Dann ist jetzt also endlich Winterpause. Vier Tage lang dürfen bei Permafrost die Erfolgreichen ihre Erfolge feiern und die Erfolglosen ihre Erfolglosigkeit verarbeiten. Das Jahr des „Jein“ fand einen würdigen Abschluss. Mainz gegen Köln bot nach einer durchaus interessanten Hinrunde einen Abschluss, der mit dem 0-0 so sinnlos und unterhaltsam war, wie es sonst nur der Karneval ist und war dabei nicht wesentlich schlechter als der Rest des tiefergekühlten 17. Spieltages.
Prinzipiell ging es bis zur Herbstmeisterschaft durchaus recht spannend zu. Doch „Jein“, beinahe Alles (inklusive der Trainerentlassungen) wurde hier schon in der Saisonvorschau geschrieben. Eigentlich versuchten mehr Vereine als früher guten Fußball zu spielen. Doch „Jein“, einige Vereine setzten auf Untugenden wie Härte und Hinterlistigkeit und waren dabei auch noch erfolgreich. Bitte nicht falsch verstehen! Es sei nicht das Geringste gegen auch sehr physisches, nicht körperloses Spiel gesagt. Doch „Jein“, es ist ja heute kaum möglich, da fast jeder unglückliche Zusammenprall sofort auch ohne jedes Foul abgepfiffen wird. Wenn sich Vereine über die Härte der Gegner beschweren, ist das ja meistens lächerlich und den Fall gab es ja mindestens einmal. Doch „Jein“, es gab durchaus gerechtfertigte Klagen. Als Beispiel sei die Spielweise der Eintracht genannt, weil die Schiedsrichter eben gegen die Frankfurter mindestens sechs Platzverweise zu wenig aussprachen. Wenn das Spiel der Gegner durch beständigen Körperkontakt gestört wird, so ist das natürlich ein berechtigtes Mittel, doch „Jein“, wenn grundsätzlich die Hände zum Trikotziehen eingesetzt werden, wenn grundsätzlich der Ellbogen bei Kopfballduellen zu hoch ist, wenn auch am Boden liegende Gegenspieler noch getreten werden, dann ist die Grenze überschritten. Das führt uns zu den Schiedsrichtern. Natürlich gibt es Mannschaften und auch bestimmte Spieler, die es den Unparteiischen schwer machen, doch „Jein“, leider muss einem die jetzige Generation um Dinkert und Dangert auf Dauer Sorgen machen. Zu dem großen „Jein“ in Sachen Talentförderung auch im Schiedsrichterwesen folgt bald ohnehin noch ein kleines Traktat.
Auch international herrscht das unverbindliche „Jein“. Natürlich macht es Spaß bei Turnieren auch mal andere Mannschaften zu sehen. Doch „Jein“, der Beschluss zu 48 Mannschaften ist eine Katastrophe für den Weltfußball. Schon bei der sinnlos aufgeblasenen EM konnte ja jeder erkennen, wie zu viele Mannschaften und damit zu viele Spiele das Niveau beeinträchtigen. Das Ganze ist ein Grundproblem der Zeit, in der wir leben; einer Zeit in der mit dem Smartphone scheinbar absolut „Alles“ immer zu jeder Zeit verfügbar ist. Doch sollte man sich die Frage stellen, ob denn das inflationäre „Alles“ und „Immer“ den Dingen, den Informationen, der Unterhaltung nicht jeden Wert nimmt. Quantität ersetzt immer mehr Qualität. Quantität schafft billige Fälschungen von Qualität und trägt somit zu entsetzlichem Mittelmaß bei. Genau das passiert im Fußball aktuell. Nicht dass es ein Katastrophe ist, dass die Fußballanhänger quasi jeden Tag Fußball sehen können, wieder ein klares „Jein“, doch leidet die Qualität des Produktes, wenn man allen 90 Minuten als Event mindestens 150 Minuten Sendezeit einräumt. Es leidet die Qualität der Nachbesprechung, wenn Feldreporter keine kritischen Fragen mehr stellen, wenn man den Experten teilweise anhört, dass sie von der selben Beratungsfirma betreut werden wie Spieler, über die sie sich äußern sollen. Länderspiele haben heute bereits enorm an Wert verloren und sind selten ausverkauft, der Trend in der Championsleague ist sehr ähnlich. Aktuell steht der Fußball zwar so gut da, wie in früheren Zeiten wohl kaum erträumt hätte werden können, doch der Eindruck, dass gewisse Grenzen überschritten worden sind, dass die Welle, auf der der Fußball gerade noch surft, bald bricht, hat sich verfestigt und wird von den weitsichtigeren unter den Experten auch formuliert.

Was erwartet uns nun also in der Rückrunde der Fußballbundesliga? Nicht viel mehr als bereits angekündigt worden war und deswegen sei dieser Teil durchaus kurz gehalten werden.
Darmstadt 98 ist erster Abstiegskandidat, die Zweifel an Ingolstadt und Kauszinski waren durchaus angebracht, der HSV ist (etwas überraschend) in alte Fehler zurückgefallen und sollte besser von der Fußballkarte verschwinden. Werder macht stets die selben Fehler und doch holten sie Serge Gnabry. Gladbach ist auf den Druck der Medien gegen Schuberth hereingefallen. Steter Tropfen höhlt den Stein und wird sich mit Hecking stabilisieren können aber das Mittelmaß kaum mehr überschreiten. Augsburg, ja Augsburg, sämtliche Recherche hat nicht klären können, warum Schuster tatsächlich entlassen wurde. Auch aus dem inneren Kreis des Vereins waren keine Aussagen herauszukitzeln, die es nicht schon als Gerücht in die Medien geschafft hätten. So muss man annehmen, dass die offizielle Begründung, dass man mit der Spielanlage grundsätzlich unzufrieden war, wohl zutrifft.
Wolfsburg hat einen sympathischen Trainer, doch leider keinen Trainer, der das Problem des Vereins lösen kann. Mainz bleint Mainz, auch ohne Malli. Schalke erfüllt die Vorhersagen des Tragödienstadels sehr treffend. Freiburg macht halbwegs Spaß und hat in seinen Aussagen zu gesellschaftspolitischen Themen die vielleicht wichtigste und sympathischte Persönlichkeit im deutschen Fußball. Der Kicker sollte sich schämen, Streich nicht zum „Mann des Jahres“ ernannt zu haben. Die „ULTRAS Gänseblümchen“ haben es dem Kicker abgenommen. Leverkusen ist tatsächlich die negative Überraschung, versinnbildlicht durch die komplette Unfähigkeit vom Elfmeterpunkt, doch „Jein“, ausgerechnet am letzten Vorrundenspieltag änderte sich das durch den hier oft kritisierten Hakan Calhanoglu. Köln war auch dabei, war gut, war ruhig und dann auch wieder hysterisch, sodass eine bessere Platzierung dann doch vergeben wurde.
Über Frankfurt ist fast alles gesagt, doch nicht, dass sich die Mannschaft zu erstaunlicher Effektivität gesteigert hat. Schön ist das nicht anzusehen, doch auch spielerisch gab es Fortschritte. Zur Hertha kann man ähnliche Worte wählen, doch mit den Fortschritten wurde früher begonnen und BER wird wieder mal nicht fertig. Dortmund kann sehr Vieles, doch mangelt es dem BVB an Beständigkeit. Hoffenheim ist als einzige Mannschaft der wichtigen Ligen in Europa noch ungeschlagen und steht sicher nicht zu Unrecht weit oben. Sie spielen zum Rückrundenauftakt gegen Leipzig das absolute Spitzenspiel, ein Spiel das einfach geilen Fußball verspricht und dennoch einigen Unverbesserlichen auf den Magen schlägt. Außer einer blöden Schwalbe konnten die Leipziger in jeder Hinsicht überzeugen. Alle haben gemerkt, wie begeistert die Fans Bundesligafußball in Sachsen aufnehmen. Das Team ist in Liga definitiv angekommen und hatte mit Forsberg den Spieler der Vorrunde, doch „Jein“, das wäre er nur gewesen, wenn ihm der berechtigte Platzverweis gegen die Bayern nicht passiert wäre. Die Bayern lieferten ja auch in diesem Spiel mehr „Jein“ als sonst etwas ab. Sie sind Herbstmeister und das sicher zurecht, sie verloren Punkte, die sie nicht hätten verlieren dürfen und gewannen Punkte, die sie nicht hätten gewinnen dürfen. Außer bei Lewandowski stehen hinter der Mannschaft und dem Trainerteam aber ausschließlich „Jeins“, versehen mit verschiedenen Satzzeichen.

So, und jetzt genießt die vier kalten Tage der Winterpause!