Als der alte Don abtritt, braucht der junge Michael Corleone eine ganze Weile, um von den anderen Familien anerkannt zu werden. Eigentlich möchte er seine Familie in die Legalität führen, doch letztlich kann das nicht funktionieren.
Wie klein die große Welt der Korruption doch ist. Die Heimatorte von Blofeld und dem neuen Don sind gerade mal neun Kilometer von einander entfernt. Beide kennen vom Leben quasi nur die Funktionärsseite. Beide begannen als freundlich-charmante Moderatoren von Auslosungen. Sympathisch jeweils nur, wenn man sie mit den Vorgängern verglich und insofern begannen beide Meineidgenossen durchaus als Hoffnungsträger.
Blofeld lernte das schmutzige Handwerk von Joao Havelange und hatte mit dem Konzern Adidas einen solventen Fürsprecher. Infantino lernte das schmutzige Handwerk von Platini und man darf gespannt sein, welcher Weltkonzern sich irgendwann als sein Bürge herausstellt. Mächtig genug muss die schwarze Hand hinter dem noch possierlichen Walliser mit der übersichtlichen Frisur sein, denn er setzte sich zum einen etwas überraschend, zum anderen sehr schnell in nur zwei Wahlgängen durch.
Man sollte sich hüten diese Wahl zu begrüßen oder zu bedauern. Wer auch immer sich zur Wahl stellte, musste sich aus dem stinkendsten Sumpf aus Korruption und anderen Verbrechen ziehen, sich mit allen Wassern waschen und sich ein menschliches Antlitz designen lassen. Keinerlei Energie wurde im Wahlkampf verschwendet, den Anschein zu erwecken, man wolle aus der FIFA eine Organisation machen, die auf dem Boden irgendeines anerkannten Rechts stünde. Kein Kandidat setzte sich dafür ein, den Augiusstall auszumisten oder auch nur einem Helden dafür eine Forke in die Hand zu drücken. Niemand sprach sich dafür aus, die Entscheidungen der letzten Jahre für Null und Nichtig zu erklären. Niemand sprach sich dafür aus, die unseligen Entscheidungen über die Austragungsorte der nächsten Weltmeisterschaften rückgängig zu machen. Niemand sprach sich dafür aus, sämtliche Strukturen zu zerstören oder auch nur in angemessener Form zu reformieren. Ich vermute, dass alle Kandidaten zuhause ihrer Frau einmal gesagt haben: „OK, dieses eine Mal darfst du mich nach meinen Geschäften fragen.“
Das Beste, was man dem neuen FIFA-Don zutrauen möchte, ist, den Weg Michael Corleones zu gehen und wenigstens zu versuchen, die vielbeschworene „Fußballfamilie“ in die Legalität zu überführen. Wie in der Familie Corleone wird dieser Weg kein einfacher sein und natürlich möchten alte Geschäftspartner noch ausbezahlt werden. So schlimm es ist, auch Letzteres wäre bereits ein Fortschritt. Man kann Gianni Infantino nicht willkommen heißen, nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe. Glaube an den großartigen Sport, Hoffnung die Untersuchung der Justizbehörden verschiedener Länder betreffend und letztlich die Liebe zur Wahrheit.