Seit einigen Jahren gibt es in der Bundesliga leider den Trend, dass gerade Mannschaften aus dem Mittelfeld der Tabelle in Spielen gegen die Spitzenteams schon vor dem Spiel die Segel streichen, ja teilweise Stammspieler schonen. So ist die Mitte der Tabelle in den letzten Jahren der Abstiegszone immer näher gekommen. Einer dieser Fälle ist

 

Werder Bremen

Wenn neben Braunschweig und Nürnberg nicht auch der HSV letztes Jahr alles für ihren Abstieg getan hätte, wäre Werder letztes Jahr ein wohlverdienter Absteiger geworden. Wie soll sich das nun ändern, nachdem mit Aaron Hunt nun auch noch der einzige Spieler gegangen ist, der dauerhaft die Klasse für die obere Tabellenhälfte hatte. Mit der Ausnahme des Dummschwätzers Willi Lemke ist Werder ein Verein, der Spielern ein familiäres Umfeld bietet und Bremen ist durchaus eine Stadt in der man auch als Fußballprofi in Ruhe leben kann. Ist es vielleicht zu ruhig? Nicht erst seit Robin Dutt zeigen weder Neuzugänge noch Spieler aus dem eigenen Nachwuchs irgendwelche Fortschritte. Alles ist und bleibt graues Mittelmaß und wenn Werder nicht gelegentlich ein Abstiegskampfdrama bieten würde, so würde sich niemand mehr für die Spiele der Grün-weißen interessieren. Schade eigentlich.

Trainer Robin Dutt geht nun in sein zweites Jahr, wenn die Spieler nun nicht bald verstehen, welches Spiel Dutt spielen lassen möchte, dann ist im Oktober Schluss. Ein Trainer, der Talente wie Levent Aycicek und David Selke fördert und fordert, muss dann kommen, sonst wird sich Werder in der zweiten Liga neukonsolidieren dürfen.

 

Hertha BSC Berlin

Talente gibt es Berlin sehr wohl. Berlin ist allerdings nicht die Stadt, in der sich ein Talent entwickeln kann. Wie soll man sich auch entwickeln, wenn man sich nicht über das Kindergartenniveau von Aggrorappern erheben kann. Ein Problem der albernsten Hauptstadt die es auf deutschem Boden je gegeben hat. Auf der Suche nach Trends findet auch ein Maulwurf das blinde Korn eines Huhns. Jeder hat die Chance auf genau fünf Minuten Ruhm, doch man sollte nie die Arbeit unterschätzen, die notwendig ist, zwei, drei weitere Minuten folgen zu lassen. Arbeit ist aber nicht interessant und wird woanders viel mehr geschätzt. Mit etwas Abstand kann es dann sogar etwas mit einer Karriere im Fußball werden, siehe Jerome Boateng.

Es ist sehr angenehm zu sehen, dass der Trainer der Hertha so ganz und gar unberlinerisch ist. Ein höflicher, ruhiger Vertreter der Zunft, dem nichts fremder ist als Anbiederung und Unehrlichkeit. Luhukay hat die Chance noch Trainer zu sein, wenn ein halbwegs realistischer Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen genannt wird, obwohl nicht abzusehen ist, wer die Lücke füllen soll, die der Abgang von Adrian Ramos hinterlassen hat. Die Torvorlagen des Kolumbianers können in dem jetzigen Kader auch andere Spieler leisten, doch wer soll nun die Tore machen. Eine witzige Idee wäre die Roberto-Carlos-Gedächtnis-Kanone Ronny, der Spieler mit dem zweifelsfrei härtesten Schuss in Deutschland. Wenn die Hertha nicht noch einen Angreifer holt, der das Potential hat zweistellig zu treffen, dann könnte es im Laufe der kommenden Runde eng werden und ob dann ausgerechnet in er Hauptstadt die Ruhe bewahrt wird?? Ein sicherer Mittelfeldplatz kann dennoch wieder möglich sein.

 

Hannover 96

 

Hannover kann sich zur Wundertüte dieser Saison entwickeln. Fast jeder Spieler, der jemals mehr als ein Tor für die Niedersachsen erzielt hat ist gegangen, dazu mit Huszti auch noch der beste Vorlagengeber. Nicht nur Neuzugänge, sondern einige altbewährte Kräfte und auch junge Talente haben jede Menge Steigerungspotential. Ein Tim Dierßen ist ein Talent, das nicht viele Bundesligisten in ihrem Kader haben, einem Joselu traue ich sogar den ganz großen Durchbruch zu und Tayfun Korkut ist ein Trainer, der, wenn er aus einigen kleinen Fehlern der Vorsaison lernt, einer Mannschaft ein klares Konzept verpassen kann. Der Spielplan scheint es möglich zu machen, dass ein erfolgreicher Start den 96ern genug Selbstbewusstsein geben kann, um am oberen Tabellendrittel zu riechen. Wahrscheinlicher ist dennoch, dass sich alles wieder im Mittelmaß einpegelt, da die Abwehr leider auch eine weit geöffnete Wundertüte ist.

Was soll ich über Hannover eigentlich noch witzeln, wenn der große Kurt Schwitters schon alles über Hannover gesagt hat:

„Die Hannoveraner sind die Bewohner einer Stadt, einer Großstadt. Hundekrankheiten bekommt der Hannoveraner nie. Hannovers Rathaus gehört den Hannoveranern, und das ist doch wohl eine berechtigte Forderung. Der Unterschied zwischen Hannover und Anna Blume ist der, daß man Anna von hinten und von vorn lesen kann, Hannover dagegen am besten nur von vorne. Liest man aber Hannover von hinten, so ergibt sich die Zusammenstellung dreier Worte: „re von nah“. Das Wort „re“ kann man verschieden übersetzen: „rückwärts“ oder „zurück“. Ich schlage die Übersetzung „rückwärts“ vor. Dann ergibt sich also als Übersetzung des Wortes Hannover von hinten: „Rückwärts von nah“. Und das stimmt insofern, als dann die Übersetzung des Wortes Hannover von vorn lauten würde: „Vorwärts nach weit“. Das heißt also: Hannover strebt vorwärts, und zwar ins Unermeßliche. Anne Blume hingegen ist von hinten wie von vorne: A-N-N-A.
(Hunde bitte an die Leine zu führen.)“

Danke Meister!

 

1899 Hoffenheim

142, nein eher 141 Tore fielen in den 34 Saisonspielen der Hoffenheimer im letzten Jahr. Das machte viel mehr Spaß als so manchem grauen Traditionsverein zuzusehen. Trotzdestonichts lohnt sich der Blick auf das Gesamtprojekt. Die erste Generation von Spielern, die in Hoffenheim ausgebildet wurden, spielt nun im Profifußball. Der frischgebackene Euromeister der Junioren und Torschützenkönig des Turniers Davie Selke ist ein Beispiel dafür. Die A-Jugend aus Hoffenheim ist Deutscher Meister. Was man auch von dem Projekt Hoffenheim halten möchte, eines ist klar, so schnell wird Hoffenheim nicht wieder verschwinden, selbst wenn das Füllhorn Dietmar Hopp´s endgültig versiegt ist. Während woanders Traditionsvereine ihr selbstverschuldetes Ablaufdatum überschritten haben, kann hier etwas recht Neues zu einer Tradition werden.

Hoffentlich bleibt das Spektakel des letzten Jahres eine der Säulen einer Tradition. Der Mannschaft ist durchaus wieder zuzutrauen für extreme Spiele zu sorgen. Sie wird wohl eher weniger Gegentore bekommen und somit ist der Weg zu einer besseren Platzierung weit geöffnet. Wenn Vereine schwächeln, die zuletzt vor den Kraichgauern platziert waren, so kann Hoffenheim die ganz große Überraschung werden. Ein Roberto Firmino auch ein Kevin Volland haben trotz der tollen letzten Saison die Möglichkeiten, sich weiter zu steigern und somit zu Superstars der Liga zu werden. Also langweilt nicht Hoffenheimer, egal ob Tradition oder nicht, mit langweiligem Fußball ist jeder Verein verzichtbar.

 

FC Augsburg

Zwei Seelen wohnen gerade in meinem Magen, wenn ich schreibe, dass ach auch zwei Seelen in meiner Brust wohnen, wenn ich an Augsburg denke. Taucht in den Gedanken dann noch Augschburgerisch auf, so möchte ich das Womitorium der Fugger aufsuchen. Augusta Vindelicorum hat integrierte auch das Schlechteste aus Schwaben und Altbayern, eine Mischung, die in der Sprache seinen Ausdruck findet, woisch.

Doch der Fußballverein der Stadt ist ganz genau das Gegenteil. Ein fast schon sinnlos sympathischer Klub mit dem besten Trainer Altbayerns und dem vernünftigen Wirtschaften Schwabens. Beide Eigenschaften sind der Grund dafür, dass die Mannschaft in dieser Saison ein neues Gesicht zeigen muss. Spieler, die unter Weinzierl eine sensationelle Entwicklung genommen haben, mussten abgegeben werden. So muss die ungeheuer gute Raumaufteilung, die Geschlossenheit auf dem Feld erst neu erarbeitet werden. Der FCA war letztes Jahr ein formidables Beispiel dafür, dass eine Mannschaft, die als Einheit funktioniert, gegenüber anderen, die eigentlich besser besetzt sind, vieles wettmachen kann. Früher oder später wird auch Markus Weinzierl zu einem Verein mit höheren Ansprüchen wechseln. Bis dahin sollte es möglich sein, Augsburg weiter in der ersten Liga zu etablieren.

 

1.FSV Mainz 05

Trainerpersönlichkeiten waren es auch, die Mainz nicht nur in die Bundesliga brachten, sondern aus einem Zweitligisten am Abgrund eine respektable und respektierte Mannschaft der ersten Bundesliga machten. Eine Stadt die nur für zweifelhafte Institutionen wie Karneval oder ZDF bekannt war, hat mit dem FSV eine Attraktion gewonnen. „Mainz ist ein Drecksloch – Meins nicht“ ist ein Kalauer von dem zumindest Europa vorerst verschont bleibt.

Nicht nur in den Vorbereitungsspielen, sondern gerade in der Qualifikationsrunde zur Euroleague, sowie beim spektakulären Ausscheiden aus dem Pokal war zu erkennen, dass die Mannschaft nach dem neuerlichen Umbruch noch nicht funktioniert. Kasper Hjulmand wäre nicht der erste Trainer, der mit sensationellen Erfolgen aus Dänemark in der Bundesliga scheitert. Die flexiblen, taktisch raffinierten bis komplizierten Systeme, die unter Tuchel das Spiel auszeichneten, scheinen mit den neuen Ideen jedenfalls nicht zu harmonieren. Aus vielen talentierten Spielern, von denen viele etwa ein gleiches Niveau haben, ist es natürlich auch nicht einfach eine Mannschaft zu formen. Noch sieht jedenfalls niemand aus, als wüsste er, was in welcher Situation zu tun ist und schlimmer, erst recht nicht, ob der nächste Mitspieler dasselbe denkt und auch so handeln wird. Und so wäre es eine Überraschung, wenn Mainz dieses Jahr eine erfolgreiche Saison spielen würde. Nach Klopp folgte einem Skandinavier wieder der Erfolg. Kein gutes Zeichen für Herrn Hjulmand!