Die neue Saison steht vor der Tür und doch hat sich wenig geändert. Griechenland ist immernoch pleite. Der HSV darf immernoch irgendwie mitspielen. Flüchtlinge werden bestens akzeptiert, wenn sie nur Millionäre sind und sich für die deutsche Nationalmannschaft entscheiden. Blofeld ist immernoch GRÖFIFAZ, doch wird er von Putin nun immer mehr in die Rolle des zukünftigen Friedensnobelpreisträgers gedrängt. Wann schlägt eigentlich Rosamunde Pilcher den großen Jerome Boateng für den Literaturnobelpreis vor? Und nur um auch die wichtigsten Floskeln zu benützen: Das Rund ist immernoch nicht weit, der Ball immernoch nicht rund und das Spiel dauert immernoch keine 90 Minuten. Und die Verwendung des Freistoßsprays ist in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Stoßzeit leider immernoch nicht erlaubt.
In den Kadern gab es natürlich Bewegung, aber es spielen in der Bundesliga tatsächlich noch einige Profis, obwohl die englische Premier League neureich mit tonnenweisen Pfund um sich schmeißt. Ausgerechnet in England ist Fußball inzwischen ein Spiel für den besserverdienenden Fan. Aber die Transferpolitik dort ist typisch für diesen Sommer. Es ist der Sommer der sinnlosen und oder überteuerten Transfers und das überall in Europa. Die sinnvollsten Spielerwechsel sind die Abgänge von Spielern. Erst danach sollte darüber nachgedacht werden, wie man eine Mannschaft neuaufstellt, doch gerade hier scheitern schon die meisten Bundesligisten. In der Depressivenselbsthilfegruppe in Hamburg stehen auch heute dutzende Spieler, die alles dafür getan haben, ihre Lebensfreude in der 2.Liga wiederzufinden. Aber die DFL wollte das einfach nicht. Ein Spieler, man sollte ihm höchsten Respekt dafür erweisen, beging Karrieresuizid, nur um aus dem Kreislauf der Depression zu entkommen; Marcell Jansen. Auch in der neuen Saison wirken manche Aussagen aus dem Hamburger Kad(av)er wirklich gefährlich. Lebensfreude ist sicherlich mehr wert als gutdotierte Verträge, die in irgendwelchen Parks rumliegen. Dabei kann man im Park jeden Tag Artikel über Spieler lesen, die aus dem direkten Blick verschwunden sind oder über Vereine, die längst verschwunden sein sollten. Hier nicht!
Bei anderen heißt es ab jetzt: Neue Saison, neues Glück. Eine Mannschaft gibt es, die kann ihr Glück noch immer nicht fassen:

 

Darmstadt 98

Nur durch einen Lizenzentzug vor nur zwei Jahren einer Liga entgangen, in der heute Teams wie der SV Spielberg oder Saar 05 Saarbrücken spielen, darf Darmstadt nun in der Bundesliga ran und damit im Fußball für Schlagzeilen sorgen. Auf Grund des Zentrums für Satellitensteuerung verbindet man Darmstadt ja eher mit begriffen wie Sonde, Rosetta oder Uranus. Hinten anstellen müssen sich die Lilien sicher, aber sie sind hart am Mann und können deswegen für die Gegenspieler durchaus unangenehm werden. Der Hauch des Schmutzigen soll ja inzwischen aus dem Böllenfalltor gewichen sein. Die gegnerischen Mannschaften müssen keine Angst mehr davor haben unter die Dusche zu gehen, doch noch letztes Jahr hätten die Anlagen des Vereins sicher keine Neulizenz für die Regionalliga bekommen. Dirk Schusters Team zeichnete sich in den letzten Jahren durch eine ungeheure Geschlossenheit aus. „Mentalität schlägt Qualität“ führte die 98er zu zwei Aufstiegen in Folge. Doch es waren auch keine längeren Phasen der Erfolgslosigkeit dabei. Diese werden jetzt kommen. Im Vergleich mit den krassesten Außenseitern aller Zeiten, erst Fürth, dann Braunschweig und in der letzten Saison Paderborn, ist Darmstadt immer noch ein kleines Licht. Auch wenn sie durch ihre Giftigkeit und ihrer guten Raumaufteilung nicht in jedem Spiel unterlegen sein werden, so kann man nur hoffen, dass sie sich ähnlich positiv entwickeln und damit eine sympathische Eintagsfliege werden.

 

FC Ingolstadt

Kaum größer, aber doch geplanter und mit etwas mehr Ressourcen im Hintergrund hat es ein weiterer kleiner Verein in die erste Bundesliga geschafft. Ähnlich wie bei Darmstadt ist es ein Ergebnis der Geschlossenheit im Verein gewesen. Und auch bei dem Fusionsklub der früheren Zweitligisten MTV und ESV Ingolstadt steht ein Trainer für den Erfolg. Ralph Hasenhüttl steht allerdings nicht nur für eine funktionierende Defensive, sondern schaffte es schon bei seinen früheren Stationen in Unterhaching und Aalen, mit sehr ansehnlichem Offensivfußball erfolgreich zu sein. Wer bei talentierten neuen Trainern nur an Leute wie Tuchel, Gisdol, Weinzierl denkt, der könnte auf die Idee kommen, dass eine erfolgreiche Spielerkarriere für einen Cheftrainer heute hinderlich wäre. Der frühere österreichische Nationalspieler beweist das Gegenteil.  Auch Ingolstadt wird gelegentlich ja vorgeworfen, sie seien ein Retortenverein am Tropf von Audi. Wenn man sich den Jahresetat und die Transfersummen ansieht, so möchte man jedenfalls kein Audi-Aktionär sein. Aber für ein Team, für das größtenteils die Bundesliga eine völlig neue Erfahrung ist und bei dem es etwas zweifelhaft ist, ob sie ihr laufintensives Spielsystem ohne einen echten Torjäger auch in der Bundesliga durchziehen kann, ist es eine angenehme Versicherung, dass man personell nachlegen könnte und auch ein Wiederabstieg keine Katastrophe wäre. Ingolstadt ist aber selbstverständlich ein Musterbeispiel für Strukturwandel. Noch vor einer Generation beherrschte die Landwirtschaft unter dem katholisch bigotten Einfluss aus Eichstädt das Umland. Fußball, gerade Derbys oder Spiele gegen 1860 München hatten den Charme einer traditionellen Bierzeltschlägerei. Langsam wurde begonnen halbtags für Audi zu arbeiten, im Urlaub gabs keine Wallfahrt nach Altötting mehr, sondern Reisen in die Welt hinaus, die auch durch Subventionen für die Stillegung landwirtschaftlicher Flächen finanziert wurden. Heute lebt man modern und weltoffen und kann in zwölf Tagen Dortmund zu einem Bundesligaspiel begrüßen.

 

Hamburger SV

Nicht mal mehr Spott über diesen Verein ist interessant!

 

Hertha BSC Berlin

Über die eingebildetste Reichshipsterstadt aller Zeiten lohnen sich ja wenigstens noch Witze. „Was werden zukünftige Archäologen wohl von BER halten?“ fand schon großen Anklang in sozialen Netzwerken. Nicht ganz so niveauvoll werden die Witze ausfallen, wenn man über das blutleere Gekicke im Stadion auf dem Reichssportfeld spricht. Beim Training der Hertha sollen aufmerksame Beobachter sogar Tore gesehen haben. Die standen zwar nur nutzlos rum, aber immerhin! Defensiv scheint Pal Dardai das Team auf taktisch halbwegs stabile Füße gestellt zu haben, doch der Weg zum gegnerischen Tor ist extrem weit geworden. Im Laufe der Vorbereitung auf diese Saison wollte man genau daran arbeiten, doch die Ergebnisse dieser Offensivbemühungen, oder besser gesagt der qualvollen Mühen in Richtung Offensive scheinen so weit entfernt zu sein wie die Eröffnung des Flug…., lassen wir das. Nennt mir einen Herthaspieler, dem man gerne beim Fußballspielen zusehen möchte! Eine jede Antwort zeugt von schlechtem Geschmack. Der aufregendste Spieler ist der teuerste Neuzugang, Vladimir Darida. Sicher kein schlechter Spieler, doch in erster Linie Leichtathlet, letztes Jahr der laufstärkste Spieler in der ganzen Bundesliga. Die Hertha ist in der ersten Liga sicherlich verzichtbar, bei der permanenten Hauptstadtförderung des DFB und der DFL scheint ein Abstieg jedoch unwahrscheinlich.

 

VfB Stuttgart

Der Verein für Bewegungsspiele ist wenigstens interessant. Wie fast vor jeder Saison herrscht eine enorme Aufbruchsstimmung und diese ist gerade so positiv wie selten. Gründe dafür können in keinem Dorf Stuttgarts genannt werden. Kein entscheidender Spieler ist gegangen und keiner gekommen. Auch Antonio Rüdiger ist noch da, weil der Verein 18 Millionen Euro für einen verletzten Spieler verlangt, der albernerweise zum Nationalspieler aufgestiegen ist, obwohl nie jemand ein gutes Spiel, dafür aber dutzende schlechte dieses „Nachwuchsstars“ gesehen hat. Interessant muss also etwas anderes sein. Vielleicht, dass sich der VfB in der letzten Saison nur mit viel Glück, aber erfreulichem Hurrafußball in der Liga gehalten hat? Oder dass nun endlich wieder ein echter Schwabe Trainer ist? Die letzten dieser Versuche waren ja nicht gerade erfolgreich. Zorniger dürfte jedenfalls interessant werden. Einen solchen Dickkopf hat man noch selten in einer verantwortlichen Position in der Bundesliga gesehen. Wer seinen Weg nicht mitgeht, muss gehen! Tja, auf diese Weise wurde Zorniger nach anfänglich extremen Powerfußball im Februar in Leipzig gegangen. Wirklich spannend ist es, wer wohl Stuttgart im Laufe dieser Saison verlassen darf. Man möchte Voyeurist werden und hoffentlich sorgt die diesjährige Staffel von „Ich bin ein Schwab, holt mich hier raus!“ wenigstens für gute Unterhaltung.

Hannover 96

Einen Haufen Politiker und Musiker, die Deutschland und die Welt nicht brauchten und nicht brauchen brachte Hannover hervor. Messe und Maschseefest machen müde Menschen dort munter, aber nur einmal im Jahr. Ein fußballerischer Freudenspender ist der freundlich Frontzeck als Trainer nie gewesen. Die Spieler, die letzte Saison gelegentlich für Torgefahr sorgten, sind beinahe alle erfolgreich verkauft. Wohin steuert Hannover? Wer weiß das schon und wen interessiert es, antwortet der gewöhnliche Fußballfan außerhalb der Grenzen der Landeshauptstadt Niedersachsens. Doch die 96er sind interessanter als erwartet. Manager Dufner, der nach seit Langem auf Konfrontationskurs mit den eigenen Anhängern war, stellte, bevor er sein Amt niederlegte, einen Kader zusammen, den man glatt als witzich bezeichnen könnte. Spieler wie Albornoz oder Felix Klaus haben ihr Potential noch nicht ausgeschöpft. Mevlüt Erdinc traf in den letzten Jahren in der für Torjäger schwierigen französichen Liga sehr zuverlässig. Der 18-jährige Allan Saint-Maximin gehört zu den Toptalenten Frankreichs und der noch vor kurzer Zeit suspendierte Salif Sane, dem plötzlich eine „fantastische Mentalität“ nachgesagt wird, soll aus dem defensiven Mittelfeld das Spiel bestimmen.  Also das hat schon was, hat aber das Problem, dass die einzelnen Teile irgendwie und das möglichst bald zusammengeführt werden müssen. Leider ist das fraglich und so könnte Hannover auch zu den Teams gehören, die einer der Aufsteiger hinter sich lassen könnte.