Wie auch die WM gezeigt hat, ist im Fußball doch recht viel vom Zufall abhängig. Der Zufall bei einer Weltmeisterschaft bedeutet meistens sofort das Ausscheiden aus dem Turnier. In der Bundesliga herrscht seltsamerweise immer noch der Gedanke, alles würde sich im Laufe einer Saison ausgleichen. Doch das ist nicht so. Es gibt zufällige Trends, das häufig zitierte Momentum, das Mannschaften in Tabellenregionen bringt, in die diese einfach nicht gehören. Der Club is a Depp, doch wäre er ziemlich sicher nicht abgestiegen, wenn am 16.Spieltag der vergangenen Saison der Schiedsrichter nicht für eine moralische Wende beim Spiel in Hannover gesorgt hätte. Gerade in einer Spielzeit, in der einige Mannschaften eine Vorbereitung hatten, die durch den späten Einstieg ins Training von WM-Teilnehmern eher durchwachsen war, ist es schwierig einzuschätzen, wann welche Mannschaft sich qualitativ von anderen abheben kann und wann und wie lange sie ihre Krise nehmen werden.

Man darf sich darüber einig sein, dass die meisten Mannschaften tatsächlich nicht gerne absteigen würden und alle 18 würden sicher den Meistertitel feiern. Doch heute bemüht sich eine Unzahl von Vereinen um die Teilnahme an der Champions-League oder der Euro-League. Wozu eigentlich? Viel zu viele schimpfen im Jahr nach diesem „Erfolg“ auf das Erreichte und scheinen an der Teilnahme eher zu leiden als sie zu genießen. Doppelbelastung? Also bitte: Neun Monate wird an dem Projekt gearbeitet und dann kann man es nicht genießen. (Habe ich das nicht mal in einem anderen Zusammenhang gehört?) Die Mainzer haben ja schon das erste Saisonziel erreicht. Kein Europacup, kein Pokal mehr. Wir gratulieren! Es hat schon einen Vorteil das Wort Doppelbelastung nicht auf Rheinhessisch hören zu müssen.

So kommen wir also nun zu den Mannschaften der 52. Saison der Fußballbundesliga.

SC Paderborn 07

Steht sie noch, die Blaue Jahrhunderthalle? Eine unerwartete Party wie die Aufstiegsparty ist ja immer die schönste. Das wirklich Gemeine ist, dass ich nicht eingeladen war und Paderborn mir eigentlich noch die Aufstiegsprämie schuldet. Seit Jahren werden Spieler verpflichtet, die ich zuvor im Kickermanagerspiel als talentierte und damit günstige Alternativen gekauft habe, offenbar werden meine Teams genau beobachtet. Nach zwei Abgängen sind es momentan 10 Spieler, die Manager Michael Born bei mir abgekuckt hat. Eigentlich ist Paderborn ja ein Witz für eine Liga mit Global Playern wie Borussia Dortmund oder Bayern München. Doch Fürth hat ja in der vorletzten Saison bewiesen, dass ein Witz ja durchaus auch lustig sein kann. Dass in der Blechbüchse, die dort Arena genannt wird, nun erste Liga gespielt wird, zeigt allerdings auch, dass jahrelange solide Arbeit einen Verein voranbringen kann. Einige Vereine mit viel besseren Voraussetzungen sollten mal auf Vereine wie Paderborn blicken.

Gespannt darf man sein, was der hochinteressante Trainer Andre Breitenreiter aus der Situaion macht. Wird er ähnlich oft wechseln wie in der Zweitligasaison oder wird sich einer der talentierten, aber bislang in der Bundesliga (noch) überforderten Talente durchsetzen? (Bakalorz, Duksch, etc.) Wenn der Start in die Saison nicht katastrophal gerät und der Teamgeist erhalten werden kann, muss Paderborn nicht zwangsläufig wieder absteigen.

1.FC Köln

Was haben die beiden Aufsteiger gemein? Erstmal nicht viel, würde man spontan sagen. Doch beide Vereine sind die Ergebnisse von Vereinsfusionen. Der FC ein Traditionsverein? So manchem Traditionalisten, der sich noch an den Kölner BC 01 und vor allem an Sülz 07 erinnert, ist der FC natürlich bei weitem nicht traditionell genug. Traditionell ist jedoch die Mischung aus Selbstironie und Napoleonkomplex im Umfeld der Kölner. Im Vorfeld der Saison gaben jedenfalls erstaunlich viele der befragten Fans an, dass die etwas mehr als sieben Geißlein in der Championsleague landen würden. Vermutlich glauben dieselben Fans auch daran, dass Europa nur auf die Kölner wartet. Das ist natürlich das Hauptproblem einer Mannschaft, die im Gegensatz zu den Fans nicht Meter trinken kann, sondern Kilometer fressen muss. Doch die sportliche Führung aus Geschäftsführer Schmadtke und Trainer Stöger machen bislang einen ausgezeichneten Job. Es fällt nicht mal auf, das einer Reihe von Spinnern nun Spinner dem Verein vorsteht.

Wenn Peter Stöger es weiterhin schafft mit relativ wenig Schmäh sondern mit zurückhaltendem Charme zu arbeiten, dann wird sich der FC vielleicht tatsächlich in der ersten Liga etablieren können. Es wird aber nicht einfach für die Mannschaft eine Liga höher auf dem Platz so souverän die Ruhe zu bewahren, wie sie es in der zweiten Liga geschafft hat. Viele Spieler haben sicher Potential, doch gerade im Mittelfeld scheint es, Daniel Halfar ausgenommen, an spielerischen Momenten zu fehlen. Der Angriff ist stark und unterschiedlich besetzt, die Abwehr muss noch zeigen, dass sie mit dem höheren Tempo zurechtkommen kann. So sollte es möglich sein, sich weiter zu entwickeln, ohne dass man sofort wieder absteigt.

Hamburger SV

Gab es abgesehen von 1860 München und phasenweise dem 1.FC Köln jemals ein solches Ausmaß an Chaos in allen Bereichen eines Bundesligavereins, wie es sich eskalierend in den letzten Jahren beim HSV zeigte? Es ging ja so weit, dass noch vor kurzem versucht wurde, die Ausgliederung der Fußball AG zu verhindern, indem man einen Befangenheitsantrag gegen einen Notar des Vereinsregisters stellte. Au weia! Aber nun hat die Klub AG eine komplett neue sportliche Führung, bis auf den Trainer, der es schaffte mit mehr Glück als Verstand den Abstieg zu verhindern, an dem wirklich alle mit- und auch gegeneinander gearbeitet hatten. Plötzlich hat der hochverschuldete Klub Geld (ich möchte mir das Geschäftsmodell mit dem Investor Kühne gar nicht genau anschauen müssen) und hat das Geld auch für durchaus sinnvolle Neuzugänge ausgegeben. Mal wieder, also ungefähr das fünfte Mal in den letzten 15 Monaten, ist eine Aufbruchsstimmung zu erkennen, und eigentlich weiß niemand warum, außer dass es schlechter nicht mehr ging.

Wie gesagt, die Neuzugänge des HSV sind durchaus sinnvoll gewählte Spieler, doch es kommt auf dem Transfermarkt nicht unbedingt darauf an, welchen Spieler man kauft, sondern es kann auch sehr darauf ankommen, welchen Spieler man abgibt. In letztgenannter Kunst versagte auch die neue Führung um Dietmar Beiersdorfer. Überschätzte und überbezahlte Individuen, die die Mannschaft nicht nur an den Abgrund, sondern eigentlich weit darüber hinaus brachten, stehen immer noch im Kader und mit diesen muss Trainer Mirko Slomka nun umgehen. Man mag von dem Trainer halten, was man möchte, ein Näschen für solche Situationen hat er nun mal nicht, sondern einen Riesenzinken, mit dem er nun vorsichtig ausloten muss, mit wem er die Saison so bestreiten kann, dass die Abstiegszone nicht sofort wieder droht.

VfB Stuttgart

Zurück in die Zukunft? Vorwärts in die Vergangenheit? Was wollen die Schwaben eigentlich? Gut, dass sie wenigstens einen Trainer haben, der sich größtenteils mit der Gegenwart beschäftigt. Und damit hat Armin Veh beim VfB wahrlich genug zu tun. Keine ernstzunehmende Abwehr (wer hat eigentlich Antonio Rüdiger zu einem Talent ernannt?), ein Mittelfeld, dem nach jedem Seitenwechsel gezeigt werden muss, wo denn die Mitte des Spielfeldes ist. Ein Angriff, bei dem man nicht weiß, ob Ego- oder Knieprobleme schlimmer sind und der Glaube, ein Spiel würde 85 Minuten dauern, all das ist die nähere Vergangenheit und an der scheint in der näheren Zukunft so schnell nichts zu ändern zu sein.

Und dennoch gibt es Möglichkeiten. Allein die letzten fünf Spielminuten ohne Gegentor zu bewältigen, hätte Stuttgart in der letzten Saison nahe an die Euroleagueplätze gebracht. Man sollte meinen, solche Konzentrationsmängel wären abstellbar. Wenn man partout mal das Auge schließt, mit dem man sonst auf die Abwehr schaut, dann sind in der Offensive auch genug Anlagen vorhanden, um eine sorgenfreie Saison erahnen zu können, aber auch nur dann!

SC Freiburg

Von den Schwaben zu den Badenern, zu einem der eigenartigsten Teams im deutschen Fußball, mit einem der eigenartigsten Trainern. Dennoch ist alles sehr echt, so echt wie in Freiburg die Chance ist, als unbescholtener Passant von einem (wahrscheinlich) studentischen Radler überfahren zu werden. Jedes Jahr hat es eine Weile gedauert, bis Freiburg eine Mannschaft auf dem Feld gefunden hat, die auch wirklich zusammengepasst hat. Nun fehlen die Stützen Baumann und Ginter. Es wird also wieder einen Moment, oder mehrere Monate dauern, bis die Mannschaft zusammen gefunden hat. Ein Darida und andere werden, bleiben sie verletzungsfrei, dafür sorgen, dass der SC drei Mannschaften findet, die weniger Punkte bekommen. Und wenn das nicht so ist, nun ja dann wird Freiburg in der zweiten Liga schnell wieder um den Wiederaufstieg kämpfen und alles wird keine Katastrophe sein. Längst hat Freiburg den Reiz einer studentischen, sympathischen und möglicherweise alternativen Mannschaft verloren. Sie sind nun eine alternative Mannschaft, die nicht grün sondern eher manchmal grau ist und deren Ligawechsel außerhalb des Rheingrabens viel weniger Leute interessiert als am Rande des Schwarzwaldes so angenommen wird.

Eintracht Frankfurt

Frankfurt hatte mal etwas, bevor die Hochhäuser es zu etwas verwandelt haben, was so aussieht, wie die albernen kleinen Hauptstädte irgendwelcher unwichtiger Staaten der US of A. Als es noch ein Waldstadion gab, das man mit gewissen Tricks mit der so genannten alternativen Szene umsonst besuchen konnte, da hatte die Eintracht noch Charme, Offensivfußball und einige klassische Spieler. Doch noch vor der Umbenennung in Commerzbankarena verlor der größte Klub aus Mainhatten seinen Charme, verstieß gegen sämtliche Lizenzauflagen und wurde im Gegensatz zu anderen Klubs wohl nur in der ersten Liga erhalten, weil der DFB nun mal ebenfalls in Frankfurt seine Zentrale hatte.

Noch immer ist das Duo Uwe Bein und Anthony Yeboah Rekordhalter. 18 Tore von Anthony Yeboah wurden durch den genialischen Stehgeiger Uwe Bein direkt vorbereitet, doch die heutige Mannschaft ist von solchen Höhepunkten weit entfernt. In statistischer Hinsicht sind nun höchstens die Karten des peruanischen Provokateurs Zambrano interessant. Und für diese Mannschaft ist nun ausgerechnet der hanseatische Mannheimer Thomas Schaaf zuständig. Anfangs mag das nicht zusammenpassen und auch mittelfristig wirkt diese Kombination gewagt. Doch wenn der Leiter der Veranstaltung, der frühere Zweitligaspieler Heribert Bruchhagen die Nerven behält, dann kann sich aus dieser Situation durchaus etwas entwickeln. Nicht sofort, es wird in dieser Saison darum gehen, die Liga sicher zu erhalten, aber bald, wenn beispielsweise eines der größten Mittelfeldtalente Deuschlands Marc Stendera, mal ohne Verletzung einen dauerhaften Platz in der Stammelf findet.