ob auf dem Feld oder in irgendeinem Keller an einem Monitor. Aber wir wollen uns ja nicht den Populisten anschließen, sondern konstruktiv bleiben und so ist die wichtigste Erkenntnis:

 

Nehmt den Schiedsrichtern den Videobeweis weg!

 

Wenn den Referees schon die Verantwortung ganz offensichtlich zu schwer fällt, sich helfen zu lassen, dann ist das wirklich ganz simpel möglich. Gebt den Offiziellen der Vereine die Verantwortung dafür, den Beweis in Anspruch zu nehmen, so können sich die Schiedsrichter auf ihre eigene Leistung konzentrieren. Die Transparenz, die entsteht, wenn ein beteiligter Verein zuständig ist, lässt es auch möglich werden, dass auf den Videowürfeln und Anzeigentafeln der Stadien deutlich gemacht wird, über welche Situation entschieden wird und wie die entsprechende Spielsituation aus verschiedenen Perspektiven aussieht. Wer dann letztlich die Entscheidung trifft, darüber sollte noch einmal intensiv nachgedacht werden. Aktive oder ehemalige Schiedsrichter alleine dürfen es aber offensichtlich nicht sein.

Ganz entgegen dem Trend zur Irrationalität wurden die sogenannten Traditionsvereine so richtig gebeutelt. Die Tradition von teilweise jahrzehntelangem klassischen Versagen der Vereinsführungen sorgte für den Abstieg von Kaiserslautern, von Braunschweig aus der zweiten Liga und auch in ersten Liga zu der Verabschiedung von zwei Vereinen, die lange genug genervt haben.

 

1.FC Köln

Nun, der 1. FC Köln hat zugegebenermaßen schon länger nicht jeden außerhalb Kölns genervt. Manche empfanden in verschiedenen Phasen der Saison ein durchaus berechtigtes Mitleid, wenn die Kölner mal wieder auf dem Weg zur Besserung waren und doch genau in diesem Moment immer wieder scheiterten und dann doch den Weg in Richtung Abgrund beschleunigten. Nach jahrelanger Ruhe war es dann doch die immer schneller sprießende Hysterie der Stadt, die den Abstieg folgerichtig und verdient machte.

 

Hamburger SV

ERLÖSUNG!

Es ist eine Erlösung für jeden Fußballfan, wohl auch für die ehrlichen unter den HSV-Fans, dass die Hamburger wohl bis September keine Abstiegsangst mehr haben müssen. Danke!

 

VfL Wolfsburg

Noch keine Erlösung für die Wolfsburger.

 

 

SC Freiburg

Einfach war es nicht, die Leistungen des SC in der Rückrunde zu ertragen. Einfach war es nicht, die Leistungen der Schiedsrichter bei Spielen des Freiburger rational zu betrachten. Doch allein die Art und Weise wie Christian Streich irgendwann dazu nichts mehr sagen wollte, macht klar, dass eine Mannschaft mit Christian Streich als Trainer sicher mehr in der Bundesliga zu suchen hat, als Köln, der HSV oder Wolfsburg.

 

FSV Mainz 05

Auch Mainz wird immer entbehrlicher. Sie haben es noch einmal geschafft und das nicht unverdient, doch im Gegensatz zu früheren Jahren hat das kaum einen neutralen Fußballfreund interessiert. Ein gefährliches Spiel langfristig betrachtet!

 

Hannover 96

Das gefährliche Spiel zwischen Verein und Ultras ist es, was eine eigentlich großartige Saison eines Aufsteigers fast ruiniert hätte. Und das hat Folgen: Welcher Spieler möchte denn in Zukunft in ein Stadion wechseln, in dem die Fans und Ultras sich gegenseitig bekämpfen, anstatt die eigene Mannschaft zu unterstützen.

 

FC Augsburg

Erst wurde der FCA dafür kritisiert, dass der Kader zu aufgebläht sei, dann dafür kritisiert, dass der Kader zu ausgedünnt sei. Am Ende stand eine Saison, in der konsequent ein Weg verfolgt wurde und dabei souverän der Klassenerhalt geschafft wurde. Respekt!

 

Werder Bremen

Wer heute auf Werder Bremen schaut, der sieht Optimismus wie seit …naja… etwa einem Jahr nicht mehr. Grund dafür ist Trainer Florian Kohfeldt und nicht mehr Alexander Nouri. Ergebnis: 42 Punkte. Möge außerhalb Bremens jeder darüber denken, was er will.

 

Hertha BSC Berlin

War die Saison einmal davon die Rede, dass der Fußball der Bundesliga unattraktiv ist? War mal davon die Rede, dass die meisten Vereine die Bundesliga in Europa blamiert haben. Die Hertha ist die Mannschaft, die diesen Trend verkörpert. Ergebnis: Glanzloses Mittelfeld, Zuschauerzahlen deutlich gesunken und in Europa nicht vorhanden. Machts nur so weiter!

 

Am Anfang war ja vom großen allumfassenden Irrationalismus die Rede. Nehmen wir mal den traditionell uninteressanten Klub aus der Hauptstadt, über den ohnehin kein Experte reden möchte, beiseite Das peinliche Abschneiden fast aller deutschen Vereine im Europacup wurde ja immer wieder aufgegriffen und meistens in Verbindung gebracht mit dem unattraktiven Spielstil, der sich in der Bundesliga breitgemacht habe und zu sehr auf bloße Torverhinderung abziele. Wer nur ein bisschen die Spiele der deutschen Teams in Europa verfolgt hat, der sollte aber gesehen haben, dass diese Teams deswegen scheiterten, weil sie eben gerade Fußball spielen wollten, da sie kein anderes Mittel verfolgen wollten. Diejenigen Vereine, die in der Bundesliga wirklich für die Aussage standen, nur das Spiel der Gegner verhindern zu wollen, waren allesamt nicht im Europokal vertreten. Auch mal wieder ein Widerspruch, der einer Erklärung bedarf.

Ist es also ratsam auf die lautesten Stimmen zu hören, traditionell die traditionellen Anhänger von Traditionsvereinen? Genau diejenigen, die ihre Stimme mit der jahrhundertelangen Tradition der Pyrotechnik verstärken wollen? Aaaalso, ich weiß ja nicht wirklich. Aber was weiß ich denn schon, wenn Wissen doch so unmodern, so konservativ ist und Glauben und Emotionen so modern?

Jedenfalls weiß ich auch etwas über die Vereine der ersten Tabellenhälfte zu sagen. Bleiben Sie dran! Mal sehen, ob Ihr die Wahrheit überhaupt ertragen könnt. Good night and good luck!